Vereinbarkeit der Familie und Karriere indischer Mütter in Deutschland


Hausarbeit, 2013
9 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Situation der Frau in Indien
2.1. Stellung der indischen Frau im Hinduismus
2.2. Bildungschancen der Frauen

3. Karrierechancen der Frauen mit indischen Wurzeln in Deutschland
3.1. Die Rolle der Familie bei der Entscheidung
3.2. Konflikt mit Arbeitgebern

4. Der Einfluss der Kindererziehung in der Karrierelaufbahn
4.1. Vereinbarkeit zwischen Kindererziehung und Karriere
4.2. Zwang zur Entscheidung zwischen Familie und Karriere
4.3. Gegenüberstellung am Beispiel des Erfolgserlebnisses von Indra Nooyi (Pepsi-Managerin seit 2007)
4.4. Work-Life-Balance

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserer heutigen globalen Welt haben immer mehr Frauen bessere Bildungsabschlüsse als Männer. Dennoch gelingt es ihnen nicht in ihrer Karrierelaufbahn aufzusteigen, sowie sie es sich ursprünglich erhofft haben. Zurückführen könnte man dies auf die typische Frauenrolle in unserer Gesellschaft. Zwar könnte man denken, dass in unserer modernen Welt die Vorstellung von einer typischen Rollenverteilung untergegangen ist, jedoch spiegeln sich die Ursprungsmerkmale[1] weiterhin in den Verhaltensweisen der Männer und Frauen wieder. Von Geburt an wird das Mädchen als das schwächere Geschlecht auf erzogen, das schüchtern, zurückhaltend und gehorsam ist. Sie wächst schon als Kind in die typische Mutterrolle hinein, indem sie mit Puppen und Kinderwagen im Zimmer spielt. Stattdessen wird der Junge als der „starke“ Mann erzogen und spielt mit Autos und Bällen auf der Straße. Diese Veranschaulichung verdeutlicht, dass diese Rollenbilder so in die Kindererziehung eingewurzelt werden, sodass die späteren Erwachsenen, vor allem die Frauen nicht mehr von ihrem Rollenverständnis entkommen können[2], da sie ihre Familie und Karriere vereinen müssen. In der folgenden Hausarbeit wird untersucht, inwiefern die Kindererziehung für junge Mütter mit indischen Wurzeln, die in unserer heutigen Zeit in Deutschland zwischen beiden Kulturen leben, oft das Ende ihrer eigenen Karriere bedeutet.

Die Zielsetzung besteht darin, zu belegen, dass Frauen, welche in solchen Verhältnissen leben müssen, nicht wie das herrschende Vorurteil unterstellt, dass sie wegen mangelnder Bildung ihren Karriereaufstieg aufgeben müssen, sondern dass sie aufgrund ihrer Familiengründung durch Normen und Sitten von ihrer Kultur gezwungen werden. Dazu werden vorherrschende Vorurteile aufgedeckt und die kulturelle Situation dieser Frauen beschrieben. Die Hausarbeit wird in verschiedene Gesichtspunkte untergliedert. Zu Beginn wird die Problemstellung erläutert, konkretisiert und weiter differenziert. Folglich wird die Thematik ausgearbeitet nach verschiedenen Aspekten. Die einzelnen Annahmen und Thesen werden zitiert anhand von Fachliteraturen, Zeitungsartikeln und Grafiken. Zum Ende hin werden die in der Hausarbeit ausgearbeiteten Resultate zusammengetragen und daraus ein Fazit geschlossen.

2. Situation der Frau in Indien

2.1. Stellung der indischen Frau im Hinduismus

Indien wird in vielerlei Hinsicht als das „ Land der Extreme“ bezeichnet.[3] Besonders deutlich wird dieser Umstand im Frauenbild des Hinduismus. Der Hinduismus ist die drittgrößte Religion der Erde und findet seinen Ursprung in Indien.[4] Das Rollenbild der indischen Frau ist sowohl durch die Religion als auch durch die Traditionen stark geprägt und laut dem Gesetz des Manu – eine der wichtigsten heiligen Schriften des Hinduismus[5] -darf die indische Frau nicht individuell handeln und ist stets einem Mann untergeordnet, zuerst als Tochter ihrem Vater, dann als Ehegattin ihrem Mann und zuletzt als Witwe auch ihren Söhnen. Schon immer war ein Sohn der ganze Stolz einer indischen Familie, da ein Mädchen oft unerwünscht ist und zur Heirat mit einer großen Mitgiftsumme ausgestattet werden muss. In der indischen Kultur werden Jungen und Mädchen – besonders in Dörfern - getrennt aufgezogen und jeglicher Kontakt untereinander unterbunden. Die Mädchen werden vermehrt nur noch von ihren Müttern erzogen und so gemäß den kulturellen Normen und Sitten zu einer „guten“ Ehefrau geformt. Auch heute noch wird der traditionellen, arrangierten Ehe der Vorzug gegeben, wobei die Frauen allerdings mehr Mitbestimmung haben, als früher. Diese Entscheidung ist einer indischen Familie so wichtig, sodass sie unter Beteiligung aller Familienmitglieder stattfindet. Denn eine Heirat ist keine Beziehung zweier individuellen Personen, sondern ein Bündnis zweier Familien. Seit Jahrtausenden verbesserte sich nicht viel an diesem negativen Frauenbild, jedoch kämpfen die modernen Frauen heutzutage immer mehr für ein menschenwürdigeres Leben.[6]

2.2. Bildungschancen der Frauen

Im Großen und Ganzen ist das Bildungsniveau in den Städten höher als in den Dörfern. Die Ausbildung der Frauen hat im Laufe der Jahre viele Fortschritte gemacht. Besonders die Frauen im Süden Indiens ( Tamil Nadu, Kerala) machten die größten Erfolge und genießen somit ein hohes soziales Ansehen. Bisher war das vorrangige Ziel einer indischen Frau eine perfekte Tochter zu sein, eine Familie zu gründen und mit ihrer Mutterschaft fühlte sie sich in ihrer Rolle bestätigt. Aber heute erkennen immer mehr Frauen, dass es sich lohnt für ihre Rechte zu kämpfen, die ihnen ein menschenwürdigeres Leben garantieren. In der Mittelschicht wird eine gute Bildung der Frauen sogar bevorzugt, damit sie einen wohlsituierten Ehemann finden.

Generell sind die Bildungschancen in Deutschland höher als inIndien, da die allgemeine Schulpflicht in Deutschland 12 Jahre beträgt, d.h. 4 Jahre mehr als Indien. Dieser gewaltige Unterschied zeigt sich deutlich in Abbildung 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1.: Zugang zu Bildung im Vergleich Indien-Deutschland für das Kalenderjahr 2006,

Quelle: Schoettli, Urs:Indien- Profil einer neuen Großmacht, Berlin, 2009, S.65

3. Karrierechancen der Frauen mit indischen Wurzeln in Deutschland

3.1. Die Rolle der Familie bei der Entscheidung

Die Karrierechancen einer Frau aus Indien, lebend in Deutschland, sind nicht wegen der Unterbildung gefährdet, sondern liegen bei den verschiedenen Aspekten der Entscheidung für die Karriere. Inderinnen in Deutschland weisen bessere Abschlüsse auf als indische Männer.[7] Sie schaffen sowohl gute Abschlüsse und absolvieren ihr Studium problemlos, allerdings nur durch die Mitentscheidung der Eltern und des Ehemannes über ihr Ausbildungsort, Arbeitsplatz bzw. Hochschul-Universitätsort. Die deutsche Frau dagegen entfaltet sich frei und hat das alleinige Entscheidungsrecht über ihre Karrierebahn auch z.T. nach der Familiengründung. Ihre Artgenossinnen in Indien aber sind so aufgezogen worden, dass sie immer mit der Einstimmung ihrer Vorgesetzten handeln soll und somit geraten sie in eine Zwickmühle, aus der wieder herauszukommen für sie unmöglich erscheint. Denn sie möchten ihre Karriere fortsetzen und selbstständig handeln und dabei zugleich die Familie zufriedenstellen.

3.2. Konflikt mit Arbeitgebern

Auch heute ist es immer noch so, dass viele Arbeitgeber vor Frauen mit Kindern zurückschrecken. Ganz besonders vor den Frauen, welche mit Migrationshintergrund in Deutschland leben, da diese eine andere Kultur leben und dort Familie besonders großgeschrieben wird. Die Angst der Arbeitgeber das diese Frauen, z.B. wegen Krankheitsfall eines Ihrer Kinder, den Job vernachlässigen könnte überwiegt bei den Arbeitgebern häufig. So ist es nicht selten, dass sich Arbeitgeber, wenn es darum geht gut bezahlte, zeitaufwändige Stellen zu vergeben, für eine Frau ohne Kinder und trotz guter Qualifikationen gegen eine Indische Frau mit Kindern entscheidet.

4. Der Einfluss der Kindererziehung in der Karrierelaufbahn

4.1. Vereinbarkeit zwischen Kindererziehung und Karriere

Doch wenn es eine indische Frau trotzdem in eine hohe Berufsposition/Arbeitsstelle schafft, verbirgt dies einen hohen Aufwand. Denn auch heut zu Tage können diese Frauen immer noch nicht alles gleichzeitig haben.[8] Eine Indische Frau welche nach dem Hinduismus lebt und trotzdem beides hat Kind und Familie, ist die Ausnahme.

4.2. Zwang zur Entscheidung zwischen Familie und Karriere

Obwohl sich gerade Spitzenverdienerinnen, deren Mann auch arbeiten geht, die besten Kinderbetreuungen leisten können und sich als Mutter entschieden haben mehr Zeit bei Ihrem Job als Zuhause zu verbringen, kommen sie irgendwann an den Punkt, wo sie einsehen müssen, dass der Preis einfach zu hoch ist, den sie zahlen. Gerade in Indischen Familien werden sie dann als Rabenmütter beschimpft, der eigene Mann ist enttäuscht und die Kinder haben weder Bezug zur Mutter noch zum Vater. Denn der Vater besteht in der Regel darauf Arbeiten zu gehen (Ehrensache) um seine Familie zu ernähren, das gehört zu seiner Ehre und Religion. So ist es nicht verwunderlich das jede 2te Frau ( mit und ohne Migrationshintergrund ) in Deutschland, mindestens einmal in ihrem Leben ihren Karrierewunsch auf Eis gelegt hat für das Wohl der Familie.[9] Dennoch sind wie die Bertelsmann Stiftung ermittelte, Kinder für Frauen allgemein eine Karrierebremse und bei Indischen Frauen bedeuten sie das Karriereaus bevor die Karriere begonnen hat. Denn nach der Hochzeit meist Anfang/Mitte Zwanzig wird ein Kind erwartet und das genau in dem Alter wo man die besten Chancen auf eine gute Stelle hat und sich in dieser nach und nach weiter etablieren kann.

[...]


[1] Schwartz, Felice N. mit Zimmerman, Jean : Frauenkarrieren, Frankfurt am Main - New York, 1933, S. 53

[2] Wiegand, Heike: Berufstätigkeit und Aufstiegschancen von Frauen, Berlin, 1994, S. 14-15

[3] http://www.indien-discover.de/infocenter/landesinformationen/indische-frauen/list/ind_frauen/, zuletzt abgerufen am 12.01.2013

[4] http://www.bpb.de/internationales/asien/indien/44588/zahlen-und-daten, zuletzt abgerufen am 12.01.2013

[5] http://www.bpb.de/themen/4GR5P8,0,Neues_Selbstbewusstsein_und_anhaltende_Unterdr%FCckung.html, zuletzt abgerufen am 10.01.2013

[6] http://www.bpb.de/themen/4GR5P8,0,Neues_Selbstbewusstsein_und_anhaltende_Unterdr%FCckung.html, zuletzt abgerufen am 12.01.2013

[7] Schoettli, Urs:Indien- Profil einer neuen Großmacht, Berlin, 2009, S.65

[8] http://www.zeit.de/2012/29/Karriere-Frauen-Kinder, zuletzt abgerufen am 12.12.12

[9] http://www.welt.de/politik/deutschland/article8955915/Familie-stoppt-die-Karriere-der-Frauen.html, zuletzt abgerufen am 13.12.12

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Vereinbarkeit der Familie und Karriere indischer Mütter in Deutschland
Hochschule
Hochschule Mainz
Veranstaltung
Soziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V433217
ISBN (eBook)
9783668754225
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie, Indien, Mütter, Deutschland, Karriere
Arbeit zitieren
Vivethinyi Vivekanantham (Autor), 2013, Vereinbarkeit der Familie und Karriere indischer Mütter in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433217

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