Die Geburt. Vergleich der Schrift einer Hebamme aus dem 17. Jahrhundert mit den Schriften eines Geburtshelfers aus dem 18. Jahrhundert


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

23 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Forschungsstand
1.1 Medizinischer Fortschritt
1.2 „Medikalisierung“
1.2.1 Die Institutionalisierung der Geburtshilfe
1.2.2 Die Einrichtung von Accouchierhäusern
1.3 Männliche Geburtshilfe - die Verdrängung der Hebammen?

2. Fragestellung und Quellenauswahl

3. Analyse
3.1 Die Selbstsicht der Geburtshelfer
3.2 Der Diskurs über die Praxis der Geburtshilfe
3.3 Was ist die Geburt?

4. Fazit: Die Vermessung der Geburt

Literaturverzeichnis

Einleitung

Jeder Mensch wird geboren. Diese trivial anmutende Feststellung begründet eine fundamentale Er-kenntnis für die Geschichtswissenschaft - Geburten sind unveränderliche Konstanten der Mensch-heitsgeschichte. Diese Zeitlosigkeit des natürlichen Ereignisses begründet aber zugleich seine Ge-schichtsabhängigkeit - Geburten finden in sozialen, medizinischen, persönlichen, politischen, wirt-schaftlichen Kontexten statt, die historisch wandelbar sind. In der folgenden Arbeit soll gezeigt wer-den, dass eben dieser sich verändernde Kontext auch das Ereignis der Geburt nicht unberührt lässt.Eine Geburt im 17. Jahrhundert ist etwas anderes als eine Geburt im 18. Jahrhundert, die sich wie-derum fundamental von einer Geburt im 20. Jahrhundert unterscheidet. Und dies bezieht sich nichtnur auf die anwesenden Personen, die verwendeten Instrumente oder die Räumlichkeiten, in der die Geburt stattfindet. Auch die Bedeutung einer Geburt, die Idee der Geburt verändert sich mit dem historischen Kontext. Nach eben dieser Bedeutung der Geburt und ihrer historischen Wandelbarkeitfragt die vorliegende Arbeit. Verglichen werden soll die Vorstellung einer Geburt zum Ende des 17.Jahrhunderts mit der Vorstellung zum Ende des 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit - so hat die For-schung bereits herausgearbeitet - spielten sich grundlegende Veränderungen vor allem im Bereichder Geburtshilfe ab, die - so soll gezeigt werden - die Bedeutung des Geburtsereignisses nachhaltigveränderten.

Der Bedeutungskomplex „Geburt“ wird dabei als ein offenes Feld begriffen, das von verschiedenen Akteuren getragen, geprägt und verändert wird. Wichtig ist dabei, dass dieses Feld als eine eigen-ständige Größe betrachtet wird. Die „Idee von der Geburt“, die sich im 18. Jahrhundert formte, sollalso nicht als eine bestimmte Idee oder Vorstellung bestimmter Akteure begriffen werden. Vielmehrwird sie als ein offenes, sich formierendes Feld gesehen, das bestimmte Strukturen entwickelt, dievon den Akteuren zwar geschaffen und getragen, jedoch nicht unbedingt bewusst herbeigeführt werden.

Zunächst soll durch das Aufzeigen des Forschungsstands die Wahl des Untersuchungszeitraums be-gründet werden. Es wird sich zeigen, unter welchen Perspektiven sich die im 18. Jahrhundert voll-ziehenden Veränderung in Theorie und Praxis der Geburtshilfe in der Forschung betrachtet werden.Als Stichworte, mit denen dieser Prozess häufig beschrieben wird, seien medizinischer Fortschritt,Medikalisierung und eine neue Geschlechterhierarchie in der Geburtshilfe genannt.Im Anschluss wird das Quellenkorpus vorgestellt und die Wahl begründet. Zentrales Moment der Untersuchung ist ein Vergleich der Schrift einer Hebamme aus dem 17. Jahrhundert, die die Situati-on vor den Veränderungen illustriert, mit Schriften eines ärztliches Geburtshelfers aus dem 18. Jahr-hundert. Hier liegt der Fokus auf der Frage, wie sich die Geburt für die verschiedenen Autoren dar- stellt, in welchen Kontexten die Geburt gedacht und mit welchen Vorstellungen sie verknüpft ist.

Bereits an dieser Stelle sei auf die Beschränkungen verwiesen, denen die Arbeit unterworfen ist.Neben der verhältnismäßig kleinen Zahl an Quellen ist vor allem zu beachten, dass ausschließlichgelehrte Quellen verwendet werden; ein Resultat aus der mangelnden Verfügbarkeit alltags- undmentalitätsgeschichtlicher Quellen zur Geburtshilfe. Im abschließenden Abschnitt wird auf Be-schränkungen und mögliche Ergänzungen der Beantwortung der Fragestellung noch einmal einge-gangen.

1. Forschungsstand: Die Veränderungen in der Geburtshilfe im 18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert gilt in der medizingeschichtlichen Forschung als „außerordentlich interessant“1 Die vielschichtigen Veränderungen, die sich in Theorie und Praxis der Medizin in dieser Zeit ereig-neten, sind aus diversen Perspektiven beleuchtet worden. Insofern sie die Geburtshilfe betreffen,sollen die wichtigsten Forschungslinien im Folgenden in aller Prägnanz vorgestellt werden.

1.1 Medizinischer Fortschritt

Die früheste medizinhistorische Forschung betrieb die Geschichte der Geburtshilfe als Fachge-schichte im engeren Sinne. Traditionell wird die Geschichte der Medizin hier als Fortschrittsge-schichte geschrieben, geprägt von der stetigen Vergrößerung medizinischen Wissens und der Ver-besserung medizinischer Versorgung.2 Dieser Fortschritt habe insbesondere durch das Aufkommenmedizinischer Wissenschaften und neuer medizinischer Einrichtungen im 18. Jahrhundert einen Schub erfahren. Auch wenn die Perspektive insbesondere im medizinnahen Kontext noch lange Be-stand hatte3, ist diese „Ereignis- und Disziplingeschichte“4 mittlerweile ausgiebig kritisiert worden,insbesondere aus sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive (s. 1.2 und 1.3).Für den Zweck dieser Arbeit bleiben dennoch die medizinischen „Fortschritte“ dieser Jahre festzu- halten, die auch aus kritischer Perspektive nicht geleugnet werden. Dies betrifft insbesondere die Entwicklung neuer geburtshilflicher Instrumentarien und Methoden; um die Wende zum 19. Jahr-hundert seien „so viele geburtshilfliche Instrumente erfunden [worden], wie nie zuvor und nie da-nach“5. Insbesondere die Entwicklung von Geburtszangen, die das Eingreifen der Geburtshelfer beischwerer Geburt erlaubten, ohne, dass Mutter oder Kind zu Schaden kamen, beeinflusste die Praxisder Geburtshilfe zum Ende des 18. Jahrhunderts hin beträchtlich.6 Es erscheint aber zweckmäßiger,den allgemeinen Terminus der „Veränderung“ der geburtshilflichen Praxis zu wählen; dies nicht zu-letzt, weil die Zeitspanne von 1750-1800 keineswegs eine Periode ungehinderten Voranschreitensdarstellte. In neueren Publikationen wird dagegen betont, dass sie insbesondere durch Richtungsde-batten mit ungewissem Ausgang geprägt war.7

1.2 „Medikalisierung“

Das in der neueren Medizingeschichtsschreibung überaus erfolgreiche Konzept der Medikalisierunggeht auf M. Foucault8 zurück. Auch für die Geschichte der Geburtshilfe wird es immer wieder her-angezogen9. In der allgemeinsten Form beschreibt Medikalisierung die Herausbildung einer medizi-nischen „Programmatik“10, die immer mehr Teile der Bevölkerung umfasste, welche durch eine stär-ker werdende staatliche Disziplinierung immer rigideren Gesundheitsnormen unterworfen wurde.11 Zwei Aspekte der Medikalisierung sind für die Geburtshilfe des 18. Jahrhunderts von besonderem Interesse.

1.2.1 Die Institutionalisierung der Geburtshilfe

Eng verbunden mit dem Vordringen akademisch gebildeter Ärzte in die Geburtshilfe (s. auch 1.3)wird die Institutionalisierung der Geburtshilfe im 18. Jahrhundert als Teilprozess der Medikalisie-rung betrachtet. Dieser „vielschichtige[...] und langandauernde[...] Prozeß“12 führte zur Etablierungder Geburthilfe als medizinisches Fachgebiet, zur Errichtung spezialisierter Kliniken und zur Aus-bildung spezialisierter Ärzte. Diese Entwicklung wurde im betrachteten Zeitraum natürlich nicht ab-geschlossen, vielmehr nahm sie zum Ende des 18. Jahrhunderts erst wirklich an Fahrt auf. Verschie-dene „Symptome“ dieses Prozesses sind von der Forschung bisher herausgearbeitet worden. Zum Einen betrifft dies die Spezialisierung von Ärzten, die aus der Chirurgie kamen, auf dem Gebiet der Geburtshilfe.13 Weiterhin wird eine große Zahl an neu erschienen Fachpublikationen angeführt, diein diesen Zeitraum fallen. Und schließlich wird auf die erstmalige Einrichtung von Lehrstühlen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe verwiesen, die das neue Fach auch an den Universitäten veran-kerten.14

1.2.2 Die Einrichtung von Accouchierhäusern

Einen besonderen Stellenwert in der Institutionalisierung der Geburtshilfe nimmt die Einrichtungöffentlicher Accouchierhäuser ein, weswegen diesem Phänomen in der Forschung bisher auch diegrößte Aufmerksamkeit zuteil wurde.15 In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden diesefast ausschließlich als universitäre Lehranstalten gegründet, die dem Zweck der Ausbildung von Medizinstudenten und Hebammenschülerinnen dienten.16 Da das Klientel dieser öffentlichen Ent- bindungsanstalten insbesondere aus unverheirateten, mittellosen Frauen bestand, ist hier bisher vor allem aus sozialgeschichtlicher Perspektive geforscht worden.17 Gezeigt worden ist auch, dass die Accouchierhäuser in besonderem Maße als praktische Umsetzung der „Programmatik“ der Medikalisierung gelten können.18

1.3 Männliche Geburtshilfe - die „Verdrängung der Hebammen“?

Ihre radikalste Kritik erfuhr die traditionelle Medizingeschichte (s. 1.1) aus feministischer und geschlechtergeschichtlicher Perspektive.

Durch das Vordringen männlicher, akademisch ausgebildeter Ärzte sei das Hebammenwesen, ein Handwerk, das vorher fast ausschließlich in Frauenhand lag19 abgewertet und Frauen zugunsten ei-nes rein männlichen, wissenschaftlichen Zugangs systematisch aus der Geburtshilfe herausgedrängtworden.20 Auch neuere Studien argumentieren in ganz ähnlicher Weise; so findet sich der Terminus„Verdrängung“ etwa in der bereits zitierten Studie von Marita Metz-Becker.21 Insgesamt scheint sichin der neueren Forschung jedoch die Auffassung durchgesetzt zu haben, dass es sich nicht um einetatsächliche Unterdrückung des weiblichen Hebammenwesens handelte. Vielmehr habe eine Neu-ordnung der Macht stattgefunden, die zwar einerseits eine stärkere Kontrolle und Disziplinierungder Hebammen durch männliche Ärzte22, andererseits aber auch eine Professionalisierung des Be-rufsstands bedeutete.23

Noch einen weiteren Prozess hat die geschlechtshistorische Forschung in diesem Zusammengangausgemacht: durch ein neues Interesse an einer spezifisch weiblichen Medizin der Geburtshilfe sei das „Andersartige[...]“24 der Frau ins Licht gerückt worden. Die Frau sei von der neuen Wissen- schaft als per se unnormal und pathologisch markiert worden25. Eben dieses „Andere“ sei der Gegenstand der neuen Geburtshilfe geworden.26 In der Praxis der neuen Geburtshilfe führte dies dazu, dass die Gebärenden im 18. Jahrhundert in besonderem Maße „zur Patientin, zum Fall gemacht“27 wurden. Auch diese Aussagen werden in einigen neueren Studien aber relativiert; zumindest wird die gegenseitige Abhängigkeit von Gebärender und Arzt thematisiert28, ebenso wie versucht wird, die Handlungsspielräume der betroffenen Frauen zu rekonstruieren.29 Es darf gleichwohl festgehalten werden, dass das Vordringen männlicher Ärzte in der professionellen Geburtshilfe wie in der Medizin mit einer neuen Geschlechterordnung und -hierarchie einherging.

2. Fragestellung und Quellenauswahl

Die Forschung hat also bereits herausgestellt, dass sich vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahr-hunderts die Bedingungen, unter denen die Geburt stattfand, und unter denen Geburtshilfe prakti-ziert wurden, in vielerlei Hinsicht grundlegend veränderten: eine neue, männlich-akademisch ge-prägte Geburtshilfe stand im Zusammenhang mit einer neuen Geschlechterordnung im Hebammen-wesen, es bildeten sich wissenschaftliche Institutionen, die mit Accouchierhäusern und Gebärklini-ken auch neue Orte für die Entbindung mit sich brachten; zudem veränderte sich die Praxis der Ge-burtshilfe durch die Entwicklung neuer Instrumentarien. Welchen Einfluss hatte dies nun aber aufdas Geburtsereignis selbst? Welche neue Sicht auf die Geburt brachten die neuen Praktiken in der Geburtshilfe mit sich?

[...]


1 Marion Maria Ruisinger (Hg.): Auf Leben und Tod. Zur Geschichte der Entbindungskunst. Ingolstadt 2009, 21. Seidel spricht von einem „wichtige[n] und tiefgreifende[n] Einschnitt“. Hans-Christoph Seidel: Eine neue „Kultur des Gebärens“. Die Medikalisierung von Geburt im 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland (=Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, Beiheft 11). Stuttgart 1998, 26.

2 Als grundlegendes Werk ist hier zu nennen: Heinrich Fasbender: Geschichte der Geburtshilfe. Jena 1906, zur hier betrachteten Zeitspanne bes. 264ff. Einen Überblick über die aus dieser Perspektive argumentierenden Werke gibt Seidel, Kultur, 21f.

3 In relativ neuerer Zeit nimmt diese Perspektive etwa ein der Sammelband von Lutwin Beck (Hg.): Zur Geschichte der Gynäkologie und Geburtshilfe. Aus Anlaß des 100jährigen Bestehens der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. New York/Berlin/Heidelberg 1986, zur Perspektive s. bes. 7f.

4 Marita Metz-Becker: Gebären im Dienst der Wissenschaft. Zum Medikalisierungsprozess unehelich schwangerer Frauen in den Gebärhäusern des frühen 19. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Volkskunde 90 (1994), S. 210-229, hier 211.

5 Metz-Becker, Gebären, 216.

6 Vgl. Michael Kowalski: Künstliche Hände. Geschichte und Schicksal geburtshilflicher Instrumente und Sammlungen, in: Ruisinger (Hg.), Leben, S. 34-43, hier 38. Kowalski gibt an, zwischen 1759 und 1800 seien „mindestens 30 verschiedene Zangentypen“ konstruiert worden.

7 Vgl. Jürgen Schlumbohm: „Die edelste und nützlichste unter den Wissenschaften“. Praxis der Geburtshilfe als Grundlegung der Wissenschaft, ca. 1750-1820, in: Ders., Hans Erich Bödeker, Peter Hanns Reill (Hg.): Wissenschaft als kulturelle Praxis, 1750-1900. Göttingen 1999, S. 275-297, hier 276 sowie 292ff. zu einer Kontroverse, die gerade den Einsatz von Instrumenten betraf.

8 Michel Foucault: Die Geburt der Klinik. Eine Archäologie des ärztlichen Blicks. Aus dem Französischen von Walter Seitter. München 1973. Foucault hat den Begriff der „Medikalisierung“ in diesem Werk nicht selbst geprägt. Gleichwohl schafft er hier die Grundlage für das Konzept, indem er die Herausbildung der medizinischen Wissenschaften als zunehmende Verbindung von Wissenschaft und staatlicher Gewalt darstellt, in welcher eine „Objektivierung“ und Disziplinierung des menschlichen Körpers stattfindet.

9 Studien zur Geburtshilfe, die sich auf diesen Begriff stützen, sind etwa Seidel, Kultur, sowie Marita Metz-Becker: Der verwaltete Körper. Die Medikalisierung schwangerer Frauen in den Geburtshäusern des frühen 19. Jahrhunderts. Frankfurt 1997.

10 Der Begriff der „Programmatik“ taucht häufig im Zusammenhang mit der Medikalisierung auf. Da er jedoch (unzulässig) eine Zielgerichtetheit des Prozesses unterstellt, wird er hier nur stellvertretend als Bezeichnung für eine Fülle unterschiedlicher, jedoch nicht einem einheitlichen Ziel folgender Maßnahmen verwendet.

11 Für Genaueres vgl. Seidel, Kultur, 13, Anm. 11, sowie14ff. und Jürgen Schlumbohm: Geschichte der Geburt und der Geburtshilfe in der Neuzeit, in: Jahrbuch/Max-Planck-Gesellschaft 1996, S. 657-666, hier 657.

12 Seidel, KJn zu etablieren, auf die hier Bezug genommen wird.

13 Beispiele sind Justus Christian Loder (1753-1823), vgl. Birgitt Hellmann/Eva Schmucker (Hg.): Hebamme oder Entbindungsanstalt? Zur Geschichte der Geburtshilfe in Jena seit 1664. Rudolstadt/Jena 2000,12f.; Johann Christian Stark (1753-1811), vgl. Rosemarie Nöthlich: „Geburten und Beobachtungen in dem Accouchierhauß gesamlet“. Aufzeichnungen aus dem Besitz des Mediziners Johann Christian Stark (1753-1811). Jena 2010, 11ff. und Friedrich Benjamin Osiander (1759-1822), dessen Schriften für die vorliegende Arbeit verwendet wurden.

14 Der erste Lehrstuhl für Geburtshilfe wurde 1751 in Göttingen eingerichtet. Die Antrittsrede des neu berufenen Professors Johann Georg Roederer gilt als „das erste öffentliche Plädoyer eines deutschen Arztes für die Einführung einer männlichen, akademischen Geburtshilfe“ (Henrike Hampe: Hebammen und Geburtshelfer im Göttingen des 18. Jahrhunderts. Das Jahr 1751 und seine Folgen, in: Christine Loytved (Hg.): Von der Wehemutter zur Hebamme. Die Gründung von Hebammenschulen mit Blick auf ihren politischen Stellenwert und ihren praktischen Nutzen (=Frauengesundheit, Band 1). Osnabrück 2001, S. 53-62, hier 54). Für eine genauere Analyse dieser Rede s. Schlumbohm, Wissenschaften, 277ff.

15 Studien zu den Göttinger Accouchierhäusern hat vor allem Jürgen Schlumbohm durchgeführt, vgl. die im Literaturverzeichnis aufgeführten Werke. Zu Jena und Eisenach vgl. Stefan Wolter: „Ein Accouchier Hospital würde diesen Mangel bald ersetzen“. Von der „Weiberkunst“ zur Wissenschaft. Die Entwicklung der Geburtshilfe im 18. und frühen 19. Jahrhundert am Beispiel Eisenach, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 53 (1999), S. 113-150. Für Allgemeines siehe Metz-Becker, Körper.

16 Vgl. Seidel, Kultur, 158. Für Göttingen: Isabelle von Bueltzingsloewen: Die Entstehung des klinischen Unterrichts an den deutschen Universitäten des 18. Jahrhunderts und das Göttinger Accouchierhaus, in: Jürgen Schlumbohm/Claudia Wiesemann (Hg.): Die Entstehung der Geburtsklinik in Deutschland 1751-1850. Göttingen, Kassel, Braunschweig. Göttingen 2004, S. 15-30, hier 24ff. und Jürgen Schlumbohm: „Die Schwangeren sind der Lehranstalt halber da“. Das Entbindungshospital der Universität Göttingen 1751 bis ca. 1830, in: Ders./Wiesemann (Hg.), Geburtsklinik, S. 31-62, hier 34 und 38.

17 Zu den Patientinnen siehe: Jürgen Schlumbohm: „Verheiratete und Unverheiratete, Inländerin und Ausländerin, Christin und Jüdin, Weiße und Negerin“. Die Patientinnen des Entbindunghospitals der Universität Göttingen um 1800, in: Hans-Jürgen Gerhard (Hg.): Struktur und Dimension, Band 1. Stuttgart 1997, S. 324-343, und Ders., Schwangeren, 38ff. sowie Seidel, Kultur, 164ff. und Metz-Becker, Gebären, 218.

18 Vgl. Jürgen Schlumbohm: Der Blick des Arztes, oder: wie Gebärende zu Patientinnen wurden. Das Entbindungshospital der Universität Göttingen um 1800, in: Ders./Barbara Duden/Jacques Gélis/Patrice Veit (Hg.):Rituale der Geburt. Eine Kulturgeschichte. München 1998, S. 170-191 und Ders., Schwangeren, 42ff.

19 Vgl. Seidel, Kultur, 74. Metz-Becker spricht von einem „jahrtausendealte[n] Frauenhandwerk“, Metz-Becker, Gebären, 210. Zur Forschung über das Hebammenwesen vor dem 18. Jahrhundert siehe Waltraud Pulz: Zur Erforschung geburtshilflichen Überlieferungswissens von Frauen in der frühen Neuzeit, in: Loytved (Hg.), Wehemutter, S. 11-17.

20 Vgl. etwa Ute Frevert: Frauen und Ärzte im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert – Zur Sozialgeschichte eines Gewaltverhältnisses, in: Annette Kuhn/Jörn Rüsen (Hg.): Frauen in der Geschichte II. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Beiträge zur Sozialgeschichte der Frauen vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Düsseldorf 1982, S. 177-210, hier bes. 201.

21 Metz-Becker, Körper, 25ff.

22 Vgl. Schlumbohm, Verheiratete, 325; Ders., Geschichte, 264. und bes. Ders., Schwangeren, 55f.

23 Vgl. Wolter, Accouchier Hospital, 114, sowie Seidel, Kultur, 276.

24 Metz-Becker, Gebären, 227.

25 Vgl. Claudia Honegger: Die Ordnung der Geschlechter. Die Wissenschaften vom Menschen und das Weib 1750- 1850. Frankfurt/New York 1991, bes. 202ff, sowie Metz-Becker, Gebären, 227.

26 Metz-Becker, Gebären, 228, spricht von der „Pathologisierung der Geburt und des Wochenbetts“.

27 Schlumbohm, Wissenschaften, 288; Ders., Schwangeren, 43

28 Vgl. Jürgen Schlumbohm: Grenzen des Wissens. Verhandlungen zwischen Arzt und Schwangeren im Entbindungshospital der Universität Göttingen um 1800, in: Ders./Barbara Duden/Patrice Veit (Hg.): Geschichte des Ungeborenen. Zur Erfahrungs- und Wissenschaftsgeschichte der Schwangerschaft, 17.-20. Jahrhundert. Göttingen 2002, 2. Auflage, S. 129-165, hier bes. 164f.

29 Schlumbohm, Schwangeren, 51ff.; Ders., Blick, 189ff.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Geburt. Vergleich der Schrift einer Hebamme aus dem 17. Jahrhundert mit den Schriften eines Geburtshelfers aus dem 18. Jahrhundert
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,0
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V432737
ISBN (eBook)
9783668747807
ISBN (Buch)
9783668747814
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geburt, vergleich, schrift, hebamme, jahrhundert, schriften, geburtshelfers
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Die Geburt. Vergleich der Schrift einer Hebamme aus dem 17. Jahrhundert mit den Schriften eines Geburtshelfers aus dem 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432737

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