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Rembrandt und seine Selbstbildnisse. Gesichter für den Markt?

Titel: Rembrandt und seine Selbstbildnisse. Gesichter für den Markt?

Hausarbeit , 2018 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Franziska Heinrich (Autor:in)

Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In seiner Geschichte des wohlhabenden Schönlings, der ein Bild von sich besitzt, das anstelle seiner Selbst altert, stellt OSKAR WILDE eine Vermutung auf, die bereits LEONARDO DA VINCI geäußert haben soll. Die Vorstellung, dass ein Künstler in jedem seiner Werke einen Teil seiner Seele abbildet, existierte bereits in der Renaissance, sie hält sich bis heute und wird wohl bei keinem Maler so vielfältig diskutiert wie bei REMBRANDT HARMENSZOON VAN RIJN. Kein Künstler betrachtete sich so häufig im Spiegel, um die eigene Erscheinung kritisch zu beobachten, wieder und wieder zu studieren und detailverliebt für die Ewigkeit festzuhalten. Die Zahl der ihm zugeschrieben Selbstbildnisse variiert stark und ändert sich jährlich, aber sie ist mit Abstand die höchste uns bekannte aus dem Œuvre eines einzigen Menschen.

Seine Gründe hierfür boten der Forschung seit jeher einen fruchtbaren Nährboden für Spekulationen aller Art. Vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren diese zumeist biografisch-psychologischer Natur und erzählten mit viel Pathos eine Mär vom einsamen Genie auf der Suche nach sich selbst. Genauere Untersuchungen der Umstände in denen REMBRANDT lebte und arbeitete, ein Blick auf den gerade entstehenden Kunstmarkt und das Aufblühen des Kapitalismus im „goldenen Zeitalter“ der Niederlande, wecken jedoch Zweifel an den eingestaubten Thesen. Sind seine Selbstporträts der malerische Versuch, das eigene Ich zu verstehen? Waren seine Leinwände das Fundament einer in dunklen Farben verbildlichten Depression? War er ein Narzisst? Oder war er viel eher ein gewiefter Geschäftsmann, ein Trendsetter, der wusste was gefragt war und genau das produzierte? Diese Fragen stehen im Zentrum der vorliegenden Seminararbeit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Selbstporträt als Massenprodukt

1. Authentische Subjektivität versus Werbebilder

2. Das Selbst und sein Ausdruck: Rembrandts Affektstudien

III. Das Selbst am Markt

1. Selbstinszenierung als Kassenschlager

2. Eingravierte Tragik: Rembrandt als Grafiker

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Rembrandts umfangreiches Werk an Selbstbildnissen nicht allein als Ausdruck einer psychologischen Selbstsuche, sondern maßgeblich als Resultat unternehmerischen Geschicks und Reaktion auf den aufblühenden Kunstmarkt im 17. Jahrhundert zu verstehen ist.

  • Die historische Einordnung von Rembrandts Selbstbildnissen
  • Die Entwicklung des Kunstmarktes und die Rolle von Künstlernamen
  • Die Bedeutung der Affektenlehre für die künstlerische Praxis
  • Vermarktungsstrategien im goldenen Zeitalter der Niederlande
  • Der Einfluss der Druckgrafik auf die Verbreitung von Künstler-Individualität

Auszug aus dem Buch

2. Eingravierte Tragik: Rembrandt als Grafiker

Doch nicht nur seine gemalten, vor allem die radierten Selbstporträts des Meisters waren weit verbreitet und trugen maßgeblich zur Kenntnis seiner Physiognomie, sowie seinem wachsenden Bekanntheitsgrad bei. Einen »pitore famoso« nennt ihn COSIMO III (1642-1723) im Reisejournal seiner 1667 unternommenen Amsterdam-Reise und belegt damit, wie geschätzt der alternde Maler auch außerhalb der Niederlande war. Die Druckgrafik war, und dies erkannte man im 17. Jahrhundert sehr gut, für die Maler eines der wirkungsvollsten Mittel, bekannt und geachtet zu werden, machte doch die mechanische Vervielfältigung die Werke prominenter Künstler auch für die Mittelschicht bezahlbar. Ihre exponentielle Verbreitung war für die »Entwicklung eines Marktes für Bilder zum Privatgebrauch« von besonders großer Bedeutung und trug zu einem wachsenden Bedarf an Darstellungen von Berühmtheiten bei. Der britische Abgeordnete SAMUEL PEPPYS (1633-1703) beispielsweise besaß gleich ein ganzes Album mit Druckgrafiken – darunter auch 118 Künstlerporträts – und in JOACHIM VON SANDRARTs (1606-1688) Künstler-Lexikon sind es ebenfalls Radierungen, die als Visualisierung der besprochenen Maler fungieren.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Debatte um Rembrandts Selbstbildnisse ein und hinterfragt die traditionelle Sichtweise des "einsamen Genies" zugunsten einer wirtschaftshistorischen Perspektive.

II. Das Selbstporträt als Massenprodukt: Hier wird der Einfluss des Kapitalismus und der neuen Glaubensauslegung auf die Bedeutung des Selbst sowie die physiognomische Auseinandersetzung des Künstlers mit Emotionen analysiert.

III. Das Selbst am Markt: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Rembrandt seine Person als "Kassenschlager" inszenierte und wie er als Unternehmer die Druckgrafik nutzte, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.

IV. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Rembrandts Werk zwar eine nachdenkliche Persönlichkeit zeigt, sein Erfolg jedoch untrennbar mit seinem unternehmerischen Geschick und Erfindungsreichtum verbunden ist.

Schlüsselwörter

Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Selbstbildnis, Kunstmarkt, 17. Jahrhundert, Affektenlehre, Druckgrafik, Kaltnadelradierung, Kapitalismus, Künstlerische Autorenschaft, Selbstinszenierung, Wirtschaftsgeschichte, Niederländische Kunst, Physiognomie, Bildproduktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Selbstporträts von Rembrandt Harmenszoon van Rijn im Kontext des sich entwickelnden Kunstmarktes im 17. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Kommerzialisierung der Kunst, die Entwicklung des Künstler-Status, die Bedeutung von Affekten in der Kunst sowie die Rolle der Druckgrafik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die einseitige psychologische Interpretation von Rembrandts Selbstbildnissen zu hinterfragen und den Fokus auf den Künstler als geschäftstüchtigen Unternehmer zu legen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die wirtschaftshistorische Quellen und Forschungsergebnisse zum Kunstmarkt des 17. Jahrhunderts heranzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Rembrandts Affektstudien und seine strategische Nutzung der Selbstinszenierung sowie die technischen Vorteile der Radierung zur Vermarktung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Rembrandts Selbstbildnisse, Kunstmarkt, Individualität, Affekt, Radierung und Unternehmertum.

Warum war die Kaltnadelradierung für Rembrandt so wichtig?

Diese Technik erlaubte Rembrandt eine schnelle, skizzenhafte Linienführung, die ideal für seine Affektstudien war, und ermöglichte gleichzeitig die Produktion von Graphiken mit Unikatcharakter.

Wie reagierte der Kunstmarkt auf Rembrandts Werke?

Rembrandt erkannte früh, dass sein Name und sein Image als Marke fungierten, und produzierte gezielt Arbeiten, die bei einer zahlungsfreudigen Kundschaft hohe Nachfrage genossen.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Rembrandt und seine Selbstbildnisse. Gesichter für den Markt?
Hochschule
Universität zu Köln  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
Rijksmuseum : Geschichte und Sammlung
Note
1,3
Autor
Franziska Heinrich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V432729
ISBN (eBook)
9783668749825
ISBN (Buch)
9783668749832
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rembrandt Selbstbildnis Kunstmarkt Selbstdarstellung Selbstporträt Rijksmuseum Amsterdam Malerei Barock
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Franziska Heinrich (Autor:in), 2018, Rembrandt und seine Selbstbildnisse. Gesichter für den Markt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432729
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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