Gegenstand dieser Arbeit ist die Untersuchung von Informationsnetzwerken in der EU-Konflikt- und Krisenpräventionspolitik. Diese Thematik wird hauptsächlich mit Hilfe einer empirischen Untersuchung einer Auswahl von Informationsnetzwerken, die auf nationaler und internationaler (EU-)Ebene wirken, analysiert.
Auf dem Präsenzseminar "Europäische Sicherheitspolitik und Krisenprävention" wurde das Thema der Konflikt- und Krisenprävention in einem interdisziplinären Ansatz behandelt. Neben den zumeist interessengeleiteten Geheimdiensten, staatlichen Einrichtungen (Matthies, 2000, S. 68) und Medien (Becker, 2003, S. 3; o.V., 2003), die auch z.T. in der Frühwarnanalyse tätig sind, nahm die Behandlung von unabhängigen Informationsquellen in der Konflikt- und Krisenpräventionspolitik eine eher untergeordnete Bedeutung ein. Die vorliegende Arbeit greift dieses Defizit auf und hat die Zielsetzung, Konfliktprävention, Frühwarnanalyse, sowie die Arbeit von Informationsnetzwerken und ihre Schwächen darzustellen und an zwei ausgewählten Beispielen die Implementation von Informationsnetzwerken mit ihrer institutionellen Verortung herauszuarbeiten. Aktuellen Bezug erhalten die folgenden Ausführungen durch den im Juni 2003 in Porto Carras beschlossenen Entwurf für eine außen- und sicherheitspolitische Gesamtstrategie der EU. In diesem Entwurf wird ausdrücklich die Krisenprävention und Konfliktvorbeugung zum Ziel erklärt. Als Mittel zur Konfliktprävention werden neben militärischen, politische, diplomatische und wirtschaftliche skizziert. Daneben wird die Bedrohungsanalyse als eine Form der Arbeit von Informationsnetzwerken erläutert (o.V., 2003a, Lohse, 2003). Zur aktuellen Bedeutung der Thematik lässt sich auch die Rede von Bundeskanzler Schröder vor der UN-Vollversammlung heranziehen, als er seine Vorstellungen von Sicherheit und Frieden durch u.a. Prävention darstellte: "…wir müssen uns genauso entschlossen engagieren, Konflikte zu vermeiden und stabile Strukturen zu schaffen, damit die Menschen ihr Leben in Freiheit und tolerantem Miteinander führen können...." (o.V., 2003b).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Informationsnetzwerke in der EU – Konflikt- und Krisenpräventionspolitik
2.1 Entwicklung und Implementierung von Informationsnetzwerken
2.2 Zwei Anwendungsbeispiele von Informationsnetzwerken im Vergleich
2.2.1 CPN
2.2.2 FAST
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle von Informationsnetzwerken in der EU-Konflikt- und Krisenpräventionspolitik, wobei der Fokus auf der empirischen Analyse von Frühwarnmechanismen sowie deren institutioneller Einbettung und Effizienz liegt.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Konflikt- und Krisenprävention
- Untersuchung der Entwicklungsgeschichte von Informationsnetzwerken in Europa
- Synchroner Vergleich der Netzwerke CPN (Conflict Prevention Network) und FAST
- Evaluation der institutionellen Rahmenbedingungen und Beratungsstrukturen
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit von Frühwarnanalysen
Auszug aus dem Buch
2.1 Entwicklung und Implementierung von Informationsnetzwerken
Der aktuelle Hintergrund dieser Arbeit darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die geforderte Beschäftigung mit Konfliktprävention und die Implementierung von Konfliktpräventionsmittel nicht neu erfunden werden müssen. Aufgrund des 11. Septembers und seinen Folgen der Bekämpfung von Terrorismus, verbergen sich eher politische Forderungen hinter dem EU-Entwurf von Porto Carras und der Erklärung des Bundeskanzlers (Ehrhart, 2002, S. 17).
Es sei angemerkt, daß dieses Politikfeld mit den Konzeptionen der Frühwarnanalyse durch Informationsnetzwerke und der Verfolgung eines kohärenten Ansatz ein noch junges Politikfeld darstellt.
Seit Beginn der neunziger Jahre wurden Konzepte zur Konfliktprävention entwickelt. Hintergrund bildete die weitgehend friedliche Beendigung des kalten Krieges 1989 sowie die humanitären Katastrophen in Somalia, Bosnien, Rwanda und Irak und die Erkenntnis, daß bei der Anzahl von Konfliktherden und der geringen finanziellen und personellen Ressourcen Vorbeugung effizienter ist als die konventionelle Konfliktnachsorge (Krummenacher et al., 1999, S. 77f.). Auslöser für die Anregung im Umgang mit den Friedensgefährdungen veröffentlichte der damaligen UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Gahli 1992 in der „Agenda für den Frieden“. Darin wurden vier Kategorien von Konfliktbearbeitung entwickelt: 1. Vorbeugung (conflict prevention); 2. Friedensschaffung (peacemaking), 3. Friedenserhaltung (peacekeeping) und 4. Friedenskonsolidierung (peace-building). Die Prävention gewaltsamen Konfliktaustrags wurde als zentrale Aufgabe der Staatengemeinschaft benannt. Zudem machte Boutros-Gahli konkrete Vorschläge zu Mitteln der Konfliktprävention, er nannte u.a. die Etablierung von Frühwarnsystemen, die eine rasche Reaktion des Sicherheitsrates und vorbeugende Einsätze ziviler Kräfte zur Stabilisierung eines Konfliktes erlauben (Fischer, 1999, S. 48, Matthies, 2000, S. 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel begründet die Untersuchung von Informationsnetzwerken in der EU-Konfliktpräventionspolitik und führt in die zentralen Begriffe sowie den Aufbau der Arbeit ein.
2. Informationsnetzwerke in der EU – Konflikt- und Krisenpräventionspolitik: Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung, die theoretischen Ansätze der Prävention und vergleicht das CPN mit dem Referenzmodell FAST in Bezug auf Struktur und Effizienz.
3. Zusammenfassung: Dieses Kapitel rekapituliert die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit und die Erkenntnisse aus dem synchronen Vergleich der Netzwerke.
Schlüsselwörter
Konfliktprävention, Krisenprävention, Informationsnetzwerke, Frühwarnanalyse, EU, GASP, ESVP, CPN, FAST, Politikfeldanalyse, Konfliktmanagement, Sicherheitspolitik, Kohärenz, Konfliktanalyse, Friedenspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Informationsnetzwerken als Instrumente der Konflikt- und Krisenprävention innerhalb der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Frühwarnanalyse, die institutionelle Einbindung in die EU-Sicherheitsarchitektur sowie die theoretische Fundierung präventiven Handelns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Arbeit und die Schwächen von Informationsnetzwerken darzustellen und anhand zweier Praxisbeispiele deren Implementierung und Effizienz zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativer Ansatz in Form einer Inhaltsanalyse von Sekundärdaten genutzt, um eine synchrone Vergleichsstudie der gewählten Beispiele durchzuführen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entwicklung der Informationsnetzwerke, die begriffliche Abgrenzung von Konflikt und Krise sowie den detaillierten Vergleich von CPN und FAST.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Konfliktprävention, Krisenprävention, Frühwarnanalyse, Informationsnetzwerke, CPN (Conflict Prevention Network) und FAST.
Wie unterscheidet sich das CPN-Modell von FAST?
Während das CPN fest in die EU-Strukturen (ESVP) eingebunden war, arbeitet das Schweizer Modell FAST autarker und flexibler in der Politikberatung.
Welchen Einfluss hat die Finanzierung auf die Arbeit dieser Netzwerke?
Eine unsichere, projektgebundene Finanzierung erschwert die langfristige Kontaktpflege und führt zu bürokratischen Abhängigkeiten, wie das Beispiel des CPN verdeutlicht.
- Quote paper
- Lars Normann (Author), 2003, Informationsnetzwerke in der EU - Konflikt und Krisenpräventionspolitik: Eine empirische Untersuchung der Rolle von Informationsnetzwerken in Deutschland und Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43372