Stress scheint mittlerweile eine Normalität unserer modernen Gesellschaft zu sein. In einer Kultur, die von Massenmedien geprägt ist und in der Informationen flutartig auf den Einzelnen einströmen, ist es nicht verwunderlich, dass Stress sich inzwischen zu einer weit verbreiteten Volkskrankheit ausgebreitet hat. War der Stress für den Urzeitmenschen noch überlebenswichtig, so stellt er für den Menschen der Neuzeit fast schon eine Gefahr, sowohl für den Körper als auch für die Psyche, dar. Zudem wirkt sich Stress auch störend auf die Körperwahrnehmung aus.
In Anlehnung an den Begriff der Körpererfahrung ist der Bereich der Körperwahrnehmung für das Erfahren des eigenen Körpers unentbehrlich. Folglich werden durch eine gestörte Körperwahrnehmung auch wesentliche Körpererfahrungen beeinträchtigt. Mangelnde Körpererfahrungen wiederum führen zu einem unstimmigen Selbstbild. Der gestresste Mensch befindet sich nicht mehr im Einklang mit sich selbst.
Im Folgenden soll, ausgehend vom Begriff des Stresses und verschiedenen Stress-Modellen, der Zusammenhang von Stress und Körperwahrnehmung, in einem ganzheitlichen Verständnis näher erläutert werden. Die Psychomotorik liefert dabei das grundlegende Konzepte für die sichbedingende Verknüpfung von Wahrnehmung und Bewegung, denn sie begreift den Menschen als ganzheitliches Wesen. Dahingehend werden Begriffe, die eng mit der Körperwahrnehmung verbunden sind, näher erläutert um schließlich, ausgehend vom Prozess der Wahrnehmung, Stress und Körperwahrnehmung sowie -erfahrung zueinander in Beziehung zu setzen. Abschließend werden wesentliche Aspekte noch einmal schlussfolgernd und zusammenfassend dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stress als psychophysiologisches Phänomen
2.1 Stress als Reaktion
2.2 Stress als Ursache - Stress als Reiz
3. Grundlagen der Psychomotorik
3.1 Das Menschenbild in der Psychomotorik
3.2 Körpererfahrung als Begriff der Psychomotorik
3.3 Körperschema
3.4 Selbstkonzept
4. Ganzheitlichkeit als Einheit von Wahrnehmung und Bewegung
4.1 Körperwahrnehmung vs. Körpererfahrung
5. Stress und Körperwahrnehmung
6. Schlussfolgerung und Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen alltagsbedingtem Stress und Störungen der Körperwahrnehmung. Ziel ist es, unter Einbeziehung psychomotorischer Konzepte aufzuzeigen, wie Stress als psychophysiologisches Phänomen die Wahrnehmung des eigenen Körpers beeinträchtigt und welche Bedeutung ein ganzheitliches Menschenbild für das Verständnis dieses Prozesses hat.
- Definition und Differenzierung von Stress (Eustress vs. Disstress)
- Grundlagen der Psychomotorik und das ganzheitliche Menschenbild
- Die Wechselwirkung zwischen Wahrnehmung und Bewegung
- Der Einfluss von Stressoren auf Körperwahrnehmung und Körpererfahrung
- Psychosomatische Folgen von Dauerstress und Überforderung
Auszug aus dem Buch
2. Stress als psychophysiologisches Phänomen
„Stress ist die Reaktion des Körpers auf jede an ihn gestellte Anforderung“ (O´Hara 1996, S.16). Auf der Homepage der Essener Kliniken ist der Stress mehr noch eine „natürliche Reaktion von Mensch und Tier auf die verschiedensten Arten von Belastungen“.
Demnach lassen sich zwei konstitutive Merkmale des Stresses feststellen: die Belastung sowie eine darauffolgende Reaktion.
Belastung und Reaktionen können jedoch noch weiter differenziert werden. Hartig (2004, S. 3, zitiert nach Rohmert & Rutenfranz 1983) versteht unter einer Belastung „die Gesamtheit der von außen auf den Menschen psychisch wirkenden Größen und Faktoren“. Diese Definition macht deutlich, dass der Mensch ständig Belastungen ausgesetzt ist, da er sich der unzähligen Einflüsse, die laufend auf ihn einwirken kaum mehr bewusst entziehen kann.
Ferner lässt sich daran allerdings auch erkennen, dass Stress ursprünglich ein neutraler Begriff ist. Erst die Art und Weise der „Anpassungsleistung im Organismus“ (Wiesmann 2005) sowie deren Ausmaße, also der Grad der Beanspruchung (vgl. Hartig 2004, S. 4), entscheiden darüber, wie Stress subjektiv wahrgenommen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Verbreitung von Stress als Volkskrankheit in der modernen Gesellschaft und stellt die Forschungsfrage nach dessen Auswirkungen auf die Körperwahrnehmung.
2. Stress als psychophysiologisches Phänomen: Dieses Kapitel definiert Stress als Reaktion auf Belastungen und differenziert zwischen Eustress und Disstress unter Einbeziehung psychophysiologischer Prozesse.
3. Grundlagen der Psychomotorik: Es werden die theoretischen Grundlagen der Psychomotorik erläutert, wobei insbesondere das ganzheitliche Menschenbild sowie Begriffe wie Körperschema und Selbstkonzept im Zentrum stehen.
4. Ganzheitlichkeit als Einheit von Wahrnehmung und Bewegung: Dieses Kapitel verdeutlicht die untrennbare Verbindung von Wahrnehmung und Bewegung und analysiert den Wahrnehmungsprozess im Kontext von Stress.
5. Stress und Körperwahrnehmung: Hier werden die konkreten Stressfolgen auf verschiedenen Ebenen (kognitiv, emotional, vegetativ, muskulär) zusammengeführt, um Störungen der Körperwahrnehmung zu erklären.
6. Schlussfolgerung und Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Stress als ganzheitliche Belastung das seelisch-körperliche Gleichgewicht stört und zu einer beeinträchtigten Selbstwahrnehmung führt.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Stress, Psychomotorik, Körperwahrnehmung, Körpererfahrung, Ganzheitlichkeit, Disstress, Psychosomatik, Wahrnehmung, Bewegung, Körperschema, Selbstkonzept, Stressbewältigung, Menschenbild, Überforderung, Homöostase.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen von Stress auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers und beleuchtet diesen Prozess aus einer ganzheitlich psychomotorischen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psychophysiologische Definition von Stress, die Grundlagen der Psychomotorik sowie die Wechselwirkung zwischen Bewegung, Wahrnehmung und menschlicher Belastung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Stress als Belastungssituation zu Störungen der Körperwahrnehmung führt und warum ein ganzheitliches Verständnis für die Gesundheit essenziell ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Konzepte der Psychomotorik und Stressforschung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Stressmodelle diskutiert, die theoretischen Grundlagen der Psychomotorik erläutert und die spezifische Verbindung zwischen Stressoren, dem Wahrnehmungsprozess und der Körpererfahrung detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Stress, Körperwahrnehmung, Psychomotorik, Ganzheitlichkeit, Körpererfahrung und Psychosomatik.
Was unterscheidet Eustress von Disstress?
Eustress wird als positiver, anregender Stress beschrieben, der Lernprozesse fördern kann, während Disstress als negative Überbelastung erlebt wird, die zu gesundheitlichen Schädigungen führt.
Warum ist das "Leib sein" für die Körperwahrnehmung so wichtig?
Das "Leib sein" nach Plessner beschreibt ein Zustand des völligen Einsseins mit dem Körper, welches für ein seelisch-körperliches Gleichgewicht und eine gesunde Selbstwahrnehmung notwendig ist.
- Quote paper
- Julia Krajewski (Author), 2005, Stress als psychophysiologisches Phänomen - Verlust der Körperwahrnehmung durch alltagsbedingten Stress, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43262