In der heutigen Gesellschaft sind Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung etwas Selbstverständliches – oder sollten es zumindest sein. Allerdings fällt vielen Menschen der Umgang mit den Betroffenen schwer. In der Öffentlichkeit werden sie beispielsweise angestarrt oder sogar ausgelacht. Im direkten Umgang wissen viele Personen oft nicht, wie sie sich verhalten sollen. Es besteht eine gewisse Unsicherheit. Denn für die Mehrheit der Gesellschaft stellt der Umgang mit Behinderung etwas Ungewohntes dar, da bisher keinerlei Kontakt zu Menschen mit Behinderung bestand. Das Fremdbild der Behinderung führt zumeist dazu, dass sich Menschen distanzieren und verängstigt, verunsichert oder irritiert sind.
Allerdings gibt es, gerade im Bildungsbereich, Einrichtungen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen lernen, um sozialer Ausschließung entgegenzuwirken: In integrativen oder inklusiven Einrichtungen, wie Kindertagesstätten oder Schulen. Die Zielsetzung ist hierbei allen Menschen in einer Gesellschaft die Möglichkeit auf gesellschaftliche Partizipation zu bieten – unabhängig von persönlichen Merkmalen wie Behinderung, Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft oder sexuelle Identität. Dies beschreibt die Leitidee der UN-Behindertenrechtskonvention, welche die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft in allen Lebensbereichen anstrebt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriffsbestimmungen
1.1.1 Behinderung–Annäherung an den Begriff in unterschiedlichen Kontexten
1.1.2 Disability Studies – Behinderung durch Gesellschaft
1.1.3 Stigmatisierung
1.1.4 Exklusion, Separation, Integration, Inklusion – Begriffs-bestimmungen
1.1.5 Integration und Inklusion – Integrationskritik
1.1.6 Die Praxis der Integration und der Inklusion im tabellarischen Vergleich
1.2 Zeitplan der Forschung
2. Forschungsmethoden
2.1 Qualitative Forschung
2.2 Quantitative Forschung
2.3 Grounded Theory
2.3.1 Datenerhebung
2.3.2 Sampling
2.3.3 Kodieren
2.3.4 Kategorisieren:
2.4 Die teilnehmende Beobachtung
2.5 Interview
3. Auswertung der Datenerhebung
3.1 Teilnehmende Beobachtung in einer integrativen Ein-richtung
3.1.1 Leitbild der Einrichtung
3.1.2 Einleitung
3.1.3 Begriffsdefinitionen für die Beobachtung
4. Theoretische Ausarbeitung
4.1 Bewusstseinsbildung
4.2 Inklusive Ansätze in Kindergärten
4.2.1 Der Wandel der Integration
4.2.2 Ansätze in Kindertageseinrichtungen
4.3 Gleichheit und Differenz
4.3.1 Ausgrenzung im Spiel?
4.3.2 Die Kategorien des Spiels
4.3.3 Gleich oder differenziert?
4.4 Kritische Auseinandersetzung mit der Integrations- und Inklusionspolitik
4.4.1 Inklusion
4.4.2 Inklusion in den Bundesländern
4.4.3 Schulsozialarbeit
4.4.4 Integrative und inklusive Pädagogik
4.4.5 Inklusion im Beruf
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Forschungsarbeit untersucht, ob eine frühkindliche integrative Betreuung und eine damit verbundene frühe Sensibilisierung die Bewusstseinsbildung von Kindern in Bezug auf das Thema Behinderung positiv beeinflussen kann. Dabei wird analysiert, wie Kinder mit und ohne Behinderung in integrativen Einrichtungen interagieren und ob inklusive Ansätze Barrieren zwischen diesen Gruppen minimieren können.
- Analyse der sozialen Interaktion zwischen Kindern mit und ohne Behinderung in integrativen Kindertagesstätten.
- Untersuchung der Auswirkungen von frühkindlichem Kontakt mit Behinderung auf das Bewusstsein und die Toleranz.
- Kritische Beleuchtung der aktuellen Integrations- und Inklusionspolitik im deutschen Bildungssystem.
- Vergleich von integrativen Modellen mit den theoretischen Visionen einer inklusiven Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
In der heutigen Gesellschaft sind Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung etwas Selbstverständliches – oder sollten es zumindest sein. Allerdings fällt vielen Menschen der Umgang mit den Betroffenen schwer. In der Öffentlichkeit werden sie beispielsweise angestarrt oder sogar ausgelacht. Im direkten Umgang wissen viele Personen oft nicht, wie sie sich verhalten sollen. Es besteht eine gewisse Unsicherheit. Denn für die Mehrheit der Gesellschaft stellt der Umgang mit Behinderung etwas Ungewohntes dar, da bisher keinerlei Kontakt zu Menschen mit Behinderung bestand. Das Fremdbild der Behinderung führt zumeist dazu, dass sich Menschen distanzieren und verängstigt, verunsichert oder irritiert sind (vgl. Ziemen 2013, S. 59).
„Fremdbilder sind nicht nur individuelle, sondern zugleich kollektive Manifestationen, die immer wieder konstruiert und rekonstruiert werden. […] Aus der Fachdiskussion ist bekannt, dass unmittelbare Erfahrungen bzw. der Kontakt […] dazu beitragen können, die ursprünglichen ‚Bilder‘ zu verändern“ (Ziemen 2013, S. 59).
Allerdings gibt es, gerade im Bildungsbereich, Einrichtungen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen lernen, um o.g. sozialer Ausschließung entgegenzuwirken: In integrativen oder inklusiven Einrichtungen, wie Kindertagesstätten oder Schulen. Die Zielsetzung ist hierbei allen Menschen in einer Gesellschaft die Möglichkeit auf gesellschaftliche Partizipation zu bieten – unabhängig von persönlichen Merkmalen wie Behinderung, Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft oder sexuelle Identität. Dies beschreibt die Leitidee der UN Behindertenrechtskonvention, welche die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft in allen Lebensbereichen anstrebt (vgl. Jacobs 2013, S. 43). Auf die Begrifflichkeiten wie Inklusion und Integration, sowie auf die bildungspolitische und gesellschaftspolitische Inklusionsdebatte wird im weiteren Verlauf der Forschungsarbeit Bezug genommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Wahrnehmung von Behinderung, die Bedeutung von Kontakt zur Veränderung von Fremdbildern und definiert das Forschungsziel, den Einfluss frühkindlicher integrativer Betreuung auf die Bewusstseinsbildung zu untersuchen.
2. Forschungsmethoden: Dieses Kapitel erläutert die gewählte methodische Vorgehensweise, bestehend aus einer Kombination von qualitativer und quantitativer Forschung, einschließlich der Anwendung der Grounded Theory, teilnehmender Beobachtung und Experteninterviews.
3. Auswertung der Datenerhebung: Hier werden die Ergebnisse der Beobachtungen in einer integrativen Kindertagesstätte sowie die geführten Interviews mit ErzieherInnen detailliert dokumentiert, ausgewertet und kritisch interpretiert.
4. Theoretische Ausarbeitung: Dieser Abschnitt bietet einen theoretischen Rahmen zur Bewusstseinsbildung im Kindesalter, diskutiert inklusive Ansätze in Kindergärten, thematisiert das Spannungsfeld zwischen Gleichheit und Differenz und setzt sich kritisch mit der Integrations- und Inklusionspolitik auseinander.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Ergebnisse der Beobachtungen und Interviews und diskutiert abschließend die Chancen und Herausforderungen einer inklusiven Bildung in Deutschland.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, Behinderung, Bewusstseinsbildung, frühkindliche Erziehung, Kindertagesstätte, soziale Interaktion, Stigmatisierung, Sozialisation, Moralentwicklung, Heterogenität, Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe, Barrierefreiheit, Inklusionspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss der frühkindliche Kontakt mit Kindern mit Behinderung in integrativen Einrichtungen auf die Bewusstseinsbildung und den sozialen Umgang von Kindern ohne Behinderung hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen von Inklusion und Integration, die Entwicklung des kindlichen Bewusstseins, die Bedeutung von sozialen Erfahrungen für die Moralentwicklung sowie die praktische Umsetzung und Kritik am aktuellen Bildungssystem.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet, ob sich eine frühkindliche inklusive Betreuung und die damit einhergehende frühe Sensibilisierung positiv auf die spätere Bewusstseinsbildung im Hinblick auf Behinderung auswirken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Forschungsgruppe nutzte einen methodischen Mix aus quantitativer teilnehmender Beobachtung (Dokumentation von Interaktionen in einer Kindertagesstätte) und qualitativer Forschung (Interviews mit ErzieherInnen) unter Anwendung der Grounded Theory.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Auswertung der Beobachtungs- und Interviewdaten sowie eine theoretische Ausarbeitung, die den Wandel der Integration, Konzepte der Inklusion, Fragen zu Gleichheit und Differenz sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Inklusionspolitik umfasst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Inklusion, Integration, Bewusstseinsbildung, soziale Interaktion, Frühkindliche Bildung und Inklusionspolitik charakterisieren.
Wie bewerten die befragten ErzieherInnen das aktuelle System?
Die ErzieherInnen sind mit dem integrativen System ihrer Kita zufrieden, sehen jedoch in Schulen große Probleme bei der Inklusion aufgrund mangelnder Ressourcen, zu großer Klassen und fehlenden Fachpersonals.
Was ist laut der Untersuchung eine Hürde für Inklusion?
Neben finanziellen Engpässen und Personalmangel werden auch bürokratische Prozesse bei der Beantragung von Förderstatus, mangelnde gesellschaftliche Rahmenbedingungen und eine fehlende bundesweite einheitliche Strategie als zentrale Hürden genannt.
Wie interagieren Kinder in den untersuchten Einrichtungen?
Die Beobachtungen zeigen, dass Kinder ohne Behinderung ihre behinderten Spielgefährten akzeptieren und sich situativ (z.B. durch langsameres Sprechen oder nonverbale Kommunikation) anpassen, wobei eine gewisse Rücksichtnahme erkennbar ist.
Warum wird Inklusion als Prozess bezeichnet?
Die Arbeit verdeutlicht, dass vollkommene Inklusion ein Ideal darstellt, das niemals vollständig erreicht werden kann; sie ist als ständiger, dynamischer Entwicklungsprozess zu verstehen, der kontinuierliche Partizipation erfordert.
- Arbeit zitieren
- Ole Robrahn (Autor:in), 2016, Inklusive und integrative Ansätze in Kindergärten und deren Auswirkung auf die Bewusstseinsbildung bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433453