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Virtuelle Spiegelbilder. Selbstporträt-Profilbilder in Sozialen Netzwerken als Kategorie des Selbstbildnis

Titel: Virtuelle Spiegelbilder. Selbstporträt-Profilbilder in Sozialen Netzwerken als Kategorie des Selbstbildnis

Bachelorarbeit , 2012 , 69 Seiten , Note: 1,1

Autor:in: Anne Levy (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Betrachtungsgegenstand der vorliegenden Arbeit bilden mit Mobiltelefonen oder Digitalkameras aufgenommene Selbstporträts, die in Sozialen Netzwerken des Internets als sogenannte,Profilbilder‘ dienen. Im Jahr 2008 wurden etwa 478 Milliarden Fotos mit Mobiltelefonkameras aufgenommen1, und von 2006 bis 2011 hat sich die Anzahl der in Soziale Netzwerke hochgeladenen Profilbilder verdreifacht. Dabei sind 10 Prozent aller von Nutzern des Sozialen Netzwerks Facebook eingespeisten Fotografien als Profilbilder vorgesehen.2 Bildgrundlage der vorliegenden Arbeit bildet der 2011 erschienene Bildband Social Network Photography von Laura Piatoni und Sabine Irrgang. Die Fotografin und die Medienberaterin haben aus ihrer beruflichen Praxis heraus eine Sammlung von Profilbildern Sozialer Netzwerke angelegt und jene katalogartig, nach Kategorien geordnet, zu einer Publikation zusammengefasst. Das physische Abbilden von Profilbildern in einem Buch aus Papier wirkt paradox, da jene Bilder zunächst so angelegt sind, dass sie in einem bestimmten Kontext, nämlich dem digitalen Ort,Soziales Netzwerk‘ erscheinen sollen. Eingangs sollen deshalb jene Orte, die den Profilbildern als Rahmung dienen, vorgestellt werden. Dabei wird außerdem deren Funktion betrachtet und benannt. Anschließend folgt eine Einbettung der Profilbilder Sozialer Netzwerke in die Geschichte sozialer Gebrauchsweisen sowie Herstellungspraktiken von Porträtbildern und Selbstporträts, die in Bezug zur historischen Entwicklung der Fotografietechnologie bis hin zur Mobiltelefon-Fotografie gestellt werden soll. Des Weiteren soll durch den Vergleich mit Beispielen aus Kunst- und Fotografiegeschichte aufgezeigt werden, inwiefern eine genealogische Verbindung zwischen den Bildmotiven und kunsthistorischen Bezugsgrößen besteht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sicht auf einen Inszenierungsraum

2.1 Das Profilbild und seine Platzierung in der Sozialen-Netzwerk-Architektur

2.2 Das Profilbild und seine Funktionen

3. Profilbilder als Mittel der Selbstrepräsentation

3.1 Zur Herstellungspraxis und den sozialen Gebrauchsweisen von Porträtbildern und fotografischen Selbstporträts

3.2 Technische Bedingungen als Hinführung zu einer Praxis der Mobiltelefon-Fotografie

3.3 Versuch eines Ansatzes zur Genealogie des Selbstporträt-Profilbildes

4. Die Selbstporträt-Pose im Profilbild Sozialer Netzwerke als Untersuchungsobjekt: Ansätze zur Kategorisierung

5. Das Profilbild-Selbstporträt im Spiegel

5.1 Bildansicht: Das Selbstporträt im Spiegel

5.2 „Ich“ als Motiv im Spiegel des Selbstporträts

6. Der Armlängenabstand

6.1 Bildansicht: Der Armlängenabstand, einhändig aus der Aufsicht

6.2 Der Armlängenabstand als temporäre Pose und Geste

7. Narrativ-Konstruktionen

7.1 Bildansicht: Selbstporträt mit Ortsbezug

7.2 Ortsbezüge als narrative Elemente um das virtuelle Selbst

8. Blick-(An-)Ordnungen

8.1 Bildansicht: Der Armlängenabstand, zweihändig aus der Aufsicht

8.2 Zur Ausrichtung des Blickes im Selbstporträt-Profilbild

8.3 Maskierung im Blick

9. Bist du's wirklich? – Ich-Konstruktion und Bild-Modell

10. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Phänomenologie und Inszenierung von Selbstporträts als Profilbilder in sozialen Netzwerken, wobei sie eine genealogische Brücke von der Kunstgeschichte bis zur zeitgenössischen Mobiltelefon-Fotografie schlägt und die spezifische "DIY-Pose" analysiert.

  • Genealogie und Historie des fotografischen Selbstporträts
  • Die Rolle der Netzwerk-Architektur bei der Bildinszenierung
  • Analysekategorien für Posen, Gesten und Blickrichtungen (DIY-Pose)
  • Der Zusammenhang zwischen Raum, Körper und digitaler Identität
  • Das Konzept des "Anderen" und die Blickführung im digitalen Selbstporträt

Auszug aus dem Buch

3.1 Zur Herstellungspraxis und den sozialen Gebrauchsweisen von Porträtbildern und fotografischen Selbstporträts

Die Produktion künstlerischer Selbstbildnisse lässt sich bis in die Renaissance verfolgen. Die wohl bekanntesten Selbstporträts zu Beginn der Fotografiegeschichte bilden jenes von Hippolyte Bayard (1801-1887) – Selbstporträt als Ertrunkener (1840) (Vgl. Abb.1) und die von dem Porträtisten Nadar (Gaspard-Félix Tournachon, 1820-1910) angefertigten (Vgl. Abb.2), welcher sich Zeit seines Lebens in unterschiedlicher Weise immer wieder selbst fotografierte, und seinerzeit als einer der wichtigsten Porträtisten seiner berühmten Zeitgenossen galt. Bayards fiktiv-narratives Selbstporträt als angeblich Ertrunkener gilt nicht nur als eines der ersten fotografischen Selbstporträts überhaupt, sondern markiert gleichzeitig den Beginn eines neuen fotografischen Genres: der inszenierten Fotografie, als deren Erfinder Bayard häufig betrachtet wird. Die fotografischen Selbstbildnisse Nadars werden eher als technische Studien zur Bewegung eingeordnet. Erika Billeter, die 1985 eine Ausstellung zum fotografischen Selbstporträt in Stuttgart und Lausanne organisierte, weist Serien selbstabbildender Fotografien die Funktion von „Lebensprotokollen“ zu, wie sie in vergleichbarer Weise von Nadars zeitgenössischen Malerkollegen, wie etwa Cezanne, Vincent van Gogh, und später im deutschen Raum beispielsweise von Lovis Corinth und Max Beckmann in deren Gesamtwerk angelegt wurden. Jene fotografisch-künstlerischen Selbstporträts stehen nur bedingt im Verhältnis zu den Fotografien, die der vorliegenden Arbeit als Untersuchungsgegenstand dienen. Susan Sontag merkte passend zum Verhältnis zwischen der Praxis des fotografischen Selbstporträts und des Gemäldes an: „Such images are indeed to usurp reality because first of all photography is not only an image (as a painting is an image), an interpretation of the real; it is also a trace, something directly stenciled off the real, like a footprint or a death mask.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Untersuchungsgegenstand von Selbstporträts in sozialen Netzwerken und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.

2. Sicht auf einen Inszenierungsraum: Analyse der technischen Netzwerk-Architektur und deren Einfluss auf die Platzierung und Funktion von Profilbildern.

3. Profilbilder als Mittel der Selbstrepräsentation: Historische Herleitung und Einbettung des digitalen Selbstporträts in die Tradition der Porträtfotografie.

4. Die Selbstporträt-Pose im Profilbild Sozialer Netzwerke als Untersuchungsobjekt: Ansätze zur Kategorisierung: Vorstellung existierender Ansätze zur Klassifizierung von Posen in sozialen Netzwerken.

5. Das Profilbild-Selbstporträt im Spiegel: Untersuchung des Spiegelmotivs anhand von Fallbeispielen und dessen mythologischem sowie identitätsstiftendem Hintergrund.

6. Der Armlängenabstand: Analyse der technischen und gestischen Bedeutung des "Selfie"-Typs und der damit verbundenen körperlichen Inszenierung.

7. Narrativ-Konstruktionen: Betrachtung der Rolle von Ortsbezügen und Inszenierungen als narrative Elemente im digitalen Selbstbild.

8. Blick-(An-)Ordnungen: Untersuchung der Blickführung, der Maskierung im Blick und des Verhältnisses von Betrachter und Dargestelltem.

9. Bist du's wirklich? – Ich-Konstruktion und Bild-Modell: Auseinandersetzung mit der synekdochischen Funktion des Profilbildes und der Konstruktion von Identität im digitalen Raum.

10. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Erkenntnisse über die performative und visuelle Bedeutung von DIY-Selbstporträts als Stellvertreter der Identität.

Schlüsselwörter

Selbstporträt, Profilbild, Soziale Netzwerke, DIY-Pose, Armlängenabstand, Selbstrepräsentation, digitale Identität, Identitätskonstruktion, Bildanalyse, Fotografiegeschichte, Blickregime, Spiegelung, Inszenierung, Narziss, Virtueller Raum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Selbstporträts, die Nutzer als Profilbilder in sozialen Netzwerken verwenden. Dabei liegt der Fokus auf der visuellen Inszenierung der eigenen Identität.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Historie der Porträtfotografie, die Einordnung von Posen in sozialen Netzwerken, die Bedeutung von Bildräumen und die Interaktion zwischen dem Dargestellten und dem Betrachter.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, eine Kategorisierung der Selbstporträt-Posen zu erarbeiten und die "DIY-Pose" als ein autonomes, mediales Handeln innerhalb der Netzwerk-Architekturen zu definieren und kunsthistorisch sowie soziologisch einzuordnen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin nutzt Methoden der Bildanalyse in Kombination mit kunsthistorischen Vergleichen, Medientheorie sowie soziologischen und psychoanalytischen Ansätzen (u.a. Lacan, Goffmann).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Posen (Spiegel, Armlängenabstand, Ortsbezug) sowie die Untersuchung der Blickführung und Maskierung, um die Konstruktion von Identität und die Wirkung auf den Rezipienten zu entschlüsseln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "DIY-Pose", "Armlängenabstand", "Selbstrepräsentation", "Blickregime" und "Netzwerk-Architektur" charakterisiert.

Wie spielt das Spiegelmotiv eine Rolle für die Identitätskonstruktion?

Das Spiegelbild im Profilbild fungiert als "Trugbild" oder Traumbild, das dem Nutzer ermöglicht, eine idealisierte Identität zu erschaffen, wobei die ständige technische Rückkopplung eine permanente Kontrolle über das eigene Erscheinungsbild ausübt.

Warum wird die "DIY-Pose" als ein autonomes Handeln definiert?

Weil der Nutzer im Prozess der Selbstaufnahme – von der Entscheidung über die Auslösung bis hin zur Auswahl und dem Hochladen – alle Handlungsschritte selbst übernimmt und sich somit von traditionellen Bildproduktions-Hierarchien löst.

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Virtuelle Spiegelbilder. Selbstporträt-Profilbilder in Sozialen Netzwerken als Kategorie des Selbstbildnis
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Kunstgeschichte)
Note
1,1
Autor
Anne Levy (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
69
Katalognummer
V432877
ISBN (eBook)
9783668754720
ISBN (Buch)
9783668754737
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selfie Selfies Facebook Instagram Social Media
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anne Levy (Autor:in), 2012, Virtuelle Spiegelbilder. Selbstporträt-Profilbilder in Sozialen Netzwerken als Kategorie des Selbstbildnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432877
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Leseprobe aus  69  Seiten
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