In eine Abschlussreflexion zu einem Lektüreseminar nach der Close Reading-Methode zur "Dekonstruktion und Debatte um den ‚Gattungsunterschied‘ zwischen Philosophie und Literatur" einzuführen, erweist sich als komplexes Unterfangen angesichts der erforderlichen wissenschaftlichen Form und zu vermittelnden theoretischen Rahmung. Gründe dafür sind die Entlarvung, Dekonstruktion und Reflexion solcher Konstrukte und Interpretationen, die wir der Abschlussreflexion vorausgehend im Seminar vorgenommen haben.
Im Anschluss an dieses Seminar sollen nun an Hand erstellter Reading Diaries und einer übergreifenden Abschlussreflexion Kernbegriffe Derridas Dekonstruktion entschlüsselt werden sowie der Frage nach dem "Gattungsunterschied" von Philosophie und Literatur nachgegangen werden. Diese Frage basiert auf einer tradierten Gegenüberstellung einer philosophischen, non-metaphorischen Sprache gegenüber der literarischen Kunst, die einen notwendigen Übersetzungsprozess inkludiert, der wiederum einen Diskurs über un-/mögliche Sinnverluste mit sich zieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Reading Diaries
2.1. Über Derrida – Gibt es eine philosophische Sprache?
2.2. Über Bennington – Die Metapher
2.3 Über Nietzsche – Über Wahrheit und Lüge
3. Abschlussreflexion
3.1. Über die Metapher
3.2. Über die Sprache
3.3 Über den Gattungsunterschied
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Abschlussreflexion hat das Ziel, zentrale Begriffe von Jacques Derridas Dekonstruktion zu entschlüsseln und die Debatte um den „Gattungsunterschied“ zwischen Philosophie und Literatur kritisch zu beleuchten. Dabei wird untersucht, wie tradierte Gegenüberstellungen von philosophischer und literarischer Sprache dekonstruiert werden können und welche Rolle dabei Konzepte wie Metapher, Signatur und Ereignis spielen.
- Dekonstruktion des Gattungsunterschieds zwischen Philosophie und Literatur
- Analyse der Metapher als rhetorisches und philosophisches Instrument
- Untersuchung von Sprache und Wahrheit bei Nietzsche und Derrida
- Reflexion über die Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Texten
Auszug aus dem Buch
2.3 Über Nietzsche – Über Wahrheit und Lüge
Ähnlich wie wir es bei Derrida gelesen haben, vermischen sich in Über Wahrheit und Lüge von Nietzsche bereits 1873 Literatur und Philosophie im Sprachbild. Nietzsche beginnt seine Ausführungen mit dem pathetischen Ausruf der „hochmüthigste[n] [!] und verlogenste[n] Minute der ‚Weltgeschichte‘“. Diese bezieht sich auf den Zeitpunkt der Erfindung des Erkennens durch das kluge Tier, welches den Menschen meint. In dieser Einleitung Nietzsches kann zugleich auf die Genesis, die Schöpfungsgeschichte des Christentums, sowie auf die zweite Kränkung der Menschheit durch Darwin referiert werden.
Doch diese „Kurzgeschichte“ benennt Nietzsche sodann als Skizze einer Fabel, die im Zusammenhang auf seine folgenden Ausführungen sowie im Kontext des Seminars zu Derridas Dekonstruktion bereits ein einzelnes Reading Diary füllen könnte. Die Fabel als Erzählung mit moralischer Pointe, im Wörterbuch der Brüder Grimm auch „Erdichtung im Gegensatz der Wahrheit“ genannt, kann sowohl in Bezug auf Derridas Dekonstruktion der Gattungsunterschiede als auch auf Nietzsches Unterscheidung von Lüge und Wahrheit diskutiert werden. Er selbst beschreibt in Folge diese Pointe, nämlich „wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung steckt den theoretischen Rahmen ab, indem sie die Dekonstruktion als Arbeit an begrifflichen Systemen definiert und das Ziel der Arbeit, die Entschlüsselung von Derridas Kernbegriffen, darlegt.
2. Reading Diaries: Dieses Kapitel enthält chronologische Reflexionen zu den Seminarinhalten, die Derridas, Benningtons und Nietzsches Theorien zur Sprache und Metapher analysieren und kritisch hinterfragen.
3. Abschlussreflexion: Hier erfolgt eine seminarübergreifende Synthese, in der Wissen, Konventionen und Kategorien kritisch auf ihre Abhängigkeit von Wahrheit, Wirklichkeit und Diskursordnungen geprüft werden.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz des Erkenntnisgewinns und reflektiert über die Chancen und Risiken, die die Dekonstruktion als Instrument zur Sensibilisierung für Begrifflichkeiten bietet.
Schlüsselwörter
Dekonstruktion, Philosophie, Literatur, Gattungsunterschied, Metapher, Sprache, Wahrheit, Nietzsche, Derrida, Signifikant, Signifikat, Diskurs, Paläonymie, Text, Sinnverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die im Rahmen eines Seminars erarbeiteten Kernkonzepte der Dekonstruktion bei Jacques Derrida und setzt diese in Bezug zu den Sprachtheorien von Nietzsche und weiteren Denkern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Dekonstruktion von Gattungsgrenzen, die Analyse der Metapher als gattungskonstituierendes Moment sowie das Spannungsfeld zwischen philosophischer Sprache und literarischer Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Entschlüsselung von Derridas Dekonstruktion und die kritische Untersuchung des Gattungsunterschieds zwischen Philosophie und Literatur unter Berücksichtigung von Rezeptions- und Produktionsbedingungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode des „Close Reading“ angewandt, ergänzt durch eine kritische Auseinandersetzung mit diskursanalytischen und dekonstruktiven Ansätzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Reading Diaries zu Derrida, Bennington und Nietzsche sowie eine abschließende Reflexion, die die Themen Metapher, Sprache und Gattungsunterschiede vertieft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dekonstruktion, Metapher, Gattungsunterschied, Wahrheit, Sprache und das Spannungsverhältnis zwischen Singularität und Allgemeingültigkeit.
Wie bewertet die Autorin Benningtons Darstellung von Derrida?
Die Autorin betrachtet Benningtons systematische Wiedergabe als einen Versuch der Aufarbeitung, bemerkt jedoch kritisch, dass Derridas „Subtext“ im Layout des Buches die beabsichtigte Systematik dekonstruiert.
In welchem Verhältnis stehen Wahrheit und Lüge bei Nietzsche?
Nietzsche betrachtet Wahrheit und Lüge als menschliche Konstrukte, die keine Deskriptionen der Realität sind, sondern normative Effekte einer Sprache, die auf dem Vergessen von Sinnursprüngen beruht.
- Arbeit zitieren
- Laura Kowalewski (Autor:in), 2014, Die Dekonstruktion von Metapher und Sprache. Über den Gattungsunterschied von Literatur und Philosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433513