Die Fähigkeit des Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit

Insbesondere im Bezug zu Jesu Christi´ Selbstaussage "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"


Facharbeit (Schule), 2017
18 Seiten, Note: 1,0 (sehr gut +)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Verschiedene Theorien zur Wahrheit
1.1 Linguistische Wahrheit bei Habermas
1.2 Wahrheit in der Korrespondenztheorie
1.3 Wahrheit in der katholischen Kirche

2 Erkenntnis
2.1 Arten von Erkenntnis und ihre Entstehung
2.1.1 Erkenntnis durch Sinneswahrnehmung
2.1.2 Naturwissenschaftliche Erkenntnis bei Popper
2.1.3 Tradition und Überlieferung als Quelle der Erkenntnis
2.1.4 Mystik
2.2 Das Erkennen der Wahrheit in Christus

3 Jesus Christus als Wahrheit
3.1 Jesus Christus als wahrer Mensch und wahrer Gott
3.1.1 Biblische Quellen für die zwei Naturen in Christus
3.1.2 Gründe für die zwei Naturen in Christus durch logische Konsequenz
3.2 Jesus ist Gott ist die Wahrheit

Schluss

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Gesichertes Wissen ist laut einigen Philosophen unmöglich.[1] Sir Karl Popper ist einer dieser Philosophen und vertritt die These in einem Vortrag, den er am 8. Juni 1979 an der Universität Frankfurt am Main anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde hielt. Popper zufolge hat bereits Sokrates erkannt und zugegeben: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“[2] Auch Goethe schien die Unmöglichkeit des Wissens bewusst zu sein, als er im Faust schrieb: „Und sehe, dass wir nichts wissen können! / Das will mir schier das Herz verbrennen.“[3] Dieser Ausspruch, den auch Popper für sich beansprucht, zeigt, wie klar sich Goethe darüber ist, dass gesichertes Wissen unmöglich ist. Doch was ist dieses Wissen? Es ist „erstens die Wahrheit dessen, was man zu wissen behauptet; zweitens, dessen Gewissheit; und drittens, das Vorliegen von zureichenden Gründen“[4]. Dieses Wissen ist sehr erstrebenswert, vor allem im Hinblick auf das, was wir oft ganz allgemein die Wahrheit nennen. Wenn wir nicht wissen was die Wahrheit ist, können wir auch keine wahren Aussagen treffen. Laut Popper ist jeder Mensch Philosoph[5], das heißt auch, jeder Mensch ist ein (Geistes)Wissenschaftler. Diesem Gedanken folgend sucht jeder Mensch nach der Wahrheit.

Popper erkannte auch, dass jedes Lebewesen nach der Verbesserung seiner Lebensform strebt.[6] Die Besonderheit beim Menschen liege darin, dass der Mensch sich bewusstwerde, dass er die Wahrheit braucht, um eine Verbesserung der Lebensumstände herbeizuführen. Tiere sind von ihren Trieben gesteuert. Selbst wenn auch der Mensch das nur allzu oft ist, so hat er doch die Möglichkeit sich zu entscheiden. Er kann sich für oder sogar gegen die Wahrheit entscheiden, indem er sie leugnet oder zumindest relativiert. Aber wer erkannt hat, dass die Wahrheit, wie sie auch immer aussehen mag, relevant ist für Entscheidungen, die das Leben von sich selbst und von anderen elementar beeinflussen, wird auch klar: Es braucht Kriterien anhand derer man Situationen beurteilen kann. Diese Notwendigkeit lässt sich bereits im Alltagsleben beobachten: Menschen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind, wollen Zusammenhänge genau verstehen, geben sich nicht mit Halbwahrheiten zufrieden, sondern wollen mehr herausfinden, wollen auf die Wahrheit stoßen.

Die Wahrheitsdiskussion treibt nicht mehr nur Philosophen um. Auch Zivilgesellschaft und Medien haben erkannt, dass die Wahrheit einen großen Wert hat. In Zeiten von Fake-News[7], staatlichen Desinformationskampagnen[8] und Alternativen Fakten[9], ist sie wichtiger denn je. Der Mensch braucht die Wahrheit unbedingt, auch für die großen Fragen des Lebens: Was ist der Sinn des Lebens? Was passiert nach dem Tod? Wonach sollen wir uns richten? Alles Fragen für die die Wahrheit nicht unerheblich ist.

Wahrheitssuche kann auch bedeuten, dass die Wahrheit nicht für alle ganz eindeutig ist. Und genau das löste bei mir eine Verunsicherung aus. Das, was ich für sicher in meinem Leben befunden habe, woran ich mich orientiert hatte, war gar nicht so sicher wie ich immer dachte. Aus dieser Konsequenz begann auch ich ähnlich wie Faust zu überlegen, welche Wahrheit „Die Welt im Innersten zusammenhält“[10], und für mich war die Antwort relativ klar: Gott! Gott ist es doch, der im Gegensatz zu uns Menschen alles weiß und kann[11]. Dies dachte ich und wollte Popper und Faust gleichermaßen die Antwort geben. So muss auch die heilige Edith Stein gedacht haben, als sie sagte: „Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott. Ob es ihm klar ist oder nicht.“[12] Vor allem im Hinblick auf die Wahrheit fiel mir die Stelle im Johannesevangelium ein, in dem Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“[13] Hier war die Antwort in Schriftform. Gleichzeitig war mir bewusst, dass diese Antwort nicht für jeden gleich nachvollziehbar ist. Wie kann der komplexe Erkenntnisprozess durch und in Jesus ablaufen? Speziell unter dem Gesichtspunkt, welche Wahrheit Jesus damit überhaupt meinte. Dadurch kam in mir die Frage auf, wie es denn möglich sei, die Wahrheit in Jesus zu erkennen.

Zu diesem Zweck werde ich zunächst Wahrheitstheorien nachgehen, welche bei der Frage nach der Wahrheit in Jesus hilfreich sein können.

1 Verschiedene Theorien zur Wahrheit

Das deutsche Wort ‚Wahrheit’ ist ein Abstraktum aus dem indogermanischen Wort bzw. Wurzelnomen *wēr- für `Vertrauen, Treue, Zustimmung`[14].

1.1 Linguistische Wahrheit bei Habermas

Es muss, wie auch die Herkunft des Wortes zeigt, bei der Wahrheit differenziert werden. Ich möchte erst einmal die linguistische Wahrheit und die universale Wahrheit voneinander begrifflich abgrenzen, was nicht heißen soll, dass sie keine Schnittmengen haben. Mit linguistischer Wahrheit meine ich die Art von Wahrheit, die eine Behauptung in einer Aussage wahr oder falsch sein lässt. Für Habermas ist Wahrheit vor allem ein Geltungsanspruch, der in einer Behauptung erhoben wird. Diese Behauptungen sind allerdings weder wahr noch falsch, sondern berechtigt oder unberechtigt. Die Berechtigung von diesem Wahrheitsanspruch ist nicht absolut, sondern gilt nur „wenn und soweit er aufrechterhalten werden kann“[15]. Um die linguistische Wahrheit näher zu erläutern, werde ich mich Habermas´ Worte bedienen: Linguistische „Wahrheit meint das Versprechen, einen vernünftigen [sprachlichen] Konsens zu erzielen“[16]. Diese von Habermas formulierte Konsenstheorie[17] meint, dass jemand „nur dann einem Gegenstand ein Prädikat zusprechen [darf], wenn auch jeder andere [...] demselben Gegenstand das gleiche Prädikat zusprechen würde“[18]. Die linguistische Wahrheit ist essenziell für die Kommunikation und damit für das Zusammenleben von Menschen.

1.2 Wahrheit in der Korrespondenztheorie

Ein weitaus älterer philosophischer Ansatz ist die Korrespondenztheorie. Diese schon in der Antike von Aristoteles formulierte Theorie besagt, dass Wahrheit die Übereinstimmung von gedanklicher Wahrheit und Wirklichkeit ist. Als bedeutender Vertreter ist Thomas von Aquin bekannt, dessen Korrespondenztheorie auf einer Dreifaltigkeit der Wahrheit beruht:

- Die ontologische Wahrheit der Übereinstimmung von gedanklicher Wahrheit (Wissen) und Wirklichkeit (Sein)
- Die logische Wahrheit vom erkennenden Subjekt her, dessen Wissen mit dem Seienden übereinstimmt
- Die ontische Wahrheit, vom erkannten Objekt her, dessen Sein mit dem Wissen des erkennenden Subjekts übereinstimmt[19]

1.3 Wahrheit in der katholischen Kirche

Die katholische Kirche beruft sich in der Frage nach der Wahrheit auf Jesus Christus´ Selbstaussage „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“[20]. Davon ausgehend predigte Papst Benedikt XVI. am 2. September 2012 in Castel Gandolfo:

„Niemand kann die Wahrheit haben, die Wahrheit hat uns, sie ist etwas Lebendiges! Wir sind nicht ihre Besitzer, sondern wir sind von ihr ergriffen; nur wenn wir uns von ihr führen und treiben lassen, bleiben wir in ihr; nur wenn wir mit ihr und in ihr Pilger der Wahrheit sind, dann ist sie in uns und durch uns da.“ [21]

Die Gefahr ist groß, sich als Besitzer der Wahrheit zu fühlen, insbesondere für die Kirche, die sich zwar zurecht als Hüter der Wahrheit sieht, aber nicht ihr Besitzer ist. Es ist allerdings Aufgabe der Kirche und die ihrer Gläubigen, die Wahrheit zu suchen und nach ihr zu leben. Papst Franziskus schrieb hierzu: „Für Christen ist die Wahrheit die Liebe Gottes zu uns in Jesus Christus, also eine Beziehung.“[22] Diese Beziehung sieht bei jedem Menschen unterschiedlich aus. Der vielzitierte Satz des damaligen Kardinals Josef Ratzinger „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt“[23], betont die notwendige persönliche Erfahrung mit Jesus. Ähnlich formuliert es auch Papst Franziskus in einem Zeitungsartikel in der italienischen Zeitung La Repubblica: „[J]eder von uns geht von sich selbst aus, wenn er die Wahrheit aufnimmt und ausdrückt: von seiner Geschichte, Kultur, seiner Lage usw. Das heißt nicht, dass Wahrheit subjektiv oder veränderlich wäre, im Gegenteil. Aber sie gibt sich uns immer nur als Weg und als Leben.“[24] Papst Franziskus betont hier die dreifaltige Beschreibung seiner selbst, die Jesus im Johannesevangelium gibt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“[25]. Die Wahrheit, die in Jesus ist, ist nur durch ihn, seinen Weg zu erreichen. Und dieser Weg ist für die Kirche und ihre Gläubigen Jesus´ eigenes Leben.

[...]


[1] vgl. Popper, Karl: Auf der Suche nach einer besseren Welt, S. 40

[2] Popper, Karl: Auf der Suche nach einer besseren Welt, S. 42

[3] Goethe, Johann Wolfgang: Faust I, S. 24

[4] Popper, Karl: Auf der Suche nach einer besseren Welt, S. 42

[5] vgl.: Heide Bohnet, Klaus Stadler (Hrsg.): Karl R. Popper: Alle Menschen sind Philosophen, Piper: München 2002

[6] vgl. Popper, Karl: Auf der Suche nach einer besseren Welt, S. VII

[7] vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Fake_News, abgerufen am 5.11.2017

[8] vgl. z. B. den russischen Nachrichtensender Sputnik

[9] vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_Fakten, abgerufen am 5.11.2017

[10] Goethe, Johann Wolfgang: Faust I, S. 25

[11] vgl. Ecclesia Catholica: Katechismus der Katholischen Kirche, S. 102

[12] https://de.wikiquote.org/wiki/Edith_Stein, abgerufen am 5.11.2017

[13] Joh 14,6; Die Bibel. Einheitsübersetzung

[14] vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit#Wortherkunft, abgerufen am 5.11.2017

[15] Jürgen Habermas: Wahrheitstheorien, S. 216

[16] Jürgen Habermas: Wahrheitstheorien, S. 218

[17] vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit#Konsenstheorie_der_Wahrheit_.28Habermas.29, abgerufen am 5.11.2017

[18] Jürgen Habermas: Wahrheitstheorien, S. 219

[19] vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit#Thomas_von_Aquin, abgerufen am 5.11.2017

[20] Joh 14,6; Die Bibel. Einheitsübersetzung

[21] http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/homilies/2012/documents/hf_ben-xvi_hom_20120902_ratzinger-schuelerkreis.html, abgerufen am 5.11.2017

[22] Papst Franziskus, Papst Franziskus schreibt an "la Repubblica"/"Offener Dialog mit den Nicht-gläubigen", 12.9.2013

[23] Interview von Peter Seewald mit Kardinal Ratzinger im Jahre 1996

[24] Papst Franziskus, Papst Franziskus schreibt an "la Repubblica"/"Offener Dialog mit den Nicht-gläubigen", 12.9.2013

[25] Joh 14,6; Die Bibel. Einheitsübersetzung

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Fähigkeit des Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit
Untertitel
Insbesondere im Bezug zu Jesu Christi´ Selbstaussage "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"
Note
1,0 (sehr gut +)
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V434376
ISBN (eBook)
9783668757905
ISBN (Buch)
9783668757912
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dreifaltigkeit Johannesevangelium Jesus Wahrheit Erkenntnis Mensch Popper Habermas Leben Christus zwei-Naturen-Lehre
Arbeit zitieren
Ludwig Graf von Brühl (Autor), 2017, Die Fähigkeit des Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434376

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