Familie im Wandel. Die Sozialgeschichte der Familie


Hausarbeit, 2017

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Deffinition„Familie“
1.2. Vorwort

2. Familien im Wandel der Zeit
2.1. Die germanische Sippe
2.2. Familien im Mittelalter
2.3. FamilieninderNeuzeit
2.4. Familie im Kaiserreich
2.5. Die burgerliche Familie
2.6. Die proletarische Familie
2.7. Familie in der Weimarer Republik
2.8. Familie im Nationalsozialismus
2.8.1 Staatliches Eingreifen in Familie und Erziehung
2.9. Familie in der Nachkriegszeit
2.10. Familie in der Bundesrepublik Deutschland
2.11. Familie in der Deutschen Demokratischen Republik
2.11.1. Traditionelle Rollen
2.12. Familie heute
2.12.1. Wandlungsprozesse
2.12.2. Familienzyklen
2.12.3. Familiare Interaktionsbeziehungen
2.12.4. Prekare Lebenssituationen

3. Quellenverzeichnis
3.1. Quellen des Textes
3.2. Quellen der Bilder

4. Erklarung

1. Einleitung

1.1. Deffinition „Familie“

Familie (von lateinisch famulus ,,Diener“) bezeichneteine durch Partnerschaft, Heirat, Lebens- partnerschaft, Adoption Oder Abstammung entstandene Lebensgemeinschaft, die meist aus Eltern Oder Erziehungsberechtigten und Kindern bestehet. Manchmal wird sie auch durch im selben Haushalt lebende Verwandte Oder Lebensgefahrten erweitert. Das traditionelle Familienideal (Mutter, Vater, Kind(er)) ist in den Kopen der Menschen am meisten verbreitet.

Derlateinische Begriff familia bedeutet„vielschichtig“. Fur das heutige Wort„Familie“ gibtes im Lateinischen und im Griechischen kein Wort.1 Der Begriff „familia“ isteine Herrschaftsbezeich- nung, die Machtverhaltnisse anzeigt. In der romischen Antike wird erstmals die Verwandtschaft aufeine zentrale und beziehungsstiftende Institution beschrankt, indersich die „familia“ urn das Familienoberhaupt (Vater) versammelt und dadurch eine soziale Einheit entsteht.2

1.2. Vorwort

Der Stellenwert der Familie hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte verandert. Die starkste Veranderung ist aktuell die steigende Scheidungsrate, der Ruckgang von EheschlieBungen und der Geburtenruckgang seit Mitte der sechziger Jahre. Die nichtehelichen Lebensgemein- schaften, Wohngemeinschaften und Einpersonenhaushalte steigen immer weiter an. Das traditionelle Familienmodell dominiert aber nach wie vor- noch. Diejenigen, die versuchen, die neuen Lebensformen nicht am klassischen Familienmodell zu messen, verwenden den Begriff Familienkonstellation. Darunter versteht man auch „Ein-Elternteil-Familien“, „Zweitfa- milien", „Ein-Kind-Familie“, „Patchworkfamilien“, „geteilte Familien", „postfamilialen Familien", „Fortsetzungsfamilien“ und vielen mehr. Nicht nur die Lebensformen andern sich, sondern auch die Bedeutung der Familie. Die Vorstellungen uber Geschlechter, Geschlechterverhalt- nissen, Partnerschaften, eingetragene Lebensgemeinschaften, Ehen und Familien werden uberholt. Dabei wird besonders darauf geachtet, welche Bedeutung diese intimen Sozialbe- ziehungen fur die Menschen haben und welche Akzeptanz Oder Ablehnung sie in der Gesell- schaft erfahren (mussen). Dabei geht es nicht nur urn die Homoehe und Gleichberechtigung. Auch Paare mit unterschiedlicher Herkunft Oder einer niedrigeren Schicht erleiden oft Ab­lehnung Oder Wiederstand. Dabei ist es doch von grower Bedeutung fur die weitere gesell- schaftliche und soziale Entwicklung der Familie, wie sich Familien nach AuBen prasentieren.3

Dabei spielen auch die Medien eine erhebliche Rolle. Immer wieder ist in den Medien von „Vereinbarkeit von Familie und Beruf" die Rede. Dabei meinen die Medien aber nicht ,,Be- kommt mehr Kinder und schiebt sie dann in die Ganztagesgrippe Oder Kindertagesstatten ab und geht mehr arbeiten, urn eure Familie ernahren zu konnen", sondern viel mehr „Wie kann ich familienfreundlichere Arbeitsplatze schaffen? (z.B. durch Homeoffice, mit Gleitzeit/ flexibler Arbeitszeit, betriebseigenen Kinderbetreuungen Oder mit angepassten Lohnen)". Wenn das Thema von Vereinbarkeit von Familie und Beruf angesprochen wird, ist klar, dass sowohl in der Politik, als auch in der Wirtschaft etwas getan werden muss. Das „klassische“ Modell der „Hausfrau“ und des „Geldverdieners“ existiert und funktioniert nicht mehr durch die steigende Mieten, Energie- und Lebenshaltungskosten.3 Noch dazu kommt, dass viele Frauen heutzutage auch arbeiten gehen wollen, weil sie nicht den ganzen Tag Zuhause sitzen und auf die Kinder aufpassen, sondern sich auch unabhangig von den Mannern machen wollen Oder mussen. Denn eine Ehe zu fuhren heist lange nicht mehr: „Bis dass derTod uns scheidet." Und nach mehrjahriger Babypause wieder FuB auf dem Arbeitsmarkt zu fassen ist schwer.

Die Entwicklung und der Wandel der Familie existieren seit es Menschen gibt. Bei den Steinzeitmenschen gibt es auch schon familienahnliche/soziale Gemeinschaften, in denen sich die Menschen untereinander schutzen und helfen. Der Frage, wie sich die Familie im Wandel der Zeit entwickelt hat, mochte ich auf den nachsten Seiten nachgehen.

2. Familien im Wandel derZeit

2.1. Die germanische Sippe

Die germanischen Vorfahren leben in „Sippen“ mit ihren naheren und entfernteren Blutsver- wandten, sowie mit Knechten und Sklaven zusammen. Die Interessen der „Sippe“ werden von alien Mitgliedern gleich vertreten. Daraus entwickelt sich auch der Begriff „Sippenhaft“. Eine Zusammenfuhrung zweier Sippen erfolgt meist durch eine Heirat, wenn man sich uber den Preis/Wert der Braut einigen kann. Eine Heirat entspricht aber nicht einem Kauf, wie man meinen konnte, sondern eher einem Vertrag zwischen Brautvater und dem zukunftigen Ehemann. Durch die Heirat verliert der Vater die Vormundschaft fur seine Tochter an ihren Ehemann. Bekommt die Frau ein Kind, muss dieses Kind erst durch eine rituelle Handlung unter die Vormundschaft seines Vaters gestellt werden und wird erst dann in die „Sippe“ aufgenommen.1 Dies ist in etwa vergleichbar mit der heutigen „Anerkennung der Vater- schaft", wenn ein Kind auBerhalb einer Ehe zur Welt kommt. Wird das Kind mit einer Behin- derung geboren, droht ihm der sichere Tod durch Aussetzung.

2.2. Familien im Mittelalter

Das wirtschaftliche Leben ist im Mittelalter durch „Zunfte“ geregelt. Das offentliche Leben wird vor Allem durch die machtige, reiche romisch-katholische Kirche bestimmt, die viel Einfluss, Macht und Geld hat. Die Ehe ist fur die Katholiken eine heilige, von Gott gewollte Verbindung, die allein durch die Kirche und die Hochzeit besiegelt werden kann. Scheidungen gibt es nicht, denn Ehen dauern bis zum Tod. Das ist durch die hohe Arbeitsbelastung und die dadurch geringe Lebenserwartung der Menschen zu dieser Zeit kein Problem. Die Eltern der Eheleute inszenieren meist die EheschlieBung, die daher auch keine Liebe mit sich tragt. Madchen leben bis zum Alter von 15 Jahren, Jungen bis 18 Jahre im Elternhaus, dann werden sie verheiratet. Mann und Frau sind eher eine Schicksalsgemeinschaft, die nun ihr Leben teilt. Die EheschlieBung dient nur der materiellen Sicherung, nicht wie heute der Besiegelung der Liebe. Die Partnerwahl ist nicht leicht, denn die Ehen durfen nur in engen Grenzen des Dorfes Oder der Region entstehen und nur unter gleichwertigen Partnern einge- gangen werden. Darum haben nur etwa ein Drittel der Menschen die Moglichkeit, zu heiraten. Wenn eine Frau schwanger ist, sind die Hebammen und Freundinnen zur Stelle und helfen ihr bei der Geburt, denn die Geburt ist fur die Frau und das Kind lebensgefahrlich.2 Die Kin­der werden lange gestillt, denn das ist kostenlose Nahrung. Geschlechtsverkehr ist wahrend der Schwangerschaft, wahrend der Stillzeit sowie auch im Advent und an anderen Feiertagen nicht erlaubt. In den nachfolgenden drei Jahrhunderten gab es jede Menge weiterer formelle Vorschriften, die eine Heirat erschwerten, untersagten Oder unmoglich machten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch noch im spaten Mittelalter lebt der GroBteil der Menschen auf dem Land in bauer- licher Oder handwerklicher Produktionsgemeinschaft. Eheleute und ihre Kinder, Verwandte, Knechte, Magde und Dienstboten leben unter einem Dach. Daher entsteht der Begriff „Ganzes Haus“. Es ist Zuhause, Produktionsstatte, Stall und Schutz in einem. Der „Hausvater“istdasOberhauptundhatdas alleinige Sagen uberalle Bewohner, die in „seinem Haus“ leben. Die Kinder konnen nicht zur Schule gehen, da sie auf dem Feld bei der Ernte mithelfen, den Hof fegen und das Vieh versorgen mussen.

Die alteren Kinder mussen auf die jun- geren Kinder aufpassen, denn einen Kindergarten Oder eine Krippe gibt es nicht. Da die Kinder schon von Klein an mitarbeiten und die harte Arbeit vorgelebt ,,Ganzes Haus“ - Wohnen und Arbeiten im Verband. bekommen, beenden sie im siebten Lebensjahr ihre „Kindheit“ und arbeiten hart auf dem Hof ihrer Eltern mit. Trotz der vielen und harten Arbeit sind viele Menschen zu arm, urn selbst eine Familie grunden Oder eine Ehe eingehen zu konnen. Manner mussen die Aussicht auf ein gro&es Erbe ihrer Eltern haben, das meist einen Hof Oder einen Handwerksbetrieb beinhaltet, bevor sie in den Bund der Ehe treten konnen, weshalb sie meistens erst relativ spat heiraten.1

2.3. Familien in derNeuzeit

Das Mittelalter endet in Europa im spaten 15. Jahrhundert. Die Neuzeit beginnt zwischen 1450 mit der Verbreitung des Buchdrucks und 1517 mit der Reformation. Die Arbeit der Menschen verandert sich im 18. Jahrhundert mit der Entstehung der Manufakturen. Die Menschen aus den Dorfern stromen in die Stadte und suchen dort Arbeit in den groBen Fabriken. Das Leben der Menschen wird immer mehr durch die Trennung von Arbeit und Wohnen bestimmt. Auch die „Aufklarung“ beschaftigt die Menschen in dieser Zeit mit neuen Denkweisen und Ansatzen. Die „Aufklarung“ erhofft sich eine Ablosung und Befreiung der Menschen aus den strengen Vorstellungen und Gesetzen der Kirche und des Adels. 2

Die wirtschaftlichen Verhaltnisse schaffen einen Fruhkapitalismus, der den Besitzenden von Geld und Privateigentum erst einmal viel Gutes aber der breiten Bevolkerung Leid und Elend bringt. Der Fruhkapitalismus wird auch als „soziale Frage" bekannt (die Reichen werden rei- cher, die Armen immer armer), worunter man auch die „Landflucht“ versteht, die durch die Fabriken in den Stadten entsteht. Die Menschen suchen Ar­beit in den Fabriken in den Stadten, da die Beschaftigungs- moglichkeiten in der Landwirtschaft immer weiter sinken. Das Geld reicht oft nicht, darum mussen auch Frauen in den Fabriken mitarbeiten. Die Kinder bleiben wahrenddessen unbeaufsichtigt zuhause. Die Eltern binden die Kinder mit Seilen an Turen und Ofen fest, sperrten sie ein Oder stellen sie mit Alkohol ruhig. Viele Kinder mussen dann auch in den Fabriken mitarbeiten und schla- fen dort zum Teil auf alten Putzlappen in Ecken der Fabriken. Die Burger furchten, dass Kinder durch diese Not in Verwahrlosung und Kriminalitat geraten.3 Deshalb entstehen um 1800„Warteschulen“, diezur„Aufbewahrung“ der Kinder dienen. Die Kinder warten dort also den ganzen Tag darauf, wieder abgeholt zu werden. Die Betreuung der Kinder ubernehmen meist unausgebildete Frauen, die sogenannten „Kindsmagde“, „Wartefrauen“ Oder „Bewahrerinnen“. Sie beaufsichtigen und versorgen die Kinder. Die Kinder sollen dadurch vom gefahrlichen ,,Herumlaufen auf den Gassen" fern gehalten werden. Drei neue Einrichtungen fur Betreuung und Aufbewahrung der Kinder wahrend der Arbeitszeit ihrer Eltern entstehen: die Kleinkinderbewahranstalt, die Kleinkinderschule und schlieBlich der Kindergarten. In den Kleinkinderschulen wird der Massenunterricht nach Waderspins durchgefuhrt. Dabei sitzen die Kinder in einer Art Gallerie, die heute noch in Universitaten Gebrauch findet. Durch diese Form derfruhkindlichen Erziehung kann sich das Sozial- und Sprachverhalten der Kinder nicht richtig entwickeln. Ein Grund dafur ist, dass sich die Kinder auch nicht im Spiel ausprobieren und verwirklichen konnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Kindergarten wird dabei von Friedrich Frobel (1782-1852) ins Leben gerufen, der wahrend der Industrialisierung auf die Idee kommt, eine Einrich- tung zur Betreuung der kleinen Kinder zu grunden.

Frobel mag den Kindern das „Spiel“ als kindgema- Be Form des Lernens (zuruck-) geben. Ab 1840 werden immer mehr Einrichtungen gegrundet und es werden Kurse fur„Kindergartnerinnen“ angebo- ten. Auch die Kinderarbeit wird langsam rucklaufig.

1839 wird in PreuBen die Kinderarbeit einge- schrankt. Kinder unter neun Jahren durfen nicht mehr in Fabriken arbeiten. Kinder bis 16 Jahre durfen nicht mehr als zehn Stunden taglich arbeiten; nachts und an Sonntagen wird die Arbeit fur die Kinder komplett untersagt.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4. Familie im Kaiserreich

1871 entsteht das ..Deutsche Reich", nachdem der Krieg uber Frankreich gewonnen ist. Der PreuBen-Konig Wilhelm I. wird erster Kaiser. Ab 1876 wird die Zivilehe im gesamten „Deutschen Reich" eingefuhrt. Das Gesetz des ..Deutschen Reichs" besagt, dass eine EheschlieBung nur dann rechtskraftig ist, wenn sie vor einem Standesbeamten ge- schlossen wird. Die kirchliche Trauung ist demnach nur noch eine Zeremonie, die erst nach der standesamtlichen EheschlieBung vollzogen werden darf.3 Dieses Gesetz be- steht bis heute. 1875 wird das Volljahrigkeitsalter von 25 aus 21 Jahre gesenkt. Da viele Ehehindernisse wegfallen, wird in den folgenden Jahren so viel geheiratet, wie nie zuvor. Die Heirat ist auch in den unteren Schichten angekommen und viele armlichere Menschen grunden jetzt eine eigene Familie. Dadurch erhoffen sie sich ein Stuck Lebensgluck, von dem sie zuvor nurtraumen konn- ten. Ehen bringen durchschnittlich 4 Kinder. Einzelkinder Die Kaiserliche Familie. sind eher selten, denn Kinderlosigkeit gilt als Makel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1900 tritt das ..Burgerliche Gesetzbuch" (BGB) in Kraft, das im gesamten „Deutschen Reich" die Beziehungen von Familienmitgliedern untereinander regelt. Madchen sind danach im Alter von 16 Jahren und Jungen im Alter von 21 Jahren ehemundig und durften offiziell heiraten und eine Familie grunden. Im „Deutschen Reich" haben Frauen ihren festen Platz im Heim und am Herd, Manner sind die Autoritat der Familie und gehen zum Arbeiten, urn ihre Familie zu ernahren. Die Kinder spielen im Hinterhof und auf den StraBen und haben Zugang zu Schulbildung. Die Erziehung in den Schulen beruht jedoch aufAngst und Ein- schuchterung und erzieht nicht zum selbststandigen Denken und Handeln. Obwohl die Kinder in der Schule nur das notwendigste lernen, ist die Schule wichtig, da Bildung mit gesell- schaftlicher Anerkennung, beruflichem Erfolg und bestimmten Privilegien verbunden ist. Eines der wichtigsten Unterrichtsfacher ist Religion, denn die Schule bereitet die Kinder fur ein Leben in der Kirche, der Familie, dem Beruf und dem Staat vor.1

2.5. Die burgerliche Familie

Der Mann ist immernoch die Autoritat der Familie. Diese wird ihm durch seinen akademischen Werdegang und einer angesehenen Stelle im Berufsleben verliehen. Die Frauen haben nicht die Moglichkeit, an schulische Bildung zu gelangen und mussen nur dazu fahig sein, eine angemessene Konversation mit ihrem Mann zu fuhren.2 AuBerdem wird von den Frauen er- wartet, dass sie ein gepfelgtes und schones Au&eres besitzen, damit ihr Mann sich mit ihr in der Offentlichkeit zeigen kann. Die Ehefrau ist zudem auch fur das Personal in der Familie zustandig. Die Familien von damals verfugen meist uber ein „Fraulein“, die fur die Erziehung der Kinder zustandig ist. Es gibt auch eine Hauswirtschaftskraft und ein „Mad- chen fur alles", die die Familie in ihrem Alltag unterstuzt. Auch das Zuhause der Familie hat sich im positiven verandert. Die Familien leben nun groBzugiger. Die Kinder bekommen ihr eigenes Reich - das „Kinderzimmer“. Von einem Jungen aus burgerlichem Hause wird aber immer noch erwartet, dass er eine militarische Oder akademische Karriere anstrebt. Auf die Wunsche und Interessen der Jungen wird nicht eingegangen. Dem burgerlichen Madchen wird sogar ein Schulabschluss versagt. Die Madchen haben deswegen keine Aus- sichten auf eine selbststandige und erfullte Zukunft. Ihr Leben wird erst von ihren Eltern und spater von ihrem Ehemann bestimmt. Darum beginnt fur Madchen ab dem 14. Lebensjahrdie „Wartezeit“ bis zur EheschlieBung. 1893 wurde endlich eine Alternative fur die Madchen ge- schaffen, denn in Karlsruhe und in Berlin werden Gymnasien gegrundet, an denen auch Mad­chen ihr Abitur erreichen konnen und dadurch bessere Aussichten fur ihr zukunftiges Leben haben. Die erste Idee der Jugendbewegung entsteht und die Kinder und Jugendlichen wollen dem strengen Elternhaus und der Schule entlfiehen und fluchten sich in das Naturleben.

2.6. Die proietarische Familie

So gut wie es den burgerlichen Familien gegangen ist, geht es den proletarischen Familien nicht. Die proletarischen Familien sind auf die zusatzlichen Einkunfte durch die Arbeit der Frauen angewiesen. Das ist nicht nur fur die Frauen eine groBe Umstellung. Jahrhundertelang waren die Manner gewohnt, dass sie die Autoritat der Familie sind und alleine das Geld fur ihre Familie nach Hause bringen. Das reicht nun nicht mehr. Diese Umstellung fuhrt dazu, dass die Manner die Frau als Konkurrentinnen am Arbeitsmarkt sehen und dagegen vorge- hen. Sie fordern deshalb, die Frauenquote in der Industriearbeit einzugrenzen.3 Die Manner erhoffen sich dadurch eine Sicherung ihrer Arbeitsplatze, aber die Frauen in der Fabrikarbeit nehmen trotzdem weiterzu. Die Industrialisierung setzt namlich auf billigeArbeitskrafte. Das ist auch der Grund dafur, dass vor Kinderarbeit nicht zuruck geschreckt wird. Die Industria­lisierung nutzt das Leid der Menschen aus, um die Lohne zu drucken. Aber sie schafft Arbeits­platze, die die Menschen zum Uberleben dringend brauchen. Frauen- und Madchenarbeit findet man in der Industrie aber vor Allem im Dienstleistungssektor. Madchen werden moglichst fruh zur Arbeit geschickt, um eigenes Geld zu verdienen. Einfluss auf Arbeitsbedingungen, die Arbeitszeiten und -tage Oder den Lohn haben sie nicht. Fur die Madchen ist nur dann ein „Aufsteigen“ im Beruf moglich, wenn sie schwanger werden und eine eigene Familie grun- den. Mit viel Gluck konnen sie dann als Kochin Oder Wascherin bei der„Herrschaft“ bleiben. Ihren zukunftigen Gatten werden sie nur in ihrem Arbeitsumfeld finden, denn Zeit um aus- zugehen haben sie nicht. Ein Entfliehen aus der Armut gelingt daher nicht.

Die Armut der Familien ist auch im Wohnraum sichtbar. Die Familien leben oft unter schlimmen hygienischen Bedingungen und die Wohnraume sind eng und feucht. Aufgrund der beengten Wohnverhaltnissen, mussen sich die Familienmitglieder oft die Betten teilen. Von eigenen Zimmern konnen die Kinder nur traumen. Die Kinder spielen meistens auf der StraBe, da die Wohnungen zu beengt sind. Auf den StraBen konnen sie sich jedoch auch nicht ausgelassen ins Spiel sturzen, da sie vom Hunger geplagt werden. Dann klauen die Kinder, um ihre Magen zu fullen. Eine soziale Kontrolle, Schutz und Fur- sorge aus dem elterlichen Haus erfahren die Kinder kaum, da die Familien durch die Armut an- dere Sorgen und Prioritaten haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alice Salomons (1872 - 1948) ist Haustochter, obwohl sie Lehrerin werden will. Sie engagiert sich in der Frauenbewegung und hat das groBe Gluck, Nationalokonomie studieren zu konnen. 1908 grundet sie die erste „Soziale Frauenschule" Deutschlands in Berlin. Mit der Schule mag sie das bislang ehrenamtliche Engagement der Frauen zu einem weiblichen Beruf machen.1

2.7. Familie in derWeimarer Republik

1919 entsteht eine Verfassung, laut der Frauen ab sofort gleichberechtigt wahlen durfen. Der neue Staat hat jedoch schon Anfangs groBe Probleme, die er dem Ersten Weltkrieg zu verdanken hat. Die Siegermachte verlangen Reparationszahlungen und der Schuldenberg des Staats wird immer grower. Der Wert des Geldes sinktwahrend die Preise in alien Bereichen wie Lebensmittel steigen. Trotz der Schwierigkeiten bringt die Weimarer Republik groBe Neuer- ungen durch Programme und Institutionen fur Kinder und Jugendliche. Das „Reichsjugend- wohlfahrtsgesetz" (RJWG) von 1924 soil die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen positiv beeinflussen und die Verwahrlosung und Kriminalisierung von Kindern und Jugendlichen aus Problemfamilien vorgebeugen. Um diese Ziele zu erreichen wird das „Jugendamt“ ein- gefuhrt und die Kleinkinderschulen werden miteinbezogen.2 In den Kleinkinderschulen mussen sich die Kinder aber den Fruhstucksraum mit den Soldaten teilen, die dort gerne rauchen

[...]


1 Online-Publikation: [URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Familie]

2 Online-Publikation: [URL: https://de.wikipedia.Org/wiki/Familie#Begriffsgeschichte]

3 Online-Publikation: Huinink, Johannes, Wandel derFamilienentwicklung: Ursachen undFolgen. [URL: http://m.bpb.de/izpb/8036/wandel-der-familienentwicklung-ursachen-und-folgen?p=all] 20.03.2009

1 [In:] Gartinger, Silvia, Janssen, Rolf (Hrsg.) (2015)1: Erzieherinnen + Erzieher. Professionelles Handeln im sozialpadagogischen Berufsfeld. Berlin: Cornelsen; S. 543

2 Online-Publikation: Rizzo, Chiara, Das Mittelalter. [URL: http://www.rsbesigheim.de/content/images/content/_bilder/schulprofil/infor- mationstechnologie/zovas/unterricht_mittelalter/mittelalter-chiara.pdf]

1 [In:] GARTINGER, Silvia, JANSSEN, Rolf (Hrsg.) (2015)1 Erzieherinnen + Erzieher. Professionelles Handeln im sozialpadagogischen Berufsfeld. Berlin: Cornelsen; S. 544 (Spates Mittelalter)

2 [In:] GARTINGER, Silvia, JANSSEN, Rolf (Hrsg.) (2015)1 Erzieherinnen + Erzieher. Professionelles Handeln im sozialpadagogischen Berufsfeld. Berlin: Cornelsen; S. 545 (Familie in der Neuzeit)

3 Unterrichtsmaterial Frau Dr. Constanze Koslowski, 21.10.2016

1 Unterrichtsmaterial Frau Dr. Constanze Koslowski, 21.10.2016

2 [In:] Gartinger, Silvia, Janssen, Rolf (Hrsg.) (2015)1: Erzieherinnen + Erzieher. Professionelles Handeln im sozialpadagogischen Berufsfeld. Berlin: Cornelsen; S. 545 (Familie in der Neuzeit)

3 [In:] Gartinger, Silvia, Janssen, Rolf (Hrsg.) (2015)1: Erzieherinnen + Erzieher. Professionelles Handeln im sozialpadagogischen Berufsfeld. Berlin: Cornelsen; S. 546 (Familie im Kaiserreich)

1 Online-Publikation: Berger, Manfred, Von der„geistigen Mutteriichkeit“zur„Professionaiitar. [URL: http://www.kindergartenpaedagogik.de/2098.html] und Unterrichtsmaterial Frau Dr. Constanze Koslowski, 21.10.2016

2 [In:] Gartinger, Silvia, Janssen, Rolf (Hrsg.) (2015)1: Erzieherinnen + Erzieher Professioneiies Handein im soziaipadagogischen Berufsfeid. Berlin: Cornelsen; S. 547 (Die proietarische Familie)

3 [In:] Gartinger, Silvia, Janssen, Rolf (Hrsg.) (2015)1: Erzieherinnen + Erzieher. Professionelles Handeln im sozialpadagogischen Berufsfeld. Berlin: Cornelsen; S. 547 (Die proletarische Familie)

1 [In:] Gartinger, Silvia, Janssen, Rolf (Hrsg.) (2015)1: Erzieherinnen + Erzieher. Professionelles Handeln im sozialpadagogischen Berufsfeld. Berlin: Cornelsen; S. 547 (Die proletarische Familie)

2 [In:] Gartinger, Silvia, Janssen, Rolf (Hrsg.) (2015)1: Erzieherinnen + Erzieher. Professionelles Handeln im sozialpadagogischen Berufsfeld. Berlin: Cornelsen; S. 548 (Familie in der Weimarer Republik)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Familie im Wandel. Die Sozialgeschichte der Familie
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V432548
ISBN (eBook)
9783668760868
ISBN (Buch)
9783668760875
Dateigröße
3605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erzieher, Erzieherausbildung, Familie, Familienformen, Familie im Wandel, Familienkonstellation, Pädagogik, Pädagogische Fachkraft, Kindergarten, Kinder
Arbeit zitieren
Ramona Munkenast (Autor), 2017, Familie im Wandel. Die Sozialgeschichte der Familie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432548

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