Das Konzept der symbolischen Gewalt im Kontext der Soziologie Pierre Bourdieus

Das Beispiel Schule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederungsverzeichnis

Einleitung

1. Die Epistemologie sozialer Interaktion

2. Das Kapital

3. Der soziale Raum

4. Das Feld

5. Der Habitus

6. Die Schule als ein Ort systematischer symbolischer Gewalt
6.1 Der Begriff der symbolischen Gewalt
6.2 Der scholastische Habitus
6.3 Der scholastische Habitus und symbolische Gewalt in der Schule

Schluss

Literatur

Einleitung

Pierre Bourdieu, ein einflussreicher französischer Ethnologe, Soziologe und Philosoph, beschäftigte sich unter anderem mit Fragen über die soziale Funktion von Bildung und gelangte schließlich über diese Forschungsrichtung zum Thema der Bildungsgerechtigkeit.[1] Obschon kein Pädagoge oder Psychologe fand Bourdieu auch bei Pädagogen eine große Resonanz.[2] Seine Befunde zu Fragen, die die Bildung betreffen, sind in sein umfassendes theoretisches Gesamtsystem eingebettet und werden mit Hilfe seiner teils sehr spezifischen Begriffe und Kategorien zum Ausdruck gebracht.[3] Um seine Kritik des Bildungswesens zu verstehen kommt man daher um ein tieferes Eintauchen in seine komplexe Gedankenwelt nicht herum. Es wird daher nötig sein, die grundlegenden theoretischen Konzepte in ausreichender Ausführlichkeit vorzustellen, bevor die eigentlich pädagogischen Fragestellungen angegangen werden können.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit erkenntnistheoretischen (epistemologischen) Fragen, jedoch nicht, um den Ansatz Bourdieus wissenschaftstheoretisch zu durchleuchten, sondern um seine Auffassung von der Beziehung, die der einzelne Mensch mit der sozialen Wirklichkeit eingeht, zu beleuchten. Es geht hier um die Frage wie das Individuum die soziale Wirklichkeit erkennt bzw. wahrnimmt, denn es ist nicht selbstverständlich davon auszugehen, dass jeder Akteur, die ihn umgebende soziale Welt genauso wahrnimmt wie jeder andere, einschließlich eines Soziologen wie Bourdieu. Von der Wahrnehmung bzw. Einschätzung dessen, was in der sozialen Welt „wirklich“ vorgeht, hängt nämlich das Verhalten der Individuen ab.

Die darauf folgenden Kapitel behandeln grundlegende theoretische Konzepte: Kapital, Sozialer Raum, Feld und Habitus, die Bourdieu bei fast allen seinen soziologischen Analysen verwendet, die aber auch für das Verständnis der sozialen Funktionen von Bildung und der Fragen der Bildungsgerechtigkeit unerlässlich sind.

Kapitel 6. widmet sich der eigentlichen Problematik der symbolischen Gewalt an Schulen, die schon im Titel der vorliegenden Arbeit vorkommt. Zu diesem Zweck wird im ersten Unterkapitel (6.1) das Konzept der symbolischen Gewalt vorgestellt, das auf den vorangegangenen Konzepten aufbaut. Im zweiten Unterkapitel (6.2) wird eine bestimmte Form bzw. Unterart des Habitus vorgestellt – die scholastische Vernunft. Erst die Zusammenführung dieser beiden Konzepte erlaubt ein adäquates Verständnis der Problematik, die nach Auffassung Bourdieus, im bestehenden Bildungswesen als sein Wesensmerkmal vorhanden ist – die systematische Entwertung bzw. Beleidigung der Schüler, die mit dem scholastischen Habitus, der für den Erfolg in der Schule unbedingt nötig ist, nicht aufwarten können.

1. Die Epistemologie sozialer Interaktion

Eine wichtige Grundlage für das Verstehen des Bourdieu’schen Systems sozialer Interaktion und sozialen Handelns ist seine eigentümliche Auffassung von der Wechselwirkung und der gegenseitigen Bedingtheit der objektiven wie der subjektiven Elemente in einem derartigen Gesamtsystem.[4] Die objektiven Bedingungen sozialen Handelns, die von Bourdieu mit den Begriffen Kapital und Feld beschrieben werden, reproduzieren sich, so Bourdieu, in der Psyche der Subjekte und bestimmen in der Folge deren Verhalten.[5] Es stellt sich also zwangsläufig die Frage, wie die „objektive“ soziale Wirklichkeit in subjektive, psychisch-kognitive Strukturen und infolge dessen in bestimmte Verhaltensmuster übertragen wird. Da dieser Punkt – die Annahme, dass sich objektive soziale Strukturen in der Psyche und im Verhalten des Einzelnen reproduzieren – im Werk Bourdieus eine zentrale Rolle spielt, und man ohne Übertreibung behaupten kann, dass das gesamte soziologische System Bourdieus mit diesem Axiom steht und fällt, erscheint es unumgänglich, seine Berechtigung einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.[6]

In der Soziologie gibt es die relativ fest etablierte Tradition, eine starke Beeinflussung des Bewusstseins durch die sozio-ökonomischen Lebensbedingungen für selbstverständlich zu halten und gesellschaftliche Vorgänge als eine Art subjektloser mechanischer Prozesse zu betrachten.[7] Trotz dieser fachbedingten Grundtendenz, die psychische Dimension der sozialen Akteure zu vernachlässigen bzw. diese gleichsam durch die soziologischen Gesetze zu vereinnahmen versucht Bourdieu dennoch an einigen Stellen seines Werkes, den Prozess der Übertragung der objektiven sozialen Verhältnisse auf die Subjekte, bzw. die Internalisierung derselben durch diese, zu erklären.[8] Daraus entstehen Überlegungen und Erklärungsansätze, die ich insgesamt als epistemologisch bezeichne. Epistemologisch sind sie deswegen, weil sie den sozialen Akteuren bestimmte epistemische (wahrnehmungs- und erkenntnisbezogene) Eigenschaften unterstellen, die sich in der Folge auf deren Verhalten und somit auf alle sozialen Interaktionen und Prozesse auswirken sollen. Es soll im weiteren Verlauf dieses Kapitels folglich geklärt werden, wie sich Bourdieu die als soziale Wesen im sozialen Raum agierenden Subjekte in ihrer psychischen Beschaffenheit von der sozialen Wirklichkeit beeinflusst bzw. geprägt vorstellt.

Bourdieu erteilt eine klare Absage an das Vorgehen derjenigen Theoretiker, die beim Gebrauch des Begriffes Klasse davon ausgehen, dass mein einer solchen theoretischen Kategorie gewisse Eigenschaften bzw. gar den Mitgliedern der mit diesem Label versehenen Gruppen kollektive Verhaltensweisen zuschreiben kann, ohne dabei das Selbstbewusstsein bzw. die Identität der einzelnen Mitglieder solcher Gruppen in den Blick zu nehmen.[9] Entsprechend bezieht Bourdieu die geistigen Mittel, mit denen die sozialen Akteure sich selbst und ihre soziale Lage begreifen, d.h. die Kategorien der Reflexion und der Erkenntnis, die sie benutzen, um sich ihres sozialen Umfeldes und der eigenen Rolle darin verstehend zu bemächtigen, in seine Analyse des Sozialen Raumes mit ein und nennt diese „ Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata “.[10]

Es gilt also zu klären wie derartige Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata entstehen und ob sie etwas mit der Position zu tun haben, die eine Person im sozialen Raum einnimmt. Bourdieu zufolge gibt es zwei Prozessebenen, auf denen die Übertragung oder Übersetzung der objektiven sozialen Relationen in innerpsychische Strukturen stattfindet: eine vorbegriffliche und eine begriffliche. Die spontane bzw. vorbegriffliche Wahrnehmung der objektiven sozialen Welt, wird auf die Weise statistischer Zusammenhänge zwischen Elementen dieser sozialen Welt in der Erfahrung des Einzelnen abgebildet.[11] Bourdieu bringt hier als Beispiel den Sachverhalt an, dass wohl fast ausschließlich oder überwiegend Besitzer eines beträchtlichen kulturellen Kapitals in einem Museum angetroffen werden können.[12] Die Erfahrung lehrt uns also gewisse Eigenschaften der sozialen Welt als zusammengehörig zu betrachten, wenn die statistische Häufigkeit ihres gemeinsamen, kombinierten Auftretens hoch ist. Diese „objektive Beschaffenheit“ der sozialen Welt und ihre Wahrnehmung reichen aber noch nicht aus, um unsere Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata zu konstituieren. Hinzu kommt die Konstruktion von Begriffen, die eine bewußtere und einprägsamere Erfassung sozialer Sachverhalte ermöglichen. Die Entstehung von Begriffen, die die soziale Welt erfassen und kategorisieren, ist wiederum die Folge eines sozialen und politischen Kampfes, in dem die verschiedenen sozialen Gruppen ihren gesamten sozialen Einfluss einsetzen, um diejenige Sicht der sozialen Welt zu verbreiten, die ihren eigenen Interessen am meisten entspricht bzw. diese am ehesten fördert.[13] Hierbei gelangen generell diejenigen Gruppen zum Erfolg, die bereits eine einflussreiche Position im sozialen Raum einnehmen. Die Etablierung von in einer Gesellschaft als „legitim“ anerkannten Kategorien und Begriffe gibt schließlich auch nur die vorhandenen sozio-politischen Machtverhältnisse wider.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass, Bourdieu zufolge, die vorhandene objektive Beschaffenheit der sozialen Welt auf zweierlei Wegen die psychischen Strukturen, die unser Wahrnehmen und Verhalten determinieren, beeinflusst: zum einen auf dem Weg einer spontan-natürlichen Wahrnehmung, die uns lehrt, dass gewisse Dinge „zusammengehören“, weil sie eben oft in Kombination miteinander auftreten; zum anderen über die begrifflichen Kategorien, die wir benutzen, um die soziale Welt zu kategorisieren und zu bewerten. Diese spiegeln ihrerseits die Ergebnisse eines fortdauernden sozialen Kampfes um die Etablierung der „richtigen“ Sichtweisen, einschließlich ihrer Begriffe und begrifflicher Ordnungen, wider, und sind daher ebenfalls ein indirekter Ausdruck bestehender sozialer Verhältnisse.

Die Folge dieser epistemischen Prozesse ist eine interne, subjektive Repräsentation des sozialen Raumes durch die Individuen, die die eigentliche Grundlage ihres sozialen Verhaltens bildet.

2. Das Kapital

Bourdieu prägte und benutzte einen erweiterten Kapitalbegriff, der über den ökonomischen Kapitalbegriff weit hinausgeht. Die verschiedenen, teilweise sehr subtilen und schwer fassbaren Formen von Kapital, wie Bourdieus sie versteht, könnten vielleicht am treffendsten als „soziale Energie“ bzw. „die Energie der sozialen Physik“ bezeichnet werden, d.h. als die Kraft, die soziale Prozesse antreibt bzw. grundsätzlich erst möglich macht.[14] Für eine logisch einfachere Handhabung empfiehlt sich eine Kategorisierung des Kapitals in vier Grundtypen oder Formen:

1. Ökonomisches Kapital
2. Kulturelles Kapital
3. Soziales Kapital
4. Symbolisches Kapital

Unter ökonomischem Kapital sollen alle Formen materieller Güter, die in modernen Ökonomien in „Geld getauscht werden können“, verstanden werden – z.B. Grund und Boden, Produktionsmittel wie Maschinen und Werkzeuge, Konsumgüter aller Art etc., Geldanlagen, einschl. Bargeld selbst.

Das kulturelle Kapital wird von Bourdieu gelegentlich auch informationelles Kapital bezeichnet.[15] Es umfasst die Gesamtheit des Wissens, das einer Person oder einer Institution zur Verfügung steht. Dabei ist „Wissen“ in einem sehr weiten Sinne gemeint, sowohl als explizites Wissen, welches man in Aussagen, Formeln etc. „verpacken“ kann, und als prozedurales oder Handlungswissen, das einem erlaubt, bestimmte Handlungen zu vollziehen wie z.B. schwimmen, Auto fahren, kochen, schreiben etc. Es gibt außerdem, über dieses verinnerlichte bzw. inkorporierte kulturelle Kapital hinaus, eine objektivierte Form desselben, i.e. kulturelles Wissen in Form von Büchern, Kunstgegenständen, technischen Geräten oder sonstigen Produkten des menschlichen Geistes.[16]

Das soziale Kapital besteht in den Personalen Beziehungen eines Akteurs, d.h. seinen Verwandtschaften, Freundschaften, Bekanntschaften oder Geschäftsbeziehungen. Ferner gehört hierzu die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, Klubs etc. Diese Beziehungen eröffnen einem Akteur bestimmte Handlungsmöglichkeiten und ermöglichen es, bestimmte Ziele zu verwirklichen.

Das symbolische Kapital stellt im Grunde keine separate, von den anderen unabhängige Kapitalform dar: es ist eine jede beliebige Kapitalform, so wie sie sich einem sozialen Akteur präsentiert, wie sie wahrgenommen wird. Symbolisches Kapital kann also ausschließlich dann eine Wirkung entfalten, wenn es von jemandem wahrgenommen wird, der die besondere Fähigkeit besitzt, die Symbolik, die z.B. von ökonomischem oder kulturellem Kapital ausgeht, zu deuten.[17] So kann z.B. Konsumgütern aller Art ein Symbolcharakter anhaften, so dass diese Güter dann die Funktion des symbolischen Kapitals erfüllen. Eine bestimmte Automarke oder ein bestimmtes Kleidungsstück stellen nur gegenüber denjenigen Akteuren ein symbolisches Kapital dar, die mit entsprechenden Kategorien der Wahrnehmung ausgerüstet sind, so dass sie deren Besitzer z.B. als wohlhabend, erfolgreich etc. erkennen können.

Die verschiedenen Kapitalformen entfalten ihre Wirkung bzw. erhalten ihre Bedeutung als Formen von Macht, die es ihrem Besitzer ermöglichen, bestimmte Ziele zu erreichen, und die den sozialen Raum und das Feld strukturieren.[18]

3. Der soziale Raum

Die in Kap. 1 behandelte Epistemologie sozialer Interaktionen lässt uns nun eine Brücke schlagen zu einem weiteren grundlegenden Konzept bei Bourdieu – dem sozialen Raum. Obwohl der soziale Raum ein theoretisches Konstrukt ist, erscheint es zweckmäßig und praktikabel sich vorzustellen, dass soziale Interaktionen – Begegnungen zwischen Menschen und ihr mehr oder weniger bewusster und mehr oder weniger beabsichtigter Verkehr miteinander – in einer Art „sozialem Raum“ stattfinden.[19] Bourdieu besitzt eine eher positivistische Vorstellung vom sozialen Raum und stellt sich ihn als „objektiv“ oder real gegeben vor.[20] Das bedeutet, er ist „real“ im Sinne eines Systems von tatsächlich gegebenen Merkmalen von Akteuren und Dingen, die man statistisch erfassen kann bzw. die man anhand bereits bestehender staatlicher Statistiken ermitteln kann.[21] Die Klassifikatoren, die in das statistische Material eine sinnvolle und aussagekräftige Ordnung bringen sollen, sind die in Kap. 2 beschriebenen Kapitalsorten. Diese bzw. deren Verteilung auf die im Raum agierenden Personen erschaffen eigentlich erst den Raum, indem sie „Entfernungen“ zwischen den Akteuren schaffen. Personen, die eine ähnliche Kapitalausstattung besitzen, z.B. Personen, die denselben Beruf ausüben, ein etwa gleich hohes Einkommen und eine vergleichbare Bildung haben, werden als im sozialen Raum „nah“ beieinander stehend verstanden.[22] Personen, die viel ökonomisches Kapital besitzen und eine hohe Bildung, stehen in einem großen Abstand zu Individuen, die von beiden Kapitalsorten nur wenig haben. Bourdieu ist ferner der Auffassung, dass sich die „soziale Nähe“ bzw. „Ferne“ oft auch in einer geografischen Nähe bzw. Ferne der Personen zueinander ausdrücken. So sind z.B. Wohnobjekte, je nach ihrer Bauqualität, Ausstattung und ihrem ökonomischen Wert, in der Regel in getrennten Stadtvierteln zu finden. Ebenso haben die von den Personen besuchten Lokale und Freizeiteinrichtungen ihr eigenes, spezifisches Klientel, so dass sich Personen, die weit voneinander entfernte Positionen im sozialen Raum einnehmen, eher selten begegnen.[23]

Abgesehen von diesem sozialen Raum der „objektiven“ Positionen, existiert für Bourdieu aber auch noch ein sozialer Raum „der Perspektiven“.[24] Damit ist der soziale Raum gemeint, wie er aus der jeweiligen Perspektive eines jeden Einzelnen gesehen wird. Obwohl es hier auf den ersten Blick so scheinen könnte, als würde es so viele Räume wie Personen geben, da jeder seinen eigenen, subjektiven sozialen Raum besitzt, glaubt Bourdieu, dass es tatsächlich ein und derselbe Raum ist, der je nach Position und daher Perspektive anders gesehen wird, denn, wie wir in Kap. 1 gesehen haben, ist er davon überzeugt, dass die Kategorien der Wahrnehmung die „objektiv“ vorhandenen sozialen Verhältnisse oder Strukturen widerspiegeln. Die subjektiven Wahrnehmungen der sozialen Welt bzw. des sozialen Raumes können sich folglich nicht wirklich von dessen „objektiver“ Beschaffenheit unterscheiden.

Es bleibt zuletzt noch die Frage offen, worauf man denn die Wahrnehmungskategorien eigentlich anwendet, wenn man eine Person als sich hier oder dort im sozialen Raum befindend einschätzt. Denn trotz der Eingängigkeit und Verständlichkeit des Begriffs, er ist und bleibt eine Metapher – ich sehe eine Person auf der Straße, im Geschäft oder in der Straßenbahn, aber sicherlich nicht im „sozialen Raum“. Der soziale Raum kann nur in der (subjektiven) Vorstellung eines jeden gefunden werden bzw. muss dort erzeugt werden.[25] Die Übersetzung der unmittelbaren visuellen oder sonstigen Wahrnehmung einer Person in einen gedachten oder subjektiv konstruierten sozialen Raum wird folglich erst durch eine intellektuelle (sei es bewusste oder unbewußte) Übertragungsarbeit geleistet – gewisse wahrnehmbare Merkmale werden dazu benutzt, eine im geografischen Raum sich befindende Person in einen „sozialen Raum“ zu projizieren und darin zu positionieren. An dieser Stelle kommt die funktionale Bedeutung des symbolischen Kapitals ins Spiel – d.h. die sichtbare Seite des ökonomischen, kulturellen oder sozialen Kapitals. Denn wo ich z.B. die Höhe des ökonomischen Kapitals einer Person nicht sehen kann, kann ich diese indirekt ihrer Kleidung, ihrem Auto oder ihrem Wohnort entnehmen. Mit Hilfe solcher sicht- oder wahrnehmbarer Merkmale sind die Akteure in der Lage sowohl die eigene Position, wie auch die der anderen Akteure im sozialen Raum zu bestimmen bzw. vielmehr diesen sozialen Raum erst zu erschaffen.[26]

[...]


[1] Bourdieu, Rede und Antwort, S. 37 u. 60.

[2] Vgl. Kramer/Helsper, Kulturelle Passung und Bildungsungleichheit, S. 104.

[3] Van Essen, Soziale Ungleichheit, Bildung und Habitus, S. 14.

[4] Vgl. hierzu Fuchs-Heinritz/ König, Pierre Bourdieu, S. 136f.

[5] Dieser Standpunkt wird an vielen Stellen seines Werkes von Bourdieu immer wieder betont, z.B. sehr ausführlich in Meditationen, Kap. 4: „Körperliche Erkenntnis“.

[6] Dies ergibt sich aus der zentralen Bedeutung des Habitus-Konzeptes, der die gesamte erkenntnistheoretische Problematik des Bourdieu’schen Systems wie ein roter Faden durchzieht. Vgl. hierzu die Kapitel 3.1 und 3.2 des Buches von Fuchs-Heintritz/König, S. 113-139, v.a. S. 134-139.

[7] Siehe hierzu Barlösius, Pierre Bourdieu, S. 56f.

[8] Vgl. Fuchs-Heinritz/König, S. 136ff.

[9] Bourdieu, Pierre, „Sozialer Raum und ‘Klassen’”, S. 14f.

[10] Ebd., S. 16.

[11] Ebd..

[12] Ebd.

[13] Ebd., S. 18f; Meditationen, S. 238f.

[14] Fuchs-Heinritz/ König, Pierre Bourdieu, S. 157.

[15] Bourdieu, Praktische Vernunft, S. 100.

[16] Fuchs-Heinritz/ König, Pierre Bourdieu, S. 162-166.

[17] Bourdieu, „Sozialer Raum und Klassen“, S. 21f; Praktische Vernunft, S. 108.

[18] Siehe unten Kapitel 3. und 4.

[19] Zu den Vorzügen einer solchen Betrachtung siehe Barlösius, Bourdieu, S. 120f.

[20] Zu Bourdieus Verständnis von „Objektivität“ siehe Bourdieu/ Chartier, Der Soziologe und der Historiker, S. 68ff; vgl. ferner die Behandlung des „sozialen Raumes“ bei Barlösius, Pierre Bourdieu, Kap. 6 (S. 118-141).

[21] Bourdieu, Praktische Vernunft, S. 18ff.; Fuchs-Heinritz/König, Bourdieu, S. 176f.

[22] Bourdieu, Praktische Vernunft, S. 18f.

[23] Bourdieu, „Sozialer Raum“, S. 20.; Barlösius, Bourdieu, S. 121.

[24] Barlösius, S. 124; Bourdieu, Rede und Antwort, S. 144.

[25] Zur Kritik der vermeintlichen Subjekt-Losigkeit der Bourdieu’schen Soziologie vgl. Fuchs-Heinritz/ König, Pierre Bourdieu, S. 137f.

[26] Bourdieu selbst ist der Überzeugung, dass der soziale Raum durch die relationale Bestimmung der einzelnen Positionen darin erst entsteht: Praktische Vernunft, S. 18.

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Details

Titel
Das Konzept der symbolischen Gewalt im Kontext der Soziologie Pierre Bourdieus
Untertitel
Das Beispiel Schule
Hochschule
Universität zu Köln  (Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar: "Was is guter Unterricht?"
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V433499
ISBN (eBook)
9783668755208
ISBN (Buch)
9783668755215
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bourdieu, Allgemeine Schulpädagogik, Symbolische Gewalt
Arbeit zitieren
Peter Sutor (Autor), 2014, Das Konzept der symbolischen Gewalt im Kontext der Soziologie Pierre Bourdieus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433499

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