Der Gebrauch von Anglizismen im Spiegel Magazin


Bachelorarbeit, 2017

69 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorieteil
2.1 Exkurs: Deutsche Sprachgeschichte
2.2 Englischer Spracheinfluss
2.3 Definition Anglizismus
2.4 Entlehnungsarten
2.4.1 Fremdwort
2.4.2 Lehnwort
2.4.3 scheinentlehnung
2.4.4 Hybridbildung
2.5 Fremdwortbildung
2.6 Forschungsstand

3 Informationen zum Untersuchungsmaterial
3.1 Mediensprache - Pressesprache
3.2 Informationen zum Nachrichtenmagazin Der Spiegel

4 Methodenteil
4.1 Fragestellungen
4.2 Zum Korpus und zur Korpuserstellung

5 Datenauswertung
5.1 Gesamtkorpus
5.2 Anglizismen nach Häufigkeit
5.3 Anglizismen nach Kommunikationsbereichen
5.4 Anglizismen nach Wortarten
5.5 Anglizismen nach Entlehnungsarten
5.6 Integration der Anglizismen

6 Beantwortung der Fragestellungen

7 Fazit

Verzeichnis der Tabellen und Diagramme

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Was ist denn eigentlich ein Hipster? Sobald ein Blick in die Medien geworfen wird, tauchen einige Wörter auf, die neu oder gar fremd wirken. Dieses Problem kann beho­ben werden, wenn ein Fremdwörterbuch in der Nähe ist. Das Wort Hipster wird ge­sucht, und kurze Zeit später ist klar, dass dies gar kein deutsches, sondern ein englisches Wort ist. Es bezeichnet jemanden, der stets auf dem Laufenden ist (Duden, Fremdwör­terbuch 2010). Da dieses Wort tatsächlich im Fremdwörterbuch auftaucht, lässt sich schlussfolgern, dass der deutsche Wortschatz durch fremdsprachiges Wortgut bereichert wird.

Durch Sprachkontakte oder eine einflussreiche Weltmacht gelangen fremdsprachige Wörter in die deutsche Sprache. Im 19. Jahrhundert war England so einflussreich, dass das Deutsche durch englischsprachige Wörter bereichert wurde. Nicht nur aus dem Be­reich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft wurden Wörter entlehnt, sondern auch aus privaten Lebensbereichen, wodurch sich moderne Dinge beschreiben ließen (Vgl. Polenz 2009: 135). Auch die Führungsrohe der USA in Bereichen wie Politik und Wirt­schaft ist ein Grund für die Aufnahme von englischsprachigem Wortgut. Außerdem spielen die Medien bei der Verbreitung des englischen Wortguts eine große Rohe, be­sonders Der Spiegel hat dazu beigetragen (Vgl. Kann/Kohes 1979: 337, zitiert nach: Vgl. Yang 1990: 3).

Dass der deutsche Wortschatz durch den englischen Spracheinfluss bereichert wird, soll in dieser Untersuchung deshalb anhand der Sprache im Spiegel bewiesen werden. Noch in den 1960er Jahren galten Untersuchungen der Gegenwartssprache anhand von Pres­setexten als außergewöhnlich. Mittlerweile sind Pressetexte mit am besten untersucht und bieten eine breit gefächerte Auswahl an Fachliteratur an. (Vgl. Schmitz 2015: 81)

Zu Zwecken dieser Untersuchung sollen jeweils vier Ausgaben der Jahrgänge 1947 und 1991 des Nachrichtenmagazins Der Spiegel untersucht werden. Die unterschiedlichen Jahrgänge ermöglichen einen diachronen Vergleich in Bezug auf Veränderungen der Anglizismenanzahl, des Vorkommens in Kommunikationsbereichen, der unterschiedli­chen Wort- und Entlehnungsarten und des Grads der Integration in die deutsche Spra­che. Anhand der Ergebnisse sollen ebenfalls Entwicklungstendenzen erkannt werden.

2 Theorieteil

2.1 Exkurs: Deutsche Sprachgeschichte

Durch Kulturkontakte gab es in der deutschen Sprache schon sehr früh fremdsprachli­che Einflüsse, sei es durch Kriege, historische Geschehen, Kulturwandel oder wissen­schaftliche und technische Entwicklungen. Bereits 50 V. Chr. gab es die ersten lateini- sehen Einflüsse durch die Römerzeit (Vgl. Stedje 2007: 30). Nachdem in der Frühzeit der deutschen Sprachgeschichte besonders das Griechische und Lateinische Einzug in die deutsche Sprache fanden, überwog das Französische im 17. und 18. Jahrhundert, da Frankreich in kultureller Hinsicht den führenden Einfluss auf Europa hatte und dadurch auch die sprachliche Entwicklung entscheidend mitprägte (Vgl. Duden - Das Fremd­Wörterbuch, 2011: 24). Im 20. Jahrhundert folgte nach dem zweiten Weltkrieg der in immer stärker zunehmender Weise anglo-amerikanische Spracheinfluss (Vgl. Stedje 2007: 30).

Einige Fremdwörter wurden im Laufe der Jahrhunderte so sehr an den deutschen Wort­schätz angeglichen, dass ihre fremde Herkunft nur schwer erkennbar ist. Diese Fremd­Wörter werden durch ihre Angleichung an die deutsche Sprache als Lehnwörter be­zeichnet: Fenster (lat. Fenestra), Maske (fr. Masque) etc. Wie stark ein Wort angegli­chen wurde, hängt teilweise mit der Zeitspanne des Gebrauchs zusammen. Allerdings sind Wörter, die vor dem 15. Jahrhundert übernommen wurden am stärksten an die deutsche Sprache angeglichen, da sie unter dem Einfluss der bis ins 14. Jahrhundert andauernden Lautwandelerscheinungen standen. Diese Lautwandelerscheinungen führ­ten zur heutigen Sprachgestalt des Deutschen. Somit haben sich die bis zu diesem Zeit­punkt übernommenen Wörter mit dem nativen Wortgut gleichermaßen verändert (Vgl. Duden Fremdwörterbuch 2011: 25).

2.2 Englischer Spracheinfluss

Wie bereits skizziert, unterliegt der fremdsprachliche Einfluss immer politischen, mili­tärischen und kulturellen sowie sozioökonomischen Entwicklungen (Vgl. Yang 1990: 1). So war England ״eine politische Großmacht und einflußreich im Bereich von Wirt­schaft, Industrie, Wissenschaft und Seefahrt“ (Yang 1990: 1), sodass daraus der eng- lischsprachige Rinfluss in die deutsche Sprache resultierte. Darüber hinaus trägt auch der Sprachkontakt zu einer Veränderung des Sprachsystems bei. Der Begriff Sprach- kontakt meint weniger den Spracheinfluss diverser Nachbarländer, als den Eingriff in das deutsche Sprachsystem durch Kolonialisierung und Migration (Vgl. Wegera/Waldenberger 2012: 28). Durch vermehrten englischsprachigen Einfluss im 19. Jahrhundert wurde das Französische im deutschen Wortschatz rückläufig (Vgl. Yang 1990: 1) und als Gesellschaftssprache vom Englischen abgelöst (Vgl. Duden Fremdwör­terbuch 2011: 25). Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der amerikanisch-englische Ein­fluss immer bedeutender und breitete sich auch im privaten Lebensbereich aus, wie fol­gende Anglizismen demonstrieren: Teenager, Bikini etc. (Vgl. Polenz 2009: 135). Hier­bei handelte es sich nicht bloß um eine Strömung des amerikanischen Englisch, sondern auch um eine Aufnahmebereitschaft der deutschen Sprache möglichst vieler, kleiner Wörter, die als modem geltende Dinge bezeichneten (Vgl. Polenz 2009: 135). Nach der Wende wurde die Sprache für Sprachwissenschaftler zu einem interessanten Untersu­chungsfeld, denn ״Sprachveränderung und Sprachzustand[,] fielen im Moment der Maueröffnung praktisch zusammen“ (Schiewe 1988: s. 259, zitiert nach: Götzeler 2008: 42). Es gibt vielfältige Gründe für die Verwendung von Anglizismen nach 1989. Besonders die Globalisierung im politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich hat zum stetig zunehmenden Gebrauch von Anglizismen geführt. Des Weiteren hat die Führungsrolle der USA in Bereichen wie Politik und Wirtschaft dazu beigetra­gen. Die schnelle Verbreitung von Informationen und Sprache durch die Digitalisiemng ist ein weiterer Gmnd für die Verwendung von Anglizismen (Vgl. Götzeler 2008: 59). Die Ostdeutschen hatten zu dieser Zeit einen hohen Anpassungswillen und verwendeten somit eine Vielzahl an Anglizismen (Vgl. Götzeler 2008: 49). Durch die Zuwendung zum Westen gelangte besonders das amerikanische Englisch in die Alltagssprache und die Fachkommunikation (Vgl. Götzeler 2008: 49).

Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs hat der englisch-amerikanische Spracheinfluss erheblich zur Entwicklung der deutschen Sprache beigetragen. Einige Anglizismen ha­ben sich so stark in den deutschen Wortschatz integriert, dass sie kaum noch als Fremdwort auffallen, wie Z.B. Hobby, okay oder Training (Vgl. Yang 1990: 3). Einen großen Anteil an der Verbreitung der Anglizismen haben die Medien beigetragen, be- sonders die Zeitschriften und Zeitungen, unter denen allen ״voran der Spiegel genannt“ (Kann/Koltes 1979: 337, zitiert nach: Yang 1990: 3) werden muss.

2,3 Definition Anglizismus

In der Literatur sind verschiedene Begriffserklärungen geläufig. Dabei ist es möglich innerhalb des Begriffs Anglizismus zwischen Britizismen und Amerikanismen und sons­tigen sprachlichen Varianten englischer Wörter beispielsweise aus dem Australischen oder Schottischen zu unterscheiden (Vgl. Dargiewicz 2013: 51). In dieser Arbeit wird der Begriff Anglizismus allerdings als Oberbegriff für jede Variante des englischen Wortguts im Deutschen verwendet. Weder die Fremdwörterbücher und etymologischen Bücher der deutschen Sprache noch die Wörterbücher der englischen Sprache geben Aufschluss über die genaue Herkunft der Anglizismen innerhalb des englischsprachigen Raumes, weshalb die Differenzierung zwischen den einzelnen Sprachen erschwert ist (Vgl. Yang 1990: 8). Das rührt unter anderem daher, dass das britische Englisch seit dem ersten Weltkrieg selbst stark unter dem Einfluss des amerikanischen Englisch stand (Vgl. Polenz 2009: 135).

Die Definition für Anglizismus nach Bußmann im Lexikon der Sprachwissenschaft lau­tet wie folgt:

״Aus dem Englischen in eine nicht-englische Sprache übernommener Ausdruck (a) als lexikalische Einheit Homepage, Highlight, Hooligan, (b) in idiomatischer Verwendung World Wide Web, (c) als syntaktische Konstruktion up to date, Global player, Roller skating.“ (Bußmann 2008: 43).

Demnach besteht ein Anglizismus aus englischen Morphemen, die in die deutsche Sprache aufgenommen wurden und deren Bedeutung ebenfalls mit in die Zielsprache übernommen wird (Vgl. Pfitzner: 13). Die englischen Morpheme können als freie Mor­pheme, wie bei Bußmann beschrieben, auftauchen (Homepage) oder als Kombination mit deutschen Morphemen (Vgl. Pfitzner: 13).

Weiterhin gibt es verschiedene Kategorien, in die sich Anglizismen einteilen lassen:

1. Keine Substitution: Ein fremdsprachlicher Ausdruck wird vollständig entlehnt;

2. Teilsubstitution: Die Bestandteile der Entlehnung sind aus fremdsprachlichem und deutschem Wortgut zu Komposita zusammengesetzt;

3. Vollsubstitution: Für die Entlehnung wird ein deutscher Ausdruck verwendet

(Vgl. Fink 1968: 5). In der vorliegenden Arbeit werden lediglich Anglizismen aus dem Bereich Keine Substitution und Teilsubstitution berücksichtigt. Die Vollsubstitution bleibt unbeachtet, weil sie eine Entlehnung darstellt, die zum inneren Lehngut gehört. Nähere Beschreibungen dazu sind im folgenden Kapitel zu finden.

2.4 Entlehnungsarten

Laut Carstensen besteht der Lehnwortschatz der deutschen Sprache aus dem äußeren und inneren Lehngut (Vgl. Carstensen 1979: 27). Zum äußeren Lehngut gehören das Fremdwort, Lehnwort, die Scheinentlehnung und die Hybridbildung (Vgl. Yang 1990: 10). Diese Begriffe werden in den folgenden Kapiteln näher erläutert. Sie bezeichnen lexikalische Entlehnungen. Dabei wird das Wort aus der Gebersprache samt seiner Be­deutung in die Nehmersprache übernommen. Meist passiert dies zusanmien mit der Übernahme einer Sache der außersprachlichen Wirklichkeit aus einer anderen Sprache oder Kultur (Vgl. Bußmann 2008: 396). Zum inneren Lehngut zählen sämtliche lehn­Prägungen wie beispielsweise die Lehnübertragung, die im Gegensatz zum äußeren Lehngut der deutschen Wortbildung entspricht (Vgl. Eisenberg 2011: 35). Es werden folglich fremdsprachliche Inhalte mit den Mitteln der Nehmersprache nachgebildet (Vgl. Bußmann 2008: 395), wie beispielsweise das deutsche Wort Wolkenkratzer für das englische Wort skyscraper (Vgl. Elsen: 45). In der vorliegenden Arbeit wird das Augenmerk besonders auf das äußere Lehngut gelegt, weswegen die Lehnprägungen des inneren Lehnguts an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden.

2.4.1 Fremdwort

Das Fremdwort bildet zusammen mit dem Lehnwort die größte Gruppe innerhalb des fremdsprachlichen Worteinflusses im Deutschen (Vgl. Yang 1990: 11). Dies ist mit Carstensens Aussage zu unterstützen, dass Wörter aus einer fremden Sprache am meis­ten in unveränderter Form und Bedeutung übernommen (= lexikalisiert) werden (Vgl. Stedje 2007: 28). Dabei ist nicht der vollständige Bedeutungsumfang gemeint, jedoch gelten bei Yang auch die Wörter als Fremd- oder Lehnwort, deren Bedeutung nur teil­weise übertragen wurde (Vgl. Yang 1990: 11). Diese Definition soll auch für die vorlie­gende Arbeit gelten. Ein Fremdwort ist immer ein Wort des Deutschen Wortschatzes (Vgl. Eisenberg 2011: 3), wird jedoch mitsamt seiner fremdsprachlichen/ursprünglichen Form aus der Gebersprache in die Nehmersprache übertragen (Vgl. Nübling 2010: 139) und ist somit ein nicht assimiliertes Lehnwort (Vgl. Bußmann 2008: 396). Dabei wer­den phonologische, graphische und morphologische Merkmale ins Deutsche transferiert (Vgl. Nübling 2010: 139), sodass die Fremdwörter sich schon von ihrem lautlichen und schriftlichen Erscheinungsbild vom Kemwortschatz des Deutschen unterscheiden (Vgl. Eisenberg 2011: 39). Fremde phonologische Merkmale sind zum Beispiel Laute wie der Laut [w] im Wort Software oder auch ganze Lautketten wie [pju:] in Computer (Vgl. Nübling 2010: 139). Innerhalb der morphologischen Merkmale werden beispielsweise Pluralbildungen übernommen, die aber nicht die deutsche Grammatik um ein Pluralzei­chen erweitern: lat. Sg. Tempus - PL Tempora (Vgl. Nübling 2010: 143). Auch fremde orthographische Merkmale setzen sich deutlich von den deutschen Merkmalen ab. Sub­stantivische Entlehnungen werden der Großschreibung der Substantive im Deutschen angepasst, ״auch im Inneren mehrteiliger Fügungen [...], die als Ganze die Funktion eines Substantivs haben“ (bei Eisenberg 2011: 317, zitiert aus Regelwerk 2006: 60). Ein Beispiel für diese Definition sind Corned Beef und High Society (Vgl. Eisenberg 2011: 317). Allerdings werden alle ״nichtsubstantivischen Bestandteile im Inneren aber klein“ geschrieben (Eisenberg 2011: 317): Know-how, Sit-in. (Vgl. Eisenberg 2011: 317). Beim Anglizismus handelt es sich also um ein Wort, das vollständig oder teilweise aus der englischen Sprache stammt, aber durch Angleichung ein Wort des Deutschen ist (Vgl. Eisenberg 2011: 3). Fremdwörter sind, anders als Lehnwörter (siehe Kapitel 2.3.3), also nicht ins Sprachsystem integriert.

2,4,2 Lehnwort

Im Lexikon der Sprachwissenschaft gibt es zwei Definitionen des Lehnworts. Das Lehnwort im engeren Sinne bezeichnet Wörter aus der Gebersprache, die sich in Schriftbild, Lautung und Flexion vollkommen an die Nehmersprache angeglichen ha­ben, wie beispielsweise das lateinische Wort vimm, das zu dem deutschen Wort Wein geworden ist. Im weiteren Sinne wird das Lehnwort als Oberbegriff für Fremdwort und Lehnwort (im engeren Sinne) gesehen (Vgl. Bußmann 2008: 396). In dieser Arbeit wird allerdings die Definition des Lehnworts im engeren Sinne untersucht. Im Gegensatz zum Fremdwort hat sich das Lehnwort phonologisch, morphologisch und orthogra­phisch an die Nehmersprache angepasst (Vgl. Yang 1990: 11). Jedoch müssen nicht alle drei Merkmale bei einem Lehnwort zutreffen. Im Folgenden werden die einzelnen Merkmale näher erläutert. Da in dieser Arbeit der Einfluss der englischen Sprache auf die Schriftsprache anhand eines Nachrichtenmagazins untersucht wird, werden morpho­logische und orthographische Merkmale die ausschlaggebenden Kriterien der Anglizis­men sein. Deshalb werden die phonologischen Merkmale hier nicht präsentiert.

a) Morphologisches Merkmal: Einsilbige englische Verben werden im Deutschen grundsätzlich mit dem deutsche Infinitivmorphem -e(n) angeglichen. Aus to Start wird also starten (Vgl. Yang 1990: 11), aus to deal wird dealen (Vgl. Eisenberg 2011: 242). Zweisilbige Verben erhalten beispielsweise das Morphem -ern: covern (Vgl. Eisenberg 2011: 242-243). Die angeglichenen Verben werden dann dem Deutschen entsprechend flektiert: Ich starte, du startest, er startet, ihr startet etc. (Vgl. Yang 1990: 11). Einfache adjektivische Anglizismen sind nach deutschen Regeln flektierbar, wie Z.B. cool־־> cooles, cooler, coole. Die Pluralbildung substantivischer Anglizismen erfolgt durch die deutschen Pluralendungen: Der Manager - die Manager, der Boss - die Bosse (Vgl. Yang 1990: 11). Die Großschreibung der Substantive wird dabei nicht beachtet, da die bloße Großschreibung ein Kriterium für Fremdwörter ist (Vgl. Yang 1990: 11)

b) Orthographisches Merkmal: Bei Lehnwörtern wird beispielsweise das englische c aus club durch die deutsche phonetische Entsprechung к־־> Klub ersetzt. Des Weiteren werden auch das englische ch und sh ersetzt: engl, check־־> dt. Scheck, engl, shock־־>Schock. Auch das englische SS wird im deutschen mitß ersetzt (Vgl. Yang 1990: 11­12).

2,4,3 Scheinentlehnung

Scheinentlehnungen zählen auch zu der Kategorie äußeres Lehngut. Diese Wörter wir­ken aufgrund ihrer Ausdrucksseite (lautliche Erscheinung) und der Orthographie im Deutschen fremd, existieren aber in der Gebersprache/englischen Sprache nicht. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Wort Handy, das aufgrund seiner Aussprache und des Schriftbildes als fremd empfunden wird. Scheinentlehnungen werden mit den Mitteln einer Fremdsprache, hier dem Englischen, gebildet und täuschen somit ein Fremdwort vor (Vgl. Nübling 2010: 144). In der scheinbaren Gebersprache hat der bezeichnete Ge­genstand eine andere Benennung. Weiterhin gibt es Scheinentlehnungen mit komplexe­ren Strukturen, die ״in Analogie zu fremden Ausdrücken gebildet“ (Nübling 2010: 144) werden: engl, bestseller - nhd. Longseller (Vgl. Carstensen 1981, zitiert nach: Nübling 2010: 144)

2,4,4 Hybridbildung

Die Kombination eines fremdsprachlichen und eines deutschen Morphems wird Misch­bildung bzw. Hybridbildung genannt (Vgl. Dargiewicz 2013: 92). In der Forschung ist es durchaus üblich zwischen den beiden oben genannten Begriffen zu differenzieren (Vgl. Dargiewicz 2013: 93), sie werden aber zu Zwecken dieser Arbeit gleichgesetzt. In erster Linie geht es schließlich darum, zu erkennen, dass ein Wort aus mindestens zwei Morphemen unterschiedlicher Sprachen (hier: aus dem Deutschen und dem Englischen) zusammengesetzt ist. Im Lexikon der Sprachwissenschaft ist folgende Definition zum Terminus Hybride Bildung zu finden: ״[lat. hybrida >Mischling<]. (1) In der Wortbil­dung zusanmiengesetztes oder abgeleitetes Wort (Derivation, Komposition), dessen Einzelelemente aus verschiedenen Sprachen stammen, Z.B. [...] ver + jazzen (dt./engl.)“ (Bußmann: 269). An dieser Stelle wird deutlich, dass das lateinische Wort hybrida Mischling bedeutet und zeigt, dass sowohl Hybridbildung/Hybride Bildung als auch Mischbildung den gleichen semantischen Inhalt aufweisen.

Die in Kapitel 2.3 aufgeführte Kategorisierung Teilsubstitution der Anglizismen lässt sich in zwei weitere Typen unterteilen: Zum einen gibt es Komposita, die nach engli­schem Vorbild gebildet wurden und zum anderen gibt es Komposita ohne englisches Vorbild. Hybridbildungen nach englischem Vorbild kommen seltener vor, als Hybrid­bildung ohne englisches Vorbild (Vgl. Yang 1990: 14). Ein Beispiel dafür ist das deut­sehe Wort Popmusik, das nach dem englischen Vorbild pop music gebildet wurde (Vgl. Fink 1968: 11, nach Yang 1990: 15). Ein Beispiel ohne englisches Vorbild ist die laut Yang bekannteste Hybridbildung dt. Managerkrankheit, das der englischen

Lexemverbindung stress disease gleicht. Yang merkt allerdings an, dass es auch schwierige Fälle gibt, die nicht eindeutig als Hybridbildung ohne englisches Vorbild zu identifizieren sind. Dafür wird das Beispiel Jetflug angeführt, bei dem nicht sicher zu bestimmen ist, ob es sich dabei um eine Teilübersetzung des englischen jeţflight handelt oder ob es als hybride Bildung aus dem Fremd- oder Lehnwort, jet und dt. Flug nach dem einheimischen Vorbild Vogelflug gebildet wurde (Vgl. Meyer 1974: 102 zitiert nach: Vgl. Yang 1990: 15).

2,5 Fremdwortbildung

Die deutsche Sprache besitzt neben der indigenen Wortbildung auch die exogene Wort­bildung, die auch Fremdwortbildung genannt wird (Vgl. Dargiewicz 2013: 97). Im Ge­gensatz zum Englischen werden im Deutschen häufiger Komposita gebildet. Anglizis­men werden im Deutschen allerdings nach deutschen Wortbildungsregeln in Komposita integriert. Es werden eher weniger kurze Wörter mit Anglizismen gebildet, da deutsche Wörter meist mehrsilbig sind. Aufgrund der Kürze von Anglizismen ist es möglich Komposita zu bilden, die mit deutschen Worten zu lang oder zu umständlich wären (Vgl. Yang 1990: 136). Da die Kompositabildung nach deutschen Regeln erfolgt, wer­den diese im nächsten Abschnitt erläutert. Im Wortbildungssystem der deutschen Gegenwartssprache ist die Anzahl der Komposita angestiegen (Vgl. Dargiewicz 2013: 17). Es werden beispielweise Bindestriche und Kurwörter verwendet (Vgl. Dargiewicz 2013: 19). Eine weitere Tendenz ist die Intemationalisierung des deutschen Wortschat­zes, wobei fremdes Wortgut schnell adaptiert wird, was auch eine Auswirkung auf die Wortbildung hat (Vgl. Dargiewicz 2013: 18). Internationalismen werden in dieser Ar­beit keinen eigenen Stellenwert haben. Sie werden zu Zwecken dieser Arbeit als Fremdwort gesehen.

a) Kompositabildung

Die deutsche Sprache hebt sich mit ihrer Tendenz zur Zusammensetzung von anderen Sprachen deutlich ab, wodurch Sachverhalte präzisiert werden können und die Bildung neuer Wörter unerschöpflich ist (Vgl. Dargiewicz 2013: 19). Zum einen gibt es in der deutschen Sprache nominale Komposita, wobei zwei Morpheme zusammengesetzt wer­den, die folglich ein zusammengesetztes Nomen ergeben. Mittlerweile werden auch Eigennamen von beispielsweise Firmen, Betrieben oder Gruppierungen für die Kompositabildung verwendet.

Immer häufiger ist innerhalb von Komposita der Bindestrich zu finden. Meistens wird er benutzt, wenn ein Kompositum aus mehr als zwei Gliedern besteht (Vgl. Dargiewicz 2013: 21), oder um die Relation zwischen den Kompositionsgliedem zu verdeutlichen Vgl. Yang 1990: 147). Die Relation lässt sich im Deutschen durch zwei Haupttypen der Komposition darstellen. Es gibt Kopulativ- und Determinativkomposita. Bei einem Ko­pulativkompositum handelt es sich um ein Wort, das aus zwei Wörtern derselben Wort­art besteht (Vgl. Donaires 2007: 62, Vgl. dazu auch Römer 2006: 130) und dessen ein­zelne Einheiten strukturell die gleiche Position haben, wie beispielsweise süß-sauer. Alle Konstituenten tragen gleichermaßen zur Bedeutung des Kompositums bei (Vgl. Sähe 1/Vogel 2013: 93).

Determinativkomposita unterliegen anderen Bedingungen. Sie bestehen aus zwei Glie- dem, von denen das das Erstglied das Zweitglied semantisch einschränkt bzw. abwan­delt (Vgl. Klos 2011: 13). Bußmann führt das Beispiel Konferenztisch an. Demnach definiert das Erstglied Konferenz das Zweitglied Tisch genauer. Der Tisch wird für Konferenzen genutzt, was seine Funktion beschreibt. Das Zweitglied wird als KopfhQ- zeichnet und bestimmt Wortart, Genus und Flexionsklasse des Kompositums (Vgl. Bußmann 2008: 126). Der Konferenztisch gehört beispielsweise zur Wortart Nomen, trägt das Genus Maskulinum (der Tisch) und steht im Fall Nominativ Singular. In die­sem Beispiel handelt es sich zwar bei beiden Einheiten um Nomen, d.h. beide Einheiten gehören zu derselben Wortart. Diese Bildung ist folglich ein Determinativkompositum mit substantivischem Grundwort (Vgl. Erben 2006: 67). Diese Benennung bleibt auch noch erhalten, wenn das Erstglied einer anderen Wortklasse angehört. Diese Möglich­keit unterscheidet sie unter anderem von Kopulativkomposita. Ein Beispiel für ein Kompositum mit zwei verschiedenen Wortarten ist Großstadt. Das Kompositum ist zusammengesetzt aus dem Adjektiv groß als Erstglied und dem Nomen Stadt als Zweit­glied. Da das Zweitglied den Kopf des Kompositums bildet, gehört das Wort Großstadt zur Wortklasse Nomen. Die Bezeichnungen des Erst- und Zweitglied können auch als Bestimmungswort und Grundwort bezeichnet werden (Vgl. Sahel/Vogel 2013: 94).

Des Weiteren gibt es Detemiinativkomposita mit adjektivischem Grundwort. Auch in dieser Kategorie gibt es Wörter mit zwei adjektivischen Konstituenten, wie Z.B. hell­braun und auch die Partizipialbildung weit-reichend. Auch mit einem Wort aus einer anderen Wortklasse an der Stelle des Detemiinans lässt sich ein adjektivisches Detenni- nativkompositum bilden. Ein solches Phänomen stellt das Wort sorg-los (,Er ist die Sorge los‘) dar. Außerdem gibt es bei der Bildung von adjektivischen Komposita auch ein verbales Detemiinans: geh-fähig (Er ist fähig zu gehen) (Vgl. Erben 2006: 77).

b) Kurzwörter

Fremdwörter können auch zu Kurzwörtern gebildet werden. Zum einen gibt die soge­nannten Blendings oder Kontaminationen, wobei zwei Wörter miteinander zu einem Wort verschmelzen: Smog = Smoke + fog (Vgl. Götzeler 2008: 208-209). Ferner gibt es Initialwörter, die durch Verbindung der Anfangsbuchstaben der einzelnen Morpheme entstehen: TV für Television. Weiterhin gibt es noch Abtrennungswörter wie Logo(tvpe) und (blue) jeans, und Suffigiemngswörter, wie beispielsweise Profi oder Teenie (Vgl. Götzeler 2008:209-210).

c) Derivation

Die Derivation beschreibt den Vorgang der ״Ableitung eines Wortes aus einem ande­ren“ (Hentschel/Vogel 2009: 71). Substantive können mit Hilfe der folgenden Derivati­onsaffixen gebildet werden: -tum ,-er, -ung

Adjektive können mithilfe von Affixen neu gebildet werden: -isch, -lieh

Des Weiteren wird durch folgende Affixe das Bilden von Verben ermöglicht: -ieren, - isieren, -en, ver-, (Vgl. Sahcl/Vogcl 2013: s. 99).

2.6 Forschungsstand

In diesem Kapitel soll ein Überblick über die bisherige Anglizismenforschung gegeben werden. Dafür werden relevante Werke und Autoren vorgestellt, die einen erheblichen Beitrag zum Fortgang der Anglizismen-Forschung beigetragen haben.

Eine für die Forschung wesentliche Arbeit ist die Untersuchung von Fink (1968) über die Amerikanismen im Wortschatz der deutschen Tagespresse. Er untersuchte die Auf­nähme von Amerikanismen in regionalen und überregionalen Tageszeitungen und stellt Unterschiede in den verschiedenen Regionen und auch Sachbereichen fest (Vgl. Pfitz- ner 1978: 9). Nicht nur den amerikanischen, sondern auch den englischen Sprachein­fluss nach 1945 analysiert Broder Carstensen. Er untersucht Anglizismen in Zeitschrif­ten und Zeitungen, besonders den Spiegel, der Jahre 1961 bis 1964.

Pfitzner hat sich auf die stilistischen Funktionen der Anglizismen in der Presse fokus­siert. Seiner Meinung nach liegt die Funktion von Anglizismen in der Pressesprache unter anderem in der sprachlichen Ausdruckskraft. Sie haben nicht nur eine gewisse Bildhaftigkeit, sondern tauchen auch in Wortspielen auf, verstärken oder variieren die Ausdrucksmöglichkeiten (Vgl. Pfitzner 1978: 146-148). Des Weiteren dienen sie sprachökonomischen Zwecken, wie zum Beispiel der Kürze, wobei ein Begriffskom­plex komprimiert wird (Vgl. Pfitzner 1978: 162-163). Aber nicht nur die Kürze, sondern auch die Präzision spielt eine Rolle, was die Klarheit der journalistischen Texte angeht (Vgl. Pfitzner 1978: 174). Weiterhin ist es notwendig Anglizismen zu verwenden, wenn verwandte Bezeichnungen im Deutschen in der Semantik nicht präzise genug sind. Mit dem Anglizismus können feine semantische Unterschiede übermittelt werden (Vgl. Pfitzner 1978: 175).

Eine neuere forschungsrelevante Arbeit stellt die diachrone Untersuchung von Yang (1990) dar. Dabei untersucht er den Spiegel der Jahre 1950, 1960, 1970 und 1980 auf Anglizismen. Die Anglizismen werden wiederum nach Häufigkeit der Jahrgänge, Wort­arten und Kommunikationsbereichen aufgeteilt (Vgl. Yang 1990: VII). Des Weiteren werden die Semantik, stilistische Wirkung, sowie Integration und Wortbildung der Ang­lizismen betrachtet. Während 1950 noch 325 Anglizmen (types[1] ) im untersuchten Mate­rial vorkamen, waren im Jahr 1980 bereits 1988 Anglizismen (types) vorhanden (Vgl. Yang 1990: 26). Besonders häufig finden sich Anglizismen in der Wortart Substantiv. Auch das Vorkommen der Substantive ist innerhalb des untersuchten Zeitraums stetig angestiegen und erreicht 1980 sogar 93,22 % der gesamten Anglizismen (Vgl. Yang 1990: 28). Innerhalb der Kommunikationsbereiche sind Anglizismen am häufigsten im Bereich Werbung und Anzeigen vertreten (Vgl. Yang 1990: 30).

Zu den hier genannten Forschungsbeiträgen Forschungsbeiträgen gibt es noch viele weitere Autoren, die ebenfalls wichtige Erkenntnisse im Bereich der Anglizismenforschung beigetragen haben. Es wurden lediglich die Autoren ausgewählt, die sämtlichen Werken rezitiert werden, somit am häufigsten erschienen und für diese Arbeit relevant sind.

3 Informationen zum Untersuchungsmaterial

In diesem Kapitel soll die Pressesprache dargestellt werden und es soll spezifisch auf die Merkmale des zu untersuchenden Nachrichtenmagazins Der Spiegel und eingegan­gen werden.

3.1 Mediensprache - Pressesprache

Der Begriff Mediensprache betrifft die unterschiedlichen Darstellungsformen der In­formationsverbreitung wie Herstellungs- und Verbreitungsbedingungen. Allerdings un­terscheiden sich die Darstellungsformen schon durch das Medium an sich: Da wären Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet, die jeweils verschiedene Möglichkeiten der Informationsverbreitung haben (Vgl. Elsen 2013: 161). Da der Fokus in dieser Arbeit auf der Printversion des Nachrichtenmagazins Der Spiegel gesetzt ist, werden Informa­tionen über die digitale Presselandschaft ausgelassen.

Alle gedruckten Medien fallen in die Kategorie Presse, wodurch der Ausdruck Presse­spräche zustande kommt. Die Presse kommuniziert öffentlich und erreicht somit viele Rezipientlnnen. Diese Art der Kommunikation ist gekennzeichnet durch zeitlichen und räumlichen Abstand zwischen Produktion und Rezeption. (Vgl. Elsen 2013: 161). Nicht nur die Periodizität, sondern auch die Aktualität und die Bandbreite der Themen sind wichtige Merkmale der Zeitungen. Sie bieten die Möglichkeit die Leserschaft umfang­reich zu informieren, zu bilden und Geschehnisse zu dokumentieren (Vgl. Elsen 2013: 162).

Als besondere Merkmale der Pressesprache gelten Fachsprachen und Fremdwörter, was durch den ständigen Austausch zwischen der Wissenschaft und der Fachsprache, und der Verbreitung von Wissen kommt. Ein besonderes Augenmerk wird in der Forschung auf die englischen Fremdwörter, also Anglizismen, in der Pressesprache gelegt, obwohl es fraglich ist, ob Anglizismen bezeichnend für die Presse sind. Mittlerweile sind Ang­lizismen auch in der Umgangssprache verbreitet und längst nicht mehr nur in Medien wie der Presse oder der Werbung zu finden (Vgl. Lüger 1995: 30-31).

Laut Carstensen gibt es sieben verschiedene Verwendungsgründe von Anglizismen in der deutschen Presse, die er von Galinksy übernommen hat (Vgl. Carstensen 1965: 267). Sie dienen zur Wiedergabe der ״Atmosphäre des fremden Landes“ (Carstensen 1965: 268), zur Präzision - da eine direkte Übersetzung ins Deutsche oft nicht möglich ist - oder auch um Tabus zu umschreiben (z.B. Lobbyismus für Bestechungsversuch). Außerdem habe der Einsatz von Anglizismen - einer der wichtigsten Aspekte - auch sprachökonomische Gründe, da die englischen Wörter meist kürzer als die deutschen gehalten sind (Vgl. Carstensen 1965: 268-269). Darüber hinaus bieten Anglizismen eine größere Bildhaftigkeit, Vermittlung eines bestimmten Tons oder Variation des Stils der Journalisten (Vgl. Carstensen 1965: 269)

3.2 Informationen zum Nachrichtenmagazin Der Spiegel

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel wurde im November 1946 von britischen Presse­Offizieren unter dem Namen Diese Woche in Hannover gegründet. Er folgte dem ameri­kanischen Vorbild Times. 1947 ging der Spiegel in den Besitz der Deutschen über, hat seit 1952 seinen Sitz in Hamburg und erscheint seither wöchentlich unter dem Namen Der Spiegel (Vgl. Yang 1990: 16). Der Spiegel ist zu einer der wichtigsten Wochenzeit­schriften Deutschlands geworden, wird aber auch im Ausland gelesen (Vgl. Yang 1990: 17). Er berichtet über aktuelle Ereignisse der vergangenen Woche, beachtet aber auch die Themen, die unterschwellig ebenfalls aktuell sind, was ihn von seinem amerikani- sehen Vorbild Times unterscheidet (Vgl. Jacobi/Engel: 1962: 2-3, zitiert nach: Vgl. Yang 1990: 18). Der Spiegel beschäftigt sich unter anderem mit folgenden Bereichen: aktuelle Geschehnisse in Deutschland und im Ausland, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Film, Sport, Wissenschaft und Technik (Vgl. Der Spiegel Nr. 12/1947).

Carstensen merkt auch an, dass der ״übermäßige [r] Gebrauch einzelner Fremdwörter keineswegs charakteristisch für die Spiegel-Sprache“ (Just 1967: 148) sei, jedoch fremdsprachliche Wendungen, besonders Anglizismen, einen hohen Anteil ausmachen.

Die Übernahme fremdsprachlichen Wortguts im Spiegel ähnelt dem Fremdwort­Gebrauch des amerikanischen Vorbilds Times, wobei dieses sich mehrerer Sprachen bedient (Vgl. Just 1967: 148). In der Forschung wird der Begriff ״Spiegel-Sprache“ verwendet, da sich im Verlauf seiner Entwicklung ein eigener journalistischer Schreib­Stil entfaltet hat (Vgl. Yang 1990: 18). Just sagt dem Spiegel Charakteristika wie Präzi­sion, Knappheit und gleichzeitig Umschreibungen nach, die darauf ausgerichtet sind zu infomiieren, aber den Leser auch faszinieren und politisch beeinflussen sollen (Vgl. Just 1967: 159). Laut Just sind die Fremdwörter eher weniger bewusst gesetzt, gegen die zu der Zeit seiner Forschungen die Redaktion angeht (Vgl. Just 1967: 148). In Bezug auf Galinskys Verwendungsgründe der Anglizismen in der Presse kommt Just zu dem Schluss, dass Carstensens Untersuchungen zeigen, dass der Spiegel Anglizismen be­wusst einsetzt um vor allen Dingen auf eine bestimmte Weise zu wirken (Vgl. Just 1967: 149).

Im Spiegel häufen sich vor allem Komposita, die längere Konstruktionen wie beispiels­weise Relativsätze ersetzen. Unter diese fallen auch Wortneuschöpfungen (Neologis­men). Kompositionen aus attributiven Adjektiven und Personennamen verknüpfen die genannte Person mit aktuellen Zusammenhängen (Vgl. Just 1967: 151). Zu Zeiten von Justs Untersuchungen, habe der Spiegel seinen Höhepunkt an Kompositionsfreudigkeit erreicht. Dies wurde wohl ebenfalls nach anglo-amerikanischem Vorbild erreicht (Vgl. Just 1967: 151): Die Kompositionen sollen lange Ausdrücke ersetzen und somit die Sät­ze übersichtlicher gestalten, wobei sie auch zu Missverständnissen führen können (Vgl. Just 1967: 152).

4 Methodenteil

4.1 Fragestellungen

Das methodische Vorgehen dieser Analyse sowie einige Untersuchungsaspekte gesche­hen in Anlehnung an Yangs Forschung, dabei werden spezifisch die jeweiligen Ausga­ben des Spiegel der Jahre 1947 und 1991 untersucht. Da 1947 die ersten Ausgaben des Spiegel erschienen sind, eignen sie sich, um die anfänglichen Verwendungen von Ang­lizismen zu untersuchen. 1991 sollen die fremdsprachlichen Erscheinungen kurz nach der Wiedervereinigung zeigen. Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit können nicht alle Untersuchungsaspekte von Yang übernommen werden. Hauptsächlich wird sich auf die Häufigkeit, Entlehnungsarten, Wortarten, Kommunikationsbereiche und die Integration der Anglizismen konzentriert. Weiterhin ist zu überprüfen, ob sich die Häu­figkeit innerhalb der bestimmten Kommunikationsbereiche verändert hat. In der Kate­gorie Entlehnungsarten wird auch die Wortbildung bzw. Fremdwortbildung der Angli­zismen untersucht. Sie wurde für diese Untersuchung gewählt, weil die deutsche Wort­bildung durch die Kompositabildung und die Derivation als sehr produktiv gilt (Vgl. Sahcl/Vogcl 2013: 92, 98). Eine weitere interessante Entlehnungsart ist die Hybridbil­dung. Bereits im Jahr 1980 sind in Yangs Untersuchungen 1293 Hybridbildungen ge­funden worden, im Jahre 1950 hingegen nur 181 (Vgl. Yang 1990: 139). Mit dieser ho­hen Anzahl stellen die Hybridbildungen die größte Gruppe der Komposita dar (Vgl. Yang 1990: 138). Mit einem Blick auf die Entwicklung der Hybridbildungen ist auch hier ein Anstieg im zu untersuchenden Zeitraum zu erwarten.

Es lassen sich demnach konkret folgende Fragestellungen formulieren:

- Hat sich die Anzahl der Anglizismen im Jahr 1991 im Vergleich zur Anglizismenanzahl 1947 erhöht?
- Gibt es Anglizismen, die sowohl 1947 als auch 1991 in besonders hoher Anzahl vertreten sind?
- In welchen Kommunikationsbereichen sind die meisten Anglizismen zu finden und hat sich der am stärksten geprägte Bereich innerhalb des untersuchten Zeit­raums 1947 und 1991 geändert?
- Welche Wortarten treten am häufigsten auf und wie stark sowie in welcher Forni sind sie jeweils in die deutsche Sprache integriert?
- Welche Entlehnungsarten sind unter den Anglizismen am häufigsten zu finden? Gibt es besondere Auffälligkeiten, was die Wortbildung anbelangt?
- Welche Entwicklungstendenzen sind festzustellen?

[...]


[1] Für die unterschiedlichen Anglizismentypen wird der Begriff types verwendet (Vgl. Yang 1990: 26). Mehr Informationen folgen dazu im empirischen Teil.

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Der Gebrauch von Anglizismen im Spiegel Magazin
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
69
Katalognummer
V434333
ISBN (eBook)
9783668800205
ISBN (Buch)
9783668800212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anglizismen, Der Spiegel, Nachrichtenmagazin, Linguistik, Sprachwissenschaft, Sprachgeschichte, Sprachwandel
Arbeit zitieren
Katharina Paegert (Autor), 2017, Der Gebrauch von Anglizismen im Spiegel Magazin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434333

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