Die hier vorliegende Hausarbeit sucht eine monographische Auseinandersetzung mit Arno Schmidts Erzählung “Schwarze Spiegel”. Unter dieser Vorraussetzung werden sowohl Versuche der Typologisierung als auch formelle, stilistische, interpretatorische und literaturtheoretische Überlegungen zu machen sein. In diesem Zusammenhang muss auch der Entstehungszeitraum der Erzählung bzw. der ganzen Trilogie “Nobodaddy`s Kinder” mitberücksichtigt werden, da die politische Situation und die noch eindrücklichen Erinnerungen an den 2.Weltkrieg Schmidt wahrscheinlich zum Imaginieren der solipsistischen Existenz bewegt haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung von “Schwarze Spiegel”
2.1 Umstände der Entstehung von “Schwarze Spiegel”
2.2 “Schwarze Spiegel” im Kontext von “Nobodaddy`s Kinder”
3. Unterschiedliche Typologisierungsansätze von “Schwarze Spiegel” in der Schmidt- Forschung
3.1 “Schwarze Spiegel” als Idylle
3.2 “Schwarze Spiegel“ als Weltuntergangsvorstellung
3.3 Robinsonade oder utopische Prosa
4. Umwelt des Ich-Erzählers im Text
4.1 Natur als Menschenersatz
4.2 Darstellung der „menschlichen“ Umwelt in der Erzählung
4.3 Argumente für Solipsismus
5. Formanalyse von “Schwarze Spiegel“
5.1 Formale Segmentierung der Erzählung
5.2 Erzählform des Textes
5.3 Erzählebenen im Text
5.3.1 Funktion des Autors innerhalb der Erzählung
5.3.2 Erzählsituation und Erzählperspektive
5.3.3 Zeitverlauf von erzählter Zeit und Zeit des Erzählens
6. Funktionen von Textreferenz in “Schwarze Spiegel”
6.1 Inhaltliche Klassen von Referenztexten
6.2 Semantische Funktion von Textreferenz
6.2.1 Raumorganisation in “Schwarze Spiegel”
6.2.2 Reduktion des Raumes
6.3 Thematisierung des Ende der Menschheit
7. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit unternimmt eine detaillierte monographische Untersuchung der Erzählung „Schwarze Spiegel“ von Arno Schmidt. Ziel ist es, unter Einbeziehung des historischen Entstehungskontexts der Trilogie „Nobodaddy`s Kinder“ verschiedene literaturtheoretische Typologisierungen sowie formale und stilistische Merkmale der Erzählung kritisch zu beleuchten.
- Typologisierungsansätze (Idylle, Warnutopie, Robinsonade)
- Die Konstruktion der solipsistischen Existenz des Ich-Erzählers
- Formale Analyse der Textsegmentierung und der Erzählebenen
- Die Rolle von Intertextualität und Textreferenz
- Das Verhältnis von Mensch, Natur und Raum in der Nachkriegsliteratur
Auszug aus dem Buch
3.1 “Schwarze Spiegel” als Idylle
Bei der Erzählung handelt es sich um eine Zeitutopie, da der Text in der Zukunft angesiedelt ist. Die genauen Daten zu Beginn der beiden Teile innerhalb der Erzählung sind also elementar. Gerade deshalb sticht der zum Ende wahrzunehmende Drang nach Aufhebung der Datierungen hervor: ,,alle Uhren gehen aus; ein Geist müsste man sein: schwebend über Herbstwiesen, so sähe mein trauriges Paradies aus.”(257) Zu Beginn versucht der Ich-Erzähler noch die Zeit mit Genauigkeit festzustellen, indem er anhand der nächst folgenden Mondfinsternis überprüft, ob er seinen Kalender noch korrekt führt.(vgl.218) Im Kontrast zu den anderen beiden Texten der Trilogie beginnt “Schwarze Spiegel” an der Stelle, an der die Katastrophe schon geschehen ist und man sie nur noch an ihren Rudimenten erkennen kann. Es scheint ein zeitlich unbegrenzter elysischer Zustand zu herrschen. Für eine Idylle wäre ein Zustand, in dem Zeit keinen Faktor darstellt, Vorraussetzung, jedoch kann durch die Erhöhung hin zur Zeitlosigkeit diese Vorstellung, so Axel Dunker, relativiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit setzt sich monographisch mit Arno Schmidts Erzählung auseinander und betrachtet dabei insbesondere den Entstehungskontext und die solipsistische Existenz des Erzählers.
2. Entstehung von “Schwarze Spiegel”: Dieses Kapitel behandelt die biographischen und historischen Umstände der Entstehung sowie die Einordnung in die Trilogie „Nobodaddy`s Kinder“.
3. Unterschiedliche Typologisierungsansätze von “Schwarze Spiegel” in der Schmidt- Forschung: Hier werden konkurrierende literaturwissenschaftliche Gattungseinordnungen wie Robinsonade, Idylle oder Warnutopie analysiert und kritisch hinterfragt.
4. Umwelt des Ich-Erzählers im Text: Das Kapitel untersucht die Rolle der Natur als Menschenersatz, die Darstellung der menschlichen Umwelt sowie die philosophischen Argumente für den Solipsismus.
5. Formanalyse von “Schwarze Spiegel“: Diese Sektion bietet eine formale Segmentierung des Textes sowie eine tiefgehende Analyse der Erzählform, der Erzählebenen und des Zeitverlaufs.
6. Funktionen von Textreferenz in “Schwarze Spiegel”: Das Kapitel befasst sich mit der zentralen Bedeutung der Intertextualität, klassifiziert Referenztexte und untersucht deren semantische Funktion hinsichtlich Raumorganisation und Geschichtskonzepten.
7. Schlussteil: Das Fazit fasst die Gegensätze und Widersprüche der Erzählung zusammen und ordnet das Werk abschließend in den Kontext utopischer Prosa ein.
Schlüsselwörter
Arno Schmidt, Schwarze Spiegel, Nobodaddy`s Kinder, Literaturanalyse, Solipsismus, Idylle, Robinsonade, Intertextualität, Zeitutopie, Raumorganisation, Nachkriegsliteratur, Erzählform, Textreferenz, Weltuntergang, Existenzgründung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse der Erzählung „Schwarze Spiegel“ von Arno Schmidt, wobei sie den Text auf seine formalen, inhaltlichen und literaturtheoretischen Eigenschaften hin untersucht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Einordnung in das literarische Genre, die Analyse der solipsistischen Erzählhaltung, die Funktion von Intertextualität sowie das Verhältnis des Menschen zur zerstörten Nachkriegswelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist eine fundierte monographische Auseinandersetzung, die insbesondere untersucht, wie Schmidt die Ambivalenz zwischen solipsistischer Zurückgezogenheit und dem Bedürfnis nach menschlichem Austausch in seiner Erzählweise gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der sowohl biographische als auch intertextuelle Referenzen (z. B. auf James Fenimore Cooper oder George R. Stewart) und strukturelle Formanalysen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Typologisierungsansätze, die Untersuchung der vom Ich-Erzähler wahrgenommenen Umwelt, eine detaillierte Formanalyse und die Erörterung der Funktionen von Textreferenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Solipsismus, Idylle, Intertextualität, Zeitutopie sowie die spezifische Raumkonzeption in Schmidts Werk.
Wie unterscheidet sich „Schwarze Spiegel“ laut der Analyse von einer klassischen Robinsonade?
Die Autorin hebt hervor, dass der Ich-Erzähler die Natur nicht wie Robinson Crusoe aktiv bearbeitet oder kultiviert, sondern sie primär als Raum für Muße und zur Absicherung des eigenen Überlebens nutzt, was den Text eher zur utopischen Prosa tendieren lässt.
Welche Rolle spielt die „Reduktion des Raumes“ für das Geschichtskonzept?
Die Reduktion ist zentral, da Schmidt durch den Bezug auf umfassende historische Geschichtsmodelle (wie bei Stewart) das Partikulare und eng Begrenzte des Ich-Erzählers kontrastiert, um ein eigenes, neues Wertsystem zu etablieren.
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- Rahel Missal (Author), 2005, Arno Schmidts Schwarze Spiegel - eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43276