In der bildungspolitischen Diskussion ist im Zusammenhang mit der westlichen Gesellschaft immer öfter von einer Wissens- und Informationsgesellschaft die Rede. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet wird im Angesicht des demographischen Wandels die wissensbasierte Ökonomie ausgerufen. Hinter diesen Begrifflichkeiten steckt die Annahme, das die Gesellschaft sich weg von der Industriegesellschaft hin zu einer auf Informationen und Wissen beruhenden Gesellschaft entwickelt, in der Wissen immer schneller veraltet, generiert wird und wichtiger denn je ist. Diese Entwicklung hat so wird gefolgert, Auswirkungen auf den Wissenserwerb der Menschen und die Bildungspolitik.
Insbesondere hat die zunehmende Wichtigkeit von Bildung Auswirkungen auf die Weiterbildungsaktivitäten im Berufsleben. Zum einen sind die Menschen gezwungen sich ihr gesamtes Arbeitsleben über ständig weiterzubilden um am Arbeitsmarkt bestehen zu können Des weiteren müssen Unternehmen um am Markt bestehen zu können, sich selbst reproduzieren, neuen Anforderungen anpassen und bestehendes weiterentwickeln, was auch nur durch Aus-und Weiterbildung gewährleistet werden kann. Beim Managen von Bildungsprozessen in Organisationen sollte daher auf eine Ausgeglichenheit zwischen den persönlichen Zielen der Mitarbeiter und den Organisationszielen geachtet werden
Ein Problem entsteht an dieser Stelle allerdings nicht nur dadurch, dass das Unternehmen meistens die Zeit und die Gelder für die Weiterbildungen stellt und somit auch das letzte Wort bei der Entscheidung der Weiterbildungsaktivitäten hat, sondern vor allem durch die weit verbreitete Annahme, dass ein ökonomisch effizienter Wissenserwerb von niemandem besser gestaltet und gemanagt werden kann, als von auf Aktionärsgewinne abzielende kapitalistische Unternehmen und/oder Institutionen in deren Abhängigkeit oder Einflussbereich. Beide Probleme haben allerdings letztlich die selbe Konsequenz: Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wirtschaftliche Interessen und das erfüllen kurzfristiger Ziele in den Vordergrund von Weiterbildungsaktivitäten rücken und die Interessen und eine wirkliche Bildung der Mitarbeiter vernachlässigt werden. Hier stellt sich nun die Frage, ob unter einem zu starken wirtschaftlichen Einfluss das Bildungsmanagement zu einem Qualifikationsmanagement “verkommt“.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bildungsmanagement
2.1 Was ist Bildung ?
2.2 Was ist Management ?
2.3 Bildungsmanagement anhand des St. Gallener Managementmodells
3 Der Einfluss der Wirtschaft auf die Bildung
3.1 Der wirtschaftliche Einfluss auf die Schnelllebigkeit von Bildung
3.2 Der wirtschaftliche Einfluss auf die Wissensökonomie
3.3 Der wirtschaftliche Einfluss auf die Messbarmachung von Bildung
4 Bildungsinstitutionen zwischen Bildung und Qualifikation
4.1 Die strategieerfüllende Weiterbildung
4.2 Die strategiegestaltende Weiterbildung
4.3 Die betriebliche Handlungslogik der Weiterbildung
4.4 Die pädagogische Handlungslogik der Weiterbildung
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Interessen und individuellen Bildungsansprüchen im Kontext des modernen Bildungsmanagements. Dabei wird analysiert, inwieweit eine markt- und gewinnorientierte Steuerung von Bildungsprozessen die pädagogische Qualität beeinträchtigt und welche Mechanismen betrieblicher Weiterbildung hierbei wirksam sind.
- Grundlagen und Aufgaben des Bildungsmanagements
- Einfluss ökonomischer Faktoren (Schnelllebigkeit, Wissensökonomie, Messbarmachung) auf Bildung
- Doppelte Handlungslogik: betriebliche vs. pädagogische Perspektive
- Strategieerfüllende und strategiegestaltende Weiterbildungsmodelle
- Kritische Reflexion des Humankapital-Konzepts im Bildungskontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Der wirtschaftliche Einfluss auf die Schnelllebigkeit von Bildung
Der Zwang nach ständiger Beschleunigung macht auch vor der Bildung und den Bildungsinstitutionen keinen Halt. Zum einen entstehen beim Abwägen von Entscheidungen in Bildungsorganisationen durch diese Schnelllebigkeit häufig Ergebnisse die entweder nicht genau überdacht und ausgearbeitet oder nur kurzfristige Ziele erfüllen und selten nachhaltig sind(vgl. Brodbeck 2013). Des weiteren entsteht wirtschaftliches Wachstum heutzutage nur noch in zweiter Linie aus materiellen Gütern, sondern wird in der Hauptsache durch Informationen generiert (vgl. Keeley 2007). Dies kann gewinnorientierte Unternehmen dazu veranlassen, schnellstmöglich neue Informationen generieren zu wollen und Innovationen zu entwickeln. Diese Schnelllebigkeit, so lässt sich schlussfolgern, kann sowohl negative Auswirkungen auf die Entwicklung als auch den Konsum neuer Informationen und Informationen haben. In der Entwicklung besteht die Gefahr, dass durch den hohen wirtschaftlich ausgeübten Zeitdruck Fehler beim generieren neuer Informationen gemacht und diese dann falsch an den Nutznießer dieser Informationen weitergegeben werden, so bei den meisten durch die Wirtschaft verursachte Katastrophen geschehen. Beispielsweise hätte die von BP ausgelöste Naturkatastrophe im Golf von Mexiko, mit umfassender ausgewerteten Daten und einer intensiveren Auseinandersetzung mit der Thematik verhindert werden können (vgl. Crouch 2015). Es ist den Entwicklern neuer Informationen also oft nicht mehr möglich sich umfassend mit dem Bereich, aus dem sie Informationen, ziehen vertraut zu machen (vgl. Gorz 2003).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen Wissensgesellschaft und ökonomischen Verwertungsinteressen ein und stellt die Kernfrage nach der Qualität von Bildungsmanagement.
2 Bildungsmanagement: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Bildung und Management und erläutert die Anwendbarkeit des St. Gallener Managementmodells auf Bildungsprozesse.
3 Der Einfluss der Wirtschaft auf die Bildung: Hier werden negative Auswirkungen ökonomischer Anforderungen wie Schnelllebigkeit, Kommerzialisierung von Wissen und der Zwang zur quantitativen Messbarkeit von Lernerfolgen untersucht.
4 Bildungsinstitutionen zwischen Bildung und Qualifikation: Dieses Kapitel differenziert zwischen strategieerfüllender und strategiegestaltender Weiterbildung sowie den gegensätzlichen Handlungslogiken von Betrieb und Individuum.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, wie eine Ausgleichung zwischen wirtschaftlichen Interessen und nachhaltiger Bildung gelingen kann.
Schlüsselwörter
Bildungsmanagement, Weiterbildung, Wirtschaft, Wissensökonomie, Qualifikation, Humankapital, St. Gallener Managementmodell, Bildungsökonomie, betriebliche Handlungslogik, pädagogische Handlungslogik, Bildungsqualität, Strategie, Nachhaltigkeit, Wissensgesellschaft, Kompetenzentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld, in dem sich Bildungsmanagement bewegt: Einerseits der Druck wirtschaftlicher Effizienz und Verwertbarkeit, andererseits der Bildungsanspruch des Individuums.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von Bildungsmanagement, die Auswirkungen ökonomischer Prinzipien auf Bildungsinstitutionen sowie die Analyse betrieblicher Weiterbildungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob unter dem Einfluss starker wirtschaftlicher Interessen das Bildungsmanagement zu einem reinen Qualifikationsmanagement verkommt, das nur noch kurzfristige Bedarfe deckt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert und etablierte Modelle wie das St. Gallener Managementmodell auf den Bereich der Bildungsorganisation anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition von Bildungsmanagement, die kritische Betrachtung ökonomischer Einflüsse auf Bildung und die Analyse verschiedener betrieblicher Weiterbildungskonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Bildungsmanagement, betriebliche Weiterbildung, Wissensökonomie, Qualifikation sowie das Spannungsfeld zwischen ökonomischen und pädagogischen Interessen.
Welche Rolle spielt das St. Gallener Managementmodell?
Es dient als systemtheoretischer Rahmen, um zu verstehen, wie Bildungsorganisationen auf Umwelteinflüsse reagieren und wie unterschiedliche Managementebenen innerhalb von Bildungsprozessen strukturiert sind.
Was unterscheidet die strategieerfüllende von der strategiegestaltenden Weiterbildung?
Die strategieerfüllende Weiterbildung zielt primär auf das Schließen von Qualifikationslücken für vorgegebene Unternehmensziele ab, während die strategiegestaltende Weiterbildung Mitarbeiterpotenziale als strategische Ressource für die zukünftige Unternehmensentwicklung nutzt.
Wie kritisch bewertet der Autor die Messbarmachung von Bildung?
Sehr kritisch: Der Autor warnt davor, dass der Zwang zu quantitativen Leistungskontrollen dazu führt, dass nur noch abprüfbares Wissen vermittelt wird, während eine umfassende Persönlichkeitsbildung vernachlässigt wird.
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- Johannes Schwarz (Author), 2016, Zwischen Bildung und Qualifikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432839