Demographischer Wandel in Deutschland


Seminararbeit, 2010
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung
Allgemeines zum Demographischen Wandel und Begriffsdefinition

2. Gründe des Bevölkerungs- und Geburtenrückgangs

3. Zusammenhänge der Bevölkerungsentwicklung
3.1 Theoretischer Bevölkerungsaufbau
3.2 Tatsächliche Bevölkerungsentwicklung

4. Gesellschaftliche und ökonomische Auswirkungen auf
4.1 Bildung und Ausbildung
4.2 Finanzen und Renten
4.3 Soziale Sicherungssysteme, Privatleben und Gesundheitskosten
4.4 Wirtschaft und Arbeitsmarkt

5. Räumliche Muster
5.1 Bevölkerungsdynamik und deren regionale Unterschiede in den alten und neuen Bundesländern
5.2 Internationale Entwicklungstrends im Vergleich

6. Handlungsansätze, Anpassungsstrategien
6.1 Familienfreundliche und geburtenfördernde Politik
6.2 Förderung von Zuwanderung und Verhinderung von Abwanderung

7. Fazit

1. Einführung

„Der Begriff Demographie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten, „démos = das Volk“ und „graphé = die Beschreibung“, zusammen. Die Enzyklopädie Brockhaus definiert Demographie folgendermaßen: ´Demographie ist die Beschreibung von Zustand und Veränderung der Bevölkerungszahl und -zusammensetzung mithilfe der Bevölkerungsstatistik´ (Brockhaus 20. Auflage, S. 208).“1

Der Demographische Wandel ist eine große Herausforderung für die Zukunft. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ist man diesem Prozess unterworfen. Dabei treten Veränderungen in den Bereichen politische Systeme, Wertesysteme, Konsumverhalten, technischen Entwicklungen, Umwelt, Wirtschaftswachstum, öffentliche Infrastrukturen und sozialen Sicherungssystemen auf. Diese Veränderungen finden nicht unabhängig voneinander statt, sondern sie stehen in engem Zusammenhang miteinander.2

Die Bevölkerungsentwicklung kann sowohl eine Zunahme als auch eine Abnahme der Bevölkerung bedeuten. Dabei wird sie von vier Faktoren bestimmt: Fertilität/ Geburtenrate, Mortalität, Migration und Einbürgerungen.3

Folgende Graphik verdeutlicht die Zusammenhänge der Bevölkerungsentwicklungen, die sich aus der Summe des Wanderungssaldo und des Geburten- und Sterbeüberschusses ergibt.

Abb. 1 Das Modell des demographischen Übergangs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/reitzig-markus-2006-02-10/HTML/image075

„Der wahre Reichtum eines Volkes liegt in der Zahl seiner Bewohner.“4

Die Dynamik der Bevölkerungsentwicklung kann sehr unterschiedliche ökonomische Wirkungen implizieren. Die Folgen sind komplex, die Ursachen jedoch einfach: Der Bevölkerungsbestand wächst oder schrumpft, wobei eine expansive Entwicklung allein durch Geburt und oder Zuwanderung und eine gegenteilige Entwicklung durch Ereignisse wie Tod oder Abwanderung hervorgerufen wird.

Dieser Zusammenhang wird durch die Demographische Bilanzgleichung hergestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei

Pt+1 = Bevölkerungsbestand zum Zeitpunkt t+1 Pt= Bevölkerungsbestand zum Zeitpunkt t

B t, t+1 = Zahl der Neugeborenen zwischen den Zeitpunkten t und t-1

D t, t+1 = Zahl der Verstorbenen zwischen den Zeitpunkten t und t-1

I t, t+1 = Zahl der Zuwanderer zwischen den Zeitpunkten t und t+1

O t, t+1 = Zahl der Abwanderer zwischen den Zeitpunkten t und t+1

Diese Gleichung ist die Basis der Bevölkerungsprojektion und zentrales Element der Wettbewerbsfähigkeitsanalyse eines Landes.

Ein weiterer Indikator für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). „Es misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden.“5

Verschiebungen in der Bevölkerungsstruktur, vor allem durch spezielle Besonderheiten wie Zu- und Abwanderung können langfristig dynamisierende Wirkungen entfalten (und lassen sich durch die Gleichung erst nach Aufspaltung in Altersstufen und Umformulierungen vollständig beschreiben).6

2. Gründe des Bevölkerungs- und Geburtenrückgangs

In den letzten Jahrzehnten lässt sich ein starker Bevölkerungsrückgang vermerken. Dabei spielt der Geburtenrückgang die stärkste Rolle. Jedoch auch viele andere Faktoren wirken auf den Bevölkerungsbestand ein. Die Kulturen eines Landes zum Beispiel beeinflussen und prägen jeden Bürger und jeder wirkt seinerseits auf die Kultur ein. Ein Bürger ist somit Teil der Bevölkerung und steuert durch sein Verhalten die Bevölkerung quantitativ und qualitativ (Bereitschaft zu Eheschließungen und Kinderzeugung sowie deren Ausbildung). Bis zum 18. Jahrhundert, also bis zum Anfang der Industrialisierung lebten die meisten Menschen auf dem Land und verdienten ihr Geld durch Handel und Landwirtschaft. Landwirte hatten die meisten Kinder, vor allem zur Altersversorgung der Eltern und als günstige Arbeitskräfte auf dem Land. Mit dem Beginn der Industrialisierung kam es zu einer Verhaltensveränderung der Menschen, zu einer Einkommenserhöhung und somit zu einer Bevölkerungsexplosion und einer hohen Geburtenrate. Anfang des letzten Jahrhunderts sank die Geburtenrate in den Industriestaaten. Gründe waren die Abschaffung der Kinderarbeit, zu kleine Wohnungen in den Städten und höhere Erwartungen an den Lebensstandard. Dies führt zum heutigen Bevölkerungsrückgang.7

1935 existierte in Deutschland die letzte Generation, die für den Erhalt der Bevölkerung sorgte, indem sie die notwendigen Kinder gebar.8 Seit 1972 allerdings starben mehr Menschen als Neugeborene auf die Welt kamen. Das generative Verhalten wird von Ausbildung, sozialem Stand, Gesundheit, Wohnverhältnissen, Alter, politischen und religiösen Überzeugungen, sowie persönlichen Interessen beeinflusst.9

Das Statistische Bundesamt ermittelt, dass die Veränderungen von zwei Dritteln des generativen Verhaltens abhängig sind und nur ein Drittel auf demographische Einflüsse zurückzuführen ist.10

Folgende Gründe sind für das immer geringer werdende Interesse an Kindern maßgeblich: Zunächst entwickelten sich die Großfamilien zu Kernfamilien bestehend aus Eltern und Kind(ern). „Diese Entwicklung lief parallel zur Entstehung der industriellen Gesellschaft.“11 Die Entstehung dieser Gesellschaft entstand durch die Abwanderung vom Land in die Stadt und führte zu einer Veränderung der Arbeitsmarktsituation, wobei es zu einem Rückgang an Arbeitskräften in der Landwirtschaft und zu einer Zunahme im Industrie- und Dienstleistungsbereich kam.

Der Faktor Freizeit, sowie die Möglichkeit für Reisen, Ausflüge, Urlaub und Annehmlichkeiten, wird für die Menschen immer wichtiger. Durch Kinder entsteht mehr Zeitaufwand, denn es sind immer wieder Pflichten und Aufgaben zu erfüllen.12 Außerdem spielt die Enttabuisierung des Geschlechtlichen in unserer Zeit und der heutigen Familienplanung eine große Rolle. Hier trug unter anderem die Pille zum weiteren Geburtenrückgang bei. Erziehung und Ausbildungskosten sind ein weiteres heikles Thema, was viele Menschen zu Unsicherheiten und Zweifeln in der Kinderentscheidung bringt.13

Auch das Ausbildungsniveau einer Frau ist sehr ausschlaggebend. Denn Akademikerinnen haben sehr oft keine Kinder. Schließlich haben 40% der kinderlosen Frauen einen höheren Bildungsgrad. Diese bekommen nicht sehr früh ihre Kinder, sondern die Tendenz ist eine späte Mutterschaft von 40 Jahren und älter. Das Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder steigt bis an die biologische Grenze stetig an.14 Die niedrige Geburtenrate und die Kinderlosigkeit ist nicht nur ein Frauenproblem, sondern auch ein Viertel aller Männer, zwischen 20 und 49 Jahren, will komplett auf Nachwuchs verzichten. Dabei spielt nicht der Konflikt zwischen Beruf und Familie wie bei der Frau die Rolle, sondern der Wunsch den Lebensstandard beizubehalten. Kinderlose, die bewusst keine Kinder haben, begründen den Verzicht auf die Kinder mit Selbstverwirklichung und beruflicher Karriere.15 Ein weiterer Grund für weniger Kinder ist die geringere Bereitschaft zur Verantwortung und oft auch wenig Erfahrung im Umgang mit Kindern.16

Als letzter Punkt der oben angeführten Gründe für den Bevölkerungsrückgang ist die Struktur der Familie zu erwähnen. Hier geht es um die Aufgaben, den Zweck, die Bedeutung, die Bildungsfunktion und das Zusammenleben (in) der Familie. Über all diese Punkte müssen sich die Eltern Gedanken machen und werden davon in ihrer Kindesentscheidung geleitet. Dies zeigt, dass nicht nur die Gesellschaft die Familie beeinflusst, sondern die Familien durch ihre Entscheidungen, Verhalten und Erfahrungen auch die Gesellschaft prägen.17

3. Zusammenhänge der Bevölkerungsentwicklung

Theoretischer Bevölkerungsaufbau

Einen gleichbleibenden Altersaufbau und eine konstant bleibende Geburtenzahl und Sterblichkeit in Altersjahren weist die stationäre Bevölkerung auf. Migration wird nicht berücksichtigt.

Die letzte klassische Bevölkerungspyramide in Deutschland, bei der die stärksten Jahrgänge die Kinder stellen und sich die Besetzungszahlen der älteren Jahrgänge allmählich als Folge der Sterblichkeit verringern, ist der Altersaufbau in Form einer Pyramide vom Deutschen Reich 1910, welcher annähernd an den idealtypischen Aufbau herankommt.18

Abb. 2 Aufbau der Bevölkerungspyramide in Deutschland am 31.12.1910

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2009, S.15

Tatsächliche Bevölkerungsentwicklung

„Die abnehmende Zahl der Geburten und das Altern der gegenwärtig stark besetzten mittleren Jahrgänge führt zu gravierenden Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Die aktuelle Bevölkerungsstruktur weicht schon lange von der Form der klassischen Bevölkerungspyramide ab.“19

Nachfolgende Graphik verdeutlicht, dass ein starker Bevölkerungsrückgang bereits ab 1914 vom ersten Weltkrieg ausgelöst wurde. Durch die geburtenfördernde Politik des Dritten Reiches stieg die Anzahl der Geburten wieder an. Jedoch ist 1939 durch den Zweiten Weltkrieg wieder ein Rückgang der Neugeborenen zu verzeichnen. Ab Mitte der 50er Jahre, mit Beginn des Wirtschaftswunders, brach auch die Zeit der Babyboomer an, die in den 60er Jahren mit dem Pillenknick endete. Ein leichter Anstieg der Geburten ist in den 70er Jahren zu erkennen, der durch die pronatalistische Politik der ehemaligen DDR zu erklären ist. Mit der Wiedervereinigung 1990 nimmt die Zahl der Neugeborenen konstant ab.

Abb. 3 Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland am 31.12.2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2009, S.15

Annahmen und Entwicklung der Bevölkerungszahl:

Wenn man von einer konstant niedrigen Fertilitätsrate von 1,4 (stabile Rate 2,1), einer Lebenserwartung, die dem Trend der letzten Jahre folgt und ansteigt (bis 2050 ca. 4,5 Jahre) und einem Zuwanderungsplus von 100000 ausgeht, dann verringert sich die Bevölkerungszahl bis 2050 auf ca. 69 Millionen Menschen.

Folglich wird die Zahl der 60 Jährigen doppelt so hoch sein wie die Zahl der Neugeborenen.20

[...]


1 http://www.grin.com/e-book/69828/der-demographische-wandel-in-deutschland

2 BRANDENBURG; DOMSCHKE 2007, S. 13

3 a.a.O., S. 18

4 BAADE 2007, S. 5

5 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/BIP,templateId=renderP rint.psml

6 BAADE 2007, S. 5 ff.

7 JENTZSCH 1979, S. 10

8 BRANDENBURG; DOMSCHKE 2007, S. 20

9 JENTZSCH 1979, S. 13

10 a.a.O., S. 16

11 a.a.O., S. 18

12 JENTZSCH 1979, S. 18

13 a.a.O., S. 19

14 BRANDENBURG; DOMSCHKE 2007, S. 24

15 a.a.O., S. 25

16 JENTZSCH 1979, S. 23

17 a.a.O., S. 25

18 BIRG 2005, S. 4

19 a.a.O., S. 14

20 SCHÖPF, GELDERMANN 2007, S. 39 ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Demographischer Wandel in Deutschland
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V434619
ISBN (eBook)
9783668758308
ISBN (Buch)
9783668758315
Dateigröße
959 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bevölkerung, Demographischer Wandel, Demographie Deutschland, Deutschland Entwicklung, Deutschland Bevölkerung, Wandel in Deutschland, Bevölkerungsentwicklung Deutschland, Bevölkerungsentwicklung
Arbeit zitieren
Sebastian Birner (Autor), 2010, Demographischer Wandel in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434619

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