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Umgang mit kultureller Differenz in der pädagogischen Praxis

Schieflage im Bildungssystem. Inwiefern sind Lehrer das Problem?

Titel: Umgang mit kultureller Differenz in der pädagogischen Praxis

Hausarbeit , 2014 , 19 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Melanie Strittmatter (Autor:in)

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Während des Seminars wurde das Beispiel gebracht, dass eine Lehrerin ihre Schülerin mit Kopftuch als Paradebeispiel für „nicht-deutsche“ Schüler in deutschen Schulen aufzeigen wollte. Auch benannte sie die Schüler mit Migrationshintergrund als nicht „richtig Deutsch“.

Diese Anekdote zeigt auf, dass die LehrerInnen an deutschen Schulen ein Hindernis für Integration darstellen. Spätestens seit der ersten PISA-Studie wird deutlich, dass eine Schieflage im Bildungssystem besteht und soziale Ungleichheit reproduziert werden. Dabei werden insbesondere SchülerInnen mit Migrationshintergrund benachteiligt und man spricht von einer institutionellen Diskriminierung. Doch was sind die Gründe hierfür? Sollten LehrerInnen nicht als Vorbilder agieren und alle SchülerInnen unabhängig von ihrer Herkunft gleich behandeln. Dies setzt jedoch, dass ein Bewusstsein vorherrscht, dass kulturelle Differenzen akzeptieren und als gleichwertig einstufe.

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst das deutsche Schulsystem vorgestellt und seine Aufgabe für die Gesellschaft herausgearbeitet. Innerhalb der Schule werden Kinder zu leistungsfähigen Menschen erzogen, die später einmal für die Gesellschaft eine Bereicherung darstellen sollen. Wenn man von einer Gesellschaft spricht, denkt man auch immer an eine bestimmte Nation, die am stärksten vertreten ist. Wobei eine Gesellschaft nicht homogen ist und sich aus verschiedenen Nationen zusammensetzt. In dem Fall spricht man von einer multikulturellen Gesellschaft, was zunächst eine positive Einstellung gegenüber dieser Vielfalt vermittelt. Demgegenüber steht das Nationalgefühl, was am stärksten bei sportlichen Wettkämpfen wie zum Beispiel der Fußball WM zum Ausdruck kommt. Auch im deutschen Schulsystem spiegelt das Nationalgefühl wider. Diesen Aspekt möchte ich im ersten Teil der vorliegenden Arbeit näher beleuchten. Anschließend werde ich erklären, welchen Beitrag Schulbücher hinsichtlich der Ungleichbehandlung von Migrantenkindern leisten und inwiefern man diesen Sachverhalt sowie die Institution als rassistisch bezeichnen kann. Abschließend zeige ich auf, was für Auswirkungen dies auf den schulischen Erfolg bzw. Misserfolg von Schülern mit Migrationshintergrund haben kann und beende die Arbeit mit einem Fazit, wo Zusammenhänge und Ausblick vorgestellt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.1. Erziehung als nationale Vergemeinschaftung

1.2. Die Relevanz von Schulbüchern

1.3. Kurze Übersicht über Lehrbücher, wie sie Migranten darstellen

2.1. Warum diskriminieren wir und mit welche Auswirkungen auf unseren Alltag

2.2. Institutioneller Rassismus

2.3. Schule als Ort von Diskriminierung?!

3.1. Ungleiche Bildungsbeteiligung von Migranten

3.2. Schulmisserfolg als Resultat organisatorischen Aktivitäten

3.3. Delinquente Karrieren

4.1. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Hausarbeit untersucht die strukturellen Ursachen für die Benachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem. Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern Lehrer durch ihre Typisierung und Bewertung, beeinflusst durch gesellschaftliche Sozialisationsprozesse und institutionelle Mechanismen, zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beitragen.

  • Die Rolle der Schule als Instrument der nationalen Vergemeinschaftung.
  • Die Wirkung von Schulbüchern auf die Konstruktion von „Fremdheit“.
  • Institutioneller Rassismus und diskriminierende Auswahlprozesse im Schulalltag.
  • Der Einfluss von Lehrer-Typisierungen auf die Schullaufbahn von Migrantenkindern.

Auszug aus dem Buch

3.2. Schulmisserfolg als Resultat organisatorischen Aktivitäten

Es fällt auf, dass insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund häufiger unter schulischen Misserfolg leiden als Kinder ohne Migrationshintergrund. Untersuchungen von Cicourel und Kitsuse ergeben, dass dabei nicht nur die individuellen Leistungen der Schüler über Erfolg und Misserfolg entscheiden, sondern vielmehr die Handlungen in Organisationen. Hierbei vertreten sie die Annahme, sowohl erfolgreiche als auch erfolglose Schüler würden von Organisationen selber hergestellt werden. Die Organisation „Schule“ würde zwischen den beiden Typen von Schülern unterscheiden und dementsprechend auch ihre Entscheidungen treffen, den schulischen Werdegang beeinflussen (vgl. Gomolla/Radtke 2009: 59). Die Notenvergabe von Lehrern ist nie objektive Handlung, sondern sozial organisierte klassifikatorische Tätigkeit, die der Logik der Organisation entsprechen.

Zunächst wird der Spielraum des jugendlichen Verhaltens untersucht, der Lehrern wahrgenommen und interpretiert werden kann. Innerhalb sozialer Prozesse werden Jugendliche als soziale `Typen` definiert und klassifiziert. Auch diese werden im ersten Schritt festgelegt. Anschließend gilt es deren Folgen auf die Karriere eines Jugendlichen innerhalb einer Organisation festzustellen. Als Organisation erzeugt die Schule die unterschiedlichsten jugendlichen Karrieren und durch ihre Struktur bringt sie auch eine Reihe von jugendlichen Problemen hervor. Diese „Probleme“ lassen sich drei Kategorien untergliedern. Als Erstes können sich die Probleme auf das Leistungsverhalten des Schülers beziehen. An zweiter Stelle folgt die Verletzung allgemeiner Verhaltensregeln durch den Schüler und zu guter Letzt können es aber auch emotionale Probleme des Schülers sein (vgl. Cicourel/Kitsuse 1974: 364).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit thematisiert anhand eines Praxisbeispiels die Benachteiligung von Migrantenkindern und führt in die Fragestellung zur Rolle der Lehrer sowie institutioneller Diskriminierung ein.

1.1. Erziehung als nationale Vergemeinschaftung: Dieses Kapitel erläutert die historische und gesellschaftliche Verknüpfung von Schule und Nationalstaat sowie die Funktion der Erziehung als Instrument zur Sicherung nationaler Identität.

1.2. Die Relevanz von Schulbüchern: Hier wird untersucht, wie Lehrmaterialien durch die Darstellung von Migranten Vorurteile stützen und "Fremdheit" in den Köpfen der Schüler verankern.

1.3. Kurze Übersicht über Lehrbücher, wie sie Migranten darstellen: Dieses Kapitel analysiert anhand von Lehrplänen der 70er Jahre die Vermittlung von Defiziten und negativen Bildern bezüglich der Herkunftsländer von Gastarbeiterkindern.

2.1. Warum diskriminieren wir und mit welche Auswirkungen auf unseren Alltag: Der Abschnitt befasst sich mit der Definition von Diskriminierung als sozialen Unterscheidungsprozess und dessen Folgen für die Bewertung von Menschen.

2.2. Institutioneller Rassismus: Es wird dargelegt, wie soziale Strukturen in Institutionen, unabhängig von individuellen Absichten, diskriminierende Prozesse institutionalisieren können.

2.3. Schule als Ort von Diskriminierung?!: Das Kapitel hinterfragt die Schule als angeblich neutrale Institution und thematisiert die ungleiche Verteilung von Bildungsabschlüssen.

3.1. Ungleiche Bildungsbeteiligung von Migranten: Hier wird der Zusammenhang zwischen der Lehrereinschätzung, dem kulturellen Kapital und der Benachteiligung von Migrantenkindern durch das dreigliedrige Schulsystem beschrieben.

3.2. Schulmisserfolg als Resultat organisatorischen Aktivitäten: Es wird erläutert, wie durch Typisierungen und Labels seitens der Lehrer individuelle Schullaufbahnen konstruiert und begrenzt werden.

3.3. Delinquente Karrieren: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung von Stigmatisierung durch Verhaltensbewertungen und wie sich Typisierungen negativ auf den Bildungsweg auswirken.

4.1. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse zum Reproduktionsprozess von Hierarchien und einem Ausblick auf die Rolle multikulturellerer Lehrerkollegien.

Schlüsselwörter

Bildungssystem, Lehrer, Migrationshintergrund, institutionelle Diskriminierung, Schulerfolg, Sozialisation, nationale Vergemeinschaftung, Schulbücher, Typisierung, Label-Theorie, soziale Ungleichheit, kulturelles Kapital, Selektionsprozess, Rassismus, Bildungsbeteiligung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Benachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem und analysiert insbesondere die Rolle der Lehrkräfte und institutioneller Strukturen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit betrachtet die Schule als Ort der nationalen Erziehung, die Rolle von Schulbüchern, das Phänomen des institutionellen Rassismus sowie die Auswirkungen von Lehrer-Typisierungen auf Schullaufbahnen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Lehrer durch ihre subjektive Einschätzung und Bewertung – eingebettet in das organisatorische System Schule – zur Reproduktion von Ungleichheit beitragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten (z.B. Label-Theorie nach Cicourel und Kitsuse, Kapitaltheorie von Bourdieu) zur Analyse von Diskriminierungsmechanismen in Bildungsinstitutionen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Schulbüchern, die Analyse von Diskriminierung im Alltag und in Institutionen sowie die spezifische Betrachtung der Selektion von Schülern durch Lehrkräfte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Bildungssystem, Migrationshintergrund, institutionelle Diskriminierung, soziale Ungleichheit und Typisierung.

Wie beeinflusst die deutsche Sprache die Bewertung durch Lehrer laut der Arbeit?

Die Sprache fungiert als zentrales Anpassungskriterium; mangelnde Deutschkenntnisse oder der Gebrauch einer anderen Sprache im Schulumfeld führen bei Lehrern häufig zu einer negativen Typisierung und in der Folge zu einer schlechteren Leistungsbewertung.

Was schlägt die Autorin als Lösung für die beschriebene Problematik vor?

Die Autorin plädiert für eine multikulturellere Zusammensetzung der Lehrerschaft. Junge Lehrer mit eigenem Migrationshintergrund könnten weniger Vorurteile gegenüber dem „Fremden“ hegen und somit diskriminierenden Strukturen in der Schule entgegenwirken.

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Details

Titel
Umgang mit kultureller Differenz in der pädagogischen Praxis
Untertitel
Schieflage im Bildungssystem. Inwiefern sind Lehrer das Problem?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Autor
Melanie Strittmatter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V434894
ISBN (eBook)
9783668760325
ISBN (Buch)
9783668760332
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang differenz praxis schieflage bildungssystem inwiefern lehrer problem
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Melanie Strittmatter (Autor:in), 2014, Umgang mit kultureller Differenz in der pädagogischen Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434894
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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