In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen inwiefern der Kolonialismus Schuld ist an der desolaten Lage Afrikas. Genauer wird auf die verschiedenen Effekte der kolonialen Vergangenheit auf Wirtschaft, Infrastruktur und Gesellschaft eingegangen. Auch die Auswirkungen der verschiedenen Kolonisierungspraktiken - hauptsächlich französische und britische - werden verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff des Kolonialismus
3. Geschichte des afrikanischen Kolonialismus
4. Die Möglichen Auswirkungen der Kolonialen Vergangenheit
5. Die Unterschiedlichen Kolonisierungspraktiken und ihre Auswirkungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der historische Kolonialismus für die aktuelle wirtschaftliche Unterentwicklung afrikanischer Staaten verantwortlich ist und ob das wirtschaftliche Wachstum dieser Länder pfadabhängig durch dieses Erbe geprägt wurde.
- Historische Einordnung und Systematisierung kolonialer Herrschaftsformen
- Analyse der langfristigen wirtschaftlichen und sozialen Spätfolgen
- Untersuchung des Einflusses kolonialer Institutionen auf die heutige Wirtschaftsleistung
- Vergleich unterschiedlicher Kolonisierungspraktiken (z.B. britisch vs. französisch)
- Diskussion von Lösungsansätzen für die aktuelle Entwicklungspolitik
Auszug aus dem Buch
3. Geschichte des afrikanischen Kolonialismus
Die koloniale Geschichte Afrikas reicht mehrere Hundert Jahre zurück. Bereits am Anfang des 16. Jahrhunderts hatten die Portugiesen mit der Okkupation von Mocambique begonnen [vgl. Lye (2002), S.269]. Aber eine entscheidende Entwicklung in der Geschichte Afrikas ist die in den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jh. Stattfindende koloniale Expansion gewesen: „Ein einzigartiger Vorgang der zeitlich konzentrierten Enteignung eines Kontinents.“ [ Osterhammel (1995), S.40] Die Epoche des Sklavenhandels war zu jener Zeit formell zu Ende gegangen. Bis in die Mitte des 19. Jh. gab es nur einige Handelsniederlassungen und befestigte Stützpunkte an den Küsten und im unmittelbaren Hinterland. 1880 hatten die Europäer kaum 10% des Kontinents in ihrem Besitz, 1900 war schon fast der ganze Rest vereinnahmt. [ vgl. Michler (1991), S.88 ]
Einflussreiche Bevölkerungsgruppen, wie Offiziere, Kaufleute, Industrielle, Missionare und Forscher forderten von ihren Regierungen die Rolle einer Schutzmacht in afrikanischen Territorien zu übernehmen. Die national aufgeheizten Stimmungen in den meisten europäischen Ländern zu dieser Zeit erleichterte es ihnen Druck auf die Regierungen auszuüben. [vgl. Mair (1991), S.14 und Rostow (1967), S.135 f.]
Ein Wettlauf um afrikanische Besitzungen bahnte sich an und damit stiegen die Risiken von Konflikten zwischen den Kolonialmächten. Um die Spielregeln für weitere Eroberungen festzulegen, lud Reichskanzler Bismarck 1884 die Vertreter von 14 Staaten zur Berliner Kongo-Konferenz ein. Hier verpflichteten sich die Länder zur gegenseitigen Anerkennung der Kolonien, Protektoraten und Einflußsphären und teilten den Kontinent unter sich auf. Dabei entstanden jene künstlichen Grenzen, die für die heutigen afrikanischen Staaten so charakteristisch sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der afrikanischen Unterentwicklung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem kausalen Zusammenhang zwischen kolonialem Erbe und heutigem Wirtschaftsstatus.
2. Zum Begriff des Kolonialismus: Dieses Kapitel systematisiert verschiedene Typen der Kolonisation, wie Beherrschungs-, Stützpunkt- und Siedlungskolonien, und erläutert deren spezifische Zielsetzungen.
3. Geschichte des afrikanischen Kolonialismus: Hier wird der historische Prozess der europäischen Expansion dargestellt, insbesondere der "Wettlauf um Afrika" und die Aufteilung des Kontinents während der Berliner Kongo-Konferenz.
4. Die Möglichen Auswirkungen der Kolonialen Vergangenheit: Dieses Kapitel untersucht die langfristigen ökonomischen Folgen, wie die Abhängigkeit von Primärgüterexporten, Infrastrukturentwicklungen und die Störung traditioneller Sozialstrukturen.
5. Die Unterschiedlichen Kolonisierungspraktiken und ihre Auswirkungen: Der Autor vergleicht die Herrschaftsstrategien unterschiedlicher Kolonialmächte und deren Auswirkungen auf Institutionen, Rechtswesen und Bildung.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Kolonialismus eine anhaltend negative Wirkung hat und fordert eine entwicklungspolitische Neuausrichtung zur Überwindung dieser historischen Strukturen.
Schlüsselwörter
Kolonialismus, Afrika, Unterentwicklung, Pfadabhängigkeit, Institutionen, Exportwirtschaft, Dekolonisation, Neokolonialismus, Infrastruktur, Ressourcenabfluss, Sozialstrukturen, Entwicklungshilfe, Mandatsgebiete, Siedlungskolonien, Politische Stabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle des Kolonialismus als maßgebliche Ursache für den aktuellen wirtschaftlichen Zustand vieler afrikanischer Staaten.
Welche thematischen Kernbereiche werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Kolonialisierung, der Systematisierung von Kolonialpraktiken und der kritischen Reflexion ihrer ökonomischen Langzeitfolgen.
Was ist das zentrale Forschungsziel?
Es soll geklärt werden, ob das wirtschaftliche Wachstum afrikanischer Volkswirtschaften durch koloniale Erblasten pfadabhängig behindert wird und inwieweit politische Institutionen hierbei eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit entwicklungspolitischen Diskursen sowie der Auswertung empirischer Studien zur institutionellen Prägung durch Kolonialpraktiken.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil beleuchtet die Geschichte der kolonialen Expansion, die Auswirkungen auf Infrastruktur und Sozialstrukturen sowie den Einfluss spezifischer Kolonisierungspraktiken auf die institutionelle Qualität.
Welche Keywords prägen die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Institutionenbildung, Ressourcenabfluss, internationale Arbeitsteilung, koloniale Pfadabhängigkeit und wirtschaftliche Unterentwicklung.
Wie unterscheidet sich die britische Kolonialverwaltung von der anderer Mächte laut dieser Arbeit?
Britische Kolonien setzten häufiger auf indirekte Herrschaftsformen und bildeten tendenziell stabilere Institutionen aus, während andere Mächte eher durch extreme Ausbeutung und direkte Fremdverwaltung auffielen.
Welche Rolle spielen heutige nationale Grenzen für die Problematik?
Die Arbeit weist darauf hin, dass die willkürliche Grenzziehung während der Kolonialzeit heute ein wesentlicher Nährboden für ethnische Konflikte und politische Instabilität ist.
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- Ulas Ersoy (Author), 2005, Die Bedeutung des Kolonialismus für die Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43427