Eine Untersuchung des Deutschen Reiseverbundes (DRV) im Jahre 2007, welche verschiedene Linien- und Billigflieger untersuchte, fand heraus, dass sich Flugpreise sehr stark unterscheiden. Bis zu 4000 Euro Unterschied konnte ein und derselbe Flug kosten. Der Deutsche Reiseverbund äußerte sich wie folgt: „Die Preisdifferenzierung erscheint willkürlich, denn es ist kein Zusammenhang der Preisunterscheidung mit Strecken und Vorausbuchungsfristen zu erkennen“.
Wie man an der Untersuchung feststellen kann, taucht das Thema Preisdifferenzierung in unserem Alltag immer wieder auf, ohne dass wir dieser großartig Beachtung schenken. Wir wissen, dass Vergünstigungen in bestimmten Bereichen vorhanden sind, oder, dass es unterschiedliche Preise für vermeintlich homogene Güter gibt.
Diese Arbeit befasst sich mit der Theorie der Preisdifferenzierung beziehungsweise Preisdiskriminierung unter monopolistischem Aspekt. Die Thematik fungiert als ein Teil der fünf Instrumente der preispolitischen Strategien der allgemeinen Preistheorie. Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Einblick in die Preisdifferenzierung zu erhalten.
Zunächst wird der Begriff „Preisdifferenzierung“ grob erklärt. Im nächsten Kapitel werden die Arten sowie im darauffolgendem Kapitel die Erscheinungsformen der Preisdifferenzierung mit kleinen Beispielen vorgestellt. Danach werden die unterschiedlichen Marktbedingungen wie auch die Ziele der Preisdifferenzierung erläutert. Im letzten Kapitel werden im Fazit die wichtigsten Punkte zu diesem Thema nochmal zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Preisdifferenzierung
3. Die Arten der Preisdifferenzierung
3.1 Preisdifferenzierung ersten Grades nach Arthur Cecil Pigou (1877 – 1959)
3.2 Preisdifferenzierung zweiten Grades nach Arthur Cecil Pigou (1877 – 1959)
3.3 Preisdifferenzierung dritten Grades nach Arthur Cecil Pigou (1877 – 1959)
4. Die Erscheinungsformen der Preisdifferenzierung
4.1 Personelle/personenbezogene Preisdifferenzierung
4.2 Zeitliche/leistungspolitische Preisdifferenzierung
4.3 Räumliche Preisdifferenzierung
4.4 Sachliche Preisdifferenzierung
4.5 Quantitative Preisdifferenzierung
4.6 Qualitative Preisdifferenzierung
4.7 Mengenmäßige/mengenbezogene Preisdifferenzierung
4.8 Leistungsbezogene Preisdifferenzierung
5. Marktbedingungen/Voraussetzungen und Ziele
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die ökonomische Theorie der Preisdifferenzierung unter monopolistischem Aspekt systematisch darzulegen und einen Einblick in deren praktische Anwendung sowie die erforderlichen Rahmenbedingungen zu geben.
- Grundlegende Definition und Begrifflichkeiten der Preisdifferenzierung
- Differenzierung der Arten nach Arthur Cecil Pigou (erster bis dritter Grad)
- Analyse verschiedener Erscheinungsformen wie zeitliche, räumliche und mengenbezogene Ansätze
- Untersuchung der notwendigen Marktbedingungen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Preisstrategie
- Erläuterung der Zielsetzung zur Konsumentenrentenabschöpfung und Gewinnmaximierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Preisdifferenzierung ersten Grades nach Arthur Cecil Pigou (1877 – 1959)
Bei der Preisdifferenzierung ersten Grades wird die Ware dem Kunden zu einem Reservationspreis angeboten, das heißt, derjenige Preis, für den der Kunde bereit ist am meisten zu zahlen. Dieser Grad der Preisdifferenzierung wird auch vollständige oder perfekte Preisdiskriminierung genannt (Wied-Nebbeling 2009, Seite 42).
Die Preisdifferenzierung ersten Grades kann nur in einem unvollkommenen Wettbewerbsmarkt geschehen, da laut Pindyck und Rubinfeld „[…] eine vollkommene Preisdiskriminierung ersten Grades [in der Praxis] fast nie möglich [ist][…]“ (Pindyck & Rubinfeld 2009, Seite 512), da man jeden einzelnen Kunden unterschiedliche Preise berechnen muss. Zudem ist es nicht möglich den Reservationspreis jedes Kunden zu kennen (Pindyck & Rubinfeld 2009, Seite 512).
„[…] [Ein unvollkommene Wettbewerb] liegt vor, wenn einzelne Anbieter über einen gewissen Spielraum bei der Preisgestaltung ihrer Produkte verfügen […]“ (Natrop 2006, Seite 222). Der Extremfall im unvollständigen Wettbewerb stellt das Monopol dar, welches wörtlich übersetzt „Alleinanbieter eines Gutes“ (Natrop 2006, Seite 222) bedeutet. Eine sogenannte Unterkategorie ist der monopolistische Wettbewerb. In diesem Fall produzieren eine große Anzahl von Anbieter heterogene Güter. Durch die unterschiedlichen Präferenzen und Produkte beeinflussen die Unternehmen in kleinen Maßen die Preisbildung.
Nun stellt sich die Frage, zu welchen Preis das Unternehmen produzieren will beziehungsweise welcher der optimale Preis (Cournot´sche Punkt) ist. Das kurzfristige Gewinnmaximum ist dann erreicht, wenn der Grenzerlös (Marginal Revenue (MR)) gleich den Grenzkosten (Marginal Cost (MC)) ist.
Die Preis-Absatz-Funktion lautet p = f(x) und die Erlösfunktion E= x*p. Ersteres wird in die Erlösfunktion eigesetzt: E= x* f(x). Somit entspricht der Durchschnittserlös der Preis-Absatz-Funktion: E/x = f(x).
Nach Wied-Nebbeling „[…] besteht nun der Erlös aus der gesamten Fläche unter der Nachfragekurve, denn es wird ja jede Mengeneinheit zu dem zugehörigen auf der Nachfragekurve abzulesenden Preis verkauft […]“ (Wied-Nebbeling 2009, Seite 42).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Preisdifferenzierung ein, verdeutlicht die Relevanz des Themas anhand von Preisunterschieden in der Reisebranche und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Definition von Preisdifferenzierung: Dieses Kapitel definiert den Begriff als Verkauf eines Produkts zu verschiedenen Preisen ohne direkte Kostenbegründung und erläutert die ökonomischen Grundlagen wie Preisbereitschaften.
3. Die Arten der Preisdifferenzierung: Hier werden die drei Grade der Preisdifferenzierung nach Pigou systematisch dargestellt und in den Kontext von Marktsegmentierung sowie vertikaler und horizontaler Differenzierung gesetzt.
4. Die Erscheinungsformen der Preisdifferenzierung: In diesem Kapitel werden diverse praxisnahe Kategorien wie personelle, zeitliche, räumliche und mengenbezogene Preisdifferenzierung detailliert anhand von Beispielen erklärt.
5. Marktbedingungen/Voraussetzungen und Ziele: Der Abschnitt erläutert die ökonomischen Rahmenbedingungen, wie etwa die Notwendigkeit von Handelshemmnissen, und verdeutlicht das Ziel der Konsumentenrentenabschöpfung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, betont die Rolle der Konsumentenrente bei der Gewinnmaximierung und reflektiert die Einteilung der Differenzierungsgrade.
Schlüsselwörter
Preisdifferenzierung, Preisdiskriminierung, Monopol, Grenzerlös, Grenzkosten, Konsumentenrente, Reservationspreis, Marktsegmentierung, Preis-Absatz-Funktion, Preiselastizität, Wettbewerbsmarkt, Preisstrategie, Gewinnmaximierung, Arbitrage, Preistheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Theorie der Preisdifferenzierung, bei der Unternehmen unterschiedliche Preise für dasselbe Gut verlangen, um ihre Gewinne zu maximieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Einteilung nach Pigou (drei Grade der Preisdifferenzierung), verschiedene Erscheinungsformen in der Praxis sowie die notwendigen Marktbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis für die Mechanismen der Preisdifferenzierung zu schaffen und darzulegen, wie Unternehmen durch die Abschöpfung von Konsumentenrente zusätzliche Gewinne erzielen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die ökonomische Modelle der Preistheorie und Mikroökonomie analysiert und auf Basis der Fachliteratur strukturiert aufbereitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Definition, die drei Grade der Preisdifferenzierung nach Pigou, diverse Erscheinungsformen (z.B. räumlich, zeitlich) sowie die Voraussetzungen wie unvollkommener Wettbewerb behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Preisdifferenzierung, Monopol, Konsumentenrente, Preiselastizität und Marktsegmentierung.
Wie unterscheidet sich die Preisdifferenzierung ersten Grades von den anderen?
Beim ersten Grad („perfekte Preisdiskriminierung“) verlangt der Anbieter von jedem Kunden genau dessen individuellen Reservationspreis, was theoretisch die gesamte Konsumentenrente abschöpft.
Was besagt die „Coase conjecture“?
Sie beschreibt das Phänomen, dass Konsumenten bei zeitlich gestaffelten Preisen abwarten, bis der Anbieter den Preis senkt, was den Monopolisten in seiner Strategie entmachten kann.
- Arbeit zitieren
- Verena Bartlmann (Autor:in), 2014, Arten und Erscheinungsformen der Preisdifferenzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434426