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Goethe als Nationalautor. Der Dichter und seine Kritiker

Title: Goethe als Nationalautor. Der Dichter und seine Kritiker

Seminar Paper , 2005 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Eike-Christian Kersten (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Diese Arbeit will die Entwicklung Goethes zum Nationalautor nachvollziehen und dazu aus der großen Zahl von zeitgenössischen Autoren, die sich zu ihm äußerten, einige aus-wählen und an ihnen exemplarisch zeigen, was die Gründe für jene waren, die ihn befür-worteten oder ablehnten. Denn nach seinen großen Anfangserfolgen mit dem Götz von Berlichingen und den Leiden des jungen Werthers war er keineswegs sofort und durchweg bis heute der erhabene Schriftsteller und große Nationalautor, als den wir ihn jetzt ganz selbstverständlich kennen. Während Goethe seinen langjährigen älteren Freund Wieland auf seiner Seite hatte, erhielt er schon für den Götz Kritik von Gottsched und Lessing. Später sah er sich Angriffen seitens der Romantiker und Jungdeutschen ausgesetzt, und in den Jahrzehnten von 1830 bis 1880 erreichte sein Nachruhm in Deutschland seinen Tiefpunkt. So wurden Berliner Zeitungen durch die königliche Zensur gemaßregelt, die dem Tode Goethes zu viel Beachtung geschenkt hatten. Auch sein hundertster Geburtstag ging 1849 nahezu unbemerkt vorbei, während Schillers 100-Jahrfeier mit bisher ungekannter öffentlicher Begeisterung gefeiert wurde.
Erst gegen Ende des Jahrhunderts ereignete sich eine wahre Goethe-Renaissance, die sich auch in Universitäten und Schulen hinein verbreitete, während sich die Goethe-Gesellschaft gründete.
Diese Arbeit stützt sich hauptsächlich auf Leppmanns Goethe und die Deutschen, auf Schulz’ Exotik der Gefühle. Goethe und seine Deutschen sowie auf Gilles Aufsatz Wann und wo entsteht ein klassischer Nationalautor? Nicht verwandt wurde Karl Robert Mandelkows vierbändige Dokumentensammlung Goethe im Urteil seiner Kritiker sowie das Goethe-Jahrbuch (jetzt Goethe), deren Bearbeitung den Umfang einer Semesterarbeit sprengen würden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der klassische Nationalautor

3. Erste Erfolge

4. Das Publikum

5. Der politische Goethe

6. Junges Deutschland

7. Goethe und die Kunst

8. Die Romantiker

9. Die Historisierung Goethes

10. Die Goethe-Renaissance

11. Die Goethe-Gesellschaft

12. Goethe in der Schule

13. Schlußwort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Entwicklung Johann Wolfgang von Goethes vom zeitgenössisch umstrittenen Autor zum unangefochtenen deutschen Nationalautor und analysiert die Gründe für die verschiedenen Phasen der Ablehnung und späteren Kanonisierung durch die Kritik.

  • Spannungsverhältnis zwischen Goethe und seinem zeitgenössischen Publikum
  • Politische Instrumentalisierung von Goethes Werk durch Autoren des Vormärz
  • Rolle der Romantiker bei der Etablierung Goethes als Klassiker
  • Einfluss technischer und institutioneller Faktoren auf die Verbreitung von Goethes Werk
  • Der Wandel des Goethe-Bildes in Schule und Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

6. Junges Deutschland

Der Begriff wurde 1834 von Ludolf Wienbarg geprägt; die dadurch bezeichnete kurzlebige (1820-1850) literarische Strömung formierte sich „parallel zu europäischen revolutionären (Geheim-) Bünden der frühen 1830er Jahre wie dem Giovine Italia und dem Jungen Europa (Schweiz)“, mit denen sie politische Ziele teilte (s.u.). Die Schriften des Jungen Deutschlands wurden nach einer Denunziation durch den Kritiker Wolfgang Menzel 1835 durch den Deutschen Bund als staatsgefährdend verboten. Hier ist erstmals von einer literarischen Schule die Rede, der neben Heinrich Heine, Karl Gutzkow, Heinrich Laube, Ludolf Wienbarg und Theodor Mundt auch Ludwig Börne, Georg Gottfried Gervinus und zunächst sogar Wolfgang Menzel angehörte. Die Zeittendenzen, mit denen sich die Jungdeutschen am liebsten identifizierten und die sie vorzugsweise in ihren Schriften behandelten, waren gerade diejenigen, „denen Goethe nur wenig Sympathie hatte entgegenbringen können: der [sic!] Kampf gegen französische und sonstige ausländische Bevormundung, und die nationalen Freiheitsbestrebungen mit hauptsächlich liberalem, ja demokratischem Vorzeichen.“ Das literarische Programm des Jungen Deutschlands bestimmte die Auseinandersetzung mit der Weimarer Klassik und der Romantik, der als Kunstperiode ein Rückzug vom politisch-sozialen Leben vorgeworfen wurde. Als deren „(zugleich verehrter und angefeindeter) Repräsentant galt Goethe, das ‚Zeitablehnungsgenie’“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das schwierige Verhältnis zwischen Goethe und seinem Publikum und stellt die Forschungsfrage nach den Gründen seiner Entwicklung zum Nationalautor.

2. Der klassische Nationalautor: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Nationalautors und beleuchtet Goethes eigene, skeptische Auffassung dazu sowie seine Haltung zu klassischen Werken.

3. Erste Erfolge: Es wird die frühe Aufnahme durch Zeitgenossen wie Wieland und die einsetzende Kritik seitens Lessings und Gottscheds thematisiert.

4. Das Publikum: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel des Lesepublikums vom Adel und Gelehrtenkreisen hin zum aufstrebenden Bürgertum und die damit einhergehende Spaltung in der Wahrnehmung Goethes.

5. Der politische Goethe: Die Frage nach Goethes Patriotismus und seiner Distanz zum Nationalstaatsgedanken wird hier erörtert.

6. Junges Deutschland: Das Kapitel behandelt die Auseinandersetzung der politisch motivierten Strömung des Jungen Deutschlands mit Goethe.

7. Goethe und die Kunst: Es wird analysiert, wie Goethes Vorliebe für antike Kunst zu Vorwürfen der Abgehobenheit führte.

8. Die Romantiker: Hier wird der Beitrag der Romantiker zur Etablierung Goethes als unumgänglicher Klassiker hervorgehoben.

9. Die Historisierung Goethes: Die radikale Historisierung durch Autoren wie Gervinus wird als finaler Schritt zur Ernennung Goethes zum Nationalautor beschrieben.

10. Die Goethe-Renaissance: Der Aufstieg des Interesses an Goethes Werk in den 1870er und 1880er Jahren wird hier zusammengefasst.

11. Die Goethe-Gesellschaft: Dieses Kapitel widmet sich der Gründung und den Aufgaben der Goethe-Gesellschaft zur Pflege und Verbreitung seines Erbes.

12. Goethe in der Schule: Es wird die schwierige Integration Goethes in den schulischen Deutschunterricht im 19. Jahrhundert aufgezeigt.

13. Schlußwort: Das Fazit fasst zusammen, wie Goethe trotz anfänglicher Anfeindungen durch die Kombination aus technischer Entwicklung, politischer Instrumentalisierung und institutionalisierter Rezeption zum deutschen Nationalautor wurde.

Schlüsselwörter

Johann Wolfgang von Goethe, Nationalautor, Klassik, Rezeptionsgeschichte, Junges Deutschland, Romantik, Patriotismus, Literaturgeschichte, Nationalliteratur, Goethe-Gesellschaft, Kanon, Literaturkritik, Weimarer Klassik, Nationalcharakter

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den historischen Prozess, durch den Johann Wolfgang von Goethe – entgegen anfänglicher Anfeindungen und seiner eigenen Skepsis – zum anerkannten deutschen Nationalautor avancierte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Rezeptionsgeschichte von Goethes Werk, das Spannungsverhältnis zwischen dem Dichter und seinem Publikum sowie die Instrumentalisierung seines Images durch verschiedene literarische und politische Strömungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, anhand exemplarischer zeitgenössischer Kritiken nachzuvollziehen, warum Goethe lange Zeit umstritten war und welche Faktoren zu seiner schließlichen Kanonisierung beigetragen haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sich primär auf die Auswertung und Synthese existierender Forschungsliteratur und zeitgenössischer Dokumente stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch und thematisch die verschiedenen Stationen der Goethe-Kritik, von den frühen Erfolgen über die Polemik des Vormärz bis hin zur Institutionalisierung durch die Goethe-Gesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Nationalautor, Rezeptionsgeschichte, Junges Deutschland, Weimarer Klassik und Kanonbildung.

Warum sah Goethe sich selbst nicht als Nationalautor?

Goethe fürchtete die notwendigen gesellschaftlichen Umwälzungen, die eine solche Rolle aus seiner Sicht vorausgesetzt hätten, und lehnte die politisch-nationalistische Vereinnahmung seines Werkes ab.

Welchen Einfluss hatte das Junge Deutschland auf das Goethe-Bild?

Die Jungdeutschen kritisierten Goethes vermeintlich unpolitische Haltung scharf, leisteten jedoch paradoxerweise durch die ständige Auseinandersetzung mit seinem Werk einen wesentlichen Beitrag zu dessen Kanonisierung.

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Details

Title
Goethe als Nationalautor. Der Dichter und seine Kritiker
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften)
Course
Proseminar „Nationalliteraturen?“
Grade
1,7
Author
Eike-Christian Kersten (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V43310
ISBN (eBook)
9783638411370
ISBN (Book)
9783638763288
Language
German
Tags
Goethe Nationalautor Dichter Kritiker Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eike-Christian Kersten (Author), 2005, Goethe als Nationalautor. Der Dichter und seine Kritiker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43310
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