Corporate Governance Typologien

Merkmale und kritische Würdigung


Hausarbeit, 2017
17 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Corporate Governance
2.1 Theoretische Grundlage – Neue Institutionenökonomik
2.1.1 Property-Rights-Theorie
2.1.2 Prinzipal-Agent-Theorie
2.2 Regulatorische Grundlagen
2.2.1 OECD
2.2.2 Deutscher Corporate Governance Kodex

3. Corporate Governance Systeme
3.1 Kriterien
3.2 Marktorientierte Ansätze
3.3 Netzwerkorientierte Ansätze
3.3.1 Das deutsche System
3.3.2 Das lateinische System
3.3.3 Das japanische System

4. Kritische Würdigung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Man kann ein Unternehmen mit dem Aktienrecht ebenso wenig führen wie eine Ehe mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch.“ (Sohl, H.-G., 1988, S.121) Dieses Zitat von Hans-Günther Sohl stammt aus einem Brief vom 20. Dezember 1988 an die Aufsichtsräte der Thyssen AG. Knapp 20 Jahre später begründet der neue Chef der Corporate Governance Kommission Rolf Nonnenmacher ähnlich die grundlegende Erneuerung des Corporate Governance Kodex. Er ist der Auffassung, dass eine gute Unternehmensführung eher generiert werden kann, wenn der Kodex weniger geltendes Recht und dafür mehr Best Practices enthält. Ursache der Revision ist z.B. die Liberalisierung der Kapitalmärkte, wodurch der ausländische Investorenanteil steigt. Im Sinne des dualistischen Verwaltungssystems von Aktiengesellschaften in Deutschland sollen sowohl Vorstandmitglieder als auch Aufsichtsräte eingebunden werden. (vgl. Fockenbrock, 2017)

Diese Entwicklung bezieht sich lediglich auf das deutsche System. Durch die Globalisierung und gestiegene Vernetzung weltweit sollten auch andere nationale Systeme betrachtet werden, um Wirtschaftsbeziehungen erfolgreich zu gestalten. Daher wird in diesem Assignment die Forschungsfragen „Wie unterscheiden sich Corporate Governance Systeme nach Weimer und Pape? Welche Kriterien können zur nationalen Differenzierung verwendet werden? Inwiefern sind diese noch aktuell?“ analysiert.

Bei der Erarbeitung handelt es sich um eine literaturbasierte Analyse. Das Assignment setzt sich aus drei Teilen zusammen. Den ersten Abschnitt bildet die Terminologie, in der zuerst der Begriff Corporate Governance erläutert wird. Danach erfolgt eine Darstellung sowohl der theoretischen als auch der regulatorischen Grundlagen. Den zweiten Themenblock bilden die verschiedenen Typologien der Corporate Governance Systeme. Hierbei erfolgt eine Anlehnung an das Werk „A Taxonomyof Systems of Corporate Governance“ von Weimer/Pape aus dem Jahr 1999. Um eine Differenzierung zu ermöglichen, werden vorab die verwendeten Kriterien erläutert. Im Rahmen der Arbeit werden das anglo-amerikanische, das deutsche, das romanische und das japanische System vorgestellt. Den Abschluss und somit letzten Teil der Erarbeitung bildet die kritische Würdigung. Darin werden sowohl die gewonnen Erkenntnisse zusammengefasst als auch die angewandten Unterscheidungsmerkmale differenziert betrachtet.

2. Corporate Governance

Damit eine Analyse unterschiedlicher Corporate Governance Systeme möglich ist, müssen zuerst folgende Fragen erläutert werden: Was bedeutet der Term Corporate Governance (CG)? Welche verschiedenen Betrachtungsweisen gibt es? Welche theoretischen Grundlagen existieren und welche regulatorischen Ausgangspunkte sind elementar?

Der Begriff Corporate Governance entstand bereits in den 80er Jahren in Amerika. In Deutschland hingegen erlangte er erst in den letzten Jahren an Bedeutung. Eine weltweit einheitliche Definition existiert nicht. Dies hat seinen Ursprung in unterschiedlichen Traditionen im Bereich der Politik oder auch des Rechtswesens, wodurch differenzierte Schwerpunktsetzungen und Betrachtungsweisen entstanden. (vgl. Stiglbauer, 2010,S.9) Allen gemein ist, dass Corporate Governance einen Ordnungsrahmen sowohl in rechtlicher als auch faktischer Sicht bildet, um die Leitung und die Kontrolle eines Unternehmens zu ermöglichen. Ins Deutsche übersetzt wird CG häufig mit dem Terminus der Unternehmensverfassung gleich gesetzt. Daraus erschließt sich jedoch die Annahme, dass es sich nur auf die Innensicht eines Unternehmens beschränkt, was nicht der Wahrheit entspricht, da die Außenwirkung von ebenwürdiger, wenn nicht sogar stärkerer Bedeutung ist. Daher ist eine Differenzierung in internes und externes CG notwendig. Im internen Kontext werden einerseits Rollen und Kompetenzen definiert, andererseits ebenso Funktionsweisen und das Zusammenwirken der verschiedenen Unternehmenselemente bestimmt. Externe CG beschäftigt sich mit der Beziehung zu den Bezugsgruppen. Hierbei ist jedoch in die enge und weite Sicht zu unterscheiden. Die beiden Varianten orientieren sich an verschiedenen Interessenlagen bei der Ausgestaltung der Unternehmenspolitik. Bei der engen Betrachtung, welche dem angloamerikanischen Verständnis entspricht, wird lediglich das Verhältnis zwischen Eigentum und Kontrolle, also den Managern eines Unternehmens und den Shareholdern (Aktionäre), erörtert. Die weite Denkweise, welche im kontinental-europäischem sowie japanischen Raum vorherrscht, schließt die Interessen aller Stakeholder wie beispielsweise Arbeitnehmer, Lieferanten oder Kunden mit ein. (vgl. v. Werder,2015, S.3-4)

2.1 Theoretische Grundlage – Neue Institutionenökonomik

Die Neue Institutionenökonomik (NI) stellt eine Modifikation des neoklassischen Modells dar. Im Fokus steht dabei die Analyse der Austauschbeziehungen von Institutionen mit ihrem Umfeld. Sie stellt somit eine Methodik dar, um die Effizienz von CG-Systemen bewerten zu können sowie Strukturen und Veränderungen abzubilden. Charakteristisch für die NI ist, dass eine stärkere Betonung auf juristische und administrative Aspekte gelegt wird. Der Vertrag zwischen den Parteien, welcher den beidseitigen Leistungsumfang bestimmt, rückt damit in den Fokus der Betrachtung. Die NI setzt sich auf verschiedenen Ansätzen zusammen, welche sich in Teilen überschneiden, ergänzen, aufeinander beziehen oder auch widersprechen können. Kennzeichnend für sie ist die Ansicht, dass die Menschen im Rahmen des wirtschaftlichen Handelns ihren Nutzen stets maximieren wollen. Zudem steht ihnen lediglich eine beschränkte Rationalität zur Verfügung. Des Weiteren ist ihr Handeln von Opportunismus geprägt. Die Instrumente der NI sind die Theorie der unvollständigen Verträge, die Transaktionskostentheorie, die Property-Rights-Theorie und die Prinzipal-Agent-Theorie. (vgl. Metten,2010, S. 29) Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit werden im Anschluss nur die beiden zuletzt genannten erläutert.

2.1.1 Property-Rights-Theorie

Die Property-Rights-Theorie beschäftigt sich mit der Thematik der Verfügungsrechte. Sie geht davon aus, dass ein Gut nicht nur einen physischen Wert aufweist, sondern sein Besitz gewisse Rechte impliziert wie z.B. die Nutzung, Veräußerung oder auch Gewinnaneignung. Diese werden in gebündelter Form als Verfügungsrechte bezeichnet. Eine Verteilung dieser Rechte senkt den Wert des Gutes, da so die Macht des Einzelnen abnimmt. Durch die Anwendung oder auch den Erwerb dieser Rechte entstehen die sogenannten Transaktionskosten. Im Rahmen dieser Theorie wird der methodologische Individualismus angenommen, welcher besagt, dass Unternehmen durch das diversifizierte Handeln verschiedener Individuen geprägt sind. Bezogen auf CG wird mithilfe dieser Theorie die Verteilungsproblematik von Eigentum und Kontrolle in Aktiengesellschaften erläutert. Die Aufteilung zwischen Aktionären und Vorstand führt zu einer Verdünnung der Rechte, was Konfliktpotenzial bietet und Transaktionskosten verursacht. (vgl. Welge/ Eulerich ,2014, S. 10-11)

2.1.2 Prinzipal-Agent-Theorie

Basierend auf der Teilung innerhalb einer AG und den daraus resultierenden Austausch- und Delegationsbeziehungen ist die Prinzipal-Agent-Theorie (PAT) innerhalb der CG von besonderer Bedeutung. Verstärkt wird dies von der Unvollständigkeit der Verträge und den daraus entstehenden Handlungsspielräumen. Die PAT fokussiert das Verhalten der beiden Akteure. Der Prinzipal bzw. Auftraggeber ist der Aktionär. Der Auftragnehmer bzw. Agent wird durch den Manager dargestellt. Es wird eine Beauftragung des Agenten durch den Prinzipal angenommen. Jedoch liegt eine Informationsasymmetrie zwischen beiden vor. Des Weiteren sind die Prämissen der NI zu berücksichtigen. Daher müssen Kontroll- und Sanktionsmechanismen in der CG enthalten sein, welche eine Schädigung der Eigentümer verhindern. Maßnahmen zum Abbau der Differenzen können die Beteiligung des Agenten, Disziplinierung oder auch die Verbesserung der verfügbaren Informationen sein. (vgl. Nippa/Grigoleit, 2006, S.3-5)

2.2 Regulatorische Grundlagen

Auf regulatorischer Ebene gibt es viele Aspekte zu betrachten. Im folgenden Abschnitt werden nur drei Varianten vorgestellt.

2.2.1 OECD

Aufgrund der steigenden globalen Vernetzung und diverser Unternehmensskandale veröffentliche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 1999 die ersten international gültigen Grundsätze für Corporate Governance. Diese sollten dazu beitragen, dass weltweit eine positive Wirtschaftsentwicklung, wirtschaftliches Wachstum und ein verbesserter Lebensstandard in den Fokus der Unternehmensführung rückt. Die Grundsätze dienen jedoch lediglich der Orientierung und haben keinerlei rechtsverbindlichen Charakter. Sie sollen Lösungsansätze für Konflikte ermöglichen, basierend auf der Trennung von Eigentum und Kontrolle. (vgl. Otremba, 2016, S.34-35) Allerdings stellen sie die Grundlage für viele nationale Varianten dar. Zu Beginn enthielt der Kodex nur fünf Themengebiete wie z.B. Gleichbehandlung der Aktionäre. Er wurde allerdings bereits 2004 überarbeitet und enthält mittlerweile sechs Schwerpunkte. (vgl. Welge/ Eulerich, 2014, S. 41-42)

2.2.2 Deutscher Corporate Governance Kodex

Als Beispiel für eine nationale Variante soll in dieser Arbeit der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) angeführt werden. Er basiert auf den OECD Prinzipien, berücksichtigt allerdings nationale Gegebenheiten. Er wurde ab 1999 durch eine Regierungskommission unter der Leitung von Gerhard Cromme entwickelt und 2002 verabschiedet. Er wird jährlich überprüft und wenn nötig an gesetzliche Veränderungen oder kapitalmarktbasierte Neuerung angepasst. Mit Hilfe des DCGK sollte die Unternehmensüberwachung und –führung verbessert und eine gesteigerte Transparenz besonders für ausländische Investoren geschaffen werden. Zudem sollten bisherige Schwachstellen des deutschen CG-Systems wie z.B. die mangelhafte Berücksichtigung der Aktionärsinteressen oder auch die unzureichende Unabhängigkeit von deutschen Aufsichtsräten eliminiert werden. Hauptsächlich ist dieser Kodex an börsennotierte Unternehmen gerichtet, kann jedoch auch von anderen Marktteilnehmern genutzt werden. Der DCGK setzt sich aus Muss-Vorschriften und Soll-Empfehlungen zusammen. Allerdings muss eine Abweichung von den Empfehlungen gemäß §161 AktG jährlich dokumentiert werden. Zudem sind Kann-Anregungen enthalten, welche eine stetige Weiterentwicklung der Corporate Governance in Deutschland herbeiführen sollen. (vgl. Stiglbauer,2010, S.14-18)

3. Corporate Governance Systeme

Die weltweit existierenden CG-Systeme können auf Basis unterschiedlicher Herangehensweisen kategorisiert werden. Das vorliegende Assignment bezieht sich auf die Einordnung nach Weimer und Pape aus dem Jahr 1999. Gemäß ihrer Ansicht sind GC-Systeme „more-or-less country-specific framework of legal, institutional and cultural factors shaping the patterns of influence that stakeholders […] exert on managerial decision-making” (Weimer/Pape, 1999, S.152) Aus diesem Werk und den vorangestellten Theorien von „Scott (1985), De Jong (1989), Moerland (1995a,b) and Weimer (1995)” (Weimer/Pape, 1999, S.152) wurden vier CG-Systeme entwickelt: das angelsächsische, das deutsche, das lateinische und das japanische System. Sie können in markt- und netzwerkorientierte Ansätze eingeordnet werden. Daher werden vorab die verwendeten Unterscheidungskriterien in diesem Kapitel vorgestellt.

3.1 Kriterien

Die angewandten Unterscheidungsmerkmale beziehen sich sowohl auf finanzierungs-, interessen- und organisationsbezogene Aspekte. Nach Weimer und Pape existieren acht Charakteristiken, welche betrachtet werden sollten. Zum Einen ist dies das vorwiegende Konzept der Unternehmung. Zum Anderen ist das Board-System zu bewerten. Außerdem kann nach den dominanten Stakeholdern unterschieden werden, welche wichtige Unternehmensentscheidungen beeinflussen. Zudem sollte die Rolle des Aktienmarktes in der nationalen Wirtschaft berücksichtigt werden. Ferner ist die Verfügbarkeit eines Marktes für externe Unternehmenskontrolle zu bedenken. Ein weiteres Merkmal stellt die Eigentumsverteilung dar. Zusätzlich ist die leistungsabhängige Vergütung ein Vergleichskriterium. Zuletzt führen Weimer und Pape den Zeithorizont von ökonomischen Beziehungen an. (vgl. Weimer/Pape, 1999, S. 153)

3.2 Marktorientierte Ansätze

Der marktorientierte Ansatz ist besonders geprägt durch die Verfügbarkeit eines Marktes zur Unternehmenskontrolle. Durch die interdisziplinäre Wirkung, beispielsweise durch Übernahmen, auf das Management steht der Kapitalmarkt im Mittelpunkt dieser Sichtweise. Vertreter dafür sind angelsächsische Länder wie die USA, Großbritannien, Kanada oder auch Australien. (vgl. Brühl, 2009, S.15-16)

Das angloamerikanische System ist geprägt von einer shareholderorientierten Unternehmenskonzeption. Somit werden bei der Gestaltung lediglich zwei Anspruchsgruppen betrachtet: die Aktionäre und die Unternehmensleitung. Andere Anspruchsgruppen wie z.B. Mitarbeiter werden dabei nicht berücksichtigt. (vgl. Metten, 2010, S.177-178) In diesem monistischen Konzept ist die Unternehmensleitung nach dem One-Tier-System aufgebaut. Das bedeutet, dass es ein einheitliches Organ für Führung und Kontrolle gibt, welches das Board of Directors darstellt. Das Board unterteilt sich jedoch in die für unternehmensinternen Themen zuständigen Inside-Directors (executive directors) und die Outside-Directors (non-executive), welche Kontrollaufgabe übernehmen. (vgl. Welge/Eulerich, 2014, S. 39-40) Durch die Splittung von Eigentum und Kontrolle können die in Kapitel 2.1.2 genannten Probleme innerhalb der Prinzipal-Agent-Beziehung auftreten. Um dies zu verhindern, fußt die Vergütung der Directors größtenteils auf Aktienoptionen, wodurch eine Verknüpfung an die Entwicklung des Aktienkurses und des Unternehmenserfolges entsteht. Infolgedessen sind die Entscheidungen, Zielsetzungen und der Zeithorizont der Geschäftsbeziehungen eher kurzfristig. Die Bedeutung des Kapitalmarktes ist in diesem System sehr groß, da die Annahme besteht, dass unzufriedene Aktionäre ihre Anteile verkaufen und der Aktienkurs fallen würde. Aufgrund dessen besteht ein Markt für externe Unternehmenskontrolle. Durch Bestimmungen, wie z.B. für einen erheblichen Steuernachteil für Investmentfonds mit einer Mehrheit von 10 Prozent an Unternehmensanteilen durch die SEC, wird eine niedrige Konzentration des Eigentums bei einzelnen Anteilseignern gefördert. Es besteht folglich ein Outside-Controll-System. (vgl. Welge/Eulerich, 2014, S. 160-162)

3.3 Netzwerkorientierte Ansätze

Im Gegensatz zum marktorientierten Ansatz werden im netzwerkorientierten Ansatz nicht nur die Interessen der Shareholder berücksichtigt. Die Unternehmensentscheidungen werden durch ein Netz von zuverlässigen Beziehungen von unterschiedlichen Interessensgruppen beeinflusst. Innerhalb dieses Ansatzes kann in das deutsche, das lateinische und das japanische System untergliedert werden. (vgl. Brühl, 2009, S.16)

3.3.1 Das deutsche System

Den Kontrast bildet das deutsche, auch germanisch oder kontinentaleuropäisch genannte, System. Es existiert in Ländern wie z.B. Niederlande, Schweden, Österreich, Deutschland oder auch Finnland. Es handelt sich hierbei um ein institutionell geprägtes Konzept der Unternehmensleitung. (vgl. Schwalbach/Schwerk, 2014, S.207) Geführt wird das Unternehmen nach dem dualistischen Ansatz. Dabei ist charakteristisch, dass Leitung und Kontrolle strikt voneinander getrennt sind. Die Überwachungsfunktion wird durch den Aufsichtsrat übernommen. Die Geschäftsführung hingegen wird durch den Vorstand der AG ausgeübt. Allerdings besteht hierbei eine Abhängigkeit des Aufsichtsrates hinsichtlich der verfügbaren Informationen. Des Weiteren besteht eine Verflechtung, da der Vorstand durch den Aufsichtsrat gewählt wird. Dieser wird wiederum von der Gesellschafterversammlung bestimmt. (vgl. Welge/Eulerich, 2014, S.41-42) Im Rahmen der Unternehmensleitung steht jedoch im Vordergrund, dass die Interessen aller Anspruchsgruppen berücksichtigt werden, was dem Stakeholderansatz entspricht. Dabei steht vor allem das Mitbestimmungsrecht der Mitarbeiter im Vordergrund. Zudem besteht eine historisch bedingte starke Bankenorientierung. Die Bedeutung des Kapitalmarktes kann als moderat angesehen werden, nimmt aber aufgrund veränderter Rahmenbedingungen zu. Dies hat u.a. seine Ursache darin, dass die Vergütung ähnlich wie im amerikanischen Modell in Aktenoptionen anteilig erfolgt. Dadurch steigt ebenfalls die Bedeutung der leistungsabhängigen Bezahlung. (vgl. Witt, 2002, S.59-61) Nichtsdestotrotz sind Geschäftsbeziehungen und Entscheidungen in diesem Konzept langfristig ausgelegt. Ein Grund dafür ist die recht hohe Konzentration des Eigentums und die damit verbundenen Verfügungsrechte. Dies hat ebenfalls zur Folge, dass der Markt für externe Unternehmenskontrolle beispielsweise in Deutschland eher gering ausgeprägt ist. Das System wird daher als Inside-Controll-System bezeichnet. (vgl. Metten, 2010,S. 198-200)

3.3.2 Das lateinische System

Dem lateinischen oder auch romanischen System sind die Länder Frankreich, Spanien, Belgien und Italien zuzuordnen. Das Unternehmenskonzept stellt eine Mischform aus instrumental und institutionell dar, ist jedoch eher dem letztgenannten zuzuordnen. In Frankreich können beispielsweise Firmen zwischen dem One-Tier und Two-Tier-System wählen. Generell wird allerdings mehrheitlich das einstufige Board gewählt. Eine Besonderheit stellt die Zusammensetzung dar, da die Mehrheit durch non-executive Directors, welche keine direkte Unternehmensanbindung haben, gebildet wird und vorrangig die Funktion der Stakeholderrepräsentation hat. Stakeholder sind Finanzunternehmen, Familienunternehmen und der Staat. Mitarbeiter sind eher von untergeordneter Bedeutung. Der Kapitalmarkt ist von mittelmäßiger Wichtigkeit und es gibt keinen nennenswerten Markt für externe Unternehmenskontrolle. Einer der Gründe ist möglicherweise die hohe Konzentration des Eigentums bei wenigen Anteilseignern. Des Weiteren ist, bis auf Frankreich, die Vergütung auf Basis der Performance in lateinischen Ländern nicht weit verbreitet. Es kann angenommen werden, dass die Tendenz zu langfristigen Geschäftsbeziehungen eine der Folgen ist. (vgl. Weimer/Pape, 1999, S. 163-165)

3.3.3 Das japanische System

Eine Mischform stellt das japanische System dar. Ursprung dessen liegt in der Historie des Landes. Einerseits basierte dieses Modell Ende des 19. Jahrhunderts auf dem deutschen Handelsrecht. Andererseits wurde es nach Ende des 2. Weltkrieg durch US-amerikanische Regelungen ergänzt.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Corporate Governance Typologien
Untertitel
Merkmale und kritische Würdigung
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V434628
ISBN (eBook)
9783668765306
ISBN (Buch)
9783668765313
Dateigröße
799 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Typologie, Corporate, Governance, Property Rights Theory, netzwerkorientiert, DCGK
Arbeit zitieren
Tricy Unger (Autor), 2017, Corporate Governance Typologien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434628

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