Der Vergleich verschiedener Regierungssysteme von Ländern, aber auch der Vergleich im Allgemeinen, ist ein zentraler Bestandteil der Politikwissenschaft; er wird oft auch als der „Königsweg der Politikwissenschaft“ bezeichnet. Nicht immer lassen sich dabei jedoch markante Gemeinsamkeiten oder Unterschiede genau festlegen, da die jeweiligen Systeme oftmals aus ganz unterschiedlichen historischen oder kulturellen Voraussetzungen entstanden sind. Dennoch sind solche Vergleiche für das Verständnis des jeweiligen anderen in einem mehr und mehr zusammenwachsenden Europas eminent wichtig.
Frankreich und Deutschland, die beiden größten und am zentralsten gelegenen Länder Kontinentaleuropas, sind für einen solchen Vergleich sicherlich gut geeignet. Diese beiden Staaten, welche Jahrhunderte lang Erzfeinde waren, und nun die Zugpferde für ein schnelleres europäisches Zusammenwachsen sind, werden im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Allerdings wird im Folgenden kein kompletter Systemvergleich durchgeführt, da dies mit Sicherheit den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Vielmehr wird ein Vergleich zweier zentraler Institutionen der beiden Regierungssysteme durchgeführt. Die jeweiligen Regierungschefs der beiden Länder, der deutsche Bundeskanzler und der französische Premierminister werden im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Es wird dabei vor allem auf die jeweiligen Machtbefugnisse dieser politischen Institutionen eingegangen und deren Stellung in ihren jeweiligen Regierungssystemen genauer untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es, nicht nur zu klären welcher der beiden zu untersuchenden politischen Institutionen im täglichen politischen Prozess mehr Entscheidungsgewalt besitzt, sondern auch in wie weit sich die Strukturen der jeweiligen Ämter gleichen oder unterscheiden. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit ist, zu klären, ob oder in wie weit sich diese beiden Ämter überhaupt vergleichen lassen.
Um diesen Fragen gerecht zu werden, und sich genauer mit den beiden Ämtern zu befassen, ist zunächst wichtig, auf den Begriff des Vergleiches in der Politikwissenschaft genauer einzugehen. Des Weiteren werden kurz die historischen Gründe für die Festsetzung der heute gültigen Verfassungen in den beiden Ländern beschrieben, bevor mit der Untersuchung der eigentlichen zentralen Frage dieser Arbeit begonnen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Der Vergleich in der Politikwissenschaft
3. Geschichtliche Verfassungsentstehung
3.1. Deutschland
3.2. Frankreich
4. Die Regierungschefs
4.1.1. Bundeskanzler und Bundesregierung
4.1.2. Bundeskanzler und Bundespräsident
4.1.3. Bundeskanzler und Bundestag
4.2.1 Premierminister und Regierung
4.2.2. Premierminister und Präsident
4.2.3. Premierminister und Parlament
5. Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Rollen, Machtbefugnisse und Stellungen des deutschen Bundeskanzlers und des französischen Premierministers innerhalb ihrer jeweiligen Regierungssysteme zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer politischen Entscheidungsbefugnis zu identifizieren.
- Vergleichende Analyse der Regierungssysteme von Deutschland und Frankreich
- Untersuchung der historischen Verfassungsentstehung beider Länder
- Gegenüberstellung der Kompetenzen von Regierungschefs gegenüber Exekutive und Legislative
- Analyse des Einflusses von Staatspräsidenten auf die Stellung des Premierministers
- Bewertung der Vergleichbarkeit der Ämter unter Berücksichtigung der "lebenden Verfassung"
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung:
Der Vergleich verschiedener Regierungssysteme von Ländern, aber auch der Vergleich im Allgemeinen, ist ein zentraler Bestandteil der Politikwissenschaft; er wird oft auch als der „Königsweg der Politikwissenschaft“ bezeichnet. Nicht immer lassen sich dabei jedoch markante Gemeinsamkeiten oder Unterschiede genau festlegen, da die jeweiligen Systeme oftmals aus ganz unterschiedlichen historischen oder kulturellen Voraussetzungen entstanden sind. Dennoch sind solche Vergleiche für das Verständnis des jeweiligen anderen in einem mehr und mehr zusammenwachsenden Europas eminent wichtig.
Frankreich und Deutschland, die beiden größten und am zentralsten gelegenen Länder Kontinentaleuropas, sind für einen solchen Vergleich sicherlich gut geeignet. Diese beiden Staaten, welche Jahrhunderte lang Erzfeinde waren, und nun die Zugpferde für ein schnelleres europäisches Zusammenwachsen sind, werden im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Allerdings wird im Folgenden kein kompletter Systemvergleich durchgeführt, da dies mit Sicherheit den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Vielmehr wird ein Vergleich zweier zentraler Institutionen der beiden Regierungssysteme durchgeführt. Die jeweiligen Regierungschefs der beiden Länder, der deutsche Bundeskanzler und der französische Premierminister werden im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Es wird dabei vor allem auf die jeweiligen Machtbefugnisse dieser politischen Institutionen eingegangen und deren Stellung in ihren jeweiligen Regierungssystemen genauer untersucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Relevanz des ländervergleichenden Ansatzes in der Politikwissenschaft und definiert das Ziel, die Stellung und Machtbefugnisse der Regierungschefs in Deutschland und Frankreich zu untersuchen.
2. Der Vergleich in der Politikwissenschaft: Das Kapitel definiert den wissenschaftlichen Vergleich als Methode und ordnet die vorliegende Untersuchung in den Kontext der interstaatlichen vergleichenden Politikfeldanalyse ein.
3. Geschichtliche Verfassungsentstehung: Hier werden die historischen Hintergründe der deutschen und französischen Verfassungen dargelegt, wobei der Fokus auf den Lehren aus vergangenen Krisen (Weimarer Republik bzw. 4. Republik) liegt.
4. Die Regierungschefs: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Kompetenzen und Abhängigkeiten des deutschen Bundeskanzlers sowie des französischen Premierministers gegenüber Regierung, Präsident und Parlament.
5. Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Ämter aufgrund der grundlegend unterschiedlichen Regierungssysteme – parlamentarisch vs. semi-präsidentiell – nur bedingt miteinander vergleichbar sind.
Schlüsselwörter
Regierungssysteme, Politikwissenschaft, Bundeskanzler, Premierminister, Verfassungsentstehung, Machtbefugnisse, Deutschland, Frankreich, parlamentarisches System, semi-präsidentielles System, Cohabitation, Exekutive, Legislative, Vergleich, politische Institutionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Funktionen und Machtbefugnisse der Regierungschefs von Deutschland (Bundeskanzler) und Frankreich (Premierminister) innerhalb ihrer jeweiligen politischen Systeme.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Verfassungen beider Länder, die institutionelle Stellung der Regierungschefs sowie ihr jeweiliges Verhältnis zu Parlament und Staatsoberhaupt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, welcher Regierungschef über mehr Entscheidungsgewalt verfügt, wie sich ihre Ämter strukturell unterscheiden und ob sie trotz der unterschiedlichen Systeme sinnvoll vergleichbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode des politikwissenschaftlichen Vergleichs, spezifisch im Bereich der interstaatlichen vergleichenden Politikfeldanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Regierungschefs in ihrem jeweiligen institutionellen Gefüge, wobei insbesondere das Kanzlerprinzip in Deutschland und die Rolle des Premierministers gegenüber dem französischen Präsidenten untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Regierungssysteme, parlamentarische vs. semi-präsidentielle Ordnung, Machtbefugnisse, Cohabitation und die jeweilige historische Verfassungsentstehung.
Wie unterscheidet sich die Stellung des Bundeskanzlers von der des französischen Premierministers?
Während der Bundeskanzler die zentrale, dominierende Figur im parlamentarischen System Deutschlands ist, fungiert der französische Premierminister in der Regel als "Nummer Zwei" hinter dem direkt gewählten Staatspräsidenten.
Was ist die Bedeutung der "Cohabitation" für den französischen Premierminister?
In Zeiten der Cohabitation, wenn der Präsident und die Parlamentsmehrheit unterschiedlichen politischen Lagern angehören, gewinnt der Premierminister an Bedeutung und wird zur zentralen politischen Schlüsselfigur.
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- Carsten Socke (Author), 2004, Deutscher Bundeskanzler vs. Französischer Premierminister - Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43417