Grundlagen und Maßzahlen der demographischen Forschung und Statistik


Hausarbeit, 2010

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung und Zielsetzung

2 Was ist Bevölkerungsgeographie und was beschreibt sie?

3 Indikatoren zur Analyse der natürlichen Bevölkerungsbewegung
3.1 Statistische Erfassung der Bevölkerung
3.2 Bevölkerungsverteilung
3.3 Bevölkerungsdichte
3.4 Mortalität
3.5 Heiratsraten und Fertilität
3.6 Bevölkerungswachstum
3.7 Familienstand und Haushalte

4 Indikatoren zur Analyse räumlicher Bevölkerungsbewegung
4.1 Wanderungshäufigkeit
4.2 Wanderungsintensität
4.3 Wanderungseffektivität

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Bevölkerungsverteilung

Abb. 2 Bevölkerungsdicchte

Abb.3 Sterbeziffern

Abb. 4 Todesursachenstruktur

Abb. 5 Geburtenhäufigkeit

Abb. 6 Totale Fertilitätsraten

Abb. 7 Alterspyramiden bei sich ändernder Fertilität und Mortalität

Abb. 8 Bevölkerungspyramiden Deutschlands

Abb. 9 Haushaltsgrößen in Deutschland

1 Einführung und Zielsetzung

Überalterung der Gesellschaft: das ist ein Stichwort, das man in den Medien in den letzten Jahren immer häufiger hört. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung verschiebt sich in Industrieländern wie Deutschland immer mehr nach oben. Diese Verlagerung hat nicht nur Folgen für die Krankenkassen, auf die wegen der zunehmenden Zahl an Hochbetagten immer mehr Kosten zukommen, sondern auch für die Steuerzahler und die Rentenpolitik, da es immer schwieriger wird die große Zahl an Rentnern zu finanzieren. Doch wie kommt man überhaupt zu den Ausgangswerten und woher weiß man, wie sich diese im Lauf der Zeit verändern? Diese Arbeit dient zur Klärung dieser Fragen. Es werden im Folgenden die grundlegenden Aufgaben der Bevölkerungsgeographie vorgestellt und einige Indikatoren und Parameter erläutert, an welchen sich die Bevölkerung messen lässt. Diese statistischen Maßzahlen sind zum Beispiel die Bevölkerungsverteilung, die Bevölkerungsdichte, die Mortalität und die Fertilität. Außerdem werden diese Werte an verschiedenen Tabellen und Grafiken veranschaulicht und Beispiele für bestimmte Räume dargelegt.

2 Was ist Bevölkerungsgeographie und was beschreibt sie?

Die Bevölkerungsgeographie befasst sich, wie der Name schon deutlich macht, mit der Bevölkerung eines Landes oder eines bestimmten Gebietes, wobei sich Bevölkerung nach BÄHR folgendermaßen definiert: „“Bevölkerung“ [ist] die Summe der Einwohner eines Gebietes zu einem bestimmten Zeitpunkt.“ (BÄHR 2004, S.27). Die Bevölkerung kann über zwei Methoden erfasst werden. Bei der de-jure Methode wird nur die Wohnbevölkerung eines Gebietes betrachtet und gezählt, während sich die de-facto Methode auf alle Anwesenden, also die ortsanwesende Bevölkerung beschäftigt. Bei der de-facto Methode kann es jedoch zu Konflikten mit der Zahl der anwesenden Touristen kommen. Nicht als Bevölkerung werden stationierte Soldaten mit ihren Familien und Personen im diplomatischen und konsularischen Dienst gezählt (a.a.O., S. 27). Grundlegende Aufgaben der Bevölkerungsgeographie sind die statistische Erfassung der Bevölkerung, also die Zählung, und anschließend die Beschreibung und Erklärung der Bevölkerungsverteilung und der Bevölkerungsdichte.

3 Indikatoren zur Analyse der natürlichen Bevölkerungsbewegung

In der Bevölkerungsgeographie unterscheidet man zwischen der natürlichen und der räumlichen Bevölkerungsbewegung, wobei Geburten und Sterbefälle die natürliche und Wanderungen die räumliche Bewegung ergeben. MUELLER unterscheidet stattdessen zwischen Zustandsmaßen und Ereignismaßen, wobei sich Zustandsmaße auf das Vorhandensein von Zuständen zu einem bestimmten Zeitpunkt, wie zum Beispiel der Umfang der Bevölkerung oder eine Gliederung der Bevölkerung nach unterschiedlichen Merkmalen wie Geschlecht, Alter oder Religion, beziehen. Ereignismaße hingegen beschreiben das Eintreten von Ereignissen in einem Zeitraum, wie zum Beispiel Geburt oder Tod (MUELLER 1993, S.2f). In dieser Arbeit wird jedoch nach der Unterteilung von BÄHR vorgegangen. Vor der genauen Erläuterung dieser beiden Bewegungen ist es jedoch wichtig, den Begriff der Demographie zu definieren. MUELLER schreibt hierzu: „Die Demographie interessiert sich in erster Linie für Prozesse, die den Wandel der Populationen bestimmen: Geburten, Todesfälle, Wanderungen.“ (1993, S.1).

3.1 Statistische Erfassung der Bevölkerung

Eine Volkszählung wird in der Demographie als Zensus bezeichnet. Dies bedeutet eine

„Sammlung, Aufbereitung und Veröffentlichung von demographischen, ökonomischen und sozialen Daten über alle Personen eines Landes oder eines genau abgegrenzten Gebietes zu einem bestimmten Zeitpunkt“ (BÄHR 2004, S.19). Meist ist mit einem Zensus auch eine Berufs- und Wohnungszählung verbunden. Der letzte Zensus wurde in Deutschland 1987 durchgeführt und liegt demnach schon einige Zeit zurück. Dennoch gibt es aktuellere Zahlen über die Bevölkerung Deutschlands. Diese stammen aus einer Fortschreibung des letzten Zensusergebnisses und errechnen sich aus den alten Werten plus den Geburten und Zuzügen und abzüglich der Sterbefälle und Fortzügen (BÄHR 2004, S.22). Diese Rechnung lässt sich auch durch die demographische Grundgleichung ausdrücken:

Pt+n= Pt + Bt,t+n - Dt,t+n + It,t+n - Et,t+n

Pt = Bevölkerung zum Zeitpunkt t

Pt+n = Bevölkerung zum Zeitpunkt t+n

Bt,t+n = Zahl der Geburten zwischen t und t+n

Dt,t+n = Zahl der Sterbefälle zwischen t und t+n

It,t+n = Zuwanderungen zwischen t und t+n

Et,t+n = Abwanderungen zwischen t und t+n

Mit Hilfe dieser Gleichung kann man also aus einem Stand zum Zeitpunkt t den neuen Bevölkerungsstand zum Zeitpunkt t+n errechnen, wobei B, D, I und E die englischen Anfangsbuchstaben der Wörter birth, death, immigration und emmigration sind (BÄHR 2004, S.151).

Eine weitere Methode zur Erzeugung neuerer Daten ist der Mikrozensus. Hier werden stichprobenartig Personen neu befragt und die Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Trotz des entstehenden Fehlers ist diese Methode einfacher als eine Fortbeschreibung der Bevölkerung. Die ältesten Aufzeichnungen über die Beschaffenheit der Bevölkerung stammen aus Kirchenbüchern, welche immer noch eine wichtige Quelle für die statistische Berechnung darstellen (BÄHR 2004, S.23).

3.2 Bevölkerungsverteilung

Neben der Erfassung der Bevölkerungszahl ist auch die Bevölkerungsverteilung ein wichtiger Indikator. Unter Bevölkerungsverteilung versteht man die Streuung einer Bevölkerung in einem bestimmten Gebiet, welche als absoluter Wert dargestellt wird. Man unterscheidet zwischen Dispersion und Konzentration. Bei der Dispersion kann die Bevölkerung gleichmäßig oder zufällig über ein Gebiet verstreut sein, während eine Konzentration zentralisiert oder dezentralisiert auftreten kann (BÄHR 2004, S.27).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Bevölkerungsverteilung

Quelle: BÄHR 2004, S.28

3.3 Bevölkerungsdichte

Im Gegensatz zu der Bevölkerungsverteilung ist die -dichte ein relativer Wert und wird immer auf eine bestimmte Fläche bezogen. Wichtig ist vor der Berechnung, diese Fläche genau festzulegen und zu klären ob sich der Wert auf die Gesamtbevölkerung bezieht oder nur auf eine bestimmte Teilgruppe. In der demographischen Statistik ist es jedoch üblich, diese Werte auf administrative Einheiten zu beziehen, da nur hier eine Gewährleitung der richtigen Daten möglich ist. Sehr viel komplizierter wäre eine Darstellung eines Dichtewertes, der sich auf eine naturräumliche Einheit bezieht, da für eine naturräumliche Einheit meist keine statistischen Daten vorliegen. Um eine Dichte der Bevölkerung darzustellen gibt es drei verschiedene Maßzahlen. Die arithmetische Dichte errechnet sich aus dem Quotienten der Einwohner auf eine bestimmte Fläche in km2. Vertauscht man Zähler und Nenner erhält man die sogenannte Arealitätsziffer. Jedoch wird bei dieser Ziffer die Fläche meist in Hektar angegeben. Eine weitere Möglichkeit wäre die Abstandsziffer oder Proximität, welche aus der Wurzel des Quotienten von Fläche und Bevölkerung multipliziert mit der Konstante 1,0746 ermittelt wird (BÄHR 2004, S.28).

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Dichtewerten. So gibt die physiologische Bevölkerungsdichte nur die Dichte von echt besiedelten Flächen an und die Nettowohndichte nur die Einwohner pro Hektar Bauland abzüglich Straßen und öffentlicher Wege. Des Weiteren wird auch die agrare Dichte berechnet, welche sich nur auf die Personen eines landwirtschaftlichen Betriebes pro Hektar Betriebsfläche bezieht. Außerdem kann man die

Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft mit der Arbeitsplatzdichte wiedergeben, welche man mit dem Quotienten aus den Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft und der Gemarkungsfläche erhält. Um das Verhältnis von Einwohnern und Arbeitsplätzen zur Fläche zu erhalten wird die Einwohner-Arbeitsplatzdichte angegeben, welche sich aus dem Verhältnis von Beschäftigten ohne Landwirtschaft und Wohnbevölkerung zur Gemarkungsfläche errechnet (BÄHR 2004, S.30).

Dargestellt werden relative Dichtewerte immer auf die Fläche, auf die sie sich beziehen. Die Werte werden meist in Klassen aufgeteilt und für jede Klasse wird eine Flächenfarbe oder eine Schraffur verwendet. Die Farben müssen aus einer Farbreihe stammen und die Signaturen müssen in ihrer Intensität ab- oder zunehmen. Ein Beispiel für eine Abbildung der Bevölkerungsdichte wäre folgende Karte:

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Bevölkerungsdichte

Quelle: INSTITUT FÜR LÄNDERKUNDE, LEIPZIG, S.10

3.4 Mortalität

Um eine Bevölkerung zu beschreiben und zu messen ist es essentiell wichtig Geburten und Sterbefälle zu beobachten. Da das Ereignis des Todes mit Sicherheit eintritt und die Geburt eines Kindes nur vermutet werden kann, ist die Berechnung der Mortalität einfacher als die der Fertilität.

Um die Anzahl der Strebefälle bezogen auf die Bevölkerung eines Gebietes zu ermitteln, berechnet man die allgemeine, oder rohe Sterbeziffer (crude death rate) in Promille:

CDR= D ⁄ P x 1000

D (death)= Zahl der Sterbefälle im Kalenderjahr

P (population)= Bevölkerungszahl der Jahresmitte

Einen Überblick über verschiedene Sterbeziffern ausgewählter Länder gibt folgende Abbildung:

Abb.3 Sterbeziffern

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Quelle: BÄHR 2004, S.152

„Roh“ bedeutet in diesem Fall, dass sich die Rate auf die undifferenzierte Gesamtbevölkerung bezieht und deshalb von der Altersstruktur abhängt und keine Aussagen über Lebensbedingungen möglich sind (BÄHR 2004, S.153). Nach dem CIA World Factbook ergibt sich für 2009 für Deutschland eine geschätzte Sterbeziffer von 10,90‰, was dem weltweiten Rang 44 entspricht. Im Vergleich dazu hat Angola den höchsten Wert mit 24,08‰ und die Vereinigten Arabischen Emirate mit 2,11‰ den niedrigsten.

Um diesem Konflikt zu entgehen gibt es des Weiteren die altersspezifische, oder geschlechtsspezifische Sterbeziffer. Hier wird wiederum ein Quotient gebildet jedoch nicht aus den Sterbefällen der Gesamtbevölkerung, sondern nur aus diesen der interessanten Altersgruppe, und den Lebendgeborenen im betreffenden Kalenderjahr. Interessiert man sich nun für die Säuglingssterblichkeit errechnet sich die Quote wie folgt:

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

wobei der Index 0 die vollendeten Lebensjahre der betreffenden Personen angibt. Ist die Kindersterblichkeit von Interesse setzt man die Todesfälle von Kindern im Alter von fünf Jahren in den Nenner und berechnet somit q5 (BÄHR 2004, S.154).

Es werden jedoch auch standardisierte Maßzahlen angegeben, bei welchen man den Wert einer bestimmten Einheit als Bezugsgröße festlegt und die anderen Werte darauf bezieht. Die Frage ist nur, wie sinnvoll eine solche Darstellung ist, da leicht Verwirrung entstehen kann, wenn nicht deutlich ist auf welchen Wert man sich bezieht.

Für die Statistik relevant sind auch die Todesursachen. Hierzu gibt es auch verschiedene Diagramme, die die Veränderung dieser Ursachen über mehrere Jahre deutlich machen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Grundlagen und Maßzahlen der demographischen Forschung und Statistik
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V434621
ISBN (eBook)
9783668772274
Dateigröße
1110 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundlagen Demographie, Demographie Deutschland, Demographie Forschung, Demographische Statistik, Demographische Statistik Deutschland, Forschung Demographie Deutschland
Arbeit zitieren
Sebastian Birner (Autor), 2010, Grundlagen und Maßzahlen der demographischen Forschung und Statistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434621

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