Der Frauenfußball hat in Deutschland einen geringeren Stellenwert als der Männerfußball. Dementsprechend ist die mediale Repräsentanz deutlich geringer. Für einen Artikel im Fußball-Magazin mussten die Frauen in den 1990er Jahren sogar Geld bezahlen. Zudem wurde den Frauen neben der geringen Berichterstattung fehlende Feminität vorgeworfen und schließlich Homosexualität unterstellt. Folglich entstand das Klischee der „Mannweiber“.
Die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 ermöglichte einen Imagewechsel, wodurch das Lesbenklischee ersetzt wurde durch das Sexy-Girl-Klischee. Folglich waren die Nationalspielerinnen bereits im Vorfeld medial gefragt.
Daher werden in der vorliegenden Ausarbeitung folgende Fragen im Rückblick auf die WM 2011 genauer unter die Lupe genommen: Gab es in Bezug auf den Frauenfußball tatsächlich einen Wandel in der Wahrnehmung? Und war der Imagewechsel zur „sexy Kickerin“ bloß ein Produkt des Zufalls oder doch das einer medialen Vermarktungsstrategie? Was sind die Ursachen und die Hintergründe der gegenwärtigen Sexualisierung im Sport?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Innerhalb kürzester Zeit zum Medienhype
3. Theoretischer Zugang durch die Kommunikationsforschung
3.1 Nachrichtenwerttheorie
3.2 Gatekeepertheorie
4. Mediale Rahmenbedingungen
4.1 Sexualisierung des Frauenfußballs
5. Ein journalistischer Rückblick
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch den Wandel in der medialen Wahrnehmung des Frauenfußballs in Deutschland anlässlich der Weltmeisterschaft 2011. Dabei wird analysiert, ob die Inszenierung der „sexy Kickerin“ eine nachhaltige Emanzipation darstellt oder lediglich eine opportunistische Vermarktungsstrategie widerspiegelt.
- Wahrnehmungswandel des Frauenfußballs in deutschen Medien
- Kommunikationswissenschaftliche Theorien zur Nachrichtenauswahl
- Die Rolle der Sexualisierung als Vermarktungsstrategie im Frauensport
- Perspektiven von Sportjournalisten auf die mediale Repräsentation
- Herausforderungen für eine langfristige Etablierung des Frauenfußballs
Auszug aus dem Buch
4. Mediale Rahmenbedingungen
Männerdominierende Sportressorts bevorzugen Athletinnen aus ästhetisch kompositorischen Sportarten sowie Individualsportarten, die traditionelle Weiblichkeitskonzepte, wie Eleganz und Anmut, verkörpern. Demzufolge wird über-wiegend über Tennisspielerinnen, Athletinnen aus dem Eiskunstlauf oder der Rhythmischen Sportgymnastik berichtet.
„Athletinnen aus Männersportarten [stoßen] jedoch auf Ablehnung, da ihre Körper aufgrund des harten Trainings oftmals nicht mehr dem traditionellen weiblichen Schönheitsideal entsprechen. Abweichungen von dieser männlich konstruierten (aber auch von Frauen mitgebrachten) Norm werden selten akzeptiert und mit kommerzieller Nichtbeachtung gestraft.“
Aufgrund dessen sehen sich Athletinnen aus männlich dominierenden Sport-arten dazu gezwungen, durch den Einsatz von Gendersymbolen (Kleidung, Make-up, Nagellack, aufwändige Frisur, Schmuck) oder durch die Hervorhebung der sekundären Geschlechtsmerkmale, ihre Weiblichkeit stärker zu betonen. Da der Schwerpunkt somit, unabhängig von der sportlichen Leistung, auf der Vermarktung des äußeren Erscheinungsbildes liegt, präsentierten sich die Nationalspielerinnen im Vorfeld der WM 2011 in diversen Mode- und Beauty-strecken. Auch der DFB hat erkannt, dass die Betonung der Weiblichkeit hilfreich ist, um das Image der „Mannweiber“ durch Ästhetik und Sympathie zu modifizieren. Da Birgit Prinz nicht dem Bild der neuen Generation entspricht, wurde daher anlässlich der Fußball-WM 2011 eine Barbie-Birgit als „außergewöhnliche Ehrung“ auf den Markt gebracht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Wandel vom Klischee des „Mannweibs“ hin zur „sexy Kickerin“ und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur Nachhaltigkeit dieses Images.
2. Innerhalb kürzester Zeit zum Medienhype: Das Kapitel beleuchtet, wie die WM 2011 künstlich zum Medienereignis hochstilisiert wurde und welche finanziellen sowie strategischen Interessen hinter der medialen Inszenierung standen.
3. Theoretischer Zugang durch die Kommunikationsforschung: Hier werden die Nachrichtenwerttheorie und die Gatekeepertheorie erläutert, um zu erklären, nach welchen Kriterien Journalisten Sportnachrichten auswählen.
4. Mediale Rahmenbedingungen: Dieser Abschnitt analysiert den Druck auf Athletinnen, sich den normativen Weiblichkeitsidealen anzupassen, und diskutiert die Konsequenzen der Sexualisierung.
5. Ein journalistischer Rückblick: Anhand von Experteninterviews wird die Haltung von Sportjournalisten zur medialen Vermarktungsstrategie und deren Wirksamkeit untersucht.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass eine langfristige Etablierung des Frauenfußballs durch die derzeitige Sexualisierungsstrategie nicht erreicht wird, und fordert strukturelle Veränderungen in den Sportredaktionen.
Schlüsselwörter
Frauenfußball, WM 2011, Mediale Wahrnehmung, Sexualisierung, Gender-Mainstreaming, Nachrichtenwerttheorie, Gatekeepertheorie, Sportjournalismus, Vermarktungsstrategie, Weiblichkeitsideal, Sportgeschichte, Medienhype, Emanzipation, Fatmire Bajramaj, Birgit Prinz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und medialen Aufarbeitung des Frauenfußballs in Deutschland, insbesondere unter Berücksichtigung des Imagewechsels während der Weltmeisterschaft 2011.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen mediale Vermarktungsstrategien, die Konstruktion von Geschlechterrollen im Sport, die theoretischen Grundlagen der Kommunikationsforschung sowie die Sichtweise der Sportjournalisten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der Imagewandel zur „sexy Kickerin“ einen tatsächlichen gesellschaftlichen Fortschritt darstellt oder lediglich eine oberflächliche Strategie zur kurzfristigen Aufmerksamkeitsgenerierung war.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von Experteninterviews zur Berichterstattung im Sportressort.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze zur Nachrichtenauswahl, die mediale Inszenierung von Sportlerinnen sowie die Diskrepanz zwischen sportlicher Leistung und ästhetischer Vermarktung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Wesentliche Begriffe sind Frauenfußball, Sexualisierung, mediale Inszenierung, Nachrichtenwerttheorie und Sportjournalismus.
Warum wird im Dokument explizit auf die „Barbie-Birgit“ eingegangen?
Die „Barbie-Birgit“ dient als konkretes Fallbeispiel dafür, wie der DFB und die Medien versuchten, eine erfolgreiche Fußballerin durch eine ästhetische Anpassung an gängige Schönheitsnormen „vermarktbarer“ zu machen.
Welche Rolle spielt der Begriff „Human Interest“ in dieser Arbeit?
Er beschreibt die Tendenz, Sportlerinnen vermehrt über ihre privaten Rollen als Mutter oder Ehefrau zu definieren, was von der eigentlichen sportlichen Leistung ablenkt.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Nachhaltigkeit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der aktuelle Weg der Sexualisierung nicht zu einer dauerhaften emanzipatorischen Etablierung führt, da er weiterhin bestehende Geschlechterhierarchien stützt.
Welche Empfehlung gibt die Arbeit für die Zukunft des Frauenfußballs?
Es wird empfohlen, Frauen stärker in Führungspositionen der Sportredaktionen zu integrieren und eine kontinuierlichere, inhaltlich fundierte Berichterstattung abseits von reinen Großereignissen zu etablieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Die Anfänge des Frauenfußballs. Mannweib vs. sexy Kickerin?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432915