"Hüterin des Euro" – damit ist die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) innerhalb des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) oftmals treffend, jedoch längst nicht umfassend genug formuliert. In dieser Ausarbeitung werden die Organisationsstrukturen und Aufgabenfelder der Europäischen Zentralbank sowie der Aufbau und der Auftrag des Europäischen Systems der Zentralbanken untersucht. Darüber hinaus werden die unterschiedlichen Verbindungen zwischen den bestehenden Systemen innerhalb der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) genauer beleuchtet.
Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist die Annäherung an die Strukturen und Besonderheiten der europäischen Währungspolitik und ihrer wichtigsten Institutionen und Einrichtungen. Hierbei sollen auch die Aufgabenfelder Gegenstand der Analyse werden, wohingegen die geldpolitischen Instrumente lediglich oberflächlich betrachtet werden, da der Schwerpunkt dieser Ausarbeitung auf den vorher genannten Aspekten liegt. Außerdem werden die nicht unumstrittene Geldpolitik der EZB, der Vorwurf der Kompetenzüberschreitung im Zuge der „Eurorettung“ sowie der damit verbundenen „Niedrigzinspolitik“ kritisch reflektiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Vorgehensweise
2. Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB)
2.1 Aufbau und Struktur
2.2 Nationale Zentralbanken
2.3 Die Europäische Zentralbank im ESZB
2.4 Abgrenzung zum Eurosystem
3. Die Europäische Zentralbank (EZB)
3.1 Die Europäische Zentralbank als Organisation
3.2 Organe der Europäischen Zentralbank
3.2.1 Das EZB-Direktorium (Executive Board)
3.2.2 Der EZB-Rat (Governing Council)
3.2.3 Der Erweiterte EZB-Rat (General Council)
3.2.4 Ausschüsse der EZB
3.3 Die Stellung der EZB in der Europäischen Union
4. Aufgaben und Ziele der EZB und des ESZB
5. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Organisationsstruktur, den Aufbau und die Aufgabenfelder der Europäischen Zentralbank sowie des Europäischen Systems der Zentralbanken, um ein tieferes Verständnis für deren Rolle innerhalb der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion zu vermitteln.
- Struktureller Aufbau und rechtliche Rahmenbedingungen des ESZB
- Organisatorische Gliederung und Beschlussorgane der EZB
- Aufgabenverteilung zwischen der EZB und den nationalen Zentralbanken
- Ziele der Geldpolitik und der einheitliche Aufsichtsmechanismus
- Kritische Reflexion der EZB-Geldpolitik und der Rolle während der Finanzkrise
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Der EZB-Rat (Governing Council)
Der EZB-Rat setzt sich aus den Mitgliedern des Direktoriums und den derzeit 19 Präsidenten bzw. Gouverneuren der nationalen Zentralbanken der am Euro-Währungsgebiet teilnehmenden Staaten zusammen (siehe Abb. 2). Der Europäische Zentralbankrat ist das zentrale Entscheidungsorgan der EZB, in dessen Verantwortung die Gestaltung der einheitlichen Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet liegt. Hierzu gehört einerseits die klare Vorgabe einer geldpolitischen Strategie, andererseits aber auch die Entscheidung über die Verwendung geldpolitischer Aktionsparameter (z. B. Beschlussfassung über Leitzinsänderungen, Bereitstellung von Zentralbankgeld im Eurosystem). Der Rat übernimmt somit auch die Rolle einer bedeutsamen Steuerungsinstanz, wobei er die Leitlinien und Zielrichtungen der Währungspolitik definiert und vorgibt. Zu deren Umsetzung kann sich wiederum das Direktorium als Exekutivorgan verschiedener geldpolitischer Instrumente bedienen (z. B. Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten, Refinanzierungsgeschäfte, Mindestreservesysteme).
Bis zum Jahr 2015 war der Beschlussprozess wie folgt geregelt: Die Beschlüsse wurden in der Regel mit einfacher Mehrheit gefasst, jedes Mitglied hatte bei Abstimmungen genau eine Stimme („one person, one vote“). Kam es jedoch zu einer Stimmengleichheit, so entschied die Stimme des Präsidenten und gab den entscheidenden Ausschlag. Bei Fragen der Gewinnverteilung, der Kapitalausstattung und der Währungsreserven verfügten die einzelnen nationalen Notenbanken über ein gewichtetes Stimmrecht, welches sich nach der Höhe ihres Kapitalanteils richtet. Zur Sicherung der Beschlussfähigkeit des EZB-Rats in einem erweiterten Euro-Währungsgebiet sind seit dem Jahr 2015 nicht mehr alle im EZB-Rat vertretenen Präsidenten der NZBen zeitgleich stimmberechtigt. Nach einem speziellen Rotationssystem werden stimmberechtigte und nicht-stimmberechtigte Präsidenten ausgewechselt, hierbei sind die Präsidenten größerer Mitgliedsstaaten häufiger für einen bestimmten Zeitraum stimmberechtigt als Präsidenten kleinerer Länder. Die Mitglieder des EZB-Rats kommen regelmäßig zweimal im Monat zu Beratungen zusammen. In der ersten Sitzung des Monats wird der geldpolitische Kurs eingeschätzt. Oftmals werden ebenfalls zinspolitische Entscheidungen getroffen. In der zweiten Monatssitzung werden häufig globalere Themen behandelt und organisatorische Beschlüsse gefasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Rolle der EZB und des ESZB sowie die wissenschaftliche Herangehensweise der Arbeit.
2. Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB): Erläuterung der Struktur, des Aufbaus und der Abgrenzung zwischen dem ESZB, dem Eurosystem und den nationalen Zentralbanken.
3. Die Europäische Zentralbank (EZB): Detaillierte Analyse der EZB als Organisation, ihrer Beschlussorgane sowie ihrer rechtlichen Stellung in der EU.
4. Aufgaben und Ziele der EZB und des ESZB: Darstellung der primären geldpolitischen Ziele sowie der erweiterten Aufgaben im Bereich der Bankenaufsicht.
5. Abschließende Betrachtung: Kritische Reflexion der bisherigen Entwicklung des Euro-Projekts und der Herausforderungen in Zeiten der Niedrigzinspolitik.
Schlüsselwörter
Europäische Zentralbank, EZB, ESZB, Eurosystem, Geldpolitik, Preisniveaustabilität, Euro, Währungsunion, Finanzkrise, EZB-Rat, Direktorium, Bankenaufsicht, EZB-Präsident, Europäische Union, Finanzstabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der organisatorischen Struktur, den Aufgabenfeldern und den Entscheidungsorganen der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB).
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die institutionelle Einordnung der EZB, die Abgrenzung zum Eurosystem, die Funktionsweise der verschiedenen Organe sowie die Rolle der nationalen Zentralbanken.
Welches primäre Ziel verfolgt die EZB laut der Untersuchung?
Das oberste Ziel der EZB ist die Wahrung der Preisniveaustabilität innerhalb des Euro-Währungsgebiets, welches quantitativ als Anstieg des HVPI von unter, aber nahe bei 2 % definiert ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer strukturellen Analyse der währungspolitischen Institutionen und ihrer rechtlichen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur und Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Aufbaus des ESZB, der Organisation und Organe der EZB (Direktorium, EZB-Rat, Erweiterter Rat) sowie eine Darstellung der Aufgaben und Ziele.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Geldpolitik, Euro-Währungsraum, Unabhängigkeit der EZB, Preisstabilität und systemrelevante Banken geprägt.
Wie unterscheidet sich der EZB-Rat vom Erweiterten Rat?
Während der EZB-Rat als zentrales Entscheidungsorgan für die Geldpolitik fungiert, hat der Erweiterte Rat vorrangig Aufgaben bei der Prüfung der Konvergenzkriterien und besitzt keine geldpolitischen Befugnisse.
Welche Bedeutung hat der Einheitliche Aufsichtsmechanismus (SSM)?
Der SSM dient seit November 2014 dazu, die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten und die Aufsicht über systemrelevante Großbanken durch die EZB zu zentralisieren.
- Arbeit zitieren
- Fynn Petzold (Autor:in), 2016, Das Europäische System der Zentralbanken ESZB und die Europäische Zentralbank als Organisation sowie deren Aufgabenfelder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434631