Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, die zentralen Prämissen der "Greed and Grievance"-Debatte darzustellen, sie kritisch zu diskutieren und die makrotheoretischen Grundlagen beider Erklärungsansätze aufzuzeigen. Die Struktur der Arbeit und die spezifischen Forschungsfragen stellen sich wie folgt dar:
In einem ersten Schritt soll möglichst kurz auf die wichtigsten Rahmenbedingungen des aktuellen Konfliktgeschehens eingegangen werden. Sie nehmen im Kontext dieser Arbeit "nur" die Rolle von Rahmenbedingungen ein, da die "Greed and Grievance"-Debatte auf der Akteursebene ansetzt und die makrostrukturellen Determinanten der Konflikte als unabhängige Variablen voraussetzt. Bei dem Forschungsgegenstand handelt es sich somit nicht um eine "kritische" [Wie etwa bei Fricke], politökonomische oder wie auch immer genannte an Marx orientierte Form der Sozialwissenschaft. Es wird nicht, wie etwa bei der "Hamburger Schule" [Vgl. Siegelberg, Jung, Schlichte], versucht, einen ganzheitlichen theoretischen Rahmen zu erschaffen, in dem nicht die Konflikte selbst untersucht werden, sondern ihre Einbettung. Aus diesem Grund soll an dieser Stelle keine tiefer greifende Analyse der "Rahmenbedingungen" in Angriff genommen werden, sondern nur allgemeine Erkenntnisse aus den Forschungsfeldern dargestellt werden. Konkret bedeutet das, dass sowohl die Folgen der Globalisierung als auch die damit verbundene Veränderung der Staatlichkeit angesprochen werden.
Der Kern der Arbeit beschäftigt sich mit den Inhalten von "Greed" und "Grievance". Hierbei sollen beide Argumentationslinien getrennt untersucht und kritisch hinterfragt werden. Dabei wird ein chronologischer Vorgang gewählt, das heißt der Faktor "Grievance" wird zuerst dargestellt. Da er jedoch in keinerlei Hinsicht ein einheitliches Konzept darstellt, sondern von den Greed-Theoretikern als schemenhaftes Abgrenzungsobjekt konstruiert wurde, soll dieser Logik im Sinne der Diskussion gefolgt werden und thematisch (und nicht autorenorientiert) auf die grundsätzlichen Aussagen eingegangen werden. Im Anschluss soll die ökonomische Analyse und ihre Auseinandersetzung mit der politischen (politologischen) Argumentation untersucht und hinsichtlich ihrer empirischen Evidenz beleuchtet werden.
Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Hausarbeit liegt auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema, es soll jedoch auch vereinzelt auf die Ergebnisse von empirischen Fallanalysen und statistischen Erhebungen verwiesen werden.
Ergebnis der Arbeit soll eine idealtypische Darstellung der Dichotomie von "Greed" und "Grievance" in Form einer Tabelle sein. Hierbei kommt es darauf an, die grundlegenden Aussagen vereinfacht gegenüberzustellen.
Im Fazit erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Gesamtdiskussion. Hierbei wird die These vertreten werden, dass "Greed" und "Grievance" für sich alleine genommen keine hinreichende theoretische wie auch empirische Überzeugungskraft entfalten können, sondern qua natura einander bedingen und interagieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Rahmenbedingungen innerstaatlicher Konflikte
1.1 Die Globalisierung
1.1.1 Die ökonomische Dimension
1.1.2 Die soziokulturelle Fragmentierung
1.2 Die Rolle des Staates
1.2.1 Der Staatszerfall und das Erbe des Kolonialismus
1.2.2 Die Privatisierung der Gewalt
2. Die „Greed and Grievance“-Debatte
2.1 Der Erklärungsansatz „Grievance“
2.1.1 Ethnizität als Kriegsursache
2.1.2 Theoretische Grundperspektiven und Kriegsverständnis
2.1.3 Kritische Einwände zur Grievance-Perspektive
2.2 Der Erklärungsansatz „Greed“
2.2.1 Paul Colliers Weltbankreport
2.2.2 Elwerts sozialanthropologischer Ansatz der Gewaltmärkte
2.2.3 Theoretische Grundannahmen und Kriegsverständnis
2.2.4 Kritische Einwände zur ökonomischen Kriegsanalyse
2.2.4.1 Methodische Schwächen des Greed-Ansatzes
2.2.4.2 Die Depolitisierungstendenz ökonomischer Kriegsanalysen
2.3 Tabelle: Idealtypische Gegenüberstellung „Greed and Grievance“
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit analysiert die „Greed and Grievance“-Debatte in der Konfliktforschung, um die zentralen Prämissen und makrotheoretischen Grundlagen der konkurrierenden Erklärungsansätze für zeitgenössische innerstaatliche Konflikte kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen.
- Untersuchung der Rahmenbedingungen wie Globalisierung und Staatszerfall
- Analyse des „Grievance“-Ansatzes (politische/kulturelle Motive)
- Analyse des „Greed“-Ansatzes (ökonomische Motive/Bereicherung)
- Kritische Diskussion der methodischen Ansätze beider Richtungen
- Erarbeitung einer idealtypischen Gegenüberstellung
Auszug aus dem Buch
Die Privatisierung der Gewalt
Einhergehend mit der Erosion der Staatlichkeit ereignet sich eine „Privatisierung der Gewalt“32. Hierbei handelt es sich „um eine Gewalt, die sich an die Stelle der staatlichen setzt, die das staatliche Gewaltmonopol anficht, aushöhlt und oft auch ersetzen will“33. Dort wo der Staat schwach ist und pervertiert, bieten sich insbesondere ökonomische Möglichkeiten für private oder halbstaatliche Akteure. Die Anwendung von Gewalt wird zum strategischen ökonomischen Instrument. Lokale Kriegsherren führen Schutzgeldsysteme ein, schöpfen Steuern bei Rohstoffexporten ab und engagieren sich im Menschenhandel für Prostitution und Sklaverei.
An diesem Punkt setzt die Diskussion von „Greed“ und „Grievance“ an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Rahmenbedingungen innerstaatlicher Konflikte: Dieses Kapitel erläutert, wie Globalisierung und der Zerfall staatlicher Strukturen das Umfeld schaffen, in dem moderne innerstaatliche Konflikte entstehen.
2. Die „Greed and Grievance“-Debatte: Dieser Kernteil analysiert detailliert die beiden konkurrierenden Erklärungsmodelle, diskutiert ihre theoretischen Grundlagen und kritisiert ihre methodischen Schwächen.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert für eine komplementäre Sichtweise, da weder reine ökonomische noch rein politische Analysen der Komplexität moderner Konflikte gerecht werden.
Schlüsselwörter
Greed, Grievance, innerstaatliche Konflikte, Bürgerkrieg, Globalisierung, Gewaltmärkte, Staatszerfall, politische Ökonomie, rational choice, Ethnizität, Identität, Konfliktforschung, Ressourcenverteilung, Identitätspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Debatte um die Ursachen zeitgenössischer innerstaatlicher Konflikte, speziell die Gegenüberstellung von Gier („Greed“) und Missständen/Frustration („Grievance“).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die ökonomischen Motive von Kriegsteilnehmern, die Rolle politischer und ethnischer Identitäten sowie der Einfluss von Staatszerfall und globalen wirtschaftlichen Prozessen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung und kritische Diskussion der Prämissen der „Greed and Grievance“-Debatte sowie die Aufdeckung der makrotheoretischen Grundlagen beider Ansätze.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturanalyse, ergänzt durch den Verweis auf empirische Fallstudien und statistische Daten, um die Dichotomie der Debatte in einer Tabelle gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der Rahmenbedingungen, eine getrennte Untersuchung der „Grievance“- und „Greed“-Perspektiven sowie eine kritische Reflexion ihrer methodischen Stärken und Schwächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Greed, Grievance, Bürgerkrieg, Staatszerfall, Gewaltmärkte und politische Ökonomie.
Warum kritisieren manche Autoren die rein ökonomische Analyse des „Greed“-Ansatzes?
Kritiker werfen der „Greed“-Perspektive eine einseitige Depolitisierung vor, welche die strukturellen Ursachen von Kriegen ignoriert und komplexe menschliche Motive unzulässig auf eine Kosten-Nutzen-Logik reduziert.
Inwiefern beeinflusst der Kolonialismus laut Autor heutige Konflikte?
Das koloniale Erbe wird als Grund für die Inkongruenz zwischen ethnischen Gruppen und staatlichen Grenzen angeführt, was in vielen Staaten zu einer dauerhaften Disharmonie und Konfliktanfälligkeit führt.
- Quote paper
- Malte Nelles (Author), 2004, Greed and Grievance. Die Diskussion um das Erklärungsparadigma zeitgenössischer innerstaatlicher Konflikte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43411