Abstimmungsregeln bei Gruppenentscheidungen und deren Anwendung auf betriebswirtschaftliche Problemstellungen


Hausarbeit, 2018
20 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Gruppenentscheidungen
2.1. Definition einer Entscheidungsgruppe
2.2. Vergleich Gruppen- und Individualentscheidungen
2.3. Definition von Präferenzordnungen
2.4. Der Gruppenentscheidungsprozess

3. Abstimmungsregeln
3.1. Definition von Abstimmungsregeln
3.2. Einstimmigkeitsregel
3.3. Regel des paarweisen Vergleichs (Mehrheitsregel)
3.4. Single-Vote-Regel

4. Anwendungsbeispiel
4.1. Einführung Personalentscheidung
4.2. Anwendung von Abstimmungsregeln
4.2.1. Anwendung der Einstimmigkeitsregel
4.2.2. Anwendung des paarweisen Vergleichs (Mehrheitsregel)
4.2.3. Anwendung der Single-Vote-Regel

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau einer Präferenzordnung

Abbildung 2: Prozess einer Entscheidungsfindung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispiel einer Präferenzmatrix

Tabelle 2: Präferenzordnung der Beurteiler

Tabelle 3: Ergebnis des ersten Wahlgangs

Tabelle 4: Ergebnis des zweiten Wahlgangs

Tabelle 5: Ergebnis des ersten paarweisen Vergleichs

Tabelle 6: Ergebnis des zweiten paarweisen Vergleichs

1. Einleitung

Entscheidungen werden immer häufiger durch Personengruppen getroffen, sei es in ei- nem Unternehmen oder in anderen Bereichen des Lebens. Durch die steigende Komple- xität von Entscheidungsprozessen innerhalb eines Unternehmens hat dies zur Folge, dass Entscheidungen nicht allein bestimmend durch eine Person getroffen werden, sondern vielmehr von Entscheidungsgremien.1 Wichtige wirtschaftliche Entscheidungen werden in einem Unternehmen von Personengruppen getroffen: das Treffen einer Investitions- entscheidung in eine neue Produktionsmaschine von der Geschäftsführung, das Führen der Verhandlung von Tarifverträgen durch die Gewerkschaften oder das Beschließen des Vorstandes einer Aktiengesellschaft über eine neue Strategie. Ohne einen Prozess der Entscheidungsfindung, innerhalb einer Gruppen- oder Einzelentscheidung, ist eine Un- ternehmensführung undenkbar.2 In einer Unternehmung ist es alltäglich Gruppenent- scheidungen den Einzelentscheidungen vorzuziehen, denn viele Entscheidungen betref- fen funktionsübergreifende Bereiche eines Unternehmens, daher ist es unumgänglich ohne Entscheidungsgruppen zu arbeiten.3 Zudem werden Entscheidungsgremien einge- setzt, in der Hoffnung, dass die getroffenen Entscheidungen die Interessen des Unterneh- mens und der Mitarbeiter besser vertreten, sowie eine höhere Qualität als Individualent- scheidungen aufweisen.4

Ist es den Gruppenmitgliedern nicht möglich oder können diese sich nicht auf eine Alter- native verständigen, kommen Abstimmungsregeln zum Einsatz. Verschiedene Abstim- mungsregeln finden Anwendung in der Politik, zum Beispiel bei einer Bürgermeister- wahl, oder der Vorstand einer Unternehmung berät und stimmt über die zukünftigen Ziele des Unternehmens ab. Die Mitglieder einer Gruppe bilden während eines Entscheidungs- prozesses individuelle Präferenzen über die zur Auswahl stehenden Alternativen. Die Schwierigkeit liegt darin, aus den individuellen Präferenzordnungen, eine Präferenzord- nung für die Gruppe zu finden, die die Mitglieder gemeinsam vertreten. Die Abstim- mungsregeln fungieren dabei als Methode die individuellen Präferenzen in eine gemeinsame Präferenzordnung zusammenzufassen.

Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob bei einer Gruppenentscheidung innerhalb einer Bewerberauswahl drei unterschiedliche Abstimmungsregeln die gleichen Ergebnisse lie- fern, sowie ob die drei ausgewählten Abstimmungsregeln für eine Personalauswahl ge- eignet sind. Dabei werden drei Abstimmungsregeln, die Einstimmigkeitsregel, die Regel des paarweisen Vergleichs (Mehrheitsregel) und die Single-Vote-Regel, genauer erläutert und auf die Auswahl einer Personalentscheidung angewendet. Zunächst wird in dieser Seminararbeit eine Entscheidungsgruppe definiert, um anschließend im 2. Kapitel Indi- vidual- und Gruppenentscheidungen voneinander abzugrenzen, bevor der allgemeine Gruppenentscheidungsprozess behandelt werden kann. Wichtig für die Betrachtung eines Gruppenentscheidungsprozesses sind die individuellen Präferenzen der Entscheider und die Präferenzordnung der gesamten Gruppe, welche ebenfalls vor dem Entscheidungs- prozess dargestellt werden. Die Einstimmigkeitsregel, die Regel des paarweisen Ver- gleichs und die Single-Vote Regel der Abstimmungsregeln werden im 3. Kapitel der Se- minararbeit behandelt, die für das Anwendungsbeispiel anhand einer Personalentschei- dung verwendet werden. Im 4. Kapitel werden die zuvor dargestellten Abstimmungsre- geln auf die Problemstellung angewendet. Abschließend werden im letzten Kapitel der Seminararbeit die gewonnenen Kenntnisse im Fazit zusammengefasst.

2. Gruppenentscheidungen

2.1. Definition einer Entscheidungsgruppe

Der Gruppenbegriff wird in der Literatur nicht einheitlich definiert.5 Laut Renate Mayntz sei eine Gruppe gegeben, wenn ein Wir-Gefühl innerhalb der Gruppe bestehe, Nichtmit- glieder die Gruppe anerkennen und eine genau bestimmbare Voraussetzung einer Mit- gliedschaft vorhanden sei.6 Um für eine Entscheidungsfindung zusammenzukommen, muss eine gemeinsame Zielverfolgung sowie eine kooperative Interaktion zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern gegeben sein, um von einer Gruppenleistung sprechen zu können.7 Entscheidungsgruppen können zum Beispiel der Vorstand oder der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft sein. Nullmeier sagt zudem, dass die Mitglieder einer Entscheidungsgruppe „sich über die Situation, den Entscheidungsbedarf und die Handlungsalternativen verständigen“ müssen . 8

2.2. Vergleich Gruppen- und Individualentscheidungen

Von einer Individual- oder Einzelentscheidung wird gesprochen, wenn eine Entscheidung von einer einzelnen Person getroffen wird. Nach Helmut Laux werde bei Individualent- scheidungen dem Entscheidungsträger unterschiedliche Alternativen zur Auswahl vorge- legt, aus denen dieser die geeignetste Alternative, mit dem höchsten Gewinnerwartungs- wert, zu wählen habe. Der Entscheider orientiere sich an einer Zielfunktion, den verschie- denen Ergebnissen, die durch die Auswahl einer Alternative eintreten können und dem Wahrscheinlichkeitsurteil der Umweltzustände.9 Die Zielfunktion beinhaltet Zielgrößen, an denen sich der Entscheidungsträger orientiert. Die Zielgröße muss nicht zwingend der Gewinn sein, sondern kann der Umsatz oder die Betriebsgröße des Unternehmens sein.10 Durch einen alleinigen Entscheider wird bei der Entscheidungsfindung weniger Zeit als bei Gruppenentscheidungen in Anspruch genommen.11 Zudem können sich Einzelent- scheider von der Instanz gestellten Zielgröße abwenden und dadurch tendenziell den ei- genen Interessen folgen, da hier kein Einfluss durch andere Gruppenmitglieder erfolgt.12

Bei Gruppenentscheidungen werden, im Gegensatz zu Individualentscheidungen, Be- schlüsse von mehr als einer Person getroffen. Eine Entscheidungsgruppe wird durch eine höhergestellte Instanz zur Entscheidungsfindung beauftragt, beispielsweise durch einen Vorstand oder einen Vorgesetzten.13 Die Gruppenmitglieder wählen, wie auch bei Indi- vidualentscheidungen, aus unterschiedlichen Alternativen, die Handlungsalternative, die den höchsten Gewinnerwartungswert besitzt beziehungsweise den größten Nutzen auf- weist. Dabei bildet sich jedes Gruppenmitglied ein eigenes Wahrscheinlichkeitsurteil, wägt die gegebenen Alternativen ab und wählt einer der Alternativen in einer abschließenden Abstimmung aus.14 Durch ein Entscheidungsgremium ist es den Gruppenmitgliedern möglich, im Vergleich zu Einzelentscheidungen, auf eine breitere Informationsbasis zurückzugreifen und somit mehr Ideen zusammenzubringen. Ebenso können fehlerhafte Einschätzung einzelner Gruppenmitglieder sich ausgleichen.15

2.3. Definition von Präferenzordnungen

Allgemein kann eine Präferenz auch als Bevorzugung oder Neigung zu einer Sache ver- standen werden. Jedes Gruppenmitglied hat bereits vor dem Entscheidungsprozess indi- viduelle Präferenzen, die bei der Wahl einer Alternative eine Rolle spielen.16. Das Wahr- scheinlichkeitsurteil des eintretenden Zustandes einer Alternative, die zur Verfügung ste- henden Informationen und die Entscheidungsregel eines Mitgliedes beeinflussen die Prä- ferenzordnung eines Gruppenmitgliedes. Zum einen bilden die bereits vorhandenen In- formationen die Grundlage für ein Wahrscheinlichkeitsurteil eines Gruppenmitgliedes und zum anderen hängt die Bildung eines Wahrscheinlichkeitsurteils vom Inhalt der ge- gebenen Informationen ab. Dabei ist nicht nur der Inhalt der Informationen ausschlagge- bend, sondern auch deren Ausprägungen beziehungsweise deren zukünftigen Prognosen der Handlungsalternativen.17 Das Wahrscheinlichkeitsurteil kann auf zwei verschiedene Weisen gebildet werden. Einerseits wird das Wahrscheinlichkeitsurteil über die zukünf- tigen Zustände durch die gegebenen Informationen festgelegt oder durch die Beschaffung weiterer Informationen verbessert.18 Die Entscheidungsregel eines Gruppenmitgliedes, die ebenfalls die Präferenzordnung beeinflussen kann, drückt sich an der Zielgrößenori- entierung und des Nutzens der Alternativen aus.19 Die individuellen Präferenzen der Gruppenmitglieder sollen später zu einer gemeinsamen Gruppenpräferenzordnung zu- sammengefasst werden, um eine gerechtere Entscheidungsfindung zu gewährleisten.20

Abbildung 1: Aufbau einer Präferenzordnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Laux, H., Entscheidungstheorie, 2014, S. 502

Wenn nachfolgend von Präferenzen gesprochen wird, sind solche gemeint, die bei der Abstimmung repräsentiert werden, die persönlichen Präferenzen können differieren und bleiben nachstehend unbeachtet.21 Bevor eine Abstimmung beginnt, bildet sich jedes Mit- glied (M1, M2, M3, ... MN) des Entscheidungsgremiums seine eigenen Präferenzen über die Handlungsalternativen (A1, A2, A3, ... AN).22 Die Gruppenmitglieder ordnen die Prä- ferenzen nach dem fallenden Gewinnerwartungswert beziehungsweise nach dem größten Nutzen, dabei muss die Zielvorgabe des Vorgesetzten beachtet werden.23

Es sei angenommen, dass eine Gruppe aus fünf Mitgliedern bestehe und drei Alternativen ausgewählt werden könnten. Beispielsweise präferiert Gruppenmitglied M1 die Alternative A1 vor Alternative A2 und A3, während die Gruppenmitglieder M2 und M3 die Alternative A3 den anderen zur Auswahl stehenden Alternativen vorzieht. Das Mitglied M4 präferiert, wie Entscheider M1 die Handlungsalternative A1 vor A3 und A2. Das letzte Gruppenmitglied M5 bevorzugt dagegen Alternative A2 als einziges Mitglied vor den anderen Handlungsalternativen A3 und A2.

Die einzelnen Präferenzordnungen aller Gruppenmitglieder können abschließend in einer Präferenzmatrix zusammengefasst werden:

Tabelle 1: Beispiel einer Präferenzmatrix

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Laux, H., Organisation, 1979, S. 141

Die Präferenzmatrix gibt dabei an, welche Alternativen AN die Gruppenmitglieder MN aus der gesamten Menge der Handlungsalternativen bevorzugen,24 denn „an die kollek- tive Präferenzordnung werden dieselben Anforderungen gestellt wie an eine individuelle Präferenzordnung: auch sie ist definitionsgemäß vollständig und transitiv.“25 Durch diese Matrix können alle unterschiedlichen Präferenzordnungen der Gruppenmitglieder an- schaulicher zusammengefasst und dargestellt werden. Die Präferenzmatrix hilft beim spä- teren Aufzeigen der Entscheidungsfindung unter Anwendung der Abstimmungsregeln.

2.4. Der Gruppenentscheidungsprozess

Allgemein setzt sich ein Entscheidungsprozess einer Gruppe aus einem Informations- und einem Abstimmungsprozess zusammen. Der Informationsprozess beginnt vor der eigentlichen Abstimmung über eine Alternative.

Abbildung 2: Prozess einer Entscheidungsfindung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Laux, H. et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 500

[...]


1 Vgl. Rommelfanger, H.; Eickemeier, S., Entscheidungstheorie, 2002, S. 191.

2 Vgl. K ö hler, H., Gruppenentscheidungen, 1976, S. 7.

3 Vgl. Rommelfanger, H.; Eickemeier, S., Entscheidungstheorie, 2002, S. 191.

4 Vgl. Laux, H., et. al. Entscheidungstheorie, 2014, S. 497.

5 Vgl. K ö hler, H., Gruppenentscheidungen, 1976, S. 21.

6 Vgl. Mayntz, R., Organisation, 1958, S. 70.

7 Vgl. Ahrens, Hans-Joachim, Zur Optimalität von Gruppenentscheidungen. Eine empirische Untersu- chung zur Beurteilung westdeutscher Politiker in kleinen Gruppen, 1967, S. 7 zitiert nach K ö hler, H., Die Effizienz betrieblicher Gruppenentscheidungen, 1976, S. 21.

8 Nullmeier, F. et al., Gremien, 2008, S. 7.

9 Vgl. Laux, H., Entscheidungsgremien, 1979, S. 41.

10 Vgl. Laux, H., Entscheidungsgremien, 1979, S. 42.

11 Vgl. Lechner, K., Unternehmenstheorie, 1972, S. 94.

12 Vgl. Laux, H., et. al. Entscheidungstheorie, 2014, S. 528 f.

13 Vgl. Lindst ä dt, H., Gruppenentscheidungen, 1997, S. 1.

14 Vgl. Laux, H., Entscheidungsgremien, 1979, S. 43.

15 Vgl. Eisenf ü hrer, F., Weber, M., Entscheiden, 2003, S. 312.

16 Vgl. Laux, H. et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 501.

17 Vgl. Laux, H. et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 500 f.

18 Vgl. Laux, H. et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 300 f.

19 Vgl. Laux, H. et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 500.

20 Vgl. Laux, H. et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 497.

21 Vgl. Laux, H., Organisation, 1979, S. 141

22 Ebd.

23 Vgl. Laux, H. et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 497 f.

24 Vgl. Laux, H., et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 535.

25 Laux, H., et. al., Entscheidungstheorie, 2014, S. 535.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Abstimmungsregeln bei Gruppenentscheidungen und deren Anwendung auf betriebswirtschaftliche Problemstellungen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
2,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V433794
ISBN (eBook)
9783668758957
ISBN (Buch)
9783668758964
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gruppenentscheidungen Abstimmungsregeln
Arbeit zitieren
Anna-Lena Weck (Autor), 2018, Abstimmungsregeln bei Gruppenentscheidungen und deren Anwendung auf betriebswirtschaftliche Problemstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433794

Kommentare

  • Isa Mar am 18.4.2019

    Leider verspricht der Aufbau der Arbeit mehr als der Inhalt. Das gewählte Fallbeispiel ist sehr simpel. Für einen sehr groben Überblick sicher ausreichend. Wer tiefer recherchieren muss, dem reicht das nicht. Textabschnitte großteils einfach ein wenig umformuliert aus Laux - Entscheidungstheorie. Trotzdem verständlich erklärt.

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