Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz. Ursachen, Hilfe und Präventivmaßnahmen


Diplomarbeit, 2018

45 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

2. Grundlagen zu Psychischen Erkrankungen
2.1. Definition
2.2. Beispiele psychischer Krankheiten
2.3. Depression- Die psychische Erkrankung Nummer eins
2.4. Angst, Antriebshemmung und Suizidalität

3. Ursachen von Psychischen Erkrankungen
3.1. Mobbing
3.1.1. Definition
3.1.2. Ursachen
3.1.3. Der Verlauf von Mobbing und damit verbundenen psychische Folgen für das Opfer
3.1.4. Vorgehensweise gegen Mobbing
3.2. Stress
3.2.1. Definition
3.2.2. Ursachen des Disstresses
3.2.3. Psychische Krankheitsfolgen von Stress
3.2.4. Stressbewältigung
3.3. Arbeitssucht
3.3.1. Definition
3.3.2. Ursachen
3.3.3. Verlauf der Arbeitssucht und dabei auftretende psychische Erkrankungen
3.3.4. Prävention am Arbeitsplatz
3.4. Alkoholismus
3.4.1. Definition
3.4.2. Ursachen
3.4.3. Verlauf und Folgen
3.4.4. Mögliche Auffälligkeiten im Arbeitsalltag

4. Maßnahmen zum Umgang mit psychischen Erkrankungen
4.1. Prävention am Arbeitsplatz
4.2. Das „Hamburger Modell“
4.3. Schulungen für Führungskräfte
4.4 Kommunikationstechniken für den Umgang mit Betroffenen

5. Problemfelder im Umgang mit psychischen Erkrankungen im Betrieb
5.1. Fehlbeanspruchungen im Sinne des Arbeitsschutzes
5.2. Folgen für den Arbeitgeber
5.3. Kostenfaktor psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz
5.4. Voraussetzungen für eine krankheitsbedingte Kündigung

6. Befragung von Unternehmen
6.1. Methodik der Befragung
6.2. Bedeutung von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz
6.3. Betriebliche Maßnahmen zum Umgang bzw. Vermeidung vom psychischen Erkrankungen
6.4. Problembereich im Umgang mit psychischen Erkrankungen

7. Gestaltungsanregungen für Unternehmen
7.1. Mitarbeitergespräche
7.2. Integration statt Ausgrenzung
7.3. Unterstützen anstatt schonen
7.4. Außerbetriebliche Maßnahmen

8. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:

Abbildung 2:

Abbildung 3:

Abbildung 4:

Abbildung 5:

1. Einführung

In der Öffentlichkeit werden psychische Erkrankungen heutzutage in Medienberichten, Fachzeitschriften etc. breit diskutiert. Dabei dominiert die Aussage, dass schlechte Arbeitsbedingungen der Auslöser psychischen Leidens seien, dieser medialen Hervorhebung liegt zu Grunde, dass Krankheitshäufigkeiten insbesondere in Form von Arbeitsunfähigkeits- tagen in Betrieben gemessen werden. Dabei erscheint es logisch, in der Arbeitswelt auch die Ursache für psychische (und andere) Erkrankungen zu sehen.[1] Im Rahmen der Globalisierung wird der Wettbewerb für Unternehmen zunehmend härter, somit steigen auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. In einem Arbeitsumfeld, das von wachsender Informationsflut, Zeitdruck, neuen Kommunikationstechnologien und Rationalisierungsmaßnahmen geprägt ist, sollen Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen, motiviert, belastbar und am besten noch auf dem neuesten Stand der Technik sein. Daher wundert es kaum, dass der eine oder andere diesem steigenden Druck psychosozialer Belastungen nicht mehr gewachsen ist und in Folge dessen psychisch erkrankt. Da Depressionen, Ängste, Suizidalität und Antriebshemmung die häufigsten psychischen Erkrankungen in der Arbeitswelt sind, wird im ersten Teil dieser Arbeit mit einer allgemeinen Definition der psychische Erkrankungen auf diese vier Themen speziell eingegangen, im Vorfeld werden ausgewählte Beispiele psychischer Krankheiten erörtert. Im zweiten Teil wird auf die Ursachen von Mobbing, Stress, Arbeitssucht und Alkoholismus eingegangen und auf Bewältigungsstrategien sowie mögliche Auffälligkeiten bei Alkoholismus im Betrieb. Der dritte Teil umfasst Maßnahmen zum Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz, dabei werden Präventionsmöglichkeiten, Schulungen für Führungskräfte, Kommunikationstechniken für den Umgang mit Betroffenen und das „Hamburger Modell“ thematisiert. Psychische Erkrankungen stellen oft ein Problem im Betrieb dar, daher schien es sinnvoll, auch diese Thematik aufzugreifen und sich zu den Folgen für den Arbeitgeber, die Fehlbeanspruchungen im Sinne des Arbeitsschutzes, den wirtschaftlichen Kostenfaktor psychischer Erkrankungen und die Voraussetzungen für eine krankheitsbedingte Kündigung zu äußern. Der vierte und letzte Teil dieser Arbeit beschreibt eine eigens erstellte empirische Umfrage, welche die Bedeutung von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz, betriebliche Maßnahmen zum Umgang bzw. zur Vermeidung psychischer Erkrankungen und den Problembereich im Umgang mit psychisch kranken Mitarbeitern, umfasst. Darauf folgen Gestaltungsanregungen für Unternehmen, in Form von Mitarbeitergesprächen Integration statt schonen und Beispiele außerbetrieblicher Maßnahmen für Betroffene Mitarbeiter. Den Abschluss dieser Arbeit bilden das Fazit und ein Ausblick.

2. Grundlagen zu Psychischen Erkrankungen

2.1. Definition

In der deutschen Allgemeinbevölkerung sind psychische Störungen weit verbreitet. Laut einer Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) aus dem Jahre 2012 erfüllt jede dritte Frau und jeder vierte bis fünfte Mann innerhalb eines Jahres die Kriterien für mindestens eine psychische Störung, mehr als 50% der Befragten sind Arbeitnehmer. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Befragten unter Angst- und depressiven Störungen leiden, gefolgt von Substanz- und somatoformen Störungen. Mit 3% eher selten sind posttraumatische Störungen, bipolare, psychotische, Zwangs- und Essstörungen.2

Unter einer psychischen Störung ist eine deutliche Abweichung von der gesellschaftlichen oder medizinischen Normvorstellung psychischer Funktionen zu verstehen. Dabei sind das Denken, das Fühlen und die Wahrnehmung, sowie potenziell auch das Verhalten beeinträchtigt.3

Der Psychiater Kurt Schneider entwickelte das triadische System, dabei unterteilt er psychische Erkrankungen nach ihrer Entstehungsursache in drei Kategorien: endogene, exogene und psychogene Psychosen. Endogene Psychosen werden laut dem triadischen System einer konstitutionellen und genetischen Veranlagung zugeschrieben. Unter endogenen Psychosen fallen Erkrankungen wie die Schizophrenie, die Bipolare Affektive Störung, und wahnhafte Erkrankungen. Exogene Störungen sind Erkrankungen, welche durch körperliche Veränderungen ausgelöst werden und deren Ursache bekannt ist. Dabei liegt ein eindeutiger Befund von organischen Erkrankungen vor, dies kann primär beispielsweise das Gehirn betreffen oder die Funktion des Gehirns beeinträchtigen. Zu den exogenen Störungen gehören beispielweise Demenzerkrankungen, wie Alzheimer, Multiples-Sklerose und Parkinson oder auch Gehirntumore. Psychogene Störungen treten ohne nachweisbare organische Ursachen auf. Ausgelöst wird diese Störung durch belastbare Faktoren wie beispielsweise einen Arbeitsplatzwechsel, durch schwerwiegende Lebenssituationen, wie den Verlust eines Angehörigen, oder durch unzureichende Möglichkeiten der Informationsverarbeitung. Beispiele für Psychogene Störungen sind: Zwangsstörungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder auch Süchte wie Alkohol- und Drogenabhängigkeit.4

2.2. Beispiele psychischer Krankheiten

Wie bereits erwähnt, gibt es eine Vielzahl von psychischen Erkrankungen, auf die nun an Hand von ausgewählten Beispielen näher eingegangen wird.

Bipolare Affektive Störung:

In Deutschland sind etwa vier Millionen Menschen von einer Bipolaren Störung betroffen.5 Diese Erkrankung ist gekennzeichnet durch phasenhafte zweipolig entgegengesetzte (=bipolare) Extremschwankungen des Antriebs und der Stimmung, sowie der Aktivität. Die Auslenkungen gehen weit über das Normalniveau hinaus und Erkrankte schwanken dabei zwischen Depression und Manie, ohne diesen Wechsel willentlich kontrollieren zu können. Zwischen diesen beiden Extremen kehren Betroffene in der Regel in einen unauffälligen Normalzustand zurück.6 In einer manischen Episode ist die Stimmung der Betroffenen überdurchschnittlich gehoben, sie weisen eine übertriebene Geselligkeit auf, haben eine erhöhte Risikobereitschaft, geben unkontrolliert viel Geld aus und schließen unüberlegte Geschäfte mit weitreichenden negativen Folgen ab. Weiterhin herrscht ein vermindertes Ruhe und Schlafbedürfnis.7 Eine unterschwellige Form der Manie ist die Hypomanie, es komm3n fast alle Symptome der Manie vor nur treten diese in stark abgeschwächter Form auf. In Anschluss der Manie folgt meist die tiefe Fall in die Depression, in der sich Betroffene niedergeschlagen fühlen, es herrscht ein deutlicher Verlust von Interessen beziehungsweise ein Des- interesse an sämtlichen Aktivitäten, die vorher Freude bereiteten. Erkrankte können an Konzentrationsstörungen leiden und an einem übermäßigen Bedarf an Schlaf, sowie an Suizidgedanken. Meist verläuft die Erkrankung chronisch und begleitet Betroffene ihr Leben lang.8

Dennoch ist die Bipolare Störung medikamentös und in Begleitung einer Psychotherapie gut behandelbar.

Demenz:

Laut Kurt Schneider gehört die Demenz zu den exogenen Störungen. Liegt eine Hirnfunktionsstörung mit affektiver insbesondere mit Einschränkung der intellektuellen Leistungsfähigkeit vor, so wird dies als Demenz bezeichnet. Vereinfacht gesagt liegt bei einer Demenz ein Verlust der ursprünglich erreichten kognitiven Fähigkeiten vor. Es existieren unteranderem folgende Formen der Demenz, die Vaskuläre Demenz, die Sekundäre Demenz und die Alzheimer Demenz. Die letztere Form tritt am häufigsten auf und betrifft etwa 5% der über 65-jährigen, zusätzlich stellt sie über 50% aller dementiellen Erkrankungen bei alten Menschen dar. Betroffene weisen eine Vielzahl von veränderten Verhaltensweisen auf, wie zum Beispiel Veränderung im emotionalen Verhalten, Versagen beim Ausführen gewohnter Tätigkeiten, Verlust schöpferischer Leistung, Nachlassen der Gedächtnisleistung und Verhaltensabweichungen wie Wutausbrüche oder Exhibitionismus.9 Die Alzheimer-Demenz stellt eine unheilbare Störung des Gehirns dar, durch ein zunehmendes absterben von Gehirnzellen werden Erkrankte vergesslicher, verwirrter und orientierungsloser. Der Krankheitsverlauf kann durch eine medikamentöse Therapie verzögert und die Symptome können somit gelindert werden.10

Persönlichkeitsstörungen:

Persönlichkeitsstörungen gehören zu den häufigsten Diagnosen der Psychiatrie. Diese stellen eine Klasse von psychiatrischen Störungen dar. Bei dieser Störung sind bestimmte Merkmale der Persönlichkeitsstruktur und des Verhaltens in besonderer Weise ausgeprägt, wenig angepasst oder unflexibel. Durch dauerhafte Verhaltensmuster mit deutlichen Defiziten, im Denken, Fühlen, in der Wahrnehmung und in Beziehungen zu anderen, unterscheiden sich Betroffene vom Bevölkerungsdurchschnitt.11 Auch bei diesem Erkrankungsbild gibt es viele verschiedene Formen der Persönlichkeitsstörung, da unter anderem die narzisstische Persönlichkeitsstörung vermehrt in der Arbeitswelt vorkommt, wird nun auf diese näher eingegangen. Das Wesen des „Narzissten“ legt einen ausgeprägten Egoismus, Arroganz und Selbstsüchtigkeit gegenüber anderen an den Tag. Sie besitzen meist ein mangelndes Selbstwertgefühl und eine geringe Toleranz gegenüber Kritik. Nach außen hin tritt der Narzisst mit einer auffälligen Selbstbewunderung und einer übersteigerten Eitelkeit und einem übertriebene Selbstwertgefühl auf. Im Berufsleben steht für den Narzissten der Erfolg im Vordergrund, die ständige Angst zu scheitern oder kritisiert zu werden treibt ihn voran. Empathie gegenüber Kollegen ist für den Narzissten ein Fremdwort. Befindet sich ein Narzisst in der Chefetage, könnte es vorkommen, dass Mitarbeiter sich unmenschlichen Arbeitsbelastungen ausgesetzt fühlen und dabei noch erniedrigt und manipuliert werden, denn nichts ist einem Narzissten wichtiger als der eigene Erfolg, auch auf Kosten anderer.12

2.3. Depression- Die psychische Erkrankung Nummer eins

Der Begriff Depression lässt sich aus dem lateinischen „deprimere“ ableiten und bedeutet „niederdrücken“.13 Die Depression gehört in der heutigen Zeit zu der häufigsten psychischen Störung. 18% aller Deutschen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression. Auf Grund ihrer Häufigkeit und der damit verbundenen starken Beeinträchtigung von Lebensqualität und Alltagsbewältigung bezeichnete die Weltgesundheitsorganisation in ihrem World-Health-Report aus dem Jahr 2001 die Depression als führende Ursache der gesellschaftlichen Krankheitsbelastung.14 Weiterhin prognostiziert die Weltgesundheitsorganisation, dass bis 2020 die depressive Störung an erster Stelle jener Krankheiten stehen werden, welche für vorzeitige Sterblichkeit oder Behinderung verantwortlich sind, der Stellenwert depressiver Erkrankungen wird somit zukünftig noch steigen.15 Es gibt verschiedene Depressionsarten mit unterschiedlichen Schweregraden. In den zahlreichen Statistiken der Krankenkassen taucht vermehrt besonders eine Depressionsart immer wieder in Verbindung mit der Arbeitswelt auf, die so genannte Major Depression.16 Laut der Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) erfüllt jede 10. weibliche und jeder 20. männliche Erwerbstätige die Kriterien einer Major Depression. Die Major Depression stellt eine schwere Form der Depression dar und hat meist anlagebedingte Ursachen, zu den typischen Symptomen gehören Antriebslosigkeit, Schwermut, Hoffnungslosigkeit, das Gefühl der inneren Leere, sowie Nachdenklichkeit und Konzentrationsstörungen. Diese Symptome müssen mindestens zwei Wochen, andauern um von einer Major Depression sprechen zu können.17

2.4. Angst, Antriebshemmung und Suizidalität

Der Begriff Angst bezeichnet ein Gefühl der Bedrohung, der Beengung, des Ausgeliefertseins und der Erregung, diese kann auf internen oder externen Motiven basieren. 18 Motive für externe Angst in der Arbeitswelt können unlösbar wirkende Aufgaben sein, eine betriebliche Umstrukturierung oder auch ungewisse Anforderungen. Es gehören auch vegetative und seelische Erscheinungen zur Angst dazu, wie zum Beispiel Schweißausbrüche, Herzrasen, oder ein plötzliches Schwindelgefühl. Seelische Angstzustände äußern sich durch Be- klemmugs- und Aufregungszustände. Die Angst gehört zur Grundausstattung eines jeden Menschen und besitzt eine wichtige Warnfunktion.19

Eine Antriebshemmung äußert sich durch eine Verlangsamung der eigenen Bewegungsabläufe. Betroffene Personen leiden an einer ausgeprägten Minderung der Entschluss- und Handlungsfähigkeit. Durch eine Willensanstrengung ist der Antrieb nicht steigerbar. Es besteht somit eine Unfähigkeit zur Durchführung beabsichtigter Handlungen. Außenstehenden können eine innere Unruhe und Getriebenheit des Betroffenen auffallen. Das Spektrum der Antriebshemmung kann bis hin zum sogenannten „depressiven Stupor“ reichen, in dem der Erkrankte nahezu völlig bewegungslos ist und kaum noch auf Fragen oder Aufforderungen reagiert. Die Antriebshemmung geht meist mit einer schweren Depression einher.20

Der Begriff „Suizid“ lässt sich aus der lateinischen Sprache ableiten (sui caedere) und bedeutet soviel wie „sich töten“.21 Suizidalität ist eine Verhaltensweise, die nur dem Menschen obliegt. Sie berührt fundamental dessen Existenz und setzt eine Selbstreflexion voraus, dass bedeutet ein bewusstes Handeln mit der Konsequenz oder dem Versuch, die eigene Existenz auszulöschen.22 Meist befinden sich Menschen, die einen Suizid in Betracht ziehen, in einer Krisensituation, welche von Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit und Verzweiflung geprägt ist, sodass sie keinen anderen Weg als den Suizid sehen.23

3. Ursachen von Psychischen Erkrankungen

3.1. Mobbing

3.1.1. Definition

Der Begriff Mobbing (to mob) leitet sich aus dem Englischen ab, was so viel bedeutet wie anpöbeln, attackieren, bedrängen oder auch angreifen.24

Der Diplompsychologe Heinz Leymann gilt als Pionier der Mobbingforschung und definiert den Begriff Mobbing in der Arbeitswelt wie folgt:

„Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft während einer längeren Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet.“25

Vereinzelte Angriffe oder Beleidigungen fallen nicht unter den Mobbingbegriff. Leymann führte eine statistische Untersuchung durch, aus der hervorgeht, dass von Mobbing gesprochen werden kann, wenn sich die negative kommunikative Handlung systematisch gegen eine Person jeden Tag über mehrere Wochen hinweg, bis hin zu einem halben Jahr oder länger wiederholt.26

3.1.2. Ursachen

Mit dem Mobbingreport aus dem Jahr 2002 lag erstmals eine repräsentative Datenerhebung für die Bundesrepublik Deutschland vor. Aus diesem Report geht hervor, dass ca. 800.000 Menschen, also knapp 3% aller Arbeitnehmer, von Mobbinghandlungen in Deutschland betroffen sind. Mit 11,3 % muss jeder neunte Deutsche damit rechnen, mindestens einmal in seinem Berufsleben gemobbt zu werden.27

Die Ursachen für Mobbing können sehr vielfältig sein. Sie reichen von Missgunst und Eifersucht und persönlichen Motiven über Unsicherheit und die eigene Position am Arbeitsplatz bis hin zum geplanten Stellenabbau mittels Mobbing durch den Vorgesetzten.

In vielen Betrieben herrscht seit Jahren Angst und Ungewissheit vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Wirtschaftskrisen, Outsourcing, Stellenabbau und die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland manifestieren sich in die Köpfe der Arbeitnehmer. Die Arbeitswelt entwickelt sich zunehmend immer mehr zu einer Ellenbogengesellschaft, in der nur die Starken überleben und diejenigen, die auf andere Rücksicht nehmen, zu den Schwächeren gehören.28

Bei Beschäftigten, welche eine besondere Stellung im Betrieb besitzen, wie zum Beispiel Betriebs- und Personalratsmitglieder, Schwangere, Schwerbehinderte und Beschäftigte in Elternzeit existiert eine besonderer Kündigungsschutz, es würde sich als äußerst schwierig erweisen, sich dieser zu entledigen, in Folge dessen wird oftmals eine Personalpolitik angewandt, die auf Mobbing fußt. Weiterhin dürfte zu Mobbing dann gegriffen werden, wenn es gilt Personal kostengünstig abzubauen, da in der Regel demjenigen, der seine Arbeitsplatz selbst räumt, auch keine Abfindung gezahlt werden muss.29

3.1.3. Der Verlauf von Mobbing und damit verbundenen psychische Folgen für das Opfer

Heinz Leymann entwickelte 1993 ein Modell, welches den Verlauf von Mobbing in fünf Phasen unterteilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verlaufsmodell über die fünf Phasen des Mobbings

Quelle: „eigene Darstellung in Anlehnung an Leymann H.“

Die Abbildung 1 zeigt den Verlauf eines Extremfalles von Mobbing, sollten keine deeskalierenden Maßnahmen ergriffen werden.

Phase 1: Die erste Phase stellt einen Konflikt dar, welcher nicht adäquat bearbeitet wurde. Ein solcher Konflikt entsteht zum Beispiel durch eine nicht gelungene Eingliederung eines neuen Mitarbeiters in ein seit Jahren eingespieltes Team. Bereits in Phase eins kann ein

Nährboden für die Entwicklung von Mobbing entstehen. Es entwickeln sich erste Gerüchte über den Betroffenen.30

Phase 2: In Phase zwei findet der eigentliche Mobbingprozess statt. Handelte es sich in Phase eins „lediglich“ um das Verbreiten von Gerüchten, verdichten sich in Phase zwei die Attacken und systematisieren sich zusehends. Es wird sich beispielsweise über den Betroffenen lustig gemacht und seine Arbeit wird in regelmäßigen Abständen ungerechtfertigt kritisiert.31

Phase 3: Charakterisiert wird die dritte Phase durch erste Macht- und Rechtsübergriffe der Mobber gegen den Mobbingbetroffenen. Hier finden gezielte Arbeitsbehinderungen statt sowie die Beschädigung von Arbeitsmitteln oder persönlichen Gegenständen, bis hin zur Androhung oder Anwendung von körperlicher Gewalt. Bereits jetzt ist findet die völlige Ausgrenzung den Gemobbten statt, es findet keine Kommunikation mehr mit ihm statt und eine Zusammenarbeit ist ausgeschlossen.32

Phase 4: Im Anschluss von Phase drei erfolgt die vierte Phase. In dieser haben sich die mobbenden Mitarbeiter längst ihre eigene Meinung über das Opfer gebildet und werden ihm nicht die Möglichkeit geben, sich zu rehabilitieren. Der gesundheitliche Zustand des Betroffenen hat sich durch die seelische Belastung enorm verschlechtert, spätestens jetzt wird dieser Kontakt zu Ärzten oder Psychologen aufnehmen. Doch anstatt die erwartete Hilfe zu bekommen, kann sich die Diagnosestellung der Vertreter helfender Berufe, äußerst schwierig erweisen, da die psychische Belastung sich auch physisch bemerkbar macht und nicht in erster Linie der soziale Hintergrund als Entstehungsursache betrachtet wird.33

Phase 5: Die Entwicklung von Phase eins bis Phase 4 mündet schließlich in der letzten Phase vier. In dieser abschließenden Phase scheidet der Gemobbte meist selbst aus dem Unternehmen aus, im schlimmsten Fall sogar aus dem Arbeitsleben. Meist bedingt durch langfristige Krankschreibungen, infolge des Mobbings.34

Der beschriebene Verlauf kann weitreichende psychische und psychosomatische Folgen beziehungsweise Beschwerden bei den Betroffenen hervorrufen. Die am häufigsten auftretenden Beschwerden sind beispielsweise depressive Verstimmungen, Schlafstörungen und Albträume, Magen-Darmprobleme oder auch Kopf- und Nackenschmerzen. Geschieht Mobbing über einen längeren Zeitraum, kann sich sogar eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, es können sich auch wirklichkeitsfremde Hypothesen über Motive der Mobber bei dem Betroffenen entwickeln. Dennoch sind auch die Folgen für den Betrieb nicht zu unterschätzen, da es zu einer Verschlechterung des Betriebsklimas kommt. Fällt der Betroffene krankheitsbedingt durch Mobbing aus, findet eine krankheitsbedingte Lohnfortzahlung statt und der Betrieb muss eine kostenintensive Vertretung einsetzen.35

3.1.4. Vorgehensweise gegen Mobbing

Für Mobbingbetroffene kann das Führen eines Mobbingtagesbuchs hilfreich sein, in dem regelmäßig und detailliert aufgeführt wird, an welchem Tag, zu welcher Zeit und von wem der Betroffene gemobbt wurde. Solch ein Tagebuch dient der Beweissicherung für Unternehmen, Rechtanwälte, Ärzte etc..36 Auch Betriebe sollten aktiv gegen Mobbing vorgehen, indem sie Mobbing-Prävention in Mitarbeiter- und Führungskräfteschulungen integrieren, ein Betriebsklima pflegen, dar die gegenseitige Unterstützung wertschätzt und in dem Intrigen als unsozial und unerwünscht gelten. Weiterhin kann eine betriebliche Anlaufstelle für Mobbingbetroffene geschaffen werden, bei der Betroffene eine Beratung erhalten, oder Gespräche zur Konfliktlösung.37 Betriebe können Sanktionen gegenüber den Ausführenden verhängen, in Form von Ermahnung, Abmahnung, Versetzung oder sogar Kündigung. Ein weiterer Lösungsansatz, um Mobbing am Arbeitsplatz zu bekämpfen, wäre die Erstellung einer Betriebsvereinbarung durch den Betriebsrat, in der verbindliche Normen zum Thema Mobbing aufgeführt werden.

[...]


1 Vgl. BKK Bundesverband (2013), S. 13

2 Vgl. Jacobi F. et al. (2014), S.83

3 Vgl. Groß J. (2018): http://flexikon.doccheck.com/de/Psychische_St%C3%B6rung

4 Vgl. Schiifermüller H. (2016): http://www.lvs-consulting.de/triadisches-system/

5 Vgl. Bräuning P. (2009a), S. 11

6 Vgl. Illy D. (2017a), S. 1

7 Vgl. Wolkenstein L./Hautzinger M. (2014), S. 15

8 Vgl. Bräuning P. (2009b), S. 24 - 26

9 Vgl. Frank W. (2007a), S. 41

10 Vgl. https://www.alzheimer-forschung.de/alzheimer/behandlung/, 22.03.2018 19:04

11 Vgl. Kizilhan I. J. (2016), S. 139

12 Vgl. https://umgang-mit-narzissten.de/narzissten-im-berufsleben/, 23.03.2018 14:28

13 Vgl. Hell, D. (2007), S. 10

14 Vgl. Faller H./Lang H. (2011), S 7

15 Vgl. Rau R. et al. (2010a), S. 9

16 Vgl. Rau R. et al. (2010b), S. 15

17 Vgl. http://www.info-depressionen.de/depressionsarten/major-depression.htm

18 Vgl. Vaas R., http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641

19 Vgl. Müller R. (2013): http://psyche-und-arbeit.de/?p=786

20 Vgl. Frank W. (2007b), S. 30

21 Vgl. Schenk M. (2014a), S.18

22 Vgl. Bronisch, T. (2007), S.11

23 Vgl. Schenk M. (2014b), S. 15

24 Vgl. Litzcke, S./Schuh H. (2005a), S. 115

25 Vgl. Wolmerath M. (2004), S. 25 zit. nach Leymann, H. (1995), S. 18

26 Vgl. Leymann, H. (2009), S. 44

27 Vgl. Meschkutat B. et al. (2002), S. 24

28 Vgl. Esser A./ Wolmerath M. (2015a), S. 74 - 75

29 Vgl. Esser A./Wolmerath M. (2015b), S.76

30 Vgl. Schild I./Heeren A. (2003a), S. 18

31 Vgl. Schild I./Heeren A. (2003b), S. 18 - 19

32 Vgl. Schild I./Heeren A. (2003c), S. 19

33 Vgl. Schild I./Heeren A. (2003d), S. 19 - 30

34 Vgl. Schild I./Heeren A. (2003e), S. 20

35 Vgl. Wolmerath M. (2004), S.55

36 Vgl. Litzcke, S/Shuh H. (2005b), S.140

37 Vgl. Pirntke G. (2004a), S. 104

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz. Ursachen, Hilfe und Präventivmaßnahmen
Hochschule
Leibniz Akademie Hannover - Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hannover
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
45
Katalognummer
V433627
ISBN (eBook)
9783668771499
ISBN (Buch)
9783668771505
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psyche, Arbeitsplatz, Depression, Burnout, Erkrankungen, Kopf, Angst, Suizid
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz. Ursachen, Hilfe und Präventivmaßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433627

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