Dating-Apps. Moderne Partnerwahl im Spannungsfeld von Romantik, Kommerz und Technik


Bachelorarbeit, 2015

97 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DATING UND PARTNERWAHL - EINE HISTORISCHE UND PSYCHOLOGISCHE BETRACHTUNG
2.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG
2.2 PSYCHOLOGISCHE ASPEKTE

3. AKTUELLE ENTWICKLUNGEN
3.1 ZIELGRUPPE SINGLES
3.1.1 BESCHREIBUNG UND URSACHEN
3.1.2 MARKTPOTENZIALE
3.2 MODERNE DATING-TOOLS
3.2.1 ONLINE-DATING
3.2.2 MOBILE-DATING
3.2.2.1 TINDER
3.2.2.2 LOVOO
3.2.3 GEGENÜBERSTELLUNG DER DATING-TOOLS
3.2.3.1 ABGRENZUNG
3.2.3.1 POSITIVE KONSEQUENZEN
3.2.3.2 NEGATIVE KONSEQUENZEN
3.2.4 STUFENMODELL DER SOZIALEN WAHRNEHMUNG ANGEWANDT AUF DAT1NG-APPS MIT BEZUGNAHME ZUR PARTNERWAHL

4. QUANTITATIVE FORSCHUNG
4.1 OPERATIONALISIERUNG DER HYPOTHESEN
4.2 AUSWERTUNG

5. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANGSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

ABB. 2: UMSATZENTWICKLUNG VON DATING-BÖRSEN VON 2003 BIS 2013

ABB. 5: STUFENMODELL DER SOZIALEN INFORMATIONSVERARBEITUNG

1. Einleitung

„Dating-App Tinder: Sex per Chat“ (2014, www.spiegel.de), „Partnersuche im Social Web: Tinder macht richtig süchtig“ (2015, www.handelsblatt.com), „Liebeauf den ersten Wisch“ (2015, Der Spiegel), „Noch krasser als Tinder? Dating-App Lovoo ortet Nutzer mit Flirt-Radar“ (2014, www.focus.de) - diese Artikelsind lediglich ein Auszug aus einer Liste von Zeitungen, Zeitschriften und Onli-ne-Magazinen bzw. -Nachrichtenportalen, die sich aktuell mit dem Thema der Dating-Apps, insbesondere Tinder und Lovoo, beschäftigen. Hierbei geht esmeist um Erfahrungsberichte, bei denen Redakteure oder Journalisten entwe-der sich dem Selbstversuch unterzogen haben oder andere interviewten, diebereits Erfahrung mit Dating-Apps gemacht haben. Der Tenor ist dabei fast im-mer derselbe: Frauen bemängeln, dass Männer nur Sex wollen, Männer be-schweren sich darüber, dass Frauen nicht auf ihre Nachrichten antworten.

Steeg (2015, S. 51) beschreibt die „Revolution der Dating-Apps“ so, dass„Tinder - und andere Social-Apps wie etwa Lovoo - [...] die Art und Weise, wiewir im 21. Jahrhundert leben und lieben [verändern, Anm. der Autorin]“. Dating-Apps sind vor allem durch die Olympischen Spiele 2014 in Sotchi bekannt ge-worden, da eine der US-Snowboarderinnen offen über deren Nutzung und diedadurch schnell entstehenden sexuellen Kontakte im Dorf sprach (Demling,2015, S. 125). Die Autorin dieser Arbeit selbst nutzt die Dating-Apps Tinder und Lovoo seit Januar 2014. Dadurch hat sie einen Einblick in die Funktionsweisesolcher Apps bekommen und die Kommunikation, die darüber stattfindet, ken-nengelernt. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden deshalb persönliche Er-fahrungen der Autorin berücksichtigt. Die Aktualität sowie das Interesse der Au-torin an diesem Thema sind die ausschlaggebenden Gründe, weshalb sich die-se Arbeit mit der Frage beschäftigt, ob und inwiefern die Nutzung von Dating-Apps Auswirkungen auf das Dating-Verhalten der Nutzer haben und welche Chancen sich für das Marketing ergeben. Hierzu wurde eine Studie durchge-führt, die Anhaltspunkte liefern soll, welche Vor- und Nachteile sich durch diese Art des Datings für die Nutzer ergeben. Darüber hinaus soll die Studie erfassen,ob es sich bei Dating-Apps um eine Revolution bei der Partnersuche oder ehereinen kurzfristigen Trend handelt.

In Kapitel 2 wird zunächst ein Überblick über die Historie und Psychologieder Partnerwahl gegeben. In den letzten Jahrzehnten hat ein Wandel in der Funktion der Partnerwahl stattgefunden: Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen die Partner nach Status und Gesundheit ausgewählt wurden, um die Reproduktion weiterer Nachkommen gewährleisten zu können, wird die Partnerwahl heutzutage primär auf Basis der romantischen Liebe gefällt.

Kapitel 3 widmet sich demnach den aktuellen Entwicklungen. Dazu zählen u. a. die nähere Beschreibung der Zielgruppe der Singles und welche Marktpotenziale sich durch diese Zielgruppe ergeben. Ferner werden die modernen Dating-Tools wie Online-Dating und Mobile-Dating erläutert und gegenübergestellt. Dabei werden sowohl gemeinsame positive als auch negative Konsequenzen der Nutzung solcher Möglichkeiten aufgeführt. Zudem wird ebenfalls darauf hingewiesen, welche plattformanhängigen Vor- und Nachteile sich ergeben. Die Autorin schließt in diesem Kapitel jedoch aus Platzgründen die möglichen Risiken und Gefahren durch die Nutzung der Dating-Tools aus.

Im darauffolgenden Abschnitt findet die Erklärung und Interpretation der quantitativen Forschung statt. Dabei werden durch die Theorie abgeleitete Hypothesen überprüft sowie weitere Erkenntnisse aus den vorliegenden Daten beschrieben und kritisch hinterfragt.

Im letzten Kapitel werden sowohl die theoretischen als auch die wissen-schaftlichen Erkenntnisse und Ergebnisse dieser Arbeit diskutiert. Darüber hin-aus leitet die Autorin Chancen für das Marketing ab und führt an, welche tech-nischen Neuerungen zu einer Ausweitung des Nutzungsumfangs von Dating-Apps führen können.

2. Dating und Partnerwahl - Eine historische und psychologi-sche Betrachtung

2.1 Historische Entwicklung

Die Grundlage für die Entstehung der „Dating-Kultur“ in der heutigen Zeit ist dieromantische Liebe, die nach Bierhoff und Grau (2003, S. 5) und Küpper (2002, S. 76) vor allem seit der Nachkriegszeit die Basis für die Partnerwahl bzw. Part-nerschaften bildet. Geschichtlich betrachtet wurden dagegen bis ins 20. Jahr-hundert sogenannte Vernunftehen geschlossen. Diese dienten dazu, die Fort-pflanzung zu gewährleisten, was in der Regel mit Personen aus der gleichen Gesellschaftsschicht geschah. Eine Heirat wurde demnach primär aufgrund ökonomischer Zwänge (Bierhoff & Grau, 2003, S. 4; Marschalck, 1992, S. 19),wie z. B. die Absicherung von ökonomischen, politischen oder sozialen Einflus-ses reicher Familien oder Sippen (Klein, 1995, S. 33; Casimir & Rao; 1992, S.273), geschlossen. Angesichts der klassischen Rollenverteilung stand bei der Partnerwahl für die Frau im Fokus, einen Mann zu finden, der für sie und die Nachkommen sorgte (Mikula & Stroebe, 1991, S. 136). Der Mann suchte hin-gegen eine Frau, die gesund und gebärfähig war und somit gesunden Nach-wuchs zur Welt bringen konnte, welcher die Reproduktion weiterer Nachkom-men gewährleistete (Gerrig & Zimbardo, 2008, S. 435). Die emotional-intime Funktion der Familie, die heute der Hauptgrund einer Familiengründung ist,entwickelte sich langsam über ein bis zwei Jahrhunderte in der bürgerlichen Ehe (Bierhoff & Grau, 2003, S. 4; Küpper, 2002, S. 33).

Erst seit Kriegsende wird der romantischen Liebe und Zuneigung als Grund-lage für die geeignete Partnerwahl mehr Bedeutung zugesprochen (Klein, 1995, S. 34; Trommsdorff, 1995, S. 197; Küpper, 2002, S. 72). Durch die Verbreitungdes Feminismus, die breite Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln, wie z. B. die Pille oder Kondome, sowie das Nachlassen elterlicher Erwartungen an eine Hochzeit ließ junge Erwachsene in den 60er Jahren sexuell freier werden(Laumann et al., 1994, S. 11 ff.; Heil, 1995, S. 1; Hradil, 1995, S. 78; Küpper,2002, S. 23).

Dennoch galt bis in die 70er Jahre als Idealbild einer Partnerschaft in der westlichen Moderne noch immer die bürgerliche Ehe mit Kindern und einer geschlechtsspezifischen Rollenverteilung (Döring, 2003, S. 155; Bierhoff & Grau, 2003, S. 4). Erst durch die Postmodernisierung wurde diese Beziehungsnorm durch pluralisierte Beziehungsmodelle, wie z. B. nichteheliche Zweierbeziehungen, homo-, hetero-, oder bisexuelle Beziehungen mit und ohne Kinder, etc. schrittweise relativiert (Lenz, 2006, S. 122).

Zur gezielten Partnersuche wurden in den 50er Jahren vor allem Zeitungsin-serate genutzt (NEU.DE Studie, 2014, S. 3). Später folgten dann - vor allemdurch die Verbreitung der Massenmedien - Verkupplungsshows mit dem Zielder Partnervermittlung, wie z. B. Herzblatt, Nur die Liebe z ä hlt oder Der Ba- chelor. Diese Art von Unterhaltungsprogramm bekam den Namen Lovetainment (Brandt, Cziesche, Kraft & Latsch, 2006, S. 79) . Ferner wurden durch das Inter-net die Zeitungsinserate fast vollständig durch die Möglichkeiten des Online-Datings ersetzt (NEU.DE Studie, 2014, S. 3). Eine neuere Entwicklung, die der- zeit zu beobachten ist, ist die immer mehr an Popularität gewinnende Möglichkeit des Mobile-Datings. Die Möglichkeiten des Online- bzw. Mobile-Datings und deren Unterschiede werden in Kapitel 3.2 näher erläutert.

2.2 Psychologische Aspekte

Eine stabile Partnerschaft gilt als wichtigste Bedingung für das menschliche Wohlbefinden (Küpper, 2002, S. 62). Dies wird durch eine aktuelle Studie von Statista im Auftrag von If D Allensbach (2014, www.statista.de) zu der Fragestel-lung, was die Probanden1 persönlich im Leben für besonders wichtig und er-strebenswert halten, unterstützt. 75,4 % der Befragten nannten „Eine glückliche Partnerschaft“, gleich nach „Gute Freunde haben, enge Beziehung zu anderen Menschen“ (84,9 %) und „Für die Familie da sein“ (78,4 %). Dabei ist die Suchenach Nähe einer der elementaren Gründe für die Partnersuche, welche einesder grundlegenden menschlichen Bedürfnisse darstellt und dabei hilft, Kälte und Einsamkeit zu überwinden (Küpper, 2002, S. 62 f.; Mc Adams, 1980, S. 421 ff. & S. 431; Maslow, 1954, S. 214). Die Liebe wird zum Ideal, das einen gewünschten Kontrast zur alltäglichen Routine bietet (Dombrowski, 2011, S. 47) und ist somit ein wichtiger Treiber für die Partnersuche.

Einfluss auf die Partnerwahl haben dabei unterbewusste Mechanismen, dieaus der in Kapitel 2.1 beschriebenen evolutionsbiologischen Entwicklung resul-tieren. Zum einen üben die Erziehung, Bildungssysteme und soziale Umfeldereinen Einfluss auf individuelle Präferenzen einer Person aus (ebenda, S. 282;Grammer, 1993, S. 116; Hantel-Quitmann, 2007, S. 33). Die meisten Menschenbewerten positiv, wenn eine Ähnlichkeit von Attitüden, Interessen oder Hobbiesvorliegt, was die Entwicklung sozialer Beziehungen fördern kann (Festinger,1954, S. 130 f.). Die Autoren Mikula und Stroebe (1991, S. 81 ff.) unterstützendiese Annahme mit einer der zentralen Thesen der Paarforschung: Personenfühlen sich stärker zu solchen Personen hingezogen, die ihnen in physischen,psychischen und sozialen Aspekten ähnlich sind.

Zum anderen werden die Menschen bei der Partnerwahl durch die allgemei-ne Vorgeschichte beeinflusst. Frauen und Männer haben über Jahrhundertehinweg Strategien entwickelt, um den passenden Partner zu finden. Im Mittel- punkt steht dabei die These, dass sich die Geschlechter bei der Partnerwahlvom maximalen Fortpflanzungserfolg und den mit der Paarung verbundenenlangfristigen Konsequenzen leiten lassen. Frauen haben nur eine relativ be-grenzte Zahl von Nachkommen und tragen diese zudem aus. Ihre Investitionenin eine Partnerschaft sind daher erheblich größer als die der Männer. Für jenereduziert sich Fortpflanzung biologisch betrachtet auf den sexuellen Akt mit ei-ner empfängnisbereiten Frau (Cunningham, 1986, S. 926; Grammer, 1993, S.42; Botwin, Buss & Shakleford, 1997, S. 109; Vogel, 1992, S. 147). Frauen ach-ten daher bei Männern auf maskuline Merkmale wie das Kinn, welches Hinwei-se auf Durchsetzungsfähigkeit und Dominanz gibt. Männer hingegen achten auf Wangen, Taille und Hüften, die Informationen über die sexuelle Reife einer Frauliefern (Hassebrauck, 2010, 85 f., Grammer, 1993, S. 163). Gleichermaßen ach-ten Frauen und Männer jedoch als erstes auf die Augen und danach auf den Mund (vgl. Abb. 1, Anhang S. 55), um die Symmetrie des Gesichts zu erfassen.Symmetrie gab in der Vergangenheit Hinweise über die Gesundheit eines Men-schen, da symmetrische Organismen gesünder sind. Personen mit symmetri-schen Gesichtern bekamen dementsprechend bei unseren Vorfahren den Vor-zug bei der Partnerwahl (Hassebrauck, 2010, S. 82 ff.; Hantel-Quitmann, 2007, S. 36; Klein, 1995, S. 58; Grammer, 1993, S. 179). Weitere Indikatoren für einehohe reproduktive Kapazität sind Jugendlichkeit, weiche Haut, Muskeltonus,glänzende Haare und volle Lippen (Grammer, 1993, S. 118). Der Sozialpsycho-loge Hassebrauck (1993, S. 41) weist in diesem Zusammenhang darauf hin,dass diese wahrgenommene Gesundheit, die ein Merkmal physischer Attraktivi-tät sein kann, ebenfalls kulturellen und temporären Variationen unterliegt.

Weitere Einflussfaktoren auf die Partnerwahl sind durch die Entwicklung derletzten Jahre entstanden. Verlängerte Ausbildungsphasen, wachsende Instabili-tät von Beschäftigungsverhältnissen, erhöhte Flexibilität und Mobilität sowiezunehmende Scheidungsraten (Eckhardt, 2014, S. 343 f.; Datenreport 2013, S. 43 ff.) nehmen großen Einfluss auf Bindungsentscheidungen (Eckhard, 2014, S.357). Scheidungskinder gaben in einer Umfrage noch Jahre nach der elterli-chen Trennung an, dass sie befürchten, beziehungsunfähig zu sein und sehensich in ihrem partnerschaftlichen Verhalten beeinträchtigt (Kaiser, 2003, S.120). Sie haben nicht gelernt, Beziehungen und Kompromisse einzugehen(Hradil, 1995, S. 79). Durch das Offenhalten von Zukunftsoptionen, bedingtdurch instabile Beschäftigungsverhältnisse, steigen die Opportunitätskosten einer Partnerschaft. D. h., dass eine Festlegung auf eine konkrete Paarbeziehung mit Einschränkungen hinsichtlich berufsbezogener Flexibilität einhergeht (Eckhard, 2014, S. 357).

Eine der Folgen daraus ist, dass bis zur heutigen Zeit lebenslange Bezie-hungen immer seltener werden (Brandt, Cziesche, Kraft & Latsch, 2006, S. 80).Der Politologe Ronald Inglehart stellte 1977 als Ursache die Theorie des Wer- tewandels auf. Diese besagt, dass seit den 70er Jahren anstatt Pflicht und Be-sitz nun die Werte Selbstverwirklichung und Partizipation die höchste Prioritäthaben, begründet durch die veränderten Lebensbedingungen, die sich für diedamals junge Generation ergaben (S. 113 ff.). Diese Generation ist im Wohl-stand großgeworden, zu Zeiten des wirtschaftlichen Wachstums der Nach-kriegszeit (ebenda, S. 107; Bierhoff & Grau, 2003, S. 4). Statt Wohlstand und Sicherheit strebte sie deshalb nach Freiheit, Selbstverwirklichung und Selbst-entfaltung (Inglehart, 1977, S. 53 & S. 138 ff.). Demgemäß ist ein Zusammen-schluss zweier Personen heutzutage unkomplizierter, da dieser nicht gleichzei-tig wie noch vor wenigen Jahren mit einem Heiratsversprechen einhergehenmuss (Schmitz, zit. in Mattauch, 2011, S. 20).

Die gelockerten Moralvorstellungen führen jedoch nicht zwingend zu einergrundsätzlichen Ablehnung fester Bindungen (Brutscher et al., 2015, S. 8). Dieletzten Jahre brachten einen erneuten Wertewandel mit sich. Werte wie Ge-meinschaft, Sicherheit und Ordnung wurden vor allem bei jungen Menschenimmer wichtiger (Hradil, 2003, S. 39) und damit auch der Wunsch nach einer Partnerschaft, die Sicherheit gibt, wie auch die zuvor erwähnte Statistik zeigt(Statista, 2014, www.statista.de). Einer der Gründe dafür könnte sein, dass die Jugendlichen in den 90er Jahren die negativen Seiten des Individualitätsgedan-ken erlebten. Mit den neuen Möglichkeiten stiegen Orientierungsprobleme. Kon-flikte sowie Risiken, wie z. B. Arbeitslosigkeit und Selbstverwirklichungsprozes-se der Eltern, nahmen zu (Hradil, 2003, S. 50).

Zusammengefasst sind jene Faktoren bei der freien Wahl von Beziehungs-partnern wichtig, welche es begünstigen oder erschweren, dass zwei Personen Kontakt miteinander aufbauen. Diese sind zum einen in der Umwelt zu lokalisie-ren, wie z. B. räumliche Nähe (Mikula & Stroebe, 1991, S. 84 f.; Grammer,1993, S. 380), zum anderen in den beteiligten Personen. Das Zusammenspielaus interpersonaler Attraktivität (äußeres Erscheinungsbild, sozialer Status,Humor, etc.) und sozialer Kompetenz (verbale Fähigkeiten, Extraversion) führt dazu, dass sich zwei Personen wechselseitig attraktiv finden können. Somit wäre eine Kontaktgelegenheit geschaffen, die sie zu potenziellen Beziehungspartnern werden lassen (Döring, 2003, S. 413).

3. Aktuelle Entwicklungen

3.1 Zielgruppe Singles

3.1.1 Beschreibung und Ursachen

Die Anzahl von Singles wird in Deutschland nicht explizit erfasst, die meisten Statistiken stützen sich auf die Zahl der Ein-Personen-Haushalte (Dombrowski, 2011, S. 83; Küpper, 2003, S. 83). Dabei beschränkt sich die Definition von Single jedoch nicht nur auf das Fehlen einer partnerschaftlichen Haushaltsgemeinschaft, sondern auf das Fehlen jeglicher Paarbeziehung, auch haushaltsübergreifend (Eckhardt, 2014, S. 341). In dieser Arbeit steht der Begriff Single deshalb für alle Personen, die freiwillig oder unfreiwillig partnerlos sind bzw. derzeit keine romantische Beziehung führen.

Schätzungen über die Anzahl von Singles fallen unterschiedlich aus: Die Autorin Küpper (2002, S. 19; 2003, S. 83) schließt bei ihrer Betrachtung von Singles diejenigen ein, die freiwillig oder unfreiwillig ohne feste Partnerschaftleben, im Alter zwischen 20 und 50 Jahren sind und 2003 ca. 16 % der deut-schen Bevölkerung ausmachten (ca. 13 Millionen Menschen). Im Allgemeinendefiniert sie, dass Singles Partnerlose im mittleren Erwachsenenalter sind -dem klassischen Familienalter. Geschiedene oder verwitwete Personen, Perso-nen, die in einer WG leben oder die Kinder haben und womöglich alleinerzie-hend sind, spielen dabei eine untergeordnete Rolle (ebenda, S. 81). Eine weite-re Schätzung erwähnt der Autor Nowroth (2014, S. 56): 2014 wird die Anzahlder Erwachsenen, die ohne feste Beziehung leben, auf ca. 12 Millionen ge-schätzt, mit steigender Tendenz.

Singles sind meist hochgebildet und erhalten überdurchschnittlich hohe Löh-ne und Gehälter (Hradil, 2003, S. 42; 1995, S. 28). Eine repräsentative Studievon Elite Partner (2013, www.elitpartner.de) ergab, dass vor allem von den 18-bis 30-Jährigen jeder Zweite keinen festen Lebenspartner hat. Diesen Trendbeobachtete auch der Soziologe Eckhard (2014, S. 347), welcher anmerkt, dass dies insbesondere auf Frauen im Altersbereich zwischen 22 und 35 Jahren zutrifft.

Gründe für diese Entwicklung sind u. a. die in Kapitel 2.2 genannten Umstände: Der Wandel von Bildungs- und Beschäftigungschancen und andere soziokulturelle Entwicklungen üben Einfluss auf die Partnersuche aus (ebenda, S. 341), so dass die Familienplanung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird (Lengerer, 2007, S. 433). Jahrgangsspezifische Engpässe durch den demografischen Wandel stellen eine weitere Ursache für die zunehmende Partnerlosigkeit in Deutschland dar (Eckhard, 2014, S. 343).

Wie zuvor erläutert (vgl. Kapitel 2.1), unterliegt die Partnerwahl auch heutenoch unbewussten Mechanismen, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelthaben. So wünschen sich Frauen einen Partner mit mindestens gleich hohem Bildungsabschluss (Skopek, Schulz & Blossfeld, 2009, S. 10) und treffen dabeiauf eine sich angleichende Bildungspartizipation von Frauen und Männern(Helbig, 2012, S. 374). Frauen verrechnen ihren eigenen Status mit dem des Partners, d. h., je höher ihr Status ist, desto höher muss der des zukünftigenmännlichen Partners sein. Männer hingegen nehmen solch eine Verrechnungnicht vor (Grammer, 1993, S. 132 f.). Eine Mikrozensus-Auswertung (Lengerer,2007, S. 443) zeigt, dass vor allem bei den Frauen die Verbreitung der Ehe inder Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen abgenommen hat. Es wird vermutet,dass durch die Gleichberechtigung der Frau und somit besseren Karrierewegenauf der einen Seite und der Wunsch nach einem dominanten, gleich bzw. höhergebildeten Partner (Skopek, Schulz & Bossfeld, 2009, S. 2) auf der anderen Seite, ein Spannungsfeld bei der Partnersuche der Frau entsteht, was zu einererhöhten Partnerlosigkeit führt (Hradil, 1995, S. 30). Hassebrauck (2010, S. 35)nennt sie „die neuen Einsamen“ - jene Frauen, die attraktiv, gebildet und erfolg-reich, aber kaum bereit sind, einen Mann mit weniger Bildung zu heiraten undsomit Opfer ihrer Partnerwünsche werden. In diesem Zusammenhang stellt die Autorin folgende Hypothesen auf:

H1a: Je h ö her eine Frau gebildet ist, desto eher nennt sie als Hauptgrund f ü r ihr Single-Dasein "Ich schrecke mit meinem gro ß en Selbstbewusstsein das andere Geschlecht ab".

H1b: Je h ö her eine Frau gebildet ist, desto eher nennt sie als Hauptgrund f ü rihr Single-Dasein "Mein Bildungsniveau bzw. meine Karriere sch ü chtert vieleein".

Die Außenwahrnehmung von Singles änderte sich im Verlauf der Zeit. In den70er Jahren wurden Singles noch als Symbol für eine hedonistische Lebensart(Küpper, 2003, S. 80), die mit einem abwechslungsreichen Sexualleben assozi-iert wurde, angesehen und als „Swinging Singles“ (ebenda, S. 94; Hradil, 1995, S. 6) betitelt. Heutzutage werden Singles als defizitäre Figuren wahrgenommen(Hradil, 2003, S. 39). Die negative Wahrnehmung reicht vom Single „als mit-leidserregende Gestalt“ bis hin zur Betitelung als „Sozialschmarotzer“, da sie zuegoistisch sind, Kinder großzuziehen und sich nicht am Generationenvertragbeteiligen (ebenda, S. 45; 1995, S.152). Außerdem werden Singles meist fürvereinsamt gehalten und von Außenstehenden als unsicher, gehemmt, bezie-hungsunfähig oder schüchtern wahrgenommen (Döring, 2003, S. 412). Dabeihaben Singles meist einen ähnlich großen Freundes- und Bekanntenkreis wie Paare und treffen sich ebenso häufig mit anderen. Da jedoch eine stabile Part-nerschaft als wichtigster Bedingungsfaktor für das Wohlbefinden gilt, erleben Singles dennoch ein Gefühl von Isolation oder Einsamkeit. Dies lässt vermuten,dass das Wohlbefinden nicht von einer hohen Anzahl von sozialen Beziehun-gen sondern vielmehr von dem Vorhandensein eines festen Liebespartners ab-hängt (ebenda, S. 87f.; Hradil, 1995, S. 43).

Ferner wurde beobachtet, dass das Single-Dasein oftmals von allen Singlesals Durchgangsstadium betrachtet und auch als solches gelebt wird - einendauerhaften, überzeugten und freiwilligen Single gibt es nach Küpper (2003, S.105) nicht.

In einer Studie (2013, www.elitepartner.de) wurden 4.147 Singles nach den Gründen für ihre Partnerlosigkeit befragt. Gleich häufig wurden „Ich bin eherschüchtern, lerne wenig neue Menschen kennen“ und „Ich habe sehr hohe An-sprüche und möchte keine Kompromisse eingeben“ (35 %) genannt. Darauffolgten „Ich fokussiere mich zurzeit auf meinen Job und meine Karriere“ (31 %),„Ich treffe immer wieder auf bindungsunwillige Frauen/Männer“ (29 %) und „Die Vorteile des Singlelebens sind mir auf Dauer wichtiger als eine Partnerschaft“(24 %). Mit je 18 % wurden „Ich verdiene zu wenig Geld, kann einer/m Part-ner/in nicht genug bieten“, „Ich bin wenig attraktiv“ und „Mein Bildungsniveau bzw. meine Karriere schüchtert viele ein“ genannt. Am wenigsten nannten die Probanden die Gründe „Ich kann mich schwer festlegen, weil es vielleicht nochbesser passende Partner gibt“ (17 %) und „Ich bin zu alt“ (14 %). Diese Ergeb-nisse decken sich mit weiteren Studien, die ähnliche Aussagen von Probandenaufnahmen (Küpper, 2003, S. 105; Hradil, 2003, S. 52). Die Antwort „Ich habesehr hohe Ansprüche und möchte keine Kompromisse eingehen“ stützt zudemdie Beobachtung von Küpper (2003, S. 101), nach dem Singles auch dann ih-ren Anspruch an einen potenziellen Partner nicht senken, wenn sie auf Partner-suche oder schon lange Single sind. Oftmals haben Singles nach eigener Ein-schätzung mehr zu bieten als Paare, dabei halten sich vor allem Single-Frauenin der Tendenz für besonders attraktiv. Auch eine andauernde Konfrontation mit Schönheitsidealen in den Medien kann letztlich für hohe Partneransprüche von Singles verantwortlich sein (Grammer, 1993, S. 153).

3.1.2 Marktpotenziale

Die Zielgruppe der Singles ist aufgrund ihres Wachstums und dem überdurch-schnittlich hohen Einkommen zu einer attraktiven Zielgruppe für Unternehmengeworden. Vor allem für Kontakt- und Partnervermittlungen ist das Potenzialdieser Zielgruppe groß (Nowroth, 2014, S. 56). Potenzielle Nutzer unterschei-den sich in Alter, Religion, Nationalität, Standort und vielen weiteren Faktoren,was der Dating-Industrie viele Angebots-Differenzierungen ermöglicht (Smith,2005, S. 4).

Zahlreiche Unternehmen handeln inzwischen mit der „Ware Liebe“ (Brandtet al., 2006, S. 79). Sie versuchen, durch Single-Skatekurse, Single-Segeln,Single-Kino, Single-Weinproben, Single-Reisen und Single-Ratgeber Menschenzusammenzubringen (ebenda). Nach Yagan (zit. in Mattauch, 2011, S. 20),Gründer der Dating-Plattform OKCupid, ist der Markt „unersättlich“ und die„Spitze des Eisbergs“ wurde gerade erst „angekratzt“. Voraussetzungen für den Erfolg der Dating-Branche ist zum einen die Krisensicherheit, da es sowohl Scheidungen als auch Trennungen immer geben wird (Brandt et al, 2006, S.86). Zum anderen, dass Singles ihre Lebensform in der Regel als Durchgangs-stadium sehen (vgl. Kapitel 3.1.1) und sich deshalb ab einem bestimmten Zeit-punkt wieder auf Partnersuche begeben (Brand et al., 2006, S. 80). Eine Studievon NEU.DE (Sauter, 2014, www.presse.neu.de) belegt, dass Singles pro Jahr 3,2 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung beitragen. Für Restaurants, Bars und Freizeitaktivitäten geben deutsche Singles ca. zwei Milliarden Euro aus, für Kleidung in etwa 506 Millionen Euro.

In den Jahren von 2005 bis 2009 hat sich der Umsatz der gesamten Dating-Branche vervierfacht - von 44 Millionen Euro auf 180 Millionen Euro (Mattauch,2011, S. 20). 2012 lag das Marktvolumen schätzungsweise bei 220 Millionen(Kunkel, 2011, S. 24). Ein Einflussfaktor dabei ist das Wachstum des Online-Datings (vgl. Abb. 2, S. 14). Nachdem zunächst die Steigerung der Nutzerzah-len von den Dating-Börsen fokussiert wurde, werden nun Kooperationen mit Anbietern anderer Branchen als Einnahmequelle immer wichtiger. Den Mitglie-dern werden Gutscheine für Gourmetlokale, Vergünstigungen in Bars oder Dis-kotheken oder Happy Hour für Singles auf Single-Reisen angeboten (Mattauch,2011, S. 22), die sie beim Dating einsetzen können. Durch Tracking-Tools ist esmöglich, bedürfnisspezifische Angebote zu machen und so die Kundenbindungüber die Zeit als Single hinaus aufrechtzuerhalten und in jeder Lebensphase dierichtigen Dienstleistungen anzubieten (ebenda, S. 23). Folgende Möglichkeitenergeben sich nach Ansicht der Autorin dieser Arbeit: Verliebt sich bspw. ein Single bei einer Single-Reise, so wird er beim nächsten Mal eher ein Romantik-hotel buchen. Oder meldet sich ein Mitglied bei einer Partnerbörse ab, weil sichderjenige verliebt hat, könnte ihm bei der Abmeldung ein Gutschein für einen Kochkurs, eine Paar-Massage oder ein Reisegutschein angeboten werden.

Aktuelle Technik-Trends, wie z. B. Wearables [Smartwatches, Tracker Armbänder, Anm. der Autorin], können ebenfalls eine Relevanz für den Dating Markt haben. Da diese technischen Innovationen vergleichsweise neu sind, können hier vorerst keine Prognosen genannt werden.

Abb. 2: Umsatzentwicklung von Dating-Börsen von 2003 bis 2013

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Umsatz von Dating-Börsen im deutschsprachigen Internet in den Jahren von 2003 bis 2013 (in Millionen Euro) (Statista, 2014, www.statista.de)

3.2 Moderne Dating-Tools

3.2.1 Online-Dating

Die gezielte Partnersuche im Internet gewann in den letzten Jahren immer mehran Bedeutung. Durch erhöhte Mobilitätsanforderungen oder beruflichen Zeit-druck (vgl. Kapitel 2.2) wird es für einen Teil der Bevölkerung immer schwieri-ger, offline den geeigneten Partner zu finden (Döring, 2003, S. 449). Die Ethno-login Dombrowski (2003, S. 70 f.) definiert Online-Dating als eine spezielle Va-riante der Partnersuche, die unter Einbeziehung des Internets dazu dient, erste Kontakte, Treffen und gemeinsame Aktivitäten zweier Menschen zu initiieren,mit der Option, sich ineinander zu verlieben. Ferner erläutert sie (ebenda, S.85), dass es sich bei Dating-Plattformen um lose Gemeinschaften handelt, dieden Wunsch nach einem Beziehungspartner als kleinsten gemeinsamen Nen-ner innehaben. Die Autorin dieser Arbeit beschränkt sich bei der Bezeichnung Online-Dating nur auf solche Dienste, die ihre Dienstleistung vorranging übereine Internetseite und nicht hauptsächlich als App anbieten.

Online-Dating galt vor fünf Jahren noch als unromantisch (Mattauch, 2011, S. 20) oder wurde in gesellschaftlichen Diskussionen mit Misstrauen bedacht

(Dombrowski, 2003, S. 227). Kritiker bemängelten, dass Online-Dating depersonalisiert, dass die Liebe abgewertet wird und dies zu einem gesellschaftlichen Werteverfall und zu individuellem Unglück führt (ebenda, S. 212).

Durch die Generation Web 2.0 bzw. Digital Natives, die mit dem Internet auf-gewachsen sind und bei Kontakten keinen Unterschied mehr zwischen Offline-und Online-Welt machen, wandelte sich diese Wahrnehmung (Mattauch, 2011, S. 20). Online-Dating ist heutzutage vielmehr eine „Mainstream- Freizeitbeschäftigung“ (Brutscher et al., 2015, S. 3) und ein üblicher Weg, Affären, Freunde und Beziehungen zu finden.

Die Auslöser, sich bei einem Online-Dating-Service anzumelden reichen von ernster Partnersuche, über „Bequemlichkeit“ (Mattauch, 2011, S. 20) und „Sehen, was es da draußen gibt“ (Smith, 2005, S. 8), bis hin zu „Keine Chance verpassen wollen“ (Dombrowski, 2011, S. 119).

Ferner ist Online-Dating im hohen Maße durch die Möglichkeit des Wählensgekennzeichnet (Dombrowski, 2003, S. 199), da es eine große Menge an Kon-takten ermöglicht. Die Fähigkeit des Internets, Millionen von Menschen zu er-reichen (Smith, 2005, S. 3) sowie die Vielfältigkeit der Zielgruppe Singles, er-möglicht es, das Angebot der Kontaktbörsen zu differenzieren. Für jede ethni-sche oder religiöse Gruppe, für Tierfreunde, für Übergewichtige, Hochintelligen-te oder Personen älteren Jahrgangs gibt es mittlerweile Online-Dating-Plattformen (ebenda; Mattauch, 2011, S. 20). Hinter den bekanntesten Online-börsen, wie z. B. Friendscout24.de, Elitepartner.de oder Parship.de, stehen oftgroße Medienunternehmen, wie T-Online, Holtzbrinck oder Burda (Brandt et al.,2006, S. 80). Vor allem die Verlage versuchen dadurch, das Kleinanzeigenge-schäft wieder aufleben zu lassen, welches ihnen durch den digitalen Wandelverloren gegangen ist (Kunkel, 2011, S. 24).

Die Grundlage für die Partnersuche in Online-Börsen stellen meist psycho-logisch untermauerte Fragebögen dar, bei denen der Kunde intensiv mit einge-bunden wird. Es geht um emotionale Inhalte und subjektive Merkmale, die nurder Partnersuchende beschreiben kann. Vernachlässigt wird dabei allerdingsder Gedanke, dass Menschen unbewusst dazu neigen, ihre Wünsche falscheinzuschätzen, bzw. diese gar nicht genau benennen können oder ungenaue Angaben machen (ebenda; Mattauch, 2011, S. 21 f.; Brutscher et al., 2015, S.31). Vor- und Nachteile im Zusammenhang mit Online-Dating erläutert die Auto- rin dieser Arbeit in Kapitel 3.2.3, da sich einige Gemeinsamkeiten mit der nachfolgenden Erläuterung des Mobile-Datings ergeben.

3.2.2 Mobile-Dating

Als Mobile-Dating werden in dieser Arbeit alle Dienste bezeichnet, die ihre Dienstleistungen hauptsächlich über eine App zur Verfügung stellen.Mobile-Dating ist der neueste Trend bei der Partnersuche im Internet(Nowroth, 2014, S. 56). Innerhalb von drei Jahren stieg der Umsatz der Mobile-Dating-Branche von null auf 25 Millionen Euro (ebenda). Die Smartphone-Entwicklung der letzten Jahre hat maßgeblich zur Verbreitung der Dating-Appsbeigetragen. Laut einer Bitkom-Studie (2014, www.bitkom.org) hat sich der Ab-satz von Smartphones von 2011 auf 2014 nahezu verdoppelt. Sie sind die wich-tigsten Treiber des digitalen Wandels, da sie sowohl für Telekommunikation alsauch für Bezahlung, Planung, Information und Unterhaltung genutzt werden.Ca. 82 Prozent der verkauften Mobiltelefone 2014 in Deutschland waren Smartphones. Eine weitere Studie (Google, 2013, think.withgoogle.com) fandheraus, dass 67 % der Deutschen das Haus nicht ohne Smartphone verlassenund dieses am meisten zu Hause (95 %), unterwegs (87 %) oder bei der Arbeit(78 %) nutzen. 72 % der Smartphone-Nutzer beteiligen sich an sozialen Netz-werken.

Die beliebtesten Apps für die Partnersuche sind Tinder und Lovoo (Nowroth,2014, S. 56). Laut einer Studie von NEU.DE (2014, S. 6) nutzen bereits 49 %der Singles, die mit dem Smartphone ins Internet gehen, Dating-Seiten und Single-Börsen. 72 % der Mobile-Dating-Nutzer gaben an, dass sich durch die Nutzung ihr Dating-Verhalten geändert hat, u. a. dass sie mehr Leute kennen-lernen (21 %). Mobile-Apps ermöglichen es, von überall den passenden Partnerzu finden: Gedatet wird meist über das Smartphone von zu Hause aus (41 %)und während der Arbeitszeit (19 %).

Die Anmeldung ist bei Dating-Apps unkompliziert und überwiegend kosten-los [eigene Erfahrung, Anm. der Autorin]. Meist reicht eine Anmeldung über den Facebook-Account. Danach werden Fotos ausgewählt, die angezeigt werdensollen und Entdeckungspräferenzen eingestellt. Dazu zählen i.d.R. Umkreis,Alter und Geschlecht. Zu guter Letzt kann der Nutzer sich noch kurz beschrei-ben oder seine Interessen angeben. Die Grundfunktion solcher Apps besteht aus einem Matchgame. Der Nutzer sieht bis auf eine Auswahl von Bildern, den Namen, das Alter und Informationen (z. B. Kurzbeschreibung, gemeinsame In-teressen oder Freunde) der angezeigten Person keine weiteren Details undentscheidet per Wisch nach links oder rechts, ob ihm eine Person gefällt(rechts) oder nicht (links). Erst wenn sich beide Nutzer für interessant befundenhaben, entsteht die Möglichkeit, miteinander zu chatten. Die meisten Dating-Apps nutzen dafür die Geolokalisierung, mit dem der Standort des Mitglieds via GPS festgestellt wird und es mit Menschen in der Nähe zusammenbringt (Brut-scher et al., 2015, S. 13). Eine andere Variante ist das verhaltensbasierte Mat- ching, das jeden Klick und „Wisch“ verfolgt, um daraus individuelle Präferenzenabzuleiten. Je öfter bei einem Profil eine positive oder negative Reaktion her-vorgerufen wird, desto mehr lernt der Matching-Logarithmus etwas über den User und stellt weitere Empfehlungen darauf ein (ebenda, S. 14).

Die einfache und spielerische Bedienung passt dabei zum Trend der heuti-gen Zeit. Durch die Anforderungen an junge Menschen, immer flexibel und mo-bil sein zu müssen und den Wunsch nach Stabilität und Sicherheit durch einenfesten Partner, können diese unkompliziert mit anderen ohne eine hohe emoti-onale Investition in Kontakt kommen (West-Leuer, zit. in Schärf, 2015,www.handelsblatt.com).

Kritisiert wird in diesem Zusammenhang oftmals die Oberflächlichkeit der Apps und die Förderung der Hookup-Kultur: In den letzten 60 Jahren wurdenromantische Annäherungen zunehmend durch zwanglose Treffen ersetzt, diezum Ziel hatten, sich zu sexuellen Aktivitäten zu verabreden (Garcia et al.,2012, S. 161). Vor allem bei den jüngeren Altersgruppen sind „Sex-Dates“(Brutscher et al., 2015, S. 10) ohne Verpflichtungen beliebt. Für die Suche nachwechselnden Partnern werden meist die oberflächlichen Dating-Apps genutzt(ebenda). Anhand dessen wird vermutet, dass junge Erwachsene das klassi-sche Dating verlernen und sich nicht mehr verlieben oder binden können(ebenda, S. 7). Seit Verbreitung der Hookup-Kultur hat auch der Begriff Mingle [Abgeleitet von „mixed“ und „single“, Anm. der Autorin] vermehrt Einzug in die Medien erhalten. Der Mingle lebt allein, hat aber Bekanntschaften für Sex, fürs Kino oder zum Essengehen. Diese Personen sind vom Matching-Markt meistüberwältigt, so dass sie sich nicht mehr für einen Partner entscheiden könnenoder wollen (Stolzenburg, zit. in Seitz et al., 2014, www.focus.de).

Diplompsychologin West-Leuer (zit. in Schärf, 2015, www.handelsblatt.com)entkräftet diese Vermutung. Menschen, die das Abenteuer suchen, verliebensich und andere, die eine ernsthafte Partnerschaft fokussieren, finden ein lang-ersehntes Abenteuer. Ein häufiger Partnerwechsel ist dabei als Vorstufe fürlangfristige Beziehungen zu betrachten, da dieser als entscheidender Lernpro-zess dient. Oftmals entsteht auch ein falscher Eindruck über die Häufigkeit derwechselnden Partner (Boerner, zit. in Brutscher et al., 2015, S. 8). Durch die Möglichkeit, zu jeder Tageszeit und an jedem Ort neue Menschen kennenzuler-nen, kommen Dates oft spontan und ungezwungen zustande. Dabei ist die Auswahl potenzieller Partner sehr groß und die Nutzer bekommen schneller Zugang zu anderen Menschen (Laumann, zit. in Brutscher et al., 2015, S. 36).Dies bedeutet jedoch nicht, dass jedes Date einen erotischen Hintergrund hat.

3.2.2.1 Tinder

Tinder trug die letzten zwei Jahre maßgeblich dazu bei, dass der Mobile-Dating-Markt exponentiell anstieg (Brutscher et al., 2015, S. 34 f.). Nachdem Olympio-niken in Sotchi den Medien erzählten, dass sie tindern und Prominente wie z. B.Katy Perry oder Lily Allen sich als Nutzer outeten, gewann die App auch in Deutschland mehr Nutzer (Demling, 2015, S. 125). Mittlerweile nutzen ca. zwei Millionen Bundesbürger die App (Piper, 2014, www.dating-insider.de), weltweitsind es ca. 30 Millionen Personen. Gegründet wurde Tinder 2012 von Sean Rad, Justin Mateen und Jonathan Badeen in den USA und kann mittlerweileneben dem Smartphone auch auf der Android Wear™ genutzt werden (Brut-scher et al., 2015, 24 f.). Die Hauptzielgruppe sind männliche und weibliche Singles im Alter von 18 bis 35 Jahren (o.V., 2014, www.n24.de).

Tinder nutzt bei seinem Matchgame (vgl. Abb. 3, Anhang, S. 56) vorrangigdie Geolokalisierung und einen Algorithmus, um die Interessen anhand des Fa-cebook-Profils, mit dem man sich anmeldet, abzugleichen (Schärf, 2015, han-delsblatt.com). Der Nutzer kann bis zu fünf Fotos seiner Facebook-Bilder hoch-laden und sich mit einem Satz selbst beschreiben. Auch die Integration des ei-genen Instagram-Accounts ist seit Kurzem möglich (2015, www.gotinder.com).

Die Basis-Version der App ist kostenlos. Da diese jedoch nicht werbefinan-ziert ist und die Entwickler bisher kein Geld mit Tinder verdienen, wurde im Feb-ruar 2015 die Premium-Version Tinder Plus eingeführt. Sie ermöglicht dem Nut- zer, versehentlich „weggewischte“ Kontakte wieder herzustellen oder an einemanderen Standort zu suchen, wenn sie z. B. planen, in den Urlaub zu fliegen(ebenda). Kritisiert wurde dabei das Preismodell, das sich nach Alter und Landrichtet. Mitglieder unter 28 Jahren zahlen weniger als Nutzer über 28 Jahren(o.V., 2015, www.spiegel.de).

Ferner wird Tinder unterstellt, als bequeme Möglichkeit für schnelle „Sex-Dates“ zu dienen (Schärf, 2015, www.handelsblatt.com). Sucht man bei Ama-zon nach Tinder, findet man in den Suchergebnissen vor allem für Männer vie-le Ratgeber, u. a. Speeddating mit Tinder: Insider Know-How f ü r M ä nner oder Sex-Garantie: Wie du mit Tinder, Lovoo & Co Frauen online verf ü hrst und mitihnen schl ä fst (www.amazon.de). Brutscher et al. (2015, S. 9) fanden in ihrer Studie heraus, dass 55 % aller Frauen und 83 % aller Männer auf Tinder Sexsuchen. Dies bestätigt den Verdacht der Hookup-App. Auf der anderen Seitegaben rund die Hälfte aller Befragten an, auf Tinder Liebe, Verabredungen undernste Beziehungen zu suchen. Eine weitere Studie (Piper, 2014, www.dating-insider.de) führte zu der Erkenntnis, dass ca. 63 % der Befragten von Tindergelangweilt sind. 14 % der Frauen bemängeln zudem den unanständigen Um-gangston und anstößige/sexuell explizite Nachrichten (36 %). Bei Männern sindes hingegen nur ein Prozent, die sich von einem unanständigen Umgangstonund sexuell expliziten Nachrichten (2 %) gestört fühlen. Ein Umstand, der nach Hassebrauck (2010, S. 39) so erklärt werden könnte, dass Männer eher dazubereit wären, mit einer unbekannten Frau zu schlafen als andersrum, bedingtdurch die unterbewussten psychologischen Aspekte bei der Partnerwahl (vgl.Kapitel 2.2).

Mehr als die Hälfte (54 %) wird die App dennoch weiter nutzen, 35 % wirdnach eigener Aussage auf Tinder verzichten und ca. ein Drittel der Befragten(28 %) zieht auch alternative Dienste in Betracht (Piper, 2014, www.dating-insider.de).

3.2.2.2 Lovoo

Lovoo gehört in Deutschland zu den drei umsatzstärksten Apps im App Storeund ist unter den ein Prozent der erfolgreichsten Apps weltweit im Google Pla-ystore (2014, inside.lovoo.net). Gegründet wurde Lovoo 2012 in Dresden vonden Brüdern Björn und Benjamin Bak und deren Geschäftspartner Alexander Friede. Laut Website hat die Dating-App ca. 31 Millionen Nutzer (ebenda,Stand: 27. Juni 2015), genutzt wird sie vor allem in Deutschland und Brasilien(Demling, 2015, S. 125). In den USA ist die App trotz Expansionspläne (Rie-chers, 2013, www.gruenderszene.de) bisher noch nicht erhältlich, da jene Ex-pansion nach Aussagen von Bak (zit. in Demling, 2015, S. 125) einen zu hohenfinanziellen Aufwand bedeutet. Die Autorin der Arbeit vermutet, dass die ge-stoppten Expansionspläne auch mit dem Erfolg von Tinder in den USA zusam-menhängen.

Die Nutzer von Lovoo sind durchschnittlich 24 Jahre alt und zu zwei Drittelnmännlich (Nowroth, 2014, S. 56). Finanziert wird die App durch Affiliate-Programme [Partnerprogramme mit Dienstleistern aus verschiedenen Bran-chen, Anm. der Autorin] und kostenpflichtigen Zusatzdiensten für die Nutzer(inside.lovoo.net).

Für das Einloggen, die Verifizierung ihres Profils und das Downloaden von Apps der Lovoo-Partner erhalten die Lovoo-Mitglieder Credits, die eigene Lo-voo-Währung. Zudem haben sie die Möglichkeit, Credit-Pakete im Wert von2,99 Euro bis 29,99 Euro zu kaufen. Mit diesen Credits können die Nutzer Son-derdienste freischalten, wie z. B. zum „Blickfang“ für 24 Stunden werden oder Profile aufdecken. Möchte man Premium-Dienste generell nutzen, gibt es die Möglichkeit, eine VIP-Mitgliedschaft abzuschließen. Diese kostet zwischen 7,99Euro pro Monat und 45 Euro pro Jahr und ermöglicht es, das Profil hervorzuhe-ben oder sich unsichtbar Profile anzuschauen (support.lovoo.com).

Im Gegensatz zu Tinder bietet die App neben dem Matchgame zusätzlicheinen Liveradar (vgl. Abb. 4, Anhang S. 56), der Mitglieder in der näheren Um-gebung [von unter 150 m bis 10 km, Anm. der Autorin] anzeigt (Nowroth, 2014, S. 56; Schärf, 2015, www.handelsblatt.com).2

Ferner greift Lovoo nicht nur auf die Geolokalisierung zurück, sondern auchauf einen selbstlernenden Matching-Algorithmus, der von den Präferenzen der Nutzer lernt und ihnen so bessere Partnervorschläge macht. Bevorzugt einmännlicher Single im Matchgame bspw. Blondinen jüngeren Alters, wird die App keine brünetten Frauen im reiferen Alter vorschlagen (Nowroth, 2014, S.56).

Ein weiterer Vorteil gegenüber Tinder ist, dass das Programm auch über das Internet unter www.lovoo.com zu erreichen ist und der Nutzer somit nicht bloßauf die App beschränkt ist. Die Autorin dieser Arbeit bewertet diesen Zusatz-dienst deswegen als vorteilhaft, da das Schreiben von längeren Nachricht miteinem Chatpartner am Laptop oder PC meist schneller geht als über das Smartphone und somit eine flüssigere Unterhaltung ermöglicht wird.

Lovoo wird wie Tinder dafür kritisiert, vorrangig als Tool für erotische Verab-redungen zu dienen. Börner (zit. in Brutscher et al., 2015, S. 8), CMO von Lo-voo, räumt ein, dass dies auf einen Teil der Nutzer zutrifft, nach eigener Ein-schätzung jedoch die Mehrheit der Nutzer eine dauerhafte Beziehung anstrebt,in welcher Treue die oberste Priorität hat. Diese Diskussion veranlasst die Auto-rin zu folgender Hypothese:

H2: Lovoo wird im gleichen Ma ß e als "Sex-App" genutzt wie Tinder.

3.2.3 Gegenüberstellung der Dating-Tools

3.2.3.1 Abgrenzung

Online-Dating und Mobile-Dating unterscheiden sich in diversen Aspekten, diees herauszustellen gilt. Während Dating-Apps meist kostenlos genutzt werdenkönnen und die Nutzer mit „ihren Daten und Privatsphäre zahlen“ (Brutscher etal., 2015, S. 36), wird bei Online-Dating-Angeboten meist eine Abo-Gebühr vonbis zu 60 Euro im Monat verlangt, damit die Nutzer den vollen Leistungsumfangin Anspruch nehmen können (ebenda, S. 35). Zudem ist der Anmeldeprozessbeim Online-Dating i.d.R. komplizierter als bei einer Dating-App: Online-Dating-Dienste versuchen, mithilfe von Persönlichkeitstests und Fragebögen ihre Mit-glieder zusammenzubringen (Nowroth, 2014, S. 56). Dieses birgt - wie in Kapi-tel 3.2.1 beschrieben - Nachteile: Das Matching wird aufgrund der Selbstwahr-nehmung des Partnerbörsen-Kunden vorgenommen, die jedoch nicht unbedingtder Realität entspricht. Dabei wird ein Selektionsprozess eingeleitet, der eseinerseits ermöglicht, unerwünschte Kandidaten (z. B. diejenigen ohne Kinder-wunsch) als potentielle Partner auszuschließen (o.V., 2014, S. 3). Andererseitswerden somit bildungshomogame Konstellationen angestrebt, welche aus-schließen, Partner kennenzulernen, die dem Ideal zwar nicht zu 100 % entspre- chen, jedoch in der Realität gut zu dem Nutzer passen könnten (Skopek, Schulz& Blossfeld, 2009, S. 2). Bei Dating-Apps ist der Registrierungs-Prozess zudemunkomplizierter (vgl. Kapitel 3.2.2.1). Kritisiert wird in diesem Zusammenhangjedoch der hohe Zeitaufwand, der bei diesen Diensten anfällt. Location-basierte Dienste zeigen kaum mehr als ein Bild sowie den Standort und überlassen sodem Nutzer die Wahl, welche Kontakte sich lohnen. Bei einer hohen Anzahl von Matches kann dies sehr zeitintensiv werden (Brutscher et al., 2015, S. 13).

Nutzer von Online-Dating profitieren vom größeren Aufwand in dem Sinne,dass Online-Singlebörsen als Raum für Themen wie Partnersuche und Liebedienen und dabei Gleichgesinnte in verdichteter Form vorhanden sind(Dombrowski, 2011, S. 73). Die Mitglieder vertrauen dabei auf das Verspre-chen, dass mithilfe eines guten Algorithmus besonders passende Partnervor-schläge geliefert werden (Brutscher et al., 2015, S. 13). Die Nutzer von Dating-Apps wie Tinder und Lovoo schätzen hingegen die schnellen Kontaktmöglich-keiten zu anderen, ohne dabei vorrangig an langfristige Partnerschaften zudenken (vgl. Kapitel 3.2.2.1) - die regionale Suche bietet die Möglichkeit fürspontane Treffen mit anderen Singles (Campillo-Lundbeck, 2014, S. 14). Einweiterer Vorteil besteht darin, dass durch die wenig verfügbaren Informationen heterogame Beziehungen gefördert werden. Heterogamie beschreibt die Ten-denz, sich unähnliche Partner zu suchen (Grammer, 1993, 378 f.).

Bildung stellt in der heutigen Zeit die zentrale Determinante u. a. für kulturel-le Ressourcen von Individuen dar (Skopek, Schulz & Blossfeld, 2009, S. 2).Dies führt dazu, dass die Menschen im Zuge der Partnerwahl ihre soziokulturel-len und ökonomischen Ressourcen kumulieren (ebenda). Nach Mare (1991, S.16) hat dieser Umstand zur Folge, dass Barrieren entstehen, die verhindern,dass Personen unterschiedlicher Bildung sich verbinden. Die Autorin Klein(1995, S. 37) erläutert in diesem Zusammenhang den Begriff der Endogamie,eine Heiratsordnung, bei der sich Partner zusammenschließen, die sich in ihrensoziologischen Merkmalen ähneln. Homogamie ist ein weiterer Begriff, der fürdie positive assortative Partnerwahl benutzt wird (Grammer, 1993, S. 378 f.).Langfristig nimmt durch die zunehmende Differenzierung sozialer Chancen inhomogamen Beziehungen die soziale Ungleichheit zu (Skopek, Schulz & Bloss-feld, 2009, S. 2; Hradil, 1995, S. 143).

Dating-Apps hingegen bringen Menschen unterschiedlicher Schichten virtu-ell zusammen,

[...]


1 Zu Gunsten der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit nur die maskuline Form im Allgemeinen verwendet. Diese umfasst ausdrücklich sowohl die weibliche als auch die männliche Person.

2 Die Autorin dieser Arbeit merkt an dieser Stelle an, dass sich hierbei durchaus Gefahren ergeben können, wie z. B. sexuelle Übergriffe. Die Risiken werden jedoch nicht weiter erläutert, da diese über den Umfang der Arbeit hinausgehen würden.

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Dating-Apps. Moderne Partnerwahl im Spannungsfeld von Romantik, Kommerz und Technik
Hochschule
Fachhochschule Westküste Heide
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
97
Katalognummer
V432919
ISBN (eBook)
9783668749382
ISBN (Buch)
9783668749399
Dateigröße
3317 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tinder, Onlinedating, Beziehungen, Liebe, Psychologie, Dating, App
Arbeit zitieren
Antje Kroon (Autor:in), 2015, Dating-Apps. Moderne Partnerwahl im Spannungsfeld von Romantik, Kommerz und Technik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432919

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