Gestaltungskonzeption eines Romanauszuges. Seminar Sprecherziehung

Michael Ende: Momo


Hausarbeit, 2017
10 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Erstes Textsprechen – Eine Selbstreflexion

B) Die Erarbeitung eines Gestaltungskonzeptes anhand des Romanauszugs aus Michael Endes Werk „Momo“
1. Entstehungskontext
2.Textanalyse
2.1 Inhaltliche Kurzzusammenfassung
2.2 Poetische Situation
2.3 Grund- und Teilstimmungen
2.4 Grammatisch – syntaktische Struktur
3. Beschreibung ausgewählter sprechstilistischer Aspekte von interessanten Textstellen

Literaturverzeichnis:

Anhang: Vortragstext

A) Erstes Textsprechen – Eine Selbstreflexion

Grundlage des ersten Textsprechens war die Fabel „Die Eiche und das Schwein“ von Gotthold Ephraim Lessing. Anhand gültiger Kriterien für einen guten Textvortrag wird nun eine kurze Analyse dessen mit Ausrichtung auf die Konzeption eines zweiten Textes folgen.

Den Gesamteindruck betreffend fühlte sich der Zuhörer wohl nur in geringem Maße angesprochen. Zwar konnten Inhalt, Sinn beziehungsweise Gehalt der Fabel gut begriffen werden – der Aspekt des Mitfühlens jedoch wurde durch bestimmte Faktoren, wie etwa fehlende Ausdrucksstärke, stark eingeschränkt.

Bezogen auf die Einzelaspekte des Vortrags kann die Gliederung als gelungenes Element gewertet werden. Unterstützt wurde dies durch ein angemessenes Tempo, gut gesetzte Pausen sowie erkennbare Absatzenden. Ein längeres „Auskosten“ jener Pausen hätte allerdings das expressive Moment des Vortrags positiv beeinflusst. Nuancenreichtum war aufgrund fehlender Melodisierung kaum gegeben. Die Artikulation war zu großen Teilen angemessen. Reserven bestehen in der Artikulation der Plosive an den Wortenden sowie im Grad der Kieferöffnung bei Vokalen. Für den Zuhörer war die Atmung unauffällig und hat den Sprechvortrag in keiner Weise beeinträchtigt. Als persönliche Erfahrung muss an dieser Stelle ein Einwand erfolgen: die nicht korrekte Technik der Hochatmung stellte mir nur unzureichend Luft zur Verfügung, engte den Kehlkopfbereich ein und nahm dem Vortrag durch eine erhöhte Atemfrequenz die Ruhe. Auch der Blickkontakt wurde durch Nervosität stark eingeschränkt und verhinderte somit einen Hörerbezug auf dieser Ebene, weiterhin hinsichtlich fehlender Mimik und Gestik sowie der allgemeinen äußeren Haltung. Jene Problematik der Spannung, welche zunächst körperlich zum Ausdruck kommt, hat ebenfalls Einfluss auf stimmliche Aspekte. So stellt sich etwa die Lautstärke als größtes Defizit des Vortrags heraus.

In Bezug auf die Gestaltungskonzeption des zweiten Textes lassen sich demzufolge jene Punkte als verbesserungsbedürftig festhalten: Die Steigerung der Lautstärke in Verbindung mit einer festen Haltung sowie einer körperlichen Spannung; damit einhergehend die stärkere Kieferöffnung bei der Vokalartikulation; das Anstreben der Tiefenatmung in Verbindung mit einer Verlängerung der Sprechpausen sowie vermehrten Blickkontakt und dem Einsatz von Gesten.

B) Die Erarbeitung eines Gestaltungskonzeptes anhand des Romanauszugs aus Michael Endes Werk „Momo“

Im Folgenden wird ein Gestaltungskonzept zum vorliegenden Romanauszug erstellt, welchem u.a. die Analyse der Grundstimmung und der poetischen Situation, eine Formanalyse bezüglich grammatisch-syntaktischer Strukturen wie auch die Beschreibung ausgewählter sprechstilistischer Aspekte anhand von Textstellen zugrunde liegt.

1. Entstehungskontext

Der Kinderroman „Momo“ erschien im September der Jahres 1973. Er entstand während Endes Zeit in Italien. „In der mediterranen Umgebung von Genzano schrieb [er] sich […] frei. Hier wurde der Genius Loci, zum Beispiel das kleine Amphitheater des nahegelegenen Tusculum nachprüfbar wirksam.“[1] Ende entschloss sich dazu, das Buch selbst zu illustrieren. „Momo erschien ganz und gar als [sein] Werk.“[2] Im Jahr 1974 wurde der Roman mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.[3]

2.Textanalyse

2.1 Inhaltliche Kurzzusammenfassung

Das Mädchen Momo lebt alleine in der Ruine eines alten Amphitheaters am Rande einer italienischen Stadt[4]. Für die Leute des nahegelegenen Dorfes ist ein Leben ohne Momo bald nicht mehr vorstellbar. Besonders schätzen sie Momos Fähigkeit, anderen zuzuhören. Im ausgewählten Romanauszug aus Kapitel zwei wird das Ausmaß jener Begabung durch einen auktorialen Erzähler dargestellt (siehe Anhang Textvorlage).

2.2 Poetische Situation

Aktive Handlung findet im vorliegenden Romanauszug nicht statt. Vielmehr kann die Situation als ein Dialog zwischen Erzähler und Leser bzw. Zuhörer gewertet werden. Der Erzähler versetzt sich in die Gedanken des Rezipienten und strukturiert seine Argumentation dementsprechend (vgl. Satz (13) ff.). Jene besteht aus der Schilderung bestimmter Situationen, deren zentrale Figur das Mädchen Momo darstellt. Wird auch weniger über die Persönlichkeit des Kindes erzählt als über seine Fähigkeit des Zuhörens, so bekommt der Leser dennoch eine Ahnung von Momos einzigartigem Charakter.

2.3 Grund- und Teilstimmungen

Nicht nur der Textauszug, vielmehr Endes vollständiges Werk, zeichnet sich durch die feine Balance zwischen kindlicher Leichtigkeit und unglaublichem Tiefsinn aus. In Satz (19) werden Momos „große, dunkle Augen“ beschrieben. Jene verbinden die genannten Aspekte. Die hier assoziierte kindliche Ehrlichkeit (u.a. im Sinne von Naivität) steht in unmittelbarer Verbindung zur- von allen hoch geschätzten- Fähigkeit des anteilnehmenden Zuhörens. Da in der Textvorlage keine aktiven Handlungen vollzogen werden und immer wieder betont wird, dass Momo nicht etwa durch Worte, sondern durch einfaches Zuhören den Menschen zur Seite steht, liegt dem Auszug eine durchgängige Ruhe zugrunde.

Teilstimmungen:

- (1) – (6): freudig, froh (Momo scheint ein Kind zu sein scheint, welches bei allen Leuten beliebt ist.)
- (7) – (10): fragend (Was sind die Gründe dafür?)
- (11) – (16): bestimmt (Das Zuhören wird als besondere Fähigkeit genannt und gegen mögliche Einwände der Leser verteidigt.)
- (17) – (23): anerkennend, emotional (Der Erzähler untermauert die Behauptung durch Beispiele)
- (24): bestimmt (Bestätigungs-/Fazitcharakter)

2.4 Grammatisch – syntaktische Struktur

Hauptsächlich besteht der Textausschnitt aus Satzgefügen. Auffallend ist die Komplexbildung von Sätzen aufgrund syntaktischer Ähnlichkeit. So etwa in den Sätzen (3) und (4), sowie (20) bis (22).

Einen weiteren Block bilden die Interrogativsätze (8) bis (10), welche durch die Ellipse „Aber warum?“ (7) eingeleitet werden. Jene Phänomene tragen zu einer klaren Strukturierung des Textes bei.

Spannung erzeugt hierbei Satz (23), welcher sich vor allem in der Länge bzw. Anzahl der Teilsätze vom übrigen Text abhebt. Ihm kommt vor allem in Bezug auf die Sprechfassung eine besondere Rolle zu (Kap. 3).

Satz (24) zeichnet sich durch seinen exklamativen Charakter aus, weiterhin besteht er aus einem einfachen Hauptsatz. Der Satzanfang „So […]“ bestätigt die Zusammengehörigkeit zu den vorherigen Sinnabschnitten.

3. Beschreibung ausgewählter sprechstilistischer Aspekte von interessanten Textstellen

Die Sätze (1) bis (6) werden mit einem freundlichen, unbefangenen Ton gesprochen, welcher die zugrundliegende Teilstimmung ausdrückt (Kap. 2.3). Die Sätze (3) und (4) bauen inhaltlich aufeinander auf. Dies muss auch in der Betonung zum Ausdruck kommen: „Die Wahl der Betonung kann eine Verknüpfung zu dem vorangegangenen oder dem nachfolgenden Satz herstellen.“[5] Indem in Satz (4) der Hauptakzent auf gemerkt liegt, wird die Verknüpfung zu brauchen im vorherigen Satz gewährleistet.

Satz (6) zeichnet sich durch die eingeschobenen Aussprüche wie „Alles Gute!“ aus. Jene sollten bezüglich intonatorischer Aspekte als eigenständige Sätze gesehen werden. Einheitlichkeit bezüglich Tempo, Tonhöhe, Melodisierung würde dem Gesamtsatz die Sinnhaftigkeit nehmen.

Die Frage „Aber warum?“ bildet den Übergang zu dem von Nachdenklichkeit und Überlegungen geprägtem Absatz (7) – (10). Es bietet sich an, nach Aber eine Staupause einzufügen, jene ausgiebig auszudehnen und somit den Stimmungswechsel zu vollziehen. Da die genannten Interrogativsätze allesamt kein einleitendes Fragewort aufweisen, ist eine steigende Endmelodisierung am Satzende anzuwenden. Um dennoch eine gewisse Spannung zu gewährleisten, bietet es sich an, bezüglich Sprechtempo, Lautstärke, Rhythmisierung oder Pausierung zu variieren.

Eine weitere Besonderheit liegt in Satz (13) vor. Der Einschub „wird nun vielleicht mancher Leser sagen“ fällt aus der Satzstruktur heraus, da er sich auf eine anderen erzählerischen Ebene befindet. Dies fordert eine besondere Betonung. Die restlichen beiden Satzteile können als stark betonte direkte Rede gelesen werden, auch wenn dies im Schriftbild nicht so gekennzeichnet ist. Der genannte Einschub hingegen kann sich bezüglich der Lautstärke abheben und wesentlich leiser vorgetragen werden.

Im selben Absatz ist wieder die inhaltliche Verknüpfung der Sätze zu beachten. Die Sätze (12) bis (17) weisen nahezu durchgängig das Wort „zuhören“ auf. Um eine gewisse Varianz zu bieten, sollten verschiedene Hauptakzente gesetzt werden. Bei der erstmaligen Nennung des Begriffes in den Sätzen (12) und (13) ist es sinnvoll, eben diesen zu betonen. Weiterführend bietet sich jedoch folgende Akzentuierung an: „ Wirklich zuhören…“ (15), „Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand …“ (16), „Momo konnte so zuhören, dass …“ (17). „Es ist grundsätzlich so, daß […] das kommunikativ Wichtigste auch am stärksten hervorgehoben wird.“[6]

Auffallend ist ebenfalls der Ausspruch „nein“, welcher den Sätzen (11) und (18) Verwendung findet. Die Worte dienen zur Gliederung von Sinnabschnitten und sollten demnach authentisch, vor allem jedoch bestimmend gesprochen werden, da sie vorherige Annahmen negieren.

Satz (23) besteht aus sehr vielen Teilsätzen. Er steht in starken Kontrast zu den Sätzen (21) und (22), welche sich durch Kürze und einen ähnlichen Aufbau auszeichnen. In Satz (23) wird das Tempo kontinuierlich gesteigert, um so das Gefühl von Verzweiflung und Ohnmacht auszudrücken. Ein abrupter Abbruch erfolgt durch den Gedankenstrich. Der nun folgende Satzabschnitt zeichnet sich durch Ruhe, bedacht gewählte Pausen und dennoch durch eine Spannung in der Sprechstimme aus. Das verminderte Tempo erlaubt hierbei ein höheres Maß an Akzentuierung.

Allgemein fordert der Text eine aufrechte und überzeugte Haltung des Sprechers, da dieser die Rolle des Erzählers einnimmt, welcher offensichtlich sehr viel von den Fähigkeiten des Mädchens Momo hält, nahezu Stolz empfindet. Gleichzeitig muss die Feinheit des kindlichen Charakters sowie die den Text auszeichnende Ruhe zum Ausdruck gebracht werden.

[...]


[1] Birgirt Dankert: Michael Ende. Gefangen in Phantásien.Lambert Schneider Verlag (WBG), Darmstadt 2016, S. 156 f.

[2] Dankert: Michael Ende, S. 157

[3] Vgl. Dankert: Michael Ende, S. 287

[4] Vgl. Dankert: Michael Ende, S. 157

[5] Michael Rossié: Sprechtraining. Texte präsentieren in Radio, Fernsehen und vor Publikum. List Verlag, München 2002, 2. Auflage, S. 42

[6] Heinz Fiukowski: Sprecherzieherisches Elementarbuch, 8. Auflage, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Göttingen, 2010, S. 95

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Gestaltungskonzeption eines Romanauszuges. Seminar Sprecherziehung
Untertitel
Michael Ende: Momo
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V434489
ISBN (eBook)
9783668760387
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gestaltungskonzeption, romanauszuges, seminar, sprecherziehung, michael, ende, momo
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Gestaltungskonzeption eines Romanauszuges. Seminar Sprecherziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434489

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