Nahversorgung im ländlichen Raum unter Berücksichtigung des demographischen Wandels

Konzeptanalyse für den Landkreis Aurich


Bachelorarbeit, 2011

43 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1. Einleitung

Kapitel A - Grundlegendes

2. Einführung
2.1 Der Landkreis Aurich - Eckdaten
2.2 Demographischer Wandel
2.3 Derzeitige Situation
2.4 Wie es im Jahr 2060 wahrscheinlich aussieht
2.5 Der demographische Wandel im Landkreis Aurich
2.6 Auswirkungen der Demographie auf die zukünftige Nahversorgung im LK
2.7 Fazit Demographischer Wandel und Ausblick auf Kapitel в

Kapitel В - Nahversorgung

3. Rund um das Thema Nahversorgung

4. Die Entwicklung des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland
4.1 Fazit und Ausblick

5. Situation im Landkreis Aurich
5.1 Entwicklungen und Besonderheiten der Versorgungssituation im LK Aurich

6. Analyse von ausgesuchten Gemeinden im LK
6.1 Gemeinde Krummhörn
6.2 Gemeinde Ihlow
6.3 Samtgemeinde Hage

7. Prüfung des Handlungsbedarfs

8. Fazit Prüfung des Handlungsbedarfs und Ausblick auf Kapitel c

Kapitel c - Handlungsmöglichkeiten der Regionalplanung

9. Das Zentrale-Orte-Konzept

10. Rechtliche Rahmenbedingungen

11. Handlungsmöglichkeiten der Regionalplanung

12. Fazit Handlungsmöglichkeiten der Regionalplanung und Ausblick auf Kapitel D.

Kapitel D - Konzepte der Nahversorgung

13. Vorhandene Konzepttypen zur Nahversorgung
13.1 Filialkonzepte
13.2 Der Convenience Store
13.3 Bewohnergetragene Konzepte
13.4 Virtuelle und mobile Lösungen
13.4.1 Mobile Verkaufswagen
13.4.2 Der Lebensmitteleinkauf im Internet

14. Übertragbarkeit auf den LK

15. Konzeptanalyse für den Landkreis Aurich
15.1 Ein Convenience Store für die Auricher Innenstadt
15.2 Filialkonzept für den Auricher Ortsteil Tannenhausen
15.3 Ein Dorfladen für den Krummhörner Ortsteil Jennelt
15.4 Ein mobiler Verkaufswagen für die Gemeinde Ihlow

16. Ausblick

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Darst. 1: Der Landkreis Aurich

Darst. 2: Altersstruktur 2008

Darst. 3: Altersstruktur 2060

Darst. 4: Altersstruktur gesamt

Darst. 5: Marktanteile nach Betriebsform

Darst. 6: Situation um Wirdum

Darst. 7: Situation um Westerende-Kirchloog

Darst. 8: Situation in Hage

1. Einleitung

Unter dem Begriff Nahversorgung versteht man im allgemeinen die Bereitstellung eines Angebots von Waren des täglichen Bedarfs. Hierzu zählen vor allem Lebensmittel aber auch Dienstleistungen und medizinische Versorgung.

Wurden diese Waren früher von ״Tante Emma“ in jedem Ort angeboten, so liegt diese Versorgungsfunktion inzwischen immer mehr in den Händen von großen Ketten und Discountern. Oft liegen deren Standorte verkehrsgünstig in Gewerbegebieten einige Kilometer außerhalb der Wohnsiedlungen.

Im ländlichen Raum, ohne einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, ist die Bevölkerung nun auf den Individualverkehr angewiesen um die Einkaufswege zurückzulegen. Betrachtet man jetzt den demographischen Wandel, so stellt sich die Frage ob dies in Zukunft zu Versorgungsproblemen führen kann.

Als Beispiel für den peripheren Raum dient der Landkreis Aurich, der im ersten Teil dieser Arbeit kurz vorgestellt wird. Danach werden Fakten zum demographischen Wandel betrachtet und die Auswirkungen auf die Nahversorgungssituation untersucht. Das nächste Kapitel befasst sich mit den Trends im Einzelhandel, die Situation im Landkreis wird analysiert und die Frage nach akutem oder zukünftigem Handlungsbedarf wird gestellt.

Anschließend werden die Handlungsmöglichkeiten der Regionalplanung aufgezeigt. Kapitel D betrachtet und bewertet vorhandene Konzepte zur wohnortnahen Versorgung. Am Schluss dieser Arbeit werden die vorgestellten Konzepte auf Teilräume des Landkreises Aurich übertragen. Dies soll als Veranschaulichung und Anreiz für weitere Untersuchungen dienen. Detaillierte Konzepte zu denen u.a. Standort- und Finanzierungsanalysen gehören, kann dieses Papier nicht liefern.

Kapitel A - Grundlegendes

2. Einführung

2.1 Der Landkreis Aurich - Eckdaten

Der Landkreis Aurich liegt im äußersten Nordwesten der Bundesrepublik Deutschland und ist der größte Landkreis der Region Ostfriesland.

Darst. 1 : Der Landkreis Aurich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: OpenStreet Map

Auf 1287,3 qkm leben derzeit 190.257 Einwohner welche sich auf 15 Städte und Gemeinden verteilen. Somit ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 147,8 Einwohnern pro qkm.1

Im Dezember 2010 waren 45.663 Personen in einem Beschäftigungsverhältnis.Im Vergleich mit Westdeutschland sind die Wirtschaftsbereiche Baugewerbe und Gastgewerbe stärker vertreten. Trotz des ländlichen Raumes sind nur 2,2% aller Arbeitnehmer in der Land- bzw. Forstwirtschaft tätig. Die Beschäftigungsentwicklung verlief in den letzten 10 Jahren positiv, das Wachstum betrug 8,8% ■2 Dieser Trend wird sich fortsetzen da neue Industrie- und Gewerbegebiete, und somit neue Arbeitsplätze entstehen.3

Die Arbeitslosenquote betrug im August 2011 7,2%.4

Bekannt ist der Landkreis vor allem als beliebtes Ziel für Touristen. Die zugehörigen Inseln Baltrum, Juist und Norderney locken mit dem Reizklima der Nordsee, der Ort Greetsiel mit seinem malerischen Fischereihafen und das Festland bietet ein gut ausgebautes Radwegenetz für Aktivurlauber.

2.2 Demographischer Wandel

Die Bevölkerungswissenschaft wird auch als Demographie bezeichnet. Selbige ״ist die Lehre von den Ursachen und Folgen der Bevölkerungsbewegung“5 In Deutschland wird der Begriff des demographischen Wandels häufig als Synonym für die mathematische Konklusion verwendet. Es werden die Zahlen betrachtet und seltener nach Ursachen geforscht und nach Wirkungen gefragt. Die Geburten- sowie die sterberaten werden untersucht und deren Saldo zusammen mit den Wanderungsbewegungen, also Zuzügen und Wegzügen, betrachtet. Daraus ergibt sich der Bevölkerungsstand. Grafisch aufbereitet entstehen daraus die Bevölkerungspyramiden zur Veranschaulichung der Altersstruktur.

Ist die derzeitige Struktur nur von geringer Bedeutung für die Gegenwart, so sind die Prognosen der Bevölkerungsvorausberechnung umso interessanter für Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Aus ihr ist ersichtlich, wie viele Menschen in erwerbsfähigem Alter, wie viele im Rentenalter sein werden. Daraus wird dann beispielsweise der Bedarf an Schulen und Pflegeeinrichtungen errechnet.6

2.3 Derzeitige Situation

In Deutschland hat sich die Altersstruktur in den vergangenen 100 Jahren stark geändert. Ein bekannter Spruch welcher der Situation kurz aber prägnant darstellt ist ״Die Menschen in Deutschland werden weniger, älter und bunter.“

Weniger, weil die sterberate seit den 1970er Jahren die Geburtenrate übersteigt. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens 1,38 Kinder. Mag dies abstrakt klingen, so stellt man sich einfach 100 Frauen mit 138 Kindern vor. Damit eine Gesellschaft langfristig überlebt müssten diese Frauen 210 Kinder haben, die Geburtenrate also einen Wert von 2,1 vorweisen. Die Rate muss über 2 liegen, da das Geburtenverhältnis Junge zu Mädchen nicht 1:1 ist und nicht jede Frau im Laufe ihres Lebens Mutter wird. Dies sind grobe und vereinfachte Annahmen der Wissenschaft welche bspw. die Wanderung außer Acht lassen. Lediglich während des Baby-Booms in den 1960er Jahren betrug die Geburtenrate in Deutschland annähernd 2,1 und sank danach kontinuierlich ab.

Das Statistische Bundesamt geht davon aus dass diese Rate bis zum Jahr 2060 leicht ansteigt auf einen Wert von 1,6.

Älter, weil die Lebenserwartung seit 130 Jahren steigt. Gründe hierfür sind Fortschritte auf den Gebieten der Hygiene, der Medizin und bewusstere Ernährung. Hinzu kommen Verbesserungen der Wohn- und Arbeitssituation. Jungen des Jahrgangs 2008 werden durchschnittlich 77,2 Jahre, Mädchen des Jahrgangs 2008 durchschnittlich 82,4 Jahre alt. Für das Geburtsjahr 2060 gehen die Statistiker davon aus, dass Jungen zwischen 85,0 und 87,7 und Mädchen zwischen 89,2 und 91,2 Jahre alt werden.

Bunter, weil der Zuzug von Ausländern langfristig stabil bleiben wird. Seit Beginn der Statistiken im Jahr 1954 hat konnte die Bundesrepublik immer einen positiven Wanderungssaldo7 vorweisen. Die Zahl der Einwanderer hat die der Auswanderer stets überschritten. Aufgrund dessen dass Europa größer wird genießen auch immer mehr Staaten das Recht auf Freizügigkeit. Hinzu kommt ein erwarteter Fachkräftemangel für die Wirtschaft der mit Zuzug ausgeglichen wird bzw. ausgeglichen werden muss. Weitere Faktoren sind das Bevölkerungswachstum im asiatischen und afrikanischen Raum sowie die globale Klimaveränderung.

Die Wanderungsgewinne bis 2060 werden 4.860.000 und 9.360.000 liegen.

2.4 Wie es im Jahr 2060 wahrscheinlich aussieht

Die Bevölkerung Deutschlands wird schrumpfen und von gegenwärtig 82.000.000 Personen auf 65.000.000 bis 70.000.000 Personen zurück gehen. Das Geburtendefizit wird sich mehr als verdreifachen von derzeit -162 auf ca. -553. Die Altersstruktur verschiebt sich hin zu mehr Hochbetagten und weniger Jungen.

Darst. 2: Altersstruktur 2008

Bevölkerung Deutschland 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung, Daten: destatis

Darst. 3: Altersstruktur 2060

Bevölkerung Deutschland

Prognose 2060

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung, Daten: destatis

Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (20 - 65 Jahre) wird um 28% von 50.000.000 auf 36.000.000 fallen. Die von der Geburtenzahl her starken 1960er Jahrgänge werden dafür sorgen dass dieser Rückgang nicht linear verläuft. Etwa ab dem Jahr 20 278, dann erreichen die ersten das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67, wird

die Zahl der Erwerbstätigen deutlich zurück gehen.

2.5 Der demographische Wandel im Landkreis Aurich

Die derzeitige Bevölkerungsstruktur im LK unterscheidet sich nur marginal von der der Bundesrepublik. So ist der Anteil der unter 20 jährigen etwas höher (+2% gegenüber Bundesdurchschnitt) und die Fertilitätsrate9 liegt bei ca. 1,6. über die zukünftigen Strukturen gibt die Bertelsmann Stiftung10 Auskunft. Der wichtigste Faktor für die weiteren Betrachtungen ist die der Bevölkerungsentwicklung. Diese wird bis zum Jahr 2025 ein leichtes Plus von 0,4% vorweisen. Die Einwohnerzahl im Landkreis Aurich wird somit nicht zurückgehen. Dafür werden vor allem Wanderungsbewegungen verantwortlich sein.

Hingegen wird sich die Altersstruktur ändern. Das Durchschnittsalter wird von derzeit 42,8 Jahre auf 47,3 Jahre steigen. Die genauen Veränderungen in der Struktur lassen sich in folgender Tabelle ablesen.

Darst. 4: Altersstruktur gesamt

Altersstruktur der Bevölkerung

Angaben in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung, Daten: Bertelsmann Stiftung

2.6 Auswirkungen der Demographie auf die zukünftige Nahversorgung im LK

Wie festgestellt wurde wird sich die Bevölkerungszahl im Landkreis kaum verändern und bei -190.000 Einwohnern liegen. Dies ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Große Abwanderungsbewegungen wie sie zum Teil in den neuen Bundesländern statt finden sind eine Gefahr für kleine Dörfer und den peripheren Raum insgesamt. Der durch Landflucht verursachte Leerstand bringt infrastrukturelle Probleme mit sich und belastet die Gemeindekassen. Im saarländischen Illingen ist man sich bewusst dass die Einwohner immer weniger werden. Dort geht man nun dazu über, leerstehende Wohnhäuser abzureißen. Für die ehrenamtlichen Helfer aus der Nachbarschaft gibt es Freibier.11 Die Demontage der eigenen Heimat als Event - dieses bizarre und traurige Schauspiel wird dem LKAurich aller Wahrscheinlichkeit nach erspart bleiben. Zwar kann niemand mit Sicherheit sagen ob die Bevölkerung in die größeren Städte des Kreises zieht, aber es ist nicht anzunehmen. Die Ostfriesen gelten als sehr heimatverbunden, dies schließt auch das Dorf in dem man groß geworden ist mit ein. Gerade ältere Personen werden ungern ihre Wohnung verlassen wollen.

Dies führt zugleich zur Frage nach der Mobilität im Alter. Eine vom BMVBS in Auftrag gegebene Studie12 zeigt dass immer mehr ältere Personen immer mobiler werden. Dazu passt die Meldung, dass im ersten Halbjahr 2011 fast jeder dritte Neuwagen auf die Generation 60+ zugelassen wurde.13 Der Studie zufolge nutzen ältere Menschen zunehmend den Pkw und weniger den ÖPNV. Ebenso besitzt diese Personengruppe, Männer wie Frauen, häufiger den Führerschein und legt mehr und mehr Wege zurück. Dennoch, auch in Zukunft werden die Menschen altern, ״Es zeichnet sich gegenwärtig nicht ab, dass es gelingen könnte, die alterskorrelierten Abbauprozesse zu stoppen. Es ist daher davon auszugehen, dass die zukünftigen älteren Menschen ähnlichen Alterseffekten unterworfen sein werden wie die heutigen.“14

Aufgrund dieser Tatsache wird es also keine uneingeschränkte Mobilität für alles bis ans Lebensende geben. Weiterhin besteht die Möglichkeit dass man ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr Auto fahren will. In einer Großstadt oder einem Ballungsraum würde man nun auf den ÖPNV ausweichen, dies ist in Ostfriesland jedoch nicht möglich. Auch der Landkreis Aurich bildet dabei keine Ausnahme. Die Busfahrpläne sind vor allem auf die Schülerbeförderung ausgelegt. Danach werden die touristischen Zentren miteinander vernetzt. Einen Bus ,oder ein vergleichbares Verkehrsmittel, der die kleinen Dörfer miteinander oder mit dem nächst größeren Zentrum verbindet ist nicht vorgesehen.

Wenn sowohl Auto als auch Bus und Bahn keinen Optionen darstellen bleibt noch der Weg zu Fuß.

2.7 Fazit Demographischer Wandel und Ausblick auf Kapitel в

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die Tatsache der Bevölkerungsabnahme bei gleichzeitig gestiegener Lebenserwartung zahlreiche Herausforderungen auf die Menschen in Deutschland zukommen. Diese Veränderung wird jeden einzelnen betreffen. Politik und Verwaltung müssen Lösungen für alle Lebensbereiche finden und zeitnah Umsetzen.

Es wurde festgestellt, dass die Bevölkerungszahl im Landkreis Aurich stabil bleiben wird. Weiterhin belegen Studien dass die älter werdende Bevölkerung keine Einschränkungen in ihrer Mobilität erfahren wird. Das Gegenteil wird erwartet.

Diese Ergebnisse sind wichtig für die weiteren Untersuchungen und Handlungsempfehlungen.

Das nächste Kapitel erklärt die grundlegenden Begriffe welche im Bezug auf die Versorgungssituation fallen. Es wird ein kurzer Überblick über den Wandel im Lebensmitteleinzelhandel gegeben und danach die Situation im Landkreis analysiert. Besonderheiten werden herausgestellt und grafisch mithilfe von Karten aufgearbeitet. Abschließend wird untersucht ob akuter oder zukünftiger Handlungsbedarf besteht.

Kapitel В - Nahversorgung

3. Rund um das Thema Nahversorgung

Unter Nahversorgung wird die regelmäßige Bereitstellung von Gütern des alltäglichen Bedarfs verstanden. Zu diesen Gütern zählen vor allem Lebensmittel. Weiterhin gehören Schreibwaren, Zeitungen und Drogerieartikel zu dieser Gruppe.

Komplett wird diese Definition aber erst wenn man auch Dienstleister dazu zählt. Dazu zählen in erster Linie Ärzte und Apotheken, weiterhin Banken und Postfilialen. In dieser Arbeit wird der Begriff jedoch ausschließlich in Bezug auf die Versorgungssituation mit Gütern des periodischen Bedarfs verwendet. Dienstleistungen sind nicht Gegenstand der Untersuchungen.

Solche Güter werden durch verschiedene Angebotsformen bereitgestellt. Diese lassen sich nach der Größe des Sortiments und der Größe der Verkaufsfläche aufschlüsseln. Kleine Geschäfte sind vielen noch als Tante-Emma-Läden bekannt. Auf weniger als 400m2 werden verschiedene Artikel angeboten oder es findet eine Begrenzung auf eine Warengruppe, Z.B. Gemüse statt. Beispiel: Edeka Nah & Gut Im Supermarkt werden meist Waren des täglichen Bedarfs und Erweiterungen hiervon auf bis zu 1.000m2 angeboten. In der Praxis üblich sind Größen bis 800m2, hier liegt die Schwelle zum großflächigen Einzelhandelsbetrieb.15 Für solche gelten besondere Regeln. Beispiel: Edeka Aktiv Markt

Verbrauchermärkte bieten ein breites und tiefes Sortiment von Nahrungs- und Genussmitteln sowie Verbrauchsgüter auf bis zu 3.000m2 an.16 Von einem Vollsortimenter wird gesprochen wenn das volle Sortiment einer Branche zum Kauf verfügbar ist. Beispiel: REWE

Die SB-Warenhäuser bilden die letzte und größte Kategorie. Auf mindestens 3.000m2 werden vorwiegend Lebensmittel bereit gestellt. Beispiel: Real Eine Besonderheit bilden die Discounten Auf üblicherweise bis zu 800m2 großen Flächen werden Lebensmittel mit dem Fokus auf günstige Preise angeboten. Beispiel: Aldi

Auch moderne Shoplösungen an der Tankstelle können Nahversorgungsfunktionen übernehmen. Sie verfügen oft über einen kleinen Backshop sowie eine Kühltheke und ein Sortiment an Snacks. Allerdings sind Grundprodukte, wie Z.B. das Pfund Mehl oder der Sack Kartoffeln selten bis gar nicht im Angebot. Die Preise sind überdies spürbar höher als in jedem Lebensmittelgeschäft. Tankstellen sind auf den Verkehr ausgerichtet und im peripheren Raum in den seltensten Fällen wohnungsnah und darum als echte Alternative zum Versorger nicht geeignet.

Die Frage nach der fußläufigen Erreichbarkeit wird in der Wissenschaft nicht abschließend geklärt. Jedes Planungsbüro definiert diese Entfernung von der Wohnung zum Versorger anders. Die Distanz variiert von 500m - 1000m, gebräuchlich scheint eine Entfernung von 700m oder 10 Gehminuten zu sein.

4. Die Entwicklung des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland

Alle Verbrauchermärkte in Deutschland durchliefen in den letzten Jahrzehnten verschiedene Entwicklungsphasen Der Bereich des Lebensmitteleinzelhandels bildet dabei keine Ausnahme. In den 1950er Jahren waren kleine Geschäfte, der sog. Tante­Emma-Laden, die Hauptbezugsquelle für Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs. Hierzu zählen ״alle Waren mit kurzfristigem Beschaffungsrhythmus“17 dies sind insbesondere Lebensmittel sowie u.a. Haushaltswaren, Drogerieartikel und Zeitschriften. Meist war in den Läden der Besitzer, also oft die Tante Emma, hinter der Verkaufstheke und suchte die vom Kunden gewünschte Ware zusammen und stand beratend zur Seite. Diese Läden, welche man in fast jedem Ort finden konnte, waren zugleich ein Treffpunkt zum sozialen Miteinander und Austausch der Wohnbevölkerung. Das Sortiment war aufgrund der begrenzten Verkaufsfläche auf Breite statt auf Tiefe ausgelegt, d.h. es gab von der Ware meist nur eine Sorte.

Durch die allgemein verbesserte Wirtschaftslage in der Bundesrepublik, das sog. Wirtschaftswunder, stieg der Wunsch des Verbrauchers nach einem größeren Sortiment an Waren. Man begann damit die VKF zu vergrößern und Personal einzusparen, dadurch konnten mehr Produkte angeboten werden. Der Kunde nahm sich seine Ware aus den Regalen, der Selbstbedienungsladen trat seinen Siegeszug an. ״Parallel zur Verbreitung des SB-Betriebsformen ging die Anzahl an Lebensmittelgeschäften 8 Zu beachten ist dass eine unverbindliche Prognose ist, da einige Arbeitnehmer früher bzw. später in Rente gehen. Des weiteren kann der Gesetzgeber das Renteneintrittsalter in den

[...]


1 siehe dazu Der Landkreis Aurich auf - http://www.landkreis-aurich.de/

2 Daten & Fakten LK Aurich in Regis Online Datenbank unter - http://www.regis-online.de/

3 Bauboom in Aurich: Es wird gebaggert - Artikel in der Ostfriesen Zeitung vom 22.09.11

4 Daten & Fakten LK Aurich in Regis Online Datenbank unter - http://www.regis-online.de/

5 Gabler Wirtschaftslexikon online unter - http://wlrtschaftslexlkon.gabler.de/Archlv/2215/bevoelkerungswlssenschaft-v6.html

6 Alle Zahlen dieses Abschnitts entnommen aus, O.V., Deutschland 2060, 2009, s. 11 ff.

7 Einwanderungen minus Abwanderungen in ein Land oder Region über einen bestimmten Zeitraum.

8 kommenden Jahren erneut anpassen.

9 Die Fertilitätsrate, oder auch Geburtenrate, gibt die durchschnittliche Anzahl der Kinder welche eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt wieder.

10 Die Bertelsmann Stiftung bietet die Möglichkeit über ihre Internetseite http://www.Wegweiser- kommune.de individuelle Demographieberichte für Landkreise, Städte und Gemeinden zu erstellen. Diese enthalten aktuelle und vorausberechnete Daten für das Jahr 2025.

11 Vgl. Demografie: Tod auf Raten - Spiegel online Artikel vom 23.04.11 - http://www.spiegel.de/

12 O.V., Mobilität in Deutschland 2008, 2010

13 Vgl. Jeder dritte private Neuwagen für die Ü60 - Artikel im Handelsblatt vom 18.07.11 - online unter http://www.handelsblatt.com/

14 Widmer, Mobilitätsmuster 2030, 2008, s. 5

15 Urteil BVerwG, 24.11.2005, 4 c 10.04

16 Vgl. Schulz, EZH Wandel, 2009, s. 10

17 Iversen, Einzelhandelsanalytik, 2000, s. 7

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Nahversorgung im ländlichen Raum unter Berücksichtigung des demographischen Wandels
Untertitel
Konzeptanalyse für den Landkreis Aurich
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
43
Katalognummer
V432813
ISBN (eBook)
9783668788428
ISBN (Buch)
9783668788435
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nahversorung Einzelhandel demographischer Wandel ländlicher Raum Aurich Landkreis
Arbeit zitieren
Geert Kruse (Autor), 2011, Nahversorgung im ländlichen Raum unter Berücksichtigung des demographischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432813

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