Die Ertragswertmethode zur Unternehmensbewertung. Konzept und Verfahren


Seminararbeit, 2018
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Grundsätze der Unternehmensbewertung
2.1 Anlässe zur Bewertung von Unternehmen
2.2 Systematik des IDW S1 in seinen Kernelementen
2.2.1 Thematische Handlungsempfehlung des IDW S1
2.2.2 Maßgeblichkeit des Bewertungszwecks
2.2.3 Stichtagsprinzip
2.2.4 Prognose der künftigen finanziellen Überschüsse

3 Ermittlung des Unternehmenswerts nach dem Ertragswertverfahren
3.1 Grundsätzliches Vorgehen
3.2 Vorbereitung der Ertragswertermittlung
3.2.1 Vergangenheitsanalyse
3.2.2 Unternehmens- und Umweltanalyse
3.3 Zukunftsprognose
3.4 Ermittlung der zukünftigen finanziellen Überschüsse aus dem betriebsnotwendigen Vermögen
3.4.1 Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes
3.4.2 Ertragswertberechnung
3.5 Nicht betriebsnotwendiges Vermögen
3.6 Beispiel einer Unternehmensbewertung

4 Zusammenfassung

5 Literatur- und Quellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Interpretation von Beta-Faktoren

Tabelle 2: Daten aus der Vergangenheitsanalyse

Tabelle 3: Planung des Geschäftsumfangs und der Zukunftsergebnisse

Tabelle 4: Planung des Abschreibungsbedarfs

Tabelle 5: Planung des Zinsaufwandes

Tabelle 6: Berechnung des zukünftigen betrieblichen Ergebnisses

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Problemstellung

Die Unternehmensbewertung ist ein relativ vieldiskutiertes und kompliziertes Themengebiet. Sie führt zwar nicht selbst zur Festlegung eines Kaufpreises, ist jedoch ein wichtiges Hilfsmittel bei einer Kaufpreisfindung.[1] In der Praxis erfolgt die Bewertung grundsätzlich nach der sog. Ertragswertmethode. Grundlage für die Anwendung dieser Methode ist der Standard IDW S1, welcher im Rahmen der Unternehmenssteuerreform 2008 eingeführt bzw. vervollständigt wurde. In dem IDW S1 ist neben dem Ertragswertverfahren auch das sog. Discounted Cash Flow-Verfahren aufgeführt, welcher zwar ebenfalls anerkannt ist, jedoch von Bewertungs- und Gerichtspraxis nicht gleichermaßen angenommen wird.[2]

Der Standard S1 des IDW verpflichtet Wirtschaftsprüfer, den Unternehmenswert nach der Ertragswertmethode zu ermitteln, da der Nutzen des beratenden mit den zukünftigen Erträgen in einem direkten Zusammenhang steht.[3]

1.2 Gang der Untersuchung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine ausführliche Darstellung der konzeptionellen Grundlagen und die Anwendung der Ertragswertmethode für die Unternehmensbewertung.

Im Laufe der Abhandlung werden zuerst aus Gründen der Verständlichkeit die Grundsätze der Unternehmensbewertung erläutert. Diese sind zum einen in den Anlässen zur Unternehmensbewertungen und zum anderen in die Systematik des IDW S1 unterteilt. Im Anschluss wird ausführlich das Konzept und Verfahren der Ertragswertmethode behandelt. Dabei wird auf die Vorbereitungsphase der Ertragswertermittlung sowie weitere notwendigen Teilschritte der Ertragswertmethode eingegangen. Aufbauend auf den Erkenntnissen erfolgt ein Fallbeispiel, in dem mit der Ertragswertmethode eine Unternehmensbewertung beispielhaft dargestellt wird. Abschließend erfolgt eine kompakte Zusammenfassung der Ausarbeitung.

2 Grundsätze der Unternehmensbewertung

2.1 Anlässe zur Bewertung von Unternehmen

Unternehmensbewertungen werden für verschiedenste Anlässe durchgeführt. Weshalb eine Unternehmensbewertung durchgeführt wird, begründet sich in der Regel damit, dass in der Bilanz, die nach den Regelungen des Handelsgesetzbuches aufgestellt wird, kein dem tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Eigenkapital auffindbar ist.[4] Das ausgewiesene Eigenkapital genügt zwar für Anforderungen des Gläubigerschutzes, liefert jedoch dem Eigentümer nicht genaue Informationen über den tatsächlichen Wert des Unternehmens.[5]

Eine Unternehmensbewertung erfolgt daher insbesondere für folgende Anlässe:[6]

- Kauf oder Verkauf
- Fusionen
- Zuführung von Eigen- oder Fremdkapital
- Sacheinlagen
- Börsengang oder Management-Buy-Out

Des Weiteren wird eine Unternehmensbewertung für Rechnungslegungsvorschriften notwendig, wie z.B. im Rahmen eines Impairmenttests nach IAS 36.[7]

Die in der Praxis gelegentlich verwendeten Praktikerverfahren wie EBIT-Multiples oder Umsatzbewertungen haben sich nicht als allgemein anerkannte Unternehmensbewertungsverfahren etablieren können.[8] Aus diesem Grund werden bei kleinen und Mittelgroßen Unternehmen i.d.R. die Ertragswertmethode herangezogen, mit der sich die Summe aller zukünftigen Erträge des fortgeführten Unternehmens ermitteln lässt.[9]

2.2 Systematik des IDW S1 in seinen Kernelementen

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) ist ein privatrechtlicher Verein, dem ca. 80 % der WP angehören und welcher seit 1983 die sog. IDW-Standards (IDW-S) veröffentlicht.[10] Der neue IDW S1 von 2008 wurde im Rahmen der Unternehmenssteuerreform im Jahre 2007 eingeführt und findet bereits ab Mitte 2007 Anwendung. Dieser ist lediglich eine Erweiterung des bereits von 2005 als „gerichtsfest und allgemein anerkannten“[11] Standards und passt das objektivierte Verfahren der Unternehmensbewertung nach Steuern an die aktuellere Gesetzgebung an.[12]

Die konzeptionellen Grundlagen dieses Standards werden im Folgenden behandelt.

2.2.1 Thematische Handlungsempfehlung des IDW S1

Der IDW S1 bestimmt systematisch den Ablauf einer Unternehmensbewertung. Im ersten Schritt ist das Bewertungsobjekt abzugrenzen. Die Abgrenzung ist erforderlich, da nicht nur ganze Unternehmen, sondern auch bspw. Tochterunternehmen oder Teilbereiche eines Unternehmens veräußert bzw. umstrukturiert werden. Um die Ertragswertermittlung vorbereiten zu können, ist es im zweiten Schritt notwendig, eine Analyse der Ertragssituation durchzuführen. Dadurch wird in einem dritten Schritt die Prognose der zukünftigen finanziellen Ausschüttungen ermöglicht. In der nächsten Etappe erfolgen die Schätzung und die Diskontierung der Eigenkapitalkosten. Im fünften und letzten Schritt erfolgt eine separate Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens, da in den prognostizierten zukünftigen Ausschüttungen die Erträge, die mit dem nicht betriebsnotwendigen Vermögen erzielbar wären, nicht beinhaltet werden. Der ermittelte Wert ist letztlich den diskontierten Ausschüttungen zuzuschlagen, um zu einem Gesamtwert aus Sicht der Eigenkapitalgeber zu gelangen.[13]

2.2.2 Maßgeblichkeit des Bewertungszwecks

Bei ertragsschwachen Unternehmen, die keine Geschäfte mehr ausführen, haben Käufer in der Regel nur Interesse am unternehmensgebundenen Vermögen. In diesen Fällen haben nur die reinen Substanzwerte für die Unternehmensbewertung eine Bedeutung. Ist jedoch ein Unternehmen werbend tätig, so ist eine Bewertung auf Basis der Substanzwerte nicht geeignet. Der Unternehmenswert ist daher als Zukunftserfolgswert zu ermitteln. Wertbildend sind somit die künftigen Erträge, die bei der Einschätzung der zukünftigen Erfolge eine wichtige Rolle spielen.[14]

2.2.3 Stichtagsprinzip

Nach IDW S1 müssen Unternehmenswerte zeitpunktbezogen auf den Bewertungsstichtag ermittelt werden. Somit kann festgelegt werden, welche finanziellen Überschüsse bereits den bisherigen Eigentümern zugeflossen sind. Diese bleiben für die Ermittlung des Unternehmenswerts unberücksichtigt. Darüber hinaus wird festgelegt, ab welchem Zeitpunkt zu erwartende finanziellen Überschüsse den künftigen Eigentümern zugerechnet werden können. Fällt der Zeitpunkt der Durchführung der Bewertung und des Bewertungsstichtags auseinander, so ist nur der Informationsstand relevant, der bei angemessener Sorgfalt zum Bewertungsstichtag hätte erlangt werden können.[15]

2.2.4 Prognose der künftigen finanziellen Überschüsse

Der Kernbereich einer Unternehmensbewertung ist die Prognose der finanziellen Überschüsse aus dem betriebsnotwendigem Vermögen. Dafür ist eine umfangreiche Informationsbeschaffung bestehend aus Vergangenheits-, Stichtages-, und weitere Unternehmensanalysen notwendig. Die Feststellungen sind im Anschluss durch Plausibilitätsüberlegungen auf ihre Angemessenheit zu überprüfen.[16] Die inhaltliche Qualität einer Unternehmensbewertung hängt von der Qualität und dem Umfang der verfügbaren Informationen ab. Durch Unternehmens- und marktorientierte zukunftsbezogene Informationen ist es möglich, die finanziellen Überschüsse verlässlich zu prognostizieren. Vergangenheits- und stichtagsbezogene Informationen sind lediglich für Plausibilitätsbeurteilungen von Bedeutung.[17]

3 Ermittlung des Unternehmenswerts nach dem Ertragswertverfahren

Die Ertragswertmethode wird bei der Ermittlung des Unternehmenswerts herangezogen. Diese Methode umfasst die Abzinsung der zukünftig entstehenden Überschüsse auf den Bewertungsstichtag. Durch Aufstellung von Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen werden die zukünftigen finanziellen Überschüsse ermittelt.[18] Die zugrundeliegende Planungsrechnung darf nach HGB sowie nach anderen Vorschriften des IFRS oder US GAAP aufgestellt sein.[19]

3.1 Grundsätzliches Vorgehen

Eine ertragswertorientierte Unternehmensbewertung lässt sich in zwei Schritte einteilen. Dabei ist es irrelevant, ob das Ertragswert- oder ein DCF-Verfahren angewandt wird. Im ersten Schritt findet eine Analyse des Unternehmens statt (Ist-Analyse). Im weiteren Schritt erfolgt eine Prognose der künftig erzielbaren Überschüsse (Soll-Zustand).[20]

Die Ertragswertmethode kommt in der Regel für kleine und mittelständige Unternehmen in Betracht, da sowohl die Vergangenheitsanalyse als auch die Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen auf Ertragsplanungen basieren.[21]

Zusätzliche Anmerkung:

Mit dem vereinfachten Ertragsverfahren (§§ 199-203 BewG) hat der Steuergesetzgeber ein standardisiertes Bewertungsverfahren festgelegt, welches grundsätzlich dem Ertragswertverfahren des IDW S1 nachgebildet ist.[22] Das „neue“ Ertragswertverfahren des BewG ist jedoch rein vergangenheitsbezogen mit entsprechenden IST-Zahlen und daher nicht für strategische Zielsetzungen geeignet.[23]

3.2 Vorbereitung der Ertragswertermittlung

3.2.1 Vergangenheitsanalyse

Durch die Abzinsung der dem neuen Eigentümer künftig zufließenden finanziellen Überschüsse wird der Ertragswert des Unternehmens festgestellt bzw. prognostiziert. Um die künftige Ertragskraft des Unternehmens ermitteln zu können, ist an erster Stelle eine Vergangenheitsanalyse notwendig. Ausgangspunkt für die Vergangenheitsanalyse ist der Jahresabschluss des zu bewertenden Unternehmens. Neben dem Jahresabschluss sind Investitions-, Produktions- und Finanzpläne unter die Lupe zu nehmen. Des Weiteren ist eine Analyse darüber notwendig, wie das zu bewertende Unternehmen zum Bewertungszeitpunkt am Markt aufgestellt ist und welche rechtliche und wirtschaftliche Verhältnisse bestehen. Leistungskennziffern wie z.B. Kapazitätsauslastung oder Deckungsbeitrag je Kunde sind weitere wichtige Bestandteile einer Vergangenheitsanalyse.[24]

Die Grundidee der Vergangenheitsanalyse ist, Erfolgsfaktoren der Vergangenheit zu ermitteln, um die Erfolgsfaktoren der Zukunft abschätzen zu können.[25] Der Analysezeitraum beträgt i.d.R. fünf Jahre. Diese Zeit ist in den meisten Fällen ausreichend, um außerbetriebliche Einflüsse auf die Jahresergebnisse zu erkennen und sie zu eliminieren.[26]

Die Vorgehensweise bei einer Vergangenheitsanalyse lässt sich wie folgt zusammenfassen:[27]

1. Festlegung des Referenzzeitraums (Ermittlung der Unternehmensentwicklung unter Berücksichtigung der Branchen-, Konjunkturzyklen.
2. Bereinigung der für die Zukunft relevanter Einflüsse aus der Vergangenheitsanalyse.
3. Ermittlung von aussagefähigen Kennzahlen für die Ertragssituation (Cash-Flow-Situation, Vermögenssituation) des Unternehmens.
4. Vergleich der Ergebnisse mit dem Markt, da absolute Zahlen nicht für die Prognose nicht genügen.

3.2.2 Unternehmens- und Umweltanalyse

Für die Prognose der zukünftigen finanziellen Überschüsse ist eine umfangreiche Analyse des zu bewertenden Unternehmen durchzuführen. Neben der Analyse der Rechtsverhältnisse und Verträge - die das Unternehmen betreffen - ist eine externe Lageanalyse durchzuführen, um die Gesamtentwicklung des Unternehmens am Markt zu bestimmen. In diesem Zusammenhang werden die Produkte des Unternehmens in einer Stärken- und Schwächenanalyse (SWOT-Analyse) zusammengeführt.[28]

Ziel der Unternehmensanalyse ist, die Stärken und Schwächen des Unternehmens unter Berücksichtigung externer Einflüsse (politische, ökonomische, soziale, technologische) aufzudecken. Die Analysen werden bei großen Unternehmensbewertungen i.d.R. im Rahmen einer Due Diligence (aufmerksame Analyse) durchgeführt.[29]

3.3 Zukunftsprognose

Für zukunftsbezogene Prognosen ist es zunächst erforderlich, ähnlich wie bei der Vergangenheitsanalyse, einen Planungszeitraum festzulegen. Dieser kann je nach Unternehmensgröße variieren und hängt stark von Branchen- und Produktlebenszyklen ab.[30] Dennoch wird es in der Regel zwischen zwei Planungsphasen unterschieden.

In der ersten Phase (Detailplanungsphase), die einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren umfasst, werden die künftigen Jahre unter Berücksichtigung der aus der Vergangenheitsanalyse gewonnenen Informationen detailliert geplant. In der zweiten Phase (Phase der ewigen Rente) werden die Trendentwicklungen der ersten Phase fortgeschrieben.[31]

Die benötigten Planungsrechnungen werden auf Basis der Vergangenheitsanalyse sowie weiterer Unternehmens- und Umweltanalyse erstellt. Diese sind:[32]

- Planbilanz
- Plan-Gewinn- und Verlustrechnung
- Investitionsplan
- Plan-Kapitalflussrechnungen

Bei Fehlen von Planungsrechnungen sind die Unternehmen daran gebunden, die Zukunftsprognose aus den in der Vergangenheit erzielten Unternehmensergebnissen sowie den „erkennbaren Entwicklungen der Zukunft“ abzuleiten.[33]

3.4 Ermittlung der zukünftigen finanziellen Überschüsse aus dem betriebsnotwendigen Vermögen

3.4.1 Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes

Eine marktorientierte Ermittlung des Diskontierungszinssatzes lässt sich auf Basis des sog. Capital Asset Pricing Model (CAPM) oder des Tax-Capital Asset Pricing Model (Tax-CAPM) ableiten.[34] Für die Bewertung von ausländischen Gesellschaften sind ggf. Länderrisikozuschläge einzukalkulieren, da die Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes sich nur auf den deutschen Kapitalmarkt stützt.[35]

Je weiter die finanziellen Überschüsse in der Zukunft liegen, umso mehr verlieren sie an Wert. Aus diesem Grund sind diese auf den Bewertungsstichtag abzuzinsen und zu einem Barwert zusammenzufassen. Hintergrund dafür ist, dass ein Investor das Bewertungsobjekt mit anderen Geldanlagemöglichkeiten vergleichen können muss. Der Kapitalisierungszinssatz muss daher dem zu kapitalisierenden Zahlungsstrom in Bezug auf Laufzeit, Risiko und Besteuerung äquivalent (gleichwertig) sein.[36]

Ausgangspunkt ist die Rendite einer Alternativanlage in Unternehmensbeteiligungen. Diese lässt sich in einen Basiszinssatz und eine Risikoprämie aufteilen.[37]

Der Basiszinssatz kann aus dem Statistischen Teil der Monatsberichte der Deutschen Bank entnommen werden. Für dessen Ermittlung ist von dem landesüblichen Zinssatz für eine (quasi-risikofreie Kapitalmarktanlage auszugehen. Maßgebend dafür ist die langfristig erzielbare Rendite von öffentlichen Anleihen (sichere Erträge). Aufgrund starker Schwankungen des Kapitalzinses wird bis dato in der Rechtsprechung die Meinung vertreten, dass nicht der Zinssatz zum Bewertungsstichtag, sondern der langjährige Durchschnitt von Relevanz sei.[38]

Der Risikozuschlag wird aufgrund des unternehmerischen Risikos zugeschlagen, da Erträge aus einem Unternehmen verglichen mit den Erträgen einer öffentlichen Anleihe risikobehafteter und unsicherer sind. Die Höhe des Zuschlags hängt von der Risikostruktur des Unternehmens ab.[39]

Mithilfe von Kapitalpreisbildungsmodelle (CAPM oder Tax-CAPM) wird der Risikozuschlag abgeleitet und setzt sich zusammen aus der Marktrisikoprämie gewichtet mit dem sog. Beta-Faktor.[40]

Die Marktrisikoprämie lässt sich durch die Differenz aus der Aktienrendite des Marktportfolios und dem Basiszinssatz ermitteln. Der Betafaktor stellt inhaltlich das unternehmensspezifische Risiko des Unternehmens dar und nimmt einen Wert zwischen 0-1 an. Je nach Höhe des Beta-Faktors steigt die Renditeforderung der Investoren. Dies kann folgendermaßen dargestellt werden:[41]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 : Interpretation von Beta-Faktoren [42]

3.4.2 Ertragswertberechnung

Der nachhaltig erzielbare Zukunftsgewinn entspricht dem Unternehmenswert. Die um außerordentliche Einflüsse bereinigten Ergebnisse der Vergangenheit werden für die Ertragswertberechnung auf die Zukunft prognostiziert. Der bereinigte Ertragswert ist um die geschätzten Risiken zu mindern.[43]

Der Ertragswert des betriebsnotwendigen Vermögens ist auf folgende Formel zu bringen:

E = R x 100
Z

E = Barwert der ewigen Rente

R = nachhaltiger Jahresertrag

Z = Zinssatz

Für die Ermittlung des Unternehmenswerts können die einzelnen Schritte wie folgt dargestellt werden:[44]

1. Durchschnittsertrag der letzten fünf Jahre
2. + einmalige und außerordentliche Aufwendungen
3. – einmalige außerordentliche Erträge
4. – Risikoabschlag
5. Kapitalisierungszinsfuß

Als Kapitalisierungszinsfuß sind die am Kapitalmarkt ermittelte Aktienrenditen maßgeblich. Alternativ ist die Umlaufrendite inländischer Rentenwerte anzunehmen.[45]

Für ein Zahlenbeispiel wird angenommen, dass das Risiko im nachhaltigen Jahresertrag berücksichtigt ist. Weiterhin ist ein Kapitalisierungszinsfuß von 5% nach Steuern anzunehmen.

Bei einem nachhaltigen Ertrag von 500.000 EURO ergäbe sich ein Unternehmenswert i.H.v.:[46]

E = 500.000 x 100
5

E = 10.000.000 EURO

3.5 Nicht betriebsnotwendiges Vermögen

Das nicht betriebsnotwendige Vermögen wird weder in der aktuellen
Periode noch in den kommenden Perioden voraussichtlich nicht genutzt. Aus diesem Grund wird durch das nicht betriebsnotwendige Vermögen dementsprechend keine Erträge generiert. In den prognostizierten zukünftigen Ausschüttungen sind die Erträge, die das Unternehmen mit dem nicht betriebsnotwendigem Vermögen erzielen könnte, nicht berücksichtigt. Deshalb erfolgt die Ermittlung des gesamten Unternehmenswerts bei Anwendung der Ertragswertmethode (aus Sicht der Eigenkapitalgeber) nach Saldierung des Ertragswerts und des Barwerts des nicht betriebsnotwendigen Vermögens.[47]

3.6 Beispiel einer Unternehmensbewertung

Nachfolgend wird der Ablauf einer Unternehmensbewertung nach der Ertragswertmethode anhand eines Zahlenbeispiels dargestellt.[48]

Aus der Vergangenheitsanalyse gehen folgende Daten hervor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 : Daten aus der Vergangenheitsanalyse [49]

Aus den vergangenen fünf Jahren ergibt sich ein bereinigtes Durchschnittsergebnis i.H.v. 1.167.000 EURO.

Dieses Durchschnittsergebnis ist auf Basis der Wiederbeschaffungswerte ermittelten Abschreibungen zu korrigieren.

a) Gebäude

Restbuchwert 1.000.000 €

Wiederbeschaffungswert ohne Grund & Boden 2.200.000 €

davon 2% (Abschreibungssatz auf Gebäude)

= 44.000 €

b) Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, immaterielle Anlagewerte:

Restbuchwert 800.000 €

Wiederbeschaffungswert 31.12.2016 900.000 €

Abschreibungssatz: 40 %

= 360.000 €

Es ergibt sich somit ein Abschreibungsvolumen von insgesamt 404.000 €.

Dementsprechend ist das Ergebnis aus der Vergangenheitsanalyse abgerundet auf 400.000 € zu korrigieren:

1.167.000 €

./. 400.000 €

767.000 €

[...]


[1] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 1.

[2] Vgl. (Koch, 2016), in Hüffer/Koch, AktG, Rz. 24.

[3] Vgl. (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 4 sowie (Rohde, DStR 2016), S. 1566.

[4] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 7 ff.

[5] Vgl. (Graumann, NWB 2017), S. 1.

[6] Vgl. (Graumann, NWB 2017), S. 1.

[7] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 7 ff.

[8] Vgl. (Rohde, DStR 2016), S. 1566.

[9] Vgl. (Kamanabrou, 2017), in Oetker, Handelsgesetzbuch, Rz. 60.

[10] Vgl. (Emmerich, 2016), in Emmerich/Habersack, Aktien-KonzernR, Rz. 52.

[11] (Rohde, DStR 2016), S. 1566. Vgl. auch (Drukarczyk & Schüler, 2017), S.230.

[12] Vgl. (Rohde, DStR 2016), S. 1566 sowie (Kummer & Wangler , DB 2016) S. 1919.

[13] Vgl. (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 102 ff.

[14] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 2 sowie (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 7.

[15] Vgl. (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 22, 23 sowie (Graumann, NWB 2017), S. 2.

[16] Vgl. (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 68.

[17] Vgl. (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 68.

[18] Vgl. (Graumann, NWB 2017), S. 3.

[19] Vgl. (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 102.

[20] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 20.

[21] Vgl. (Rohde, DStR 2016), S. 1567.

[22] Vgl. (Rohde, DStR 2016), S. 1567.

[23] Vgl. (Knief, DStR 2009), S. 1818.

[24] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 35.

[25] Vgl. (Sosnitza, 2017), in Michalski/Heidinger/Leible, § 34 GmbHG, Rz. 48.

[26] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 36.

[27] Ebenda.

[28] Vgl. (Vögele, 2015), Vögele/Borstell/Engler, Markt und Unternehmensanalyse, Rz. 154.

[29] Vgl. (Vögele, 2015), Vögele/Borstell/Engler, Markt und Unternehmensanalyse, Rz. 154.

[30] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 52.

[31] Vgl. (Buchner, Friedl, & Hinterdobler, DStR, 2017), S. 1350.

[32] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 52 ff sowie (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 70,71.

[33] Vgl. (OLG Düsseldorf) Beschluss vom 13.03.2008 - 26 W 8/07 (LG Düsseldorf).

[34] Vgl. (Kummer & Wangler , DB 2016) S. 1919.

[35] Vgl. (Kummer & Wangler , DB 2016) S. 1919.

[36] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 60.

[37] Vgl. (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 114,115.

[38] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 62.

[39] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 63.

[40] Vgl. (Kummer & Wangler , DB 2016) S. 1919.

[41] Vgl. (Kummer & Wangler , DB 2016) S. 1919.

[42] In Anlehnung an: (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 64.

[43] Vgl. (Kamanabrou, 2017), in Oetker, Handelsgesetzbuch, Rz. 60.

[44] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 77.

[45] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 76.

[46] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 78.

[47] Vgl. (Kamanabrou, 2017), in Oetker, Handelsgesetzbuch, Rz. 60. sowie (IDW S1 i.d.F. 2008), Rz. 101 ff.

[48] Vgl. (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 93 ff.

[49] In Anlehnung an: (Schindler, 2016), in Beisel/Klumpp, der Unternehmenskauf, Rz. 93.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Ertragswertmethode zur Unternehmensbewertung. Konzept und Verfahren
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V433602
ISBN (eBook)
9783668755888
ISBN (Buch)
9783668755895
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ertragswertmethode, unternehmensbewertung, konzept, verfahren
Arbeit zitieren
Ömür Altunbey (Autor), 2018, Die Ertragswertmethode zur Unternehmensbewertung. Konzept und Verfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433602

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