Herbart war primär Pädagoge und infolgedessen wesentlich auch Praktiker. Obwohl er auch philosophisch relevante Beiträge verfasste, lag der Fokus vermehrt auf dem pädagogischen Praxisinteresse. Herbart gilt als einer der Mitbegründer der modernen Pädagogik. Nach Herbart entsteht Moralität durch Erziehung, die zwar schon als „Naturbegebenheit“ im Zögling verankert ist. Dennoch unterliegt die gegebene Form gewissen Schwankungen bis hin zum möglichen Verlust. Die Moralität ist demnach nicht konstant. Herbart will eine gefestigte Moralität schaffen, die sogenannte „Charakterstärke der Sittlichkeit“. Welche Rolle dabei der erziehende Unterricht einnimmt, wird nachfolgend herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die Erziehungs- und Unterrichtslehre Herbarts
3. Erziehender Unterricht
3.1 Die Merkmale des erziehenden Unterrichts
3.2 Die „Materie“ und die „Manieren“ des Unterrichts
3.3 Der Gang des Unterrichts
4. „Regierung“ und „Zucht“ als weitere Maßnahmen der Erziehung
5. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die zentrale Rolle und die Funktion des „erziehenden Unterrichts“ in der Pädagogik Johann Friedrich Herbarts. Dabei wird analysiert, wie durch die methodische Gestaltung des Unterrichts und die Bildung eines weiten Gedankenkreises die „Charakterstärke der Sittlichkeit“ als oberstes Erziehungsziel erreicht werden kann.
- Die Bedeutung von Unterricht als unverzichtbares Element der Erziehung.
- Die systematische Einordnung der „Vielseitigkeit des Interesses“ in Herbarts Theorie.
- Die Wechselwirkung zwischen den formalen Stufen des Unterrichts (Vertiefung und Besinnung).
- Die Differenzierung und Ergänzung von „Regierung“, „Unterricht“ und „Zucht“ als drei Dimensionen pädagogischen Handelns.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Merkmale des erziehenden Unterrichts
Der erziehende Unterricht zeichnet sich durch bestimmte Merkmale aus. Der Unterricht beachtet die Hauptklassen des Interesses gleichermaßen und verbindet darüber hinaus die Lernprozesse in der Reihe der Erkenntnis mit deren aus der Reihe der Teilnahme. Ein weiteres Merkmal liegt darin, dass der erziehende Unterricht den formalen Stufen von interessenloser Vertiefung und interessenbezogener Besinnung folgt. Diese stehen in Wechselwirkung zueinander (vgl. Benner 1986, S.121 f.). Herbart führt diese Wechselwirkung weiter aus, indem er den formalen Stufen der Vielseitigkeit „Klarheit, Assoziation, System und Methode“, die der Unterricht beinhaltet, die unterrichtlichen Aktivitäten von „zeigen, verknüpfen, lehren und philosophieren“ zuordnet. Die formalen Stufen des Interesses „Merken, Erwarten, Fordern und Handeln“ ordnet Herbart die Bestimmungen „anschaulich, kontinuierlich, erhebend und in die Wirklichkeit eingreifend“ zu (vgl. ebd., S. 122; siehe hierzu auch Abbildung 1 im Anhang). Die Eigenschaften „anschaulich, kontinuierlich, erhebend und in die Wirklichkeit eingreifend“ sind diejenigen, die der Unterricht verkörpern soll (vgl. Herbart 1806, S. 68).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung verdeutlicht die grundlegende These Herbarts, dass Erziehung ohne Unterricht nicht denkbar ist, und führt in die zentrale Bedeutung des erziehenden Unterrichts ein.
2. Einführung in die Erziehungs- und Unterrichtslehre Herbarts: Dieses Kapitel erläutert Herbarts pädagogische Grundsätze, insbesondere die Ausrichtung auf die „Charakterstärke der Sittlichkeit“ durch die Ausbildung eines weiten Gedankenkreises.
3. Erziehender Unterricht: Das Kapitel definiert den erziehenden Unterricht als Verknüpfung von Erfahrung und Umgang sowie als entscheidendes Mittel zur Erreichung einer vielseitigen Bildung.
4. „Regierung“ und „Zucht“ als weitere Maßnahmen der Erziehung: Hier werden neben dem Unterricht die „Kinderregierung“ und die „Zucht“ als weitere, unverzichtbare Dimensionen des pädagogischen Handelns Herbarts identifiziert.
5. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die drei Hauptbegriffe Regierung, Unterricht und Zucht das Fundament der Herbartschen Erziehungslehre bilden.
Schlüsselwörter
Johann Friedrich Herbart, Erziehender Unterricht, Charakterstärke der Sittlichkeit, Vielseitigkeit des Interesses, Pädagogik, Kinderregierung, Zucht, Gedankenkreis, Erkenntnis, Teilnahme, formale Stufen, Didaktik, Erziehungsziel, Individualität, Lehrerpersönlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und Funktion des „erziehenden Unterrichts“ innerhalb der pädagogischen Systematik von Johann Friedrich Herbart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Begriffe Unterricht, Regierung und Zucht sowie deren Beitrag zur Charakterbildung des Zöglings.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den erziehenden Unterricht als zentrales Mittel zur Erreichung der „Charakterstärke der Sittlichkeit“ darzustellen und in den theoretischen Gesamtzusammenhang einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär auf der Interpretation und Verknüpfung von Herbarts zentralen pädagogischen Schriften sowie relevanter Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition und Merkmale des erziehenden Unterrichts, die Rolle der Lehrinhalte („Materie und Manieren“), den „Gang des Unterrichts“ sowie die ergänzenden Maßnahmen der Kinderregierung und Zucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Erziehender Unterricht, Sittlichkeit, Charakterstärke, Vielseitigkeit des Interesses und die drei pädagogischen Säulen nach Herbart.
Was versteht Herbart unter der Vielseitigkeit des Interesses?
Es bezeichnet die Fülle des geistigen und seelischen Seins, bei der der Zögling verschiedenen Gegenständen offen gegenübersteht, ohne sich in einem einseitigen Begehren zu verlieren.
Inwiefern unterscheidet sich die „Kinderregierung“ vom „Unterricht“?
Während der Unterricht auf die inhaltliche Bildung und moralische Einsicht abzielt, dient die Kinderregierung primär der präventiven Aufrechterhaltung von Ordnung, um äußere Störungen des Lernprozesses zu vermeiden.
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- Ann-Kathrin Kempmann (Author), 2016, Die Bedeutung des erziehenden Unterrichts in der Theorie Herberts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432686