Analyse des Brusttauchzugs. Untersuchung der unterschiedlichen Technikvarianten des Tauchzuges in der Schwimmart Brust


Forschungsarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

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Zusammenfassung
Der Zweck dieser Untersuchung war es festzustellen, welche Technikvariante beim
Brusttauchzug (Delfinkick vor dem Armzug und Delfinkick während des Armzugs)
effektiver ist. Hierzu wurde einerseits Bezug auf die Länge der Unterwasserphase,
andererseits Bezug auf die Durchgangszeit bei 15m genommen. Ebenso wurden die
Unterschiede zwischen weiblichen Schwimmerinnen und männlichen Schwimmern
untersucht. Des Weiteren wurde analysiert, inwieweit der Zeitfaktor einen
Unterschied hinsichtlich der Effektivität der Technik eine Rolle spielt.
Insgesamt scheint die Auswahl der Technikvariante die Effektivität der
Übergangsphase nicht zu beeinflussen, wenn der Fokus nur auf den Faktor Zeit
gelegt wird. Hinsichtlich der Länge der Unterwasserphase ist zu vermuten, dass der
Delfinkick vor dem Armzug die bessere Möglichkeit zur Gestaltung des Übergangs
darstellt. Des Weiteren scheinen weibliche Schwimmerinnen die Gleitphase besser
nutzen zu können.
1.
Einleitung
Gemäß den Wettkampfbestimmungen des DSV (Deutscher Schwimm-Verband) darf
ein Schwimmer bei der Schwimmart Brust nach dem Start und nach jeder Wende
einen vollständigen Bewegungszyklus unter Wasser ausführen, bevor er an die
Wasseroberfläche zurückkehrt. In diesem Bewegungszyklus darf er zu jeder Zeit
einen vollen Armzug bis zu den Oberschenkeln und zu jeder Zeit vor dem ersten
Brustbeinschlag einen einzigen Delfinbeinschlag ausführen. Beim zweiten
Bewegungszyklus muss der Schwimmer nach dem Start und nach den Wenden, die
Wasseroberfläche während der Rückwärtsbewegung der Arme vollständig
durchbrochen haben.
Diese 2014 in Kraft getretene Regeländerung zur Gestaltung der Übergangsphase in
der Schwimmart Brust ist für Schwimmer immens wichtig, da die durchschnittlichen
Geschwindigkeiten nach der Wende bis zum Auftauchen erheblich höher sind, als die
durchschnittliche Oberflächenschwimmgeschwindigkeit (Mullen,2015, Nguyen,
Bradshaw, Pease & Wilson, 2014, Takeda & Nomura, 2006, Veiga & Roig, 2015). So
stellten Veiga, Roig & Gómez-Ruano (2016) erneut bei der Analyse der 100 m-
Wettkämpfe bei der Schwimmweltmeisterschaft 2013 fest, dass die Start­ und
Wendegeschwindigkeiten in der Unterwasserphase bei den Gewinnern dieser

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Strecken viel höher waren, als auf der anschließenden Schwimmstrecke. Hinsichtlich
der Streckenlänge wurde festgestellt, dass die Unterwasserabschnitte der Gewinner
der 100m Strecken nicht länger, jedoch schneller waren als die der Konkurrenten. Bei
den 200m Strecken hingegen zeichnete die Gewinner aus, dass sie längere Strecken
unter Wasser blieben als ihre Konkurrenten, was ihnen aufgrund von fünf bis sechs
Prozent höherer Geschwindigkeiten, Zeitverbesserungen ermöglichte, die für den
Sieg entscheidend waren. Es scheint somit, dass Delfinbewegungen in
ausreichender Tiefe eine geeignete Möglichkeit sind den Geschwindigkeitsabfall
nach der Start­ und Wendephase hinauszuzögern.
Begründet ist dies einerseits aufgrund von Wellen, die an der Wasseroberfläche
wegen der variierenden intrazyklischen Phasengeschwindigkeit eines Schwimmers
(Leblanc,
Seifert,
Tourny-Chollet
&
Chollet
2007)
entstehen
und
Geschwindigkeitssteigerungen in Form von Wellenwiderstand erschweren (Marinho
et al. 2009, Tor, Pease & Ball, 2015, Toussaint, 2002). Lyttle & Blansky (2000)
weisen hier auf eine Verringerung des Widerstandes eines Körpers unter Wasser, im
Vergleich zu einem Körper an der Wasseroberfläche, von 20 Prozent, bei einer Tiefe
von 0,4m bis 0,6m, hin. Beim Gleiten in 0,2 m Tiefe reduziert sich dieser hingegen
nur um sieben bis 14 Prozent. Videler (1993) gibt an, dass ein Objekt an der
Wasseroberfläche fünfmal mehr Widerstand erzeugt, als der gleiche Körper in einer
Tiefe, die dreimal so tief ist, wie der Körper breit. Andererseits ist trotz der
anatomischen Begrenzung des menschlichen Körpers (eingeschränkte Flexibilität)
der Antrieb in Form von wellenförmigen Bewegungen während des
Unterwasserschwimmens
die
erfolgreichste
Methode
um
höhere
Schwimmgeschwindigkeiten beizubehalten und den bestmöglichen Übergang zu
gewährleisten (Aranello, Pardillo & Gavilan, 2002, Connaboy, Naemi, Brown,
Psycharakis, McCabe, Coleman & Sanders, 2016, Cosser & Manson, 2001,
Kobayashi, Takagi, Tsubakimoto & Sengoku, 2016, Takeda, Ichikawa, Takagi, &
Tsubakimoto, 2009, Von
Loebbecke, Mittel, Mark & Hahn, 2009). Diese Art der Bewegung ist durch eine
zyklische Kickbewegung beider Beine charakterisiert, die durch eine
Wellenbewegung des Oberkörpers eingeleitet wird und mit einer peitschenartigen
Aktion der Beine abschließt. Die oberen Körpersegmente dienen dabei hauptsächlich
der Stabilisierung (Gavilan, Arellano & Sanders, 2006).

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Bei der Schwimmart Brust trägt diese Kickbewegung in Verbindung mit dem
Tauchzug in der Übergangsphase dazu bei, dass höhere Geschwindigkeiten erzeugt
werden, als bei der zyklischen Bewegung an der Wasseroberfläche (Küchler, 2017,
Navandari, Veiga, Garcia & Navarrol, 2016). Cossor & Mason (2001) sehen die
Unterwasserphase, welche charakterisiert ist durch Vortrieb, Erholung und Gleiten
(Seifert & Chollet, 2005, Takagi, Sugimoto, Nishijima & Wilson, 2004) als den größten
Einflussfaktor beim Brustschwimmen.
Um eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen, gibt es drei mögliche Variationen, die
Vortriebswirkung erzielen: Gleiten, kontinuierlicher Vortrieb oder überlappender
Vortrieb (Seifert, Chollet & Bardy, 2004, Takagi et al., 2004). Die Gleitvariation ist
durch eine Erholungszeit am Ende des Vortriebs der Beine und zu Beginn der Arme
gekennzeichnet. Der kontinuierliche Vortrieb gewährleistet eine andauernde
Vortriebsleistung durch Beginn des Armzuges bei Beendigung des Beinschlages
(Chollet, Seifert, Boulesteix & Carter, 2006). Der überlappende Vortrieb, welcher
hauptsächlich in 50m und 100m Wettkämpfen angewendet wird (Tagaki et al., 2004)
ist gekennzeichnet durch einen Beginn des Armzuges vor Beendigung des
Beinschlages.
Seifert, Vantorre & Chollet (2007) sehen bei der Reduzierung des
Geschwindigkeitsabfalls das größte Potential in einer Verringerung des Widerstands
in Kombination mit einer Überwachung der Gleitzeiten. Für sie stellt die überlappende
Variation motorisches Fehlverhalten dar, das den Strömungswiderstand des
Schwimmers erheblich erhöht (Leblanc, Seifert, Baudry & Chollet, 2005). Sugimoto,
Nakashima & Nomura (2008) stellen heraus, dass die Biegung der Brust bei der
Schwimmbewegung zur Maximierung der Vortriebseffizienz wichtig ist und Cossor &
Mason (2001) heben die Bedeutung der Unterwasserphase unabhängig von der
zeitlichen Platzierung des Delfinkicks hervor. Auf Grund dieser Erkenntnisse, ist der
Zweck dieser Studie herauszufinden, welche zeitliche Platzierung des Delfinkicks
(vor oder während des Brusttauchzugs) effektiver ist.

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2.
Methoden
Eine Gruppe aus 39 Schwimmern (M= 16.18 y, SD= 4.94), welche 18 Männer und 21
Frauen
1
umfasst, nahm freiwillig an dieser Studie teil. Die Schwimmer teilen sich in
fünf Leistungsgruppen auf (Leistungsgruppe 1, Leistungsgruppe 2, Leistungsgruppe
3, Leistungsgruppe 4 und Young Masters). Das Kriterium für die Teilnahme war, dass
die Schwimmer aktiv an Wettkämpfen teilnehmen.
Die zu evaluierenden Technikvariationen der Unterwasserphase wurden bei den
Testversuchen nacheinander in der Reihenfolge Brusttauchzug ohne Delfinkick (OD),
Brusttauchzug mit Delfinkick vor dem Armzug (DvA), Brusttauchzug mit Delfinkick
während des Armzugs (DwA) durchgeführt.
Dafür mussten alle Schwimmer je zwei Durchgänge mit unterschiedlicher
Aufgabenstellung und jeweils drei Versuchen pro Technikvariation durchlaufen. Alle
Schwimmer bekamen in Durchgang eins die Aufgabe, so weit wie möglich zu
tauchen. In Durchgang zwei bekamen alle Schwimmer die Anweisung, die jeweilige
genannte Technikvariation auszuführen und in einem maximalen Sprint bis zur 15m ­
Marke zu schwimmen. Der Start erfolgte im Wasser durch den Abstoß am
Beckenrand.
Die erhobenen Variablen in Durchgang eins war die Länge der Unterwasserphase
(Distanz zwischen dem Zeitpunkt, wenn die Füße die Wand verlassen bis zu der
Stelle, an der der Kopf des Schwimmers die Wasseroberfläche durchbricht) und in
Durchgang zwei Länge der Unterwasserphase (Distanz zwischen dem Zeitpunkt,
wenn die Füße die Wand verlassen bis zu der Stelle, an der der Kopf des
Schwimmers die Wasseroberfläche durchbricht) und die Zeit bis 15m (Der Zeitpunkt,
wenn die Füße die Wand verlassen, bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Kopf des
Schwimmers die 15m ­ Marke passiert). Der Start erfolgte ohne Startsignal und
Startsprung um den Einflüssen der Reaktionszeit und des Startsprungs zu entgehen.
Die Länge aller Versuche wurde mit einem Bahco Maßband im Dezimeterbereich
bestimmt. Die Zeitnahme erfolgte mit der Stoppuhr STOPTEC 490 im
Zentisekundenbereich. Zwischen dem ersten und dem zweiten Durchgang wurde
eine
fünfminütige
Pause
eingelegt,
um
die
Auswirkungen
von
Ermüdungserscheinungen zu reduzieren.
1
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt
Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Analyse des Brusttauchzugs. Untersuchung der unterschiedlichen Technikvarianten des Tauchzuges in der Schwimmart Brust
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V433557
ISBN (eBook)
9783668754485
ISBN (Buch)
9783668754492
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwimmen, Brustzug, Sport, Wasser, Technik, Untersuchung, Schwimmstil, Bruststil, tauchzug, Bewegungsanalyse
Arbeit zitieren
Jochen Stetina (Autor), 2018, Analyse des Brusttauchzugs. Untersuchung der unterschiedlichen Technikvarianten des Tauchzuges in der Schwimmart Brust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433557

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