Zusammenfassende Darstellung der wichtigsten Thesen, Argumente und Probleme der Ideologietheorie von Marx und Engels und ihrer Weiterentwicklung durch Lenin


Hausarbeit, 1978
15 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zu den Folgen der Arbeitsteilung

3. Zur Basis-Überbaulehre

4. Die soziale Ideologiefunktion nach Sorg

5. Warenproduktion und bürgerliches Bewusstsein

6. Die Weiterentwicklung des Ideologiebegriffs durch
Lenin und der Charakter des sozialistischen
Bewusstseins

7. Schlussteil

8. Literaturliste

1. Einleitung

Richard Sorg fasst im ersten Teil seines Buches die Grundstrukturen der marxistisch-leninistischen Ideologietheorie zusammen. Der Autor unterscheidet zwischen begrenztem Ideologiebegriff und weiter gefasster Ideologietheorie. Der von Marx und Engels erstmals in dem Manuskript „Deutsche Ideologie“ gebrauchte Terminus bezog sich auf die Vorstellung der Junghegelianer und ihres Lehrers, dass reale Dinge und historische Prozesse lediglich Abkömmlinge schon vorher existierender Ideen darstellen. Der Begriff Ideologie bedeutete bei Marx „bürgerliches“, „metaphysisches“, „verkehrtes“ und „apologetisches“ Bewusstsein.1 Die Methode der Idealisten, historische Prozesse zu erklären, bezeichnete Marx schlicht als „unwissenschaftlich“.

Eine Möglichkeit, die Kritik von Marx und Engels an den Überbauerscheinungen ihrer Zeit sowie die Fragen „nach den objektiven gesellschaftlichen Bedingungen für die Entstehung, Wirkung und Beseitigung jener Auffassungen“ kennenzulernen, besteht darin, einige Thesen, Argumente und Probleme, mit denen sich Marx und Engels auseinandersetzten, zu lesen.2

Sorg selektiert einige Aspekte aus den Arbeiten von Marx, Engels und Lenin und versucht, sie kurz vorzustellen. Darüber hinaus legt Sorg in Anknüpfung an neuere Arbeiten Beschreibungen des Terminus Ideologie vor, die zwar nicht direkt Marxscher Feder zuzuschreiben sind, aber auf materialistischem Ansatz fußen. Eine These bei Sorg heißt: „Ideologie ist Klassenbewusstsein.“

2. Zu den Folgen der Arbeitsteilung

Im Sitzungsprotokoll vom 11.5.1978 hielten wir fest, nachdem wir uns mit einem Abschnitt aus der „Deutschen Ideologie“ beschäftigt hatten, dass Marx empirisch arbeitete mit dem Ziel, Zugang zur Wirklichkeit zu erhalten. Im Gegensatz zu den Hegelianern akzeptierte Marx in dieser Frühschrift als einzige Wissenschaft nur die der Geschichte. Unter empirischer Arbeit verstanden wir das Feststellen von Tatsachen mittels sinnlicher Wahrnehmung.

Marx ging nicht vom Menschen als Geistwesen aus, das einseitig-geistig bei der Bearbeitung der Natur sich selbst bewusst werde, sondern vom konkreten Menschen, der mit allen seinen Sinnen ein bewusstes Verhältnis eingeht zu seiner näheren Umgebung, seiner Arbeit etc.

Das historische Faktum der Arbeitsteilung, das auf einer bestimmten Stufe anwachsender gesellschaftlicher Produktivität entstand, hatte aus marxistischer Sicht eine Anzahl negativer Folgen hinsichtlich des Verhältnisses der Menschen zu ihrer Arbeit, hinsichtlich der Verhältnisse der Menschen untereinander, hinsichtlich der Verhältnisse der Menschen zur Verwaltung.

Eine Folge der Arbeitsteilung war die Trennung in Kopf- und Handarbeiter. Das entfremdete Verhältnis der Kopfarbeit zur realen Handarbeit führte zur Entstehung einer reinen Theorie, zu einem Bewusstsein, das von der Praxis abgehoben war. Das Denken der Kopfarbeiter auf den Gebieten der Moral, Theologie und Philosophie bezeichnete Marx als „ideologisch“.

Das Ergebnis der Arbeitsteilung zur Zeit wachsender gesellschaftlicher Produktivität und steigendem Mehrprodukts war die Trennung in Kopf- und Handarbeit, ermöglichte aber auch nach historischen Zwischenstufen die Entstehung von Privateigentum an den Produktionsmitteln einerseits und das Aufkommen von Lohnarbeitern andererseits. Kennzeichnend für die Teilung der Arbeit und der Produkte ist nach Sorg „[...] die Aufteilung der Tätigkeiten wie der Produkte an verschiedene soziale Gruppen [...]“3

Das Verhältnis aller Menschen zur Arbeit war nach Marx infolge der Arbeitsteilung nicht mehr gleich und allseitig, sondern verschieden und einseitig.

Die Gesellschaft, gespalten in Klassen und beherrscht von der Klasse, die über die materielle und geistige Produktion verfügte, fand nach Sorg in dem Staat den Vertreter eines fiktiven Allgemeininteresses wieder.4 Die Voraussetzung, dem marxistisch-humanistischen Ideal des Menschenbildes näher zu kommen, d.h. dem arbeitenden Menschen die Möglichkeit der allseitigen Entfaltung der Fähigkeiten und Bedürfnisse zukommen zu lassen, besteht nach Marx u.a. in der Aufhebung der naturwüchsigen Arbeitsteilung (evtl. Ersatz durch eine „freiwillige“ Teilung der Arbeit in der kommunistischen Gesellschaft) sowie in der Aufhebung des Privateigentums.5

3. Zur Basis-Überbaulehre

Marx beschrieb in der „Deutschen Ideologie“ die materialistische Auffassung, die davon ausgeht, dass das gesellschaftliche Bewusstsein auf den ökonomischen Bedingungen der Gesellschaft basiert. Im Vorwort der Schrift „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“ aus dem Jahre 1859 konkretisierte er diese Auffassung, indem er die Termini „Basis“ und „Überbau“ einführte. Nach Sorg lieferten die Gedanken im Vorwort dieser Schrift den Leitfaden, die theoretisch-methodische Grundlage für die weiteren historischen und ökonomischen Arbeiten von Marx.6

Darzustellen ist der Hintergrund des Marschen Satzes: '[...] Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. [...]'7

Nach Marx entwickeln die Menschen bei der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens Verhältnisse zu ihren Mitmenschen und zur Natur. Wirtschaftliches Bindeglied der Mensch-Natur Verhältnisse sind die Produktivkräfte (Werkzeuge, Maschinen, Rohstoffe; Mensch als Arbeitskraft mit seinen Kenntnissen). Abhängig z.B. vom Stand der Produktivkräfte gehen die Menschen untereinander bestimmte Produktionsverhältnisse ein. Nach Marx erkennt man das Typische einer Gesellschaft dadurch, dass man ihre wirtschaftliche Struktur, ihre Produktionsverhältnisse, ihre Basis beschreibt und erklärt.

Aufmerksamkeit schenkte Marx den Eigentumsverhältnissen einer Gesellschaft insofern, als sie großen Einfluss auf die Beziehungen der Menschen untereinander bei der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens haben. Nach Sorg üben die Eigentumsverhältnisse indirekt Herrschaft über die Menschen aus, indem sie über Austausch und Verteilung von Gütern und Tätigkeiten und den Ver- und Gebrauch von Waren bestimmen.

Nach Marx war die Folge des Zerfalls der durch die industrielle Entwicklung revolutionierten Gesellschaft in Produktionsmitteleigentümer und Lohnarbeiter, in verschiedene gesellschaftliche Klassen, die unterschiedliche Artikulation ihrer ökonomischen Interessen, ihrer Klasseninteressen.

Die Gesamtheit an Interessen, gesellschaftlichen Bewusstseinsformen, Institutionen und Organisationen nennt Marx den Überbau. Dieser spiegelt die ökonomischen Verhältnisse einer Gesellschaft wider, wobei nach Marx die ökonomisch herrschende Klasse besonderen Einfluss auf die Überbauformen gewinnt. Am augenfälligsten war nach Marx der Einfluss der ökonomisch herrschenden Klasse auf den Gebieten der Politik und des Rechts. Nach Sorg unterschied Engels zwischen institutionellem und ideellem Überbau. Beide Überbauformen, die sich z.B. in der real existierenden, gesellschaftlichen Institution und in der im Kopf oder auf dem Papier gebildeten Staatstheorie darstellen, teilen dieselbe Funktion, wenn sie apologetisch und die Herrschaft absichernd der ökonomisch herrschenden Klasse dienen.8

[...]


1 Vgl. Seminarprotokoll vom 22.6.1978, S. 2.

2 Sorg, Richard: Ideologietheorien. Zum Verhältnis von gesellschaftlichem Bewusstsein und sozialer Realität. Köln 1976, S. 18.

3 Vgl. Sorg, S. 19.

4 Vgl. ebd., S. 20.

5 Marx, Karl: Deutsche Ideologie, in: Die Frühschriften. Hrsg. v. Siegfried Landshut. Stuttgart 1953, S. 361ff.

6 Vgl. Sorg, S. 20f.

7 Zitiert nach Sorg, S. 21.

8 Vgl. Sorg, S. 24.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zusammenfassende Darstellung der wichtigsten Thesen, Argumente und Probleme der Ideologietheorie von Marx und Engels und ihrer Weiterentwicklung durch Lenin
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Grundprobleme der marxistischen Geschichtstheorie (Grundseminar III)
Note
3
Autor
Jahr
1978
Seiten
15
Katalognummer
V434381
ISBN (eBook)
9783668757035
ISBN (Buch)
9783668757042
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
materialistischer Ansatz, Basis-Überbaulehre, Arbeitswerttheorie, neomarxistische Interpretation des Ideologiebegriffs, Ideologiebegriff nach Lenin
Arbeit zitieren
Dr. phil. Volker Beckmann (Autor), 1978, Zusammenfassende Darstellung der wichtigsten Thesen, Argumente und Probleme der Ideologietheorie von Marx und Engels und ihrer Weiterentwicklung durch Lenin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434381

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