In vielen Bereichen der deutschen Gesellschaft wird momentan über die Integration von Migrant*innen muslimischen Glaubens diskutiert. Dabei spielen über lange Zeit geprägte und teilweise konstruierte Menschenbilder eine große Rolle. Diese Arbeit soll die Herkunft dieser Menschenbilder erkunden, einen Einfluss auf die Diskurse im 21. Jahrhundert nachweisen und erläutern, welche Bedeutung diese Einflüsse auf die Soziale Arbeit haben.
Durch die große Zahl an Zuwanderern in Deutschland haben sich neue gesellschaftlich Diskurse und Herausforderungen ergeben. Einen zentralen Punkt dieser Diskurse stellt die Religionszugehörigkeit der Flüchtenden dar. Pronationale Parteien und Anhänger, respektive Sympathisanten dieser, legten den Schwerpunkt ihrer öffentlichen Meinung auf die sogenannte Islamdebatte, die bis dato geführt wird. Im Folgenden wird diese Debatte auf politischer Ebene untersucht, Einflüsse und Stereotype des Orientalismus beleuchtet und Konsequenzen, die sich daraus für Sozialarbeiter*innen in ihrer Tätigkeit ergeben, umrissen. Dabei ist auch der historische Einfluss auf die allgemeine Sichtweise von Nahostländern von besonderem Interesse.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Grundlagen des Orientalismus
1.1 Wortherkunft und Geographie
1.2 Orientalismus 1978 bis heute
1.3 Der Orient in Kunst und Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts
1.4 „Islam“ und „Orient“ im 21. Jahrhundert
2 Islamdebatten in Deutschland im 21. Jahrhundert
2.1 Auslöser der Debatten in Deutschland seit 1999
2.2 Verschärfung durch die „Sarrazin- Debatte“
2.3 Intensivierung ab 2015
2.4 Elemente des Orientalismus in der Debatte
3 Bedeutung für die Praxis der Sozialen Arbeit
Abschließende Gedanken
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den historischen Einfluss des Orientalismus auf die Islamdebatte des 21. Jahrhunderts in Deutschland und leitet daraus konkrete Handlungsanforderungen für die Soziale Arbeit ab.
- Herkunft und Dekonstruktion orientalischer Menschenbilder
- Einfluss des Orientalismus auf gesellschaftliche Diskurse und Islamdebatten
- Analyse der Konstruktion von „Wir“ und „den Anderen“
- Herausforderungen für die Soziale Arbeit in einer pluralen Gesellschaft
- Bedeutung von Integration, Anerkennung und Partizipation
Auszug aus dem Buch
1.1 Wortherkunft und Geographie
Das Wort „Orient“ wurde vom lateinischen sol oriens abgeleitet und lässt sich mit „Ort der aufgehenden Sonne“ übersetzen. Später wurde dieses Gebiet von Martin Luther als „Morgenland“ bezeichnet (vgl. Kolle 2016).
In den christlichen Religionen, so Kolle weiter, gilt Jerusalem, die Hauptstadt Israels, als heilige Stadt. Landkarten wurden bis ins 15. Jahrhundert so ausgerichtet, dass die Gebiete um diese Stadt am oberen Kartenrand verortet waren. Dies belegt zum Einen den Zusammenhang zwischen den Worten „Orient“ und „orientieren“ und zeigt zum anderen die historische Wichtigkeit dieses Gebietes (vgl. ebd.).
Mit der Begründung der modernen Geographie durch Alexander von Humboldt im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert entstand auch der Versuch, die Erde in natürliche und kulturelle Erdteile zu gliedern. Besonders Wissenschaftler der daraus her vorgegangenen Kulturgeographie teilten die Erdoberfläche, meist aus eurozentristischer Sicht, in verschiedene Kulturkreise ein (vgl. Escher 2011, S. 123f).
Das durch Ewald Banse erstmals 1908 kartographisch veröffentlichte Konzept der Kulturerdteile war zu Beginn umstritten. Ein Hauptgrund dafür war der Schritt Banses weg von den natürlich vorgegebenen Erdteilen, hin zu der Einteilung nach vermeintlich homogenen kulturellen Gegebenheiten. Ein weiterer Kritikpunkt ist Banses spätere Nähe zum nationalsozialistischen Regime Deutschlands. Die Einteilung nach Banse wurde durch den deutschen Geographen Heinrich Schmitthenner in leicht veränderter Form 1938 erneut publiziert und durch Albert Kolb 1962 wie folgt neu definiert (vgl. ebd., S. 131f):
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Islamdebatte im Kontext der Fluchtmigration 2015 ein und skizziert die historische Herleitung von Stereotypen durch den Orientalismus.
1 Grundlagen des Orientalismus: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe des Orientalismus, beleuchtet die historische Konstruktion des „Orients“ in Geographie, Kunst und Kultur und diskutiert das Wirken Edward Saids.
2 Islamdebatten in Deutschland im 21. Jahrhundert: Der Hauptteil analysiert die Entwicklung islamfeindlicher Diskurse in Deutschland von 1999 über die Sarrazin-Debatte bis hin zur aktuellen Lage ab 2015 und zeigt die darin wirksamen orientalistischen Elemente auf.
3 Bedeutung für die Praxis der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel leitet aus der heterogenen Gesellschaftsstruktur die Notwendigkeit ab, dass Soziale Arbeit durch Integration, Anerkennung und Partizipation aktiv eine plurale Gesellschaft fördert.
Abschließende Gedanken: Das Fazit resümiert, dass der Islam als wandelbare Religion in Debatten oft falsch monolithisch dargestellt wird und appelliert an eine reflektierte Praxis in der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Orientalismus, Islamdebatte, Soziale Arbeit, Stereotype, Migration, Integration, Identität, Konstruktion, Kolonialismus, Diversität, Partizipation, Diskurs, Eurozentrismus, Religion, Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie historische und konstruierte Menschenbilder über den „Orient“ die aktuelle Islamdebatte in Deutschland prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Orientalismus als Denkweise, die Analyse gesellschaftlicher Diskurse zu Migration und Islam sowie die Rolle der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Herkunft orientalischer Stereotype aufzuzeigen und Konsequenzen für das professionelle Handeln in der Sozialen Arbeit abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der kritischen Dekonstruktion von Diskursen und Stereotypen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Islamdebatte in Deutschland im 21. Jahrhundert und untersucht, wie orientalistische Elemente diese Debatte beeinflussen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Orientalismus, Islamdebatte, Soziale Arbeit, Stereotype, Integration und Partizipation.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen „Orient“ und „Islam“?
Die Arbeit stellt fest, dass Begriffe wie „Orient“ oft mit positiven Exotismen assoziiert werden, während der „Islam“ in Diskursen mit negativen Attributen wie Gewalt oder Unterdrückung belegt wird.
Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit laut dieser Publikation?
Soziale Arbeit wird als Menschenrechtsprofession verstanden, die durch Anerkennung und Partizipation aktiv Barrieren abbauen und eine plurale Gesellschaft fördern muss.
- Quote paper
- Maximilian Bauer (Author), 2017, Einflüsse des Orientalismus auf die Islamdebatte des 21. Jahrhunderts. Konsequenzen für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433209