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Die Genese der Nation. Zur Rezeption des idealistischen Nationenbegriffes bei Elie Kedourie

Title: Die Genese der Nation. Zur Rezeption des idealistischen Nationenbegriffes bei Elie Kedourie

Term Paper , 2018 , 22 Pages , Grade: unbenotet

Autor:in: Maximilian Priebe (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Der Nationalismus, so wird gemeinhin angenommen, hat keine Philosophie. Im Gegensatz zum Konservatismus, dem Sozialismus und dem Liberalismus – den drei großen gesellschaftlichen Entwürfen der Aufklärung – fehlt ihm die theoretische Fundierung. Diese Ansicht ist durchaus begründet. Denn das nationalistische Menschenbild bleibt in Debatten oft unscharf. Und die Ziele nationalistischer Parolen reichen über die mittelfristige Abwehr von als bedrohlich empfundenen Entwicklungen nicht hinaus. Auf diese Weise vermittelt der Nationalismus das Bild eines archaischen Überbleibsels, man rechnet mit ihm wie mit einem tierischen Reflex des Menschen, der sich politischen und wirtschaftlichen Krisenzeiten zeigt.

Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass wir mit solch einer Auffassung, angesichts des außerordentlichen Erfolges nationalistischer Bewegungen in den letzten Jahren, glauben müssten, fortwährend in Krisenzeiten zu leben. Nur die Tatsache, dass der Nationalismus gerade in wohlhabenden Ländern erfolgreich ist, und von Generationen getragen wird, die nie Krieg oder Hunger erleiden mussten, sollte diesen Glauben an den permanenten Ausnahmezustand relativieren.

Es stimmt, dass sich, im Gegensatz zu zahlreichen liberalen oder sozialistischen Denkern, kaum „nationalistische“ Theoretiker finden lassen. Aber nationalistische Argumente lassen sich auf Grundannahmen zurückführen, die bei näherer Betrachtung eine beachtliche ideengeschichtliche Verbreitung und Tiefe haben. Wie Elie Kedourie anmerkt, kann es bereits als größter Erfolg der nationalistischen Doktrin gelten, den Begriff der „Nation“ als Kategorie der politischen Ordnung überhaupt etabliert zu haben.

Im Folgenden werde ich anhand der ersten fünf Kapitel von Kedouries Essay Nationalism, herausgegeben in London 1960 von Hutchinson, untersuchen, wie das nationalstaatliche Denken die Kraft entwickelte, die es heute hat. Ich werde Kedouries Argumentation schrittweise rekonstruieren. Dann werde ich beurteilen, inwieweit sie ausreicht, um zeitgenössische politische Phänomene zu verstehen. Schlussendlich will ich zwei Ansätze skizzieren, die meiner Meinung nach die Kraft nationalstaatlichen Denkens weiter erklären.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1) Die Nation – ein ewiger Ausnahmezustand?

2) Anmerkungen

II. Ein neuer Politikstil

1) Die Revolution der Straße

2) Die Revolution des Geistes

3) Die Entdeckung des Staates

4) Die Entdeckung der nationalen Identität

5) Nationalismus als romantische Form der Politik

III. Ausblick

1) Die nationale Erhebung

2) Der kollektive Stilbruch

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit rekonstruiert schrittweise die Argumentation von Elie Kedouries Essay "Nationalism", um zu untersuchen, wie das nationalstaatliche Denken historisch seine heutige Kraft entwickelte. Ziel ist es, diese Argumentation zu beurteilen, ihre Relevanz für zeitgenössische politische Phänomene zu prüfen und zwei Ansätze zu skizzieren, die die Persistenz nationalstaatlichen Denkens erklären könnten.

  • Historische Herleitung des Nationalismus bei Elie Kedourie
  • Die Rolle der Aufklärung und des deutschen Idealismus bei der Nationenbildung
  • Nationalismus als Konstruktion von Identität und politischem Stil
  • Verhältnis von Sprache, Kultur und Staatsbildung
  • Analyse aktueller Phänomene (wie Populismus und Sezessionsbewegungen) im Licht der Theorie

Auszug aus dem Buch

3) Die Entdeckung des Staates

Kedouries Meinung nach hat die Vereinnahmung der kantischen Philosophie durch seine Nachfolger zu einer ideologischen Politikweise geführt, die den Gedanken der Freiheit an den Gedanken des Staates band. Dass dies möglich war, liegt, so Kedourie, bereits im Kantischen Begriff der Freiheit selbst. Sie ist ein Menschheitsziel, dass sich prozesshaft durch die Geschichte zieht.

Diese These wird von Kants Schrift Idee zur Geschichte in einer weltbürgerlichen Absicht gestützt, wo die Freiheit als vollständige Entwicklung des Wesens des Menschen beschrieben wird, die sich erst am Ende der Geschichte im Erreichen einer globalen Republik vollzieht. Bei Kant ist die Rede von „eine[m] verborgenen Plan […] der Natur […], um eine […] vollkommene Staatsverfassung zu Stande zu bringen“, beschrieben als „der einzige […] Zustand, in welchem sie alle ihre Anlagen in der Menschheit völlig entwickeln kann.“

Möglich ist das Erreichen der Freiheit auch bei Kant nur im organischen Ganzen: „Am Menschen […] sollten sich diejenigen Naturanlagen, die auf den Gebrauch seiner Vernunft abgezielt sind, nur in der Gattung, nicht aber im Individuum vollständig entwickeln.“

Diese Übertragung von „wahrer“ Selbstbestimmung vom Einzelnen auf die Gesamtheit sorgt natürlich schon alleine für eine starke Stellung des Staates im aufklärerischen Denken.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die verbreitete Annahme, der Nationalismus habe keine eigene Philosophie, und führt in das methodische Vorgehen ein, Kedouries Essay "Nationalism" zu untersuchen.

II. Ein neuer Politikstil: Dieses Kapitel rekonstruiert die ideengeschichtliche Herleitung des Nationalismus bei Kedourie, beginnend bei der Französischen Revolution über den deutschen Idealismus bis hin zur Verknüpfung von Sprache, Identität und Staatsbildung.

III. Ausblick: Der Ausblick würdigt die Radikalität von Kedouries Analyse, benennt deren theoretische Schwächen und erweitert die Untersuchung um Erklärungsansätze für aktuelle nationalistische und populistische Bewegungen.

Schlüsselwörter

Nationalismus, Elie Kedourie, Nation, Aufklärung, deutscher Idealismus, Identität, Sprache, Staatsbildung, Freiheit, Selbstbestimmung, politischer Diskurs, Populismus, Souveränität, Machtpolitik, Politische Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Genese und die theoretischen Grundlagen des Nationalismus anhand des Werks von Elie Kedourie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Entstehung nationalstaatlichen Denkens in der Aufklärung, die Rolle des deutschen Idealismus sowie die kritische Hinterfragung des Nationenbegriffs.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Rekonstruktion von Kedouries Argumentation, um zu beurteilen, wie das nationalstaatliche Denken seine heutige Kraft entwickelte und ob diese Theorie ausreicht, um aktuelle politische Phänomene zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine ideengeschichtliche Rekonstruktion und kritische Analyse, die Kedouries Argumente mit Originaltexten der zitierten Denker untermauert oder kritisch beleuchtet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Zurückführung nationalstaatlicher Merkmale – wie dem Glauben an den Staat und der Nation als historisches Universalprinzip – auf ihre philosophischen Quellen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nationalismus, Nation, Aufklärung, deutscher Idealismus, Identität, Sprache, Staatsbildung und Souveränität.

Inwiefern spielt der "Wille zur Nation" eine Rolle bei der Analyse von Renan?

Kedourie ordnet auch Renan in das Argumentationsmuster ein, dass hinter jeder Nation ein "Wille zur Nation" steht, was Kedourie als Beweis für die Künstlichkeit der Unterscheidung zwischen Kultur- und Staatsnationalismus anführt.

Wie wird das Beispiel Katalonien in die Analyse eingebettet?

Das Referendum in Katalonien dient als Fallbeispiel, um zu illustrieren, wie die Idee der Nation den politischen Diskurs ordnet und dabei kaum noch zwischen progressiven und reaktionären Bewegungen unterschieden werden kann.

Welche Rolle spielt Žižeks Konzept der "Grenzübertretung" im Ausblick?

Žižeks Konzept wird genutzt, um zu beschreiben, wie ein kollektiver Stilbruch oder das Teilen von Normüberschreitungen das Solidaritätsgefühl einer Gemeinschaft stiften kann, was als möglicher Erklärungsansatz für populistische Bewegungen dient.

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Details

Title
Die Genese der Nation. Zur Rezeption des idealistischen Nationenbegriffes bei Elie Kedourie
College
Munich School of Philosophy  (Philosophische Fakultät SJ)
Grade
unbenotet
Author
Maximilian Priebe (Author)
Publication Year
2018
Pages
22
Catalog Number
V434863
ISBN (eBook)
9783668759527
ISBN (Book)
9783668759534
Language
German
Tags
Nationalismus Elie Kedourie Fichte Kant Ideengeschichte Kulturphilosophie Nationalstaat Herder Politische Theorie Sozialphilosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maximilian Priebe (Author), 2018, Die Genese der Nation. Zur Rezeption des idealistischen Nationenbegriffes bei Elie Kedourie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434863
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