Doping und Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport


Hausarbeit, 2017

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Doping im Sport

2 Forschungsstand

3 Anabol-androgene Steroide
3.1 Wirkung anabol-androgener Steroide
3.2 Nebenwirkungen anabol-androgener Steroide
3.3 Bezugsquellen anabol-androgener Steroide

4 Merkmale von Konsumenten anabol-androgener Steroide

5 Präventionsmaßnahmen

6 Fazit

Literatur

Einleitung

Doping und Medikamentenmissbrauch scheint nicht nur im Leistungs- und Spit­zensport ein großes Problem zu sein, sondern auch im Freizeit- und Breitensport findet ein Missbrauch von Arzneimitteln statt. So berichten Müller-Platz, Boos und Müller (2006) in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut und dem statisti­schen Bundesamt in ihren Beiträgen zur Gesundheitsberichterstattung des Bun- des[1][2], dass vor allem in Fitnessstudios, speziell unter Bodybuildern, sich vermehrt Nutzer verbotener Substanzen (hauptsächlich anabol-androgener Steroide) fin­den. Anabol-androgene Steroide, unter Sportlern auch als Anabolika bekannt, füh­ren bei Kraftsportlern zu einem schnelleren Muskelwachstum, bergen langfristig gesehen aber erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich.

Nicht umsonst stehen die anabolen Steroide auf der Verbotsliste der WADA2 ganz oben (WADA, 2017). Im Leistungssport werden anabole Steroide zur unerlaubten Leistungssteigerung eingesetzt, wenn es Z.B. in der Trainingsphase darum geht, den eigenen Muskelaufbau zu verbessern. Im Freizeit- und Breitensport spielen neben dem Kraftzuwachs und der damit einhergehenden Leistungssteigerung auch gesellschaftliche Gründe und die bloße Verbesserung des eigenen Ersehe¡- nungsbildes eine große Rolle. Ein übersteigendes Körperbewusstsein bei Man- nern (dem hellenistischen Ideal nachempfunden) gilt als maßgeblicher Ansporn für die Einnahme anaboler Steroide (Yesalis et al., 1989). Dabei werden die den Be- nutzem von anabolen Steroiden bekannten Nebenwirkungen häufig ignoriert oder sogar toleriert.

Diese Arbeit zielt darauf ab, die Problematik beim Konsum anaboler Steroide im Freizeit- und Breitensport darzustellen und daraus Präventionsmaßnahmen abzu­leiten. Hierzu folgt im ersten Abschnitt dieser Arbeit eine kurze Einführung zum Doping im Sport, gefolgt von einem Überblick über den aktuellen Forschungsstand des Medikamentenmissbrauchs im Freizeit- und Breitensport. Im weiteren Verlauf werden die anabol-androgenen Steroide genauer betrachtet, indem auf deren Wir­kungen und Nebenwirkungen eingegangen wird. Weiterhin sollen typische Merk­male von Anabolikakonsumenten unter Fitnessstudio-Nutzern herausgestellt wer­den. Daraus sollen Präventionsmaßnahmen abgeleitet werden, die in der Praxis umgesetzt werden können, um den Medikamentenmissbrauch bei Sportlern aus dem Freizeit- und Breitensport, vor allem im Bereich von Fitnessstudios einzu­dämmen.

1 Doping im Sport

Die aktuelle und offizielle Definition von Doping basiert auf dem World Anti-Doping Code und lautet für den Spitzensport folgendermaßen: ״Doping wird definiert als das Vorliegen eines oder mehrerer der nachfolgend in Artikel 2.1 bis Artikel 2.10 festgelegten Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen“ (WADA, 2015). Die Grundlage bildet eine Liste verbotener Wirkstoffe und Methoden. Diese Liste wird jährlich aktualisiert und als rechtlich verbindlich im Bundesgesetzblatt II veröffent­licht. Neben dem Konsum von verbotenen Wirkstoffen gelten auch die Verweige­rung der Abgabe einer Dopingprobe, der Besitz oder Handel von verbotenen Wirkstoffen oder Versäumnisse (z.B. nicht angemeldete Abwesenheiten oder Rei­sen) als Dopingvergehen. Im Freizeit- und Breitensport kann bei der Einnahme leistungssteigernder und verbotener Substanzen aber durchaus auch von Doping gesprochen werden. Denn in Artikel 2 des Europäischen Übereinkommens gegen Doping (Bundesgesetzblatt, 1994) wird Doping im Sport als Einsatz von verböte- nen Wirkstoffen oder verbotenen Methoden bei Sportlerinnen und Sportlern, die regelmäßig an organisierten Sportveranstaltungen teilnehmen, definiert. Der Brei­tensport ist ebenfalls auf einen Wettkampfbetrieb ausgelegt, weshalb auch dort von Doping gesprochen werden kann. Im Bereich des Freizeitsports, welcher meist nicht in Wettkampfveranstaltungen ausgeübt wird, kann von einem Arznei­mittelmissbrauch gesprochen werden.

2 Forschungsstand

Zum Missbrauch von Dopingsubstanzen liegen vor allem eine Reihe von Studien aus den USA und Großbritannien vor. Diese Studien kommen zum Ergebnis, dass vor allem anabol-androgene Steroide von immer jüngeren Menschen eingenom­men werden und nicht mehr nur überwiegend von Spitzensportlern (Korkia & Stimson, 1997). In den USA konnte festgestellt werden, dass über 250 Tausend High-School Schüler und insgesamt über eine Millionen Menschen anabole stero­ide zu sich genommen haben und das durchschnittliche Einstiegsalter dabei 18 Jahre beträgt (Yesalis et al., 1993). Diese Ergebnisse sind allerdings nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragbar, da hierzulande andere Sportstrukturen vor­liegen. In den USA hat der Sport in High-Schools und Colleges einen enorm ho­hen Stellenwert, in den zum Teil horrende Summen an TV- oder Sponsorengel- dern fließen. Die Jugendlichen trainieren unter professionellen Bedingungen und können durch sportliche Leistungen auf sich aufmerksam machen. Die großen amerikanischen Sportligen, Z.B. die NBA (Basketball), NHL (Eishockey), NFL (Football), MLB (Baseball) und MLS (Fußball) sind für viele Jugendliche in High­Schools und Colleges das große Ziel.

In Deutschland liegen vor allem Studien vor, die in Fitnessstudios durchgeführt wurden. Striegel et al. (2006) untersuchten den Konsum verbotener leistungsstei­gernder Substanzen in 113 deutschen Fitnessstudios. Alle Studios zusammen kommen auf die Zahl von 90.100 Mitgliedern, was einem Durchschnitt von 797 Mitgliedern pro Studio entspricht. Die Studioleiter sollten ca. 2% der Mitglieder ei­nen Fragebogen austeilen, welcher innerhalb von 5-10 Minuten ausgefüllt werden konnte und kostenlos per Post an die Universität Tübingen zurückgeschickt wer­den konnte. Der Rücklauf lag mit 621 Antworten (62,8% Männer, 37,2% Frauen) bei 34,5%. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer lag bei 33,7 Jahren und sie trainierten im Schnitt bereits 7 Jahre im Fitnessstudio. Von allen Teilnehmern gaben 13,5% der Teilnehmer zu, dass sie in der Vergangenheit anabol-androgene Steroide zu sich genommen haben bzw. aktuell noch zu sich nehmen. Außerdem wurden Zusammenhänge zwischen grundlegenden Charakteristika und dem Kon­sum anabol-androgener Steroide untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass eine signifikant höhere Anzahl an Konsumenten männlich ist. Weiterhin besteht eine positive Korrelation zwischen dem Konsum von Steroiden und der Anzahl und der Dauer von Trainingseinheiten im Fitnessstudio. Das heißt, je länger und öfter je­mand ein Fitnessstudio besucht, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Steroide einnimmt. Zudem machten die Bodybuilder einen Großteil der Konsu­menten aus. Es ergab sich außerdem keine signifikante positive Korrelation zwi- schen dem Rauchen und dem Anabolikakonsum, während der Konsum von Alko­hol negativ damit korrelierte. Ebenfalls korreliert der Konsum von anabolen Stero¡- den positiv mit dem Konsum von illegalen Drogen, vor allem von Kokain. Die Auto­ren der Studie kommen zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Konsumenten anaboler Steroide um eine körperlich leistungsorientiere Gruppe handelt, bei denen die Körperbetonung im Vordergrund steht, was sie von der Gruppe von Konsumenten anderer illegaler Drogen stark unterscheidet.

Eine weitere Studie wurde in Lübeck und Umgebung Ende der Neunziger Jahre durchgeführt. Boos et al. (1998) untersuchten ebenfalls den Medikamentenmiss- brauch in Fitnessstudios. Ihre Fragebögen wurden an Fitnesssportler ausgehän­digt, die mindestens drei Monate Trainingserfahrung hatten und Grundkenntnisse des Krafttrainings besaßen. 255 von 490 Fragebögen (entspricht einer Rücklauf­quote von 52%) konnten ausgewertet werden. Diese Studie wurde anschließend auf weitere Städte im Bundesgebiet ausgeweitet. Dabei konnten 199 von 807 Fra­gebogen ausgewertet werden (Rücklaufquote von 22,7%). Fasst man die beiden Studien zusammen, kommt man insgesamt auf 454 auswertbare Fragebögen, wo­von 365 (80,4%) von Männern und 89 (19,6%) von Frauen ausgefüllt wurden. Nach Auswertung der Fragebögen kommen Boos und Wulff (2001) zu dem Er­gebnis, dass 19% der Studiobesucher Medikamentenmissbrauch betreiben, 22% der Männer und 8% der Frauen. Die Autoren führen dabei auf, dass es zum Teil Nutzer gibt, die bereits mit 17 Jahren mit dem Konsum begonnen haben. Studio­besucher, die Medikamentenmissbrauch betreiben, gaben den Aufbau von Mus­kelmasse als vorrangiges Ziel an (91%). Als Hauptgrund für den Verzicht auf Me- dikamentenmissbrauch wird die Angst vor Nebenwirkungen genannt (84%). Bei der Art des Medikamentenmissbrauchs steht der Konsum anaboler Steroide mit 88% ganz oben, gefolgt vom Konsum von Stimulanzien und Wachstumshormo­nen. Auffällig und durchaus übereinstimmend mit der Studie von Striegel et al. (2006) ist, dass 78% der Konsumenten bereits 36 Monate oder länger in Fitness­Studios trainieren. Dieser hohe Wert lässt sich darauf zurückführen, dass vor al- lern Sportlerinnen und Sportler zu illegalen Präparaten greifen, deren natürliches Muskelwachstum erschöpft scheint, welche aber trotzdem weitere Muskelzuwäch­se generieren möchten. Weiterhin hatten die Konsumenten leistungssteigernder Substanzen durchschnittlich einen geringeren Bildungsabschluss als die ״saube- ren“ Sportler, und nehmen zu einem deutlich höheren Prozentsatz andere Ge­nussmittel oder Drogen zu sich, wobei der Konsum von Ecstasy und Amphetami­nen fast doppelt so hoch ist (Boos & Wulff, 2001). Eine Befragung unter 484 Frei­Zeitsportlern in elf Fitnessstudios im Großraum Frankfurt am Main mehr als zehn Jahre nach der Studie aus Lübeck (Raschka et al., 2013) führte zu ähnlichen Er­gebnissen, wie in den bereits vorgestellten Studien. Hier gaben 12,9% der Männer und 3,6% der befragten Frauen an, anabol wirksame Medikamente zu sich ge­nommen zu haben. Als Bezugsquellen der Substanzen wurden Bekannte (39%), Mitsportler und Ärzte (jeweils 28%) sowie Trainer (6%) aufgeführt. Das vorrangige Trainingsziel der Konsumenten war bei dieser Studie ebenfalls der Muskelaufbau (86%).

Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass der Medikamentenmissbrauch im deut­sehen Freizeit- und Breitensport nicht unterschätzt werden darf. Vor allem das zum Teil sehr junge Einstiegsalter und die Ignoranz bezüglich der Nebenwirkun­gen sollten bedenklich stimmen. Wie gefährlich und gesundheitsgefährdend der Konsum von anabol-androgenen Steroiden ist, wird in den folgenden Kapiteln dar­gestellt.

3 Anabol-androgene Steroide

Um zu verstehen weshalb Menschen anabole Steroide konsumieren und welche Personen eher dazu neigen zu anabolen Steroiden zu greifen, ist es wichtig zu verstehen, welche Wirkung und Nebenwirkungen beim Konsum solcher Substan­zen auftreten. Daher folgt nun ein Abschnitt zur Wirkung anaboler Steroide. Im Anschluss werden die wichtigsten Nebenwirkungen beim Konsum anaboler stero­ide aufgeführt.

3.1 Wirkung anabol-androgener Steroide

Die anabolen Steroide sind künstlich hergestellte Wirkstoffe, die in ihrer Struktur und Wirkung dem männlichen Sexualhormon Testosteron sehr ähnlich sind. Die Wirkung kann dabei in zwei Bereiche unterteilt werden. Die androgene Wirkung ״[...] bezeichnet den Einfluss der künstlichen Hormone auf innere und äußere Geschlechtsmerkmale sowie die Psyche“ (Emrich et al., 2013, s. 706).

Die androgenen Effekte sind also verantwortlich für das Wachstum des männlichen Geschlechtstrakts und die Entwicklung von Sekundären Geschlechtsmerkmalen. Diese Wirkung ist ein eigentlich unerwünschter Nebeneffekt bei der Einnahme von Steroiden im Sport. Aus diesem Grund versuchen Produzenten, den androgenen Anteil möglichst gering zu halten. Die anabole Wirkung beeinflusst die Proteinsynthese und damit das Zellwachstum in den Muskeln (Shahidi, 2001). Durch die Einnahme wird Eiweiß in der Muskulatur aufgebaut, was in Verbindung mit Training (im Fitnessstudio Krafttraining) zu erhöhtem Muskelwachstum führt. Außerdem wird die Regenerationsfähigkeit erhöht (Emrich et al., 2013). Dies ermöglicht es dem Nutzer von anabolen Steroiden häufiger und intensiver zu trainieren.

3.2 Nebenwirkungen anabol-androgener Steroide

Die Einnahme von Dopingsubstanzen, in diesem Fall von anabolen Steroiden, kann bei den Konsumenten zu Schädigung der Gesundheit führen. Zum einen, da die Substanzen häufig über einen sehr langen Zeitraum konsumiert werden, zum anderen da die Einnahme bei den allermeisten Nutzern nicht ärztlich kontrolliert geschieht. Da bereits nach der Durchführung einer sogenannten ״Anabolikakur“3 erhebliche Muskelzuwächse beobachtet werden können, belassen es die Konsu­menten meist nicht bei einem einmaligen Konsum von anabolen Steroiden. Dies führt dazu, dass schnell ein Suchtpotenzial entstehen kann (Yesalis et al., 1989).

Durch Befragungen an Betroffenen wird deutlich, dass der Konsum von anabolen Steroiden zu einer Reihe von Nebenwirkungen führt. So gaben 99,2% aller Teil­nehmer einer Umfrage bei 500 Nutzern von anabolen Steroiden an, unter den Ne­benwirkungen des Gebrauchs zu leiden (Parkinson & Evans, 2006). Die meisten der Teilnehmer gaben dabei an, unter den androgenen Effekten der Steroide zu leiden. Diese unerwünschten Hormonwirkungen führten zum Beispiel zum Schrumpfen des Hoden oder zur Störung der Spermiogenese. Weiteren Untersu- 3 kombinierte Einnahme verschiedener anabol-androgener Präparate über mehrere Wochen

[...]


[1] Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) berichtet regelmäßig über die gesundheitli­ che Situation der Bevölkerung in Deutschland

[2]World Anti-Doping Agency

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Doping und Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Sportmedizin)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V433193
ISBN (eBook)
9783668754461
ISBN (Buch)
9783668754478
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doping, Medikamentenmissbrauch, Freizeitsport, Breitensport, Missbrauch, Fitnessstudio, Bodybuilding, Anabole Steroide
Arbeit zitieren
Alexander Eckert (Autor), 2017, Doping und Medikamentenmissbrauch im Freizeit- und Breitensport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433193

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