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Das Konzept der symbolischen Gewalt im Kontext der Soziologie Pierre Bourdieus

Das Beispiel Schule

Title: Das Konzept der symbolischen Gewalt im Kontext der Soziologie Pierre Bourdieus

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Peter Sutor (Author)

Pedagogy - General
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Der Soziologe Pierre Bourdieu hat in seiner jahrzehntelangen Forschungs- und Theoriebildungsarbeit ein umfassendes System zur Beschreibung sozialen Handelns und sozialer Interaktion entwickelt. Zu den bekanntesten seiner Konzepte gehören sicherlich der "Habitus" und die verschiedenen Formen des "Kapitals" (ökonomisches Kapital, soziales Kapital, kulturelles und symbolisches Kapital). Nicht so bekannt dürfte der Begriff der "symbolischen Gewalt" sein, der aber sicherlich genauso gewinnbringend für die Beschreibung und Analyse sozialer Prozesse genutzt werden kann wie Bourdieus bekanntere Kategorien und Konzepte.

Bei der "symbolischen Gewalt" handelt es sich um einen bestimmten Gebrauch von Symbolen (v.a. der Sprache), der die wertende Bedeutung vieler Symbole (v.a. sprachlicher Ausdrücke) bewusst einsetzt, um das Verhalten anderer zu steuern bzw. zu beeinflussen. Diese Eigenschaften der gebrauchten Symbole sind den Betroffenen in der Regel nicht bewusst, so dass sie durch die unkritische Akzeptanz jener Symbole und ihres Wertgehalts zu opfern der symbolischen Gewalt derjenigen werden, die die Symbole bewusst oder gezielt einsetzen. Im Zusammenhang mit dem System Schule / Erziehung sind es beispielsweise Begriffe wie "intelligent, gebildet, klug, schnell" einerseits und "unsozial, ungebildet, unfähig, faul, langsam" andererseits, die oft eingesetzt werden, um die psychischen Einstellungen und das Verhalten der Schülerinnen und Schüler zu steuern.

Obwohl die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung der Begriffe und die mit ihnen assoziierten Werthaltungen begreifen, sind sie in der Regel nicht in der Lage, einen kritischen Abstand zu ihnen zu wahren und ihre historische Bedingtheit und soziale Konstruiertheit zu durchschauen. Sie halten die mit den Begriffen verbundenen Werthaltungen für einen integralen Bestandteil ihrer Bedeutung und daher für "objektiv" gültig.

Excerpt


Gliederungsverzeichnis

Einleitung

1. Die Epistemologie sozialer Interaktion

2. Das Kapital

3. Der soziale Raum

4. Das Feld

5. Der Habitus

6. Die Schule als ein Ort systematischer symbolischer Gewalt

6.1 Der Begriff der symbolischen Gewalt

6.2 Der scholastische Habitus

6.3 Der scholastische Habitus und symbolische Gewalt in der Schule

Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das soziologische Konzept der symbolischen Gewalt nach Pierre Bourdieu und analysiert dessen spezifische Wirksamkeit im Kontext des Bildungswesens. Dabei wird aufgezeigt, wie schulische Strukturen durch die Bewertung unterschiedlicher Habitusformen zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beitragen.

  • Grundlagen der Bourdieu'schen Soziologie (Kapital, Habitus, soziales Feld)
  • Epistemologie sozialer Interaktion und Wahrnehmungsschemata
  • Mechanismen symbolischer Gewalt und soziale Exklusion
  • Die Rolle des "scholastischen Habitus" im schulischen Erfolg
  • Bildungsgerechtigkeit und die "Ratifizierung" von Privilegien durch Schule

Auszug aus dem Buch

6.1 Der Begriff der Symbolischen Gewalt

Ausgehend vom Habitus-Begriff als inkorporierter sozialer Ordnung, die dem Individuum als seine eigene „Natur“ erscheint, da sie ihm erlaubt, sich relativ unbewußt und automatisch im sozialen Raum zu bewegen und zurecht zu finden, lässt sich nun der Begriff der symbolischen Gewalt erklären. Dieser erscheint nämlich als ein bestimmtes, für eine Person sozial ungünstiges Korrespondenzverhältnis zwischen der Struktur ihres Habitus und der herrschenden begrifflichen und weltanschaulichen Ordnung.

Bereits oben haben wir gesehen, dass es einen sozialen Kampf gibt, um die Durchsetzung der legitimen Weltsicht und der dazugehörigen Kategorien, Klassifikatoren und Begriffe. Die daraus hervorgehenden „Prinzipien der Sichtung und Ordnung“ könnte man zweckmäßigerweise in zwei Kategorien unterteilen: in diejenigen, die sich als de facto anerkannt und wirksam herausgestellt haben, ohne eine offizielle Legitimierung durch die staatlichen Rechtsinstanzen zu besitzen, und solche, die vom Staat als legitime, d.h. rechtlich relevante und anerkannte, Kategorien existieren. Am Beispiel von Schule und Bildung, lässt sich dieser Unterschied gut verdeutlichen: auf der einen Seite, gibt es das Ansehen, welches Schule und Bildung jeglicher Art besitzen (d.h. es gilt wohl bei den allermeisten erwachsenen Bürgern als ausgemacht, dass ein gewisses, oder gar möglichst hohes Maß an Bildung unerlässlich ist); auf der anderen Seite steht aber die staatliche Schulpflicht, die ein Fernbleiben von der Schule, mit Geldstrafen oder anderen Sanktionsmaßnahmen belegen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die soziologische Perspektive Bourdieus auf Bildung und die zentrale Relevanz seiner theoretischen Konzepte für Bildungsfragen.

1. Die Epistemologie sozialer Interaktion: Beleuchtung der Beziehung des Individuums zur sozialen Wirklichkeit und wie soziale Strukturen in psychische Wahrnehmungsschemata übersetzt werden.

2. Das Kapital: Klassifizierung des erweiterten Kapitalbegriffs in ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital.

3. Der soziale Raum: Beschreibung des sozialen Raums als relationales System, das durch die Verteilung von Kapitalformen definiert wird.

4. Das Feld: Erläuterung der Felder als dynamische Orte sozialer Kämpfe mit spezifischen Spielregeln und Zielsetzungen.

5. Der Habitus: Analyse des Habitus als internalisiertes System von Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsschemata.

6. Die Schule als ein Ort systematischer symbolischer Gewalt: Untersuchung der Anwendung symbolischer Gewalt im Bildungswesen durch die Bevorzugung spezifischer Habitusformen.

6.1 Der Begriff der symbolischen Gewalt: Definition der symbolischen Gewalt als Korrespondenzmissverhältnis zwischen Habitus und herrschender Weltsicht.

6.2 Der scholastische Habitus: Beschreibung des für den Schulerfolg notwendigen, abstrahierenden Habitus.

6.3 Der scholastische Habitus und symbolische Gewalt in der Schule: Darstellung der Benachteiligung bildungsferner Schüler durch schulische Leistungsbewertungen.

Schluss: Fazit über die Rolle der Schule bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit durch die Etikettierung ungleicher Voraussetzungen als individuelle (Un-)Fähigkeit.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, symbolische Gewalt, Habitus, schulisches Bildungswesen, Kapitalbegriff, soziale Ungleichheit, scholastischer Habitus, soziale Selektion, Bildungsgerechtigkeit, Wahrnehmungsschemata, soziales Feld, sozialer Raum, Inkorporierung, Klassengesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die soziologische Theorie von Pierre Bourdieu im Hinblick auf das Phänomen der symbolischen Gewalt, insbesondere wie diese an Schulen zur Benachteiligung bestimmter Schülergruppen führt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Konzepte von Kapital, Habitus, sozialem Raum und Feld sowie deren Anwendung auf das Bildungssystem als Ort systematischer Entwertung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Bildungswesen durch die Erwartung eines spezifischen "scholastischen Habitus" bestehende soziale Ungleichheiten in vermeintliche "Begabung" oder "Intelligenz" übersetzt und damit symbolische Gewalt legitimiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der soziologischen Literatur von Pierre Bourdieu und dessen Interpreten aufbaut, um eine pädagogische Fragestellung fundiert zu erörtern.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erarbeitet zunächst die grundlegenden theoretischen Werkzeuge Bourdieus (Kapital, Raum, Feld, Habitus) und führt diese in Kapitel 6 zur Analyse des Bildungswesens zusammen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie symbolische Gewalt, Habitus, Bildungsungleichheit, soziales Kapital und scholastische Vernunft charakterisiert.

Was versteht Bourdieu unter dem "scholastischen Habitus"?

Es handelt sich um eine spezifische, in der Aufklärung entwickelte Denkweise, die durch eine distanzierte, abstrahierende Betrachtung der Welt gekennzeichnet ist und als Voraussetzung für den Erfolg im akademischen System gilt.

Warum ist die Schule aus Bourdieus Sicht ein Ort symbolischer Gewalt?

Weil sie einen bestimmten Habitus zur Norm erhebt, über den Kinder aus privilegierten Schichten bereits verfügen, während Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern bei der Bewertung durch diese Maßstäbe systematisch benachteiligt werden.

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Details

Title
Das Konzept der symbolischen Gewalt im Kontext der Soziologie Pierre Bourdieus
Subtitle
Das Beispiel Schule
College
University of Cologne  (Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften)
Course
Hauptseminar: "Was is guter Unterricht?"
Grade
1,3
Author
Peter Sutor (Author)
Publication Year
2014
Pages
21
Catalog Number
V433499
ISBN (eBook)
9783668755208
ISBN (Book)
9783668755215
Language
German
Tags
Bourdieu Allgemeine Schulpädagogik Symbolische Gewalt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Sutor (Author), 2014, Das Konzept der symbolischen Gewalt im Kontext der Soziologie Pierre Bourdieus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433499
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