Musiklehrer, Poet, Komponist. Jean Jacques Rousseau war vieles, aber vor allem eines – Staatsphilosoph. In diesem Essay soll es um sein Wirken als solcher gehen. Im Speziellen, um Rousseaus Demokratietheorie und inwiefern diese auf das heutige, westliche Demokratieverständnis angewandt werden kann. Einleitend wird Rousseaus Hauptthese vorgestellt. Anschließend wird seine Staatsphilosophie in einem kurzen Abriss dargestellt. Des Weiteren wird ein exemplarischer Vergleich von Rousseaus Demokratietheorie mit dem heutigen Demokratieverständnis gezogen. Den Schluss bildet ein Fazit, dass die dargestellte Forschungsfrage beantwortet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rousseaus Staatsphilosophie
2.1 Naturzustand und Menschenbild
2.2 Der Gesellschaftsvertrag als Lösungsmodell
2.3 Gemeinwille und politische Ordnung
3. Vergleich: Rousseau und heutiges Demokratieverständnis
3.1 Freiheitsbegriff und Bürgerrechte
3.2 Direkte versus repräsentative Demokratie
3.3 Einstimmigkeit und Wahlsysteme
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Demokratietheorie von Jean-Jacques Rousseau mit dem heutigen, westlichen Demokratieverständnis kompatibel ist und welche zentralen Divergenzen zwischen seinem Modell und modernen politischen Systemen bestehen.
- Analyse des Rousseauschen Naturzustands und des Menschenbildes
- Untersuchung der Funktion und Konstruktion des Gesellschaftsvertrags
- Gegenüberstellung von Rousseaus Radikaldemokratie und moderner Repräsentativdemokratie
- Diskussion über Freiheitsrechte, Grundrechte und Säkularisierung
- Vergleich der Prinzipien von Einstimmigkeit und Mehrheitsentscheidungen
Auszug aus dem Buch
Der Gesellschaftsvertrag
Die benötigte Gleichheit aller Menschen wird durch die vollständige Entäußerung und somit die Unterwerfung eines jeden Bürgers unter den Gemeinwillen gesichert. Rousseau unterscheidet hierbei zwischen Gemeinwillen (volonté générale), Sonderwillen (volonté particulière) und Gesamtwillen (volonté de tous). Wobei der Gemeinwille den aufs Gesamtwohl ausgerichteten hypothetischen Volkswillen darstellt, während der Gesamtwille lediglich die Summe der Einzelinteressen oder der Sonderwillen widerspiegelt.
Der Gesellschaftsvertrag ist somit mehr als die Summe der Teile des Zusammenschlusses. Er bringt eine Gesamtheit hervor. Der Einzelne, zuvor isolierte Bürger verwandelt sich in ein Mitglied der politischen Gemeinschaft. Im Gegensatz zu Hobbes erfordert Rousseaus Gesellschaftsvertrag eine Veränderung der menschlichen Natur. Sein Demokratiemodell setzt somit einen tugendhaften Bürger voraus, der als Teil des Souveräns gemäß dem Gemeinwillen handeln muss und als Ergebener eben diesem Gehorsam leistet. Diese utopische Vorstellung sowie weitere schwer realisierbare Voraussetzungen einer praktikablen Demokratie nach Rousseaus Entwurf führten zu einer skeptischen Beurteilung bezüglich dessen Funktionalität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein, ob Rousseaus Demokratietheorie auf heutige westliche Systeme anwendbar ist, und erläutert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2. Rousseaus Staatsphilosophie: Hier wird der Naturzustand als Basis dargestellt und die Transformation des freien Menschen durch den Gesellschaftsvertrag in eine bürgerliche Ordnung skizziert.
3. Vergleich: Rousseau und heutiges Demokratieverständnis: Dieses Kapitel konfrontiert Rousseaus Modell der direkten Demokratie mit modernen Gegebenheiten, wie dem deutschen Grundgesetz, Repräsentationssystemen und Grundrechten.
4. Fazit: Das Fazit beantwortet die zentrale Forschungsfrage und reflektiert die grundsätzliche Übereinstimmung der Zielsetzung einer durch das Volk regierten Gesellschaft bei gleichzeitig tiefgreifenden systemischen Unterschieden.
Schlüsselwörter
Jean-Jacques Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Demokratietheorie, Gemeinwille, Naturzustand, Volksherrschaft, Repräsentativdemokratie, Direktdemokratie, Freiheit, Bürgerrechte, Rechtsstaatlichkeit, Staatsphilosophie, politische Ordnung, Volkssouveränität, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Demokratiemodell von Jean-Jacques Rousseau und prüft dessen Anwendbarkeit auf das moderne westliche Demokratieverständnis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören der Naturzustand, der Gesellschaftsvertrag, der Begriff des Gemeinwillens sowie der Vergleich zwischen direkter und repräsentativer Demokratie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Rousseaus theoretisches Modell der Demokratie mit den Prinzipien moderner Staaten, wie der Bundesrepublik Deutschland, vereinbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und einen exemplarischen Vergleich, bei dem Rousseaus Hauptwerke mit modernen demokratischen Institutionen gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert Rousseaus Staatsphilosophie, die Rolle des Bürgers im Gesellschaftsvertrag und stellt kritische Divergenzen wie Bürger- gegenüber Grundrechten sowie das Wahlsystem dar.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesellschaftsvertrag, Gemeinwille, Volkssouveränität und die Spannung zwischen Freiheit und staatlichem Zwang charakterisiert.
Warum hält Rousseau die repräsentative Demokratie für unmöglich?
Rousseau argumentiert, dass ein Volk seine Freiheit verliert, sobald es Vertreter wählt, da echte Freiheit nur durch die direkte Ausübung der Souveränität möglich sei.
Wie unterscheidet sich Rousseaus Verständnis von "Gemeinwille" vom "Gesamtwillen"?
Der Gemeinwille ist laut Rousseau das hypothetische Gesamtwohl der Gemeinschaft, während der Gesamtwille lediglich die Addition der egoistischen Einzel- oder Sonderinteressen der Bürger darstellt.
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- Martin Gramm (Author), 2018, Entspricht Rousseaus Demokratietheorie dem heutigen Demokratieverständnis?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434827