Wie verändert die Arbeitsmarktflexibilisierung die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland?


Hausarbeit, 2017

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 .Einführung

2. Soziale Ungleichheit
2.1 Arbeitsmarktflexibilisierung
2.2 Normalarbeitsverhältnis & Atypische Beschäftigungsverhältnisse
2.3 Prekarisierung

3. Aktuelle empirische Befunde

4. Arbeitsmarktflexibilisierung und soziale Ungleichheit
4.1 Wertvolle Güter
4.2 Veränderungen in der horizontalen und vertikalen Ungleichheit
4.3. Status

5. Resümee

6. Literatur- und Quellenverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
6.3 Videoquellen (YouTube)
6.4 Abbildungen

1.Einführung

Bereits seit einigen Jahren wird der Bundesrepublik Deutschland ein Fachkräftemangel prognostiziert. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt bereits davor, dass Deutschland bald 390.000 Ingenieurinnen und Ingenieure fehlen könnten, um ein aktuelles Beispiel einer Berufsgruppe zu nennen (vgl. Kramer 2015). Auf der anderen Seite haben namhafte Industrieunternehmen wie die Airbus Group, Thyssenkrupp oder auch Lufthansa Technik Einlasstopp. Das bedeutet, dass sie selber derzeit keine neuen Mitarbeiterinnen einstellen, obwohl eigentlich dringend Fachkräfte benötigt werden. Stattdessen steigt die Zahl von sogenannten Leiharbeiterinnen in diesen Betrieben. Dieser Prozess wird als ״Arbeitsmarktflexibilisierung“ bezeichnet. Nun stellt sich die Frage, mit welchen Benachteiligungen dieser Wandel für die Arbeitnehmerinnen einhergehen könnte. Werden eventuell bestimmte Arbeitnehmergruppen benachteiligt oder haben sie einen essenziellen Vorteil gegenüber anderen? Besonderer Fokus liegt daher auf der sozialen Ungleichheit und inwiefern diese durch die Arbeitsmarktflexibilisierung verändert werden könnte. Zu den Meilensteinen der Forschung zählt mit Sicherheit der 2003 veröffentlichte Aufsatz von Klaus Dörre, in dem dieser die Auswirkungen der Flexibilisierung auf die Festangestellten eines Betriebes beschreibt, in welchem Leiharbeiterinnen beschäftigt sind. Auch die Autorinnen und Autoren Cingolani (2013), Ahuja-Mayer (2003), Nachtwey (2016) haben wichtige Auswirkungen der prekären, also unsicheren, Beschäftigungsverhältnisse herausgearbeitet und ihre Erkenntnisse bilden primäre Anteile an dieser Arbeit. Auch Nachtwey bezieht Stellung zu der Thematik und schreibt, dass Leiharbeit kein Ausdruck von Normalität ist. Das Standardwerk von Stefan Hradil (2001) über soziale Ungleichheit in Deutschland rundet meine Fachliteratur ab. Zusätzlich werden auch aktuelle Statistiken zu der Thematik verwendet. Zudem werde ich das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (seit dem 01.04.2017 in Kraft) in den Rahmen dieser Arbeit einbauen, da dieses zu tiefgehenden Veränderungen in der Leiharbeit geführt hat und somit teilweise Ungleichheiten, die davor noch allgegenwärtig waren, entkräftet. Zunächst wird die soziale Ungleichheit erläutert und definiert. Im nächsten Abschnitt wird die Arbeitsmarktflexibilisierung allgemein erklärt. Darauf folgt eine Ausführung von den Begriffen der Prekarisierung und atypischen Beschäftigungsformen. Auch wird das Normalarbeitsverhältnis kurz erklärt, damit bereits an der stelle die Unterschiede zur prekären Beschäftigung deutlich werden. Darauf folgen aktuelle Statistiken und Daten, die im darauffolgenden Hauptkapitel ״Arbeitsmarktflexibilisierung und soziale Ungleichheit“ zur Unterstützung der Theorie verwendet werden. In diesem Teil werden sinnvollen Kategorien nach der sozialen Ungleichheit aufgestellt. Dabei wird die Theorie zur Arbeitsmarktflexibilisierung in Beziehung zur Definition der sozialen Ungleichheit nach Hradil gesetzt. Es soll deutlich gemacht werden, wie genau die soziale Ungleichheit durch die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes verändert wird. Im Anschluss daran beantworte ich in einem Resümee die entwickelte Leitfrage: ״Wie verändert die Arbeitsmarktflexibilisierung die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland?“ Diese Leitfrage wurde relativ offengehalten. So wurde nicht explizit die Auswirkung auf eine spezielle Gruppe in der Frage erwähnt, da ich vermute, dass die Arbeitsmarktflexibilisierung alle Beschäftigungsformen (Festangestellte und Leiharbeiterinnen) beeinflusst. Auch kann nicht tiefgehend auf eine bestimmte benachteiligte Gruppe eingegangen werden, da sonst dem Rahmen dieser Hausarbeit nicht Rechnung getragen werden würde. Ich möchte aufzeigen, wie sich die soziale Ungleichheit verändert hat und wo sich diese nun ״erkennen“ lässt. Ist immer noch das Einkommen ein Indikator der sozialen Ungleichheit oder sind es mittlerweile andere wertvolle Güter? Welche Gruppen könnten besonders betroffen sein? Lässt sich vielleicht schon von einer ״neuen sozialen Ungleichheit“ in der Arbeitswelt sprechen?

2. Soziale Ungleichheit

Da in dieser Arbeit herausgearbeitet werden soll, wie die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes die soziale Ungleichheit verändert, wird nun eine entsprechende Arbeitsdefinition der sozialen Ungleichheit aufgestellt.

Stefan Hradil beschreibt ״Erscheinungen sozialer Ungleichheit“ (Hradil 2001: 27). In diesem Zusammenhang werden Menschen durch Differenzierungen tiefer­oder höhergestellt als andere. Dabei sind wertvoller Güter, die in der Gesellschaft als solche angesehen werden, ein Kalkül an dem sich soziale Ungleichheit erkennen lässt. In Deutschland ist zum Beispiel ein hoher Bildungsabschluss ein hohes Gut, wobei auch Werte darunter fallen wie Wohlstand, Sicherheit, Gesundheit und individuelle Autonomie. Dazu zählen auch Güter wie Geld und eine unkündbare berufliche Stellung (vgl. Hradil 2001: 28).

Relevant für die soziale Ungleichheit ist vor allem die Verteilung dieser Güter. Es ist dann von sozialer Ungleichheit zu sprechen, wenn ein Mitglied einer Gesellschaft mehr wertvolle Güter erhält, als ein anderes Mitglied. Darunter können Geld, gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen oder auch Bildungsabschlüsse fallen (vgl. Hradil 2001: 28).

Weiterhin lassen sich Güter zu sozialer Ungleichheit zuordnen, die aufgrund von gesellschaftlichen Beziehungen immer ungleich verteilt sind (vgl. Hradil 2001: 29). Darunter könnten qualitativ hochwertige Weiterbildungen fallen, die zum Beispiel nicht den Leiharbeiterinnen zur Verfügung stehen und angeboten werden. Dabei teilt Hradil die soziale Ungleichheit in zwei Strukturierungsarten ein. Zum einen nennt er die ungleiche Verteilung der wertvollen Güter unter allen betroffenen Personen. Zum anderen nennt er die ungleiche Verteilung zwischen bestimmten Gruppen (vgl. Hradil 2001: 30). Darunter kann die Verteilung von Weihnachtsprämien fallen, die womöglich nicht an die Leiharbeiterinnen ausgezahlt wird, sondern nur an die Festangestellten.

Stefan Hradil fasst zusammen: ״Soziale Ungleichheit“ liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den ״wertvollen Gütern“ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten (Hradil 2001: 30).

Die Dimensionen sozialer Ungleichheit sind unter anderem: Materieller Wohlstand, Prestige und Macht. Darunter fallen vertikale und horizontale Ungleichheitskategorien. Zu den horizontalen Ungleichheitskategorien zählen zum Beispiel die Ethnie, Geschlecht, Alter, Region oder der Lebensstil (vgl. Hasberg 2015: 42). Die vertikalen Ungleichheitskategorien sind das Einkommen, der Zugang zu bestimmten Qualifikationen oder Möglichkeiten des beruflichen Aufstieges.

Mit ״Status“ wird ein Begriff zur Bezeichnung der schlechteren Stellung einer Person im Oben und Unten der Dimensionen sozialer Ungleichheit eingeführt. Eine Person kann also bessergestellt sein, als eine andere und befindet sich somit hierarchisch gesehen unter einer anderen Person. Die Menschen haben nicht immer den gleichen Status, der den Machtanspruch und Prestigestatus erkennbar macht (vgl. Hradil 2001: 33/34). Dabei schreibt Hradil von ״Statuskonsistenz“ und ״Statusinkonsistenz“. Mit Ersterem ist gemeint, dass der Status einer Person konsistent ist. Zum Beispiel sollte jemand mit entsprechenden Qualifikationen auch das dazugehörige Einkommen haben. Mit Zweitem lässt sich eine Person einordnen, die trotz hoher Qualifikation unverhältnismäßig wenig verdient (vgl. Hradil 2001: 33/34).

Damit lässt sich zusammenfassen und als Arbeitsdefinition festhalten, dass soziale Ungleichheit einen unterschiedlichen Zugang zu wertvollen Gütern darstellt und auch von horizontalen und vertikalen Dimensionen begleitet wird. In diesen Dimensionen können Ungleichheiten wie unterschiedliches Einkommen oder gruppenspezifische Benachteiligung festgemacht werden. Besonders Interessant für diese Arbeit könnte sein, welche Güter heute als wertvoll angesehen werden und daher nicht allen Arbeitnehmerinnen zur Verfügung stehen.

2.1 Arbeitsmarktflexibilisierung

Mit dem Begriff ״Arbeitsmarktflexibilisierung“ werden solche Strategien bezeichnet, die das klassische Normalarbeitsverhältnis auflösen. Besonders auffallend ist die Tatsache, dass mit dieser Strategie Arbeitnehmerrechte und der Kündigungsschutz abgebaut werden. Dadurch wird das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer flexibel. Damit werden die Betriebe stark vom Markt und der Wirtschaft beeinflusst. Schwankt der Markt, so werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in Vollzeit eingesetzt, sondern nur bei Bedarf (vgl. Vogel 2006: 28). Durch Strategien der Arbeitsmarktflexibilisierung betroffen sind Arbeitszeit, Zahl der Beschäftigten und die Merkmale des Beschäftigungsverhältnisses, so die Autorin. Das Normalarbeitsverhältnis wandelt sich zu einer unsicheren und flexibleren Form.

Dabei kann zwischen externen und internen Flexibilisierungen differenziert werden. Werden Mitarbeiterinnen auf Teilzeit gesetzt, ist dies eine interne Flexibilisierung, da es direkt Arbeiternehmerlnnen im Unternehmen betrifft. Eine externe Flexibilisierung liegt dann vor, wenn Arbeitskräfte durch betriebliches hohes Arbeitsvolumen bedingt rekrutiert werden. Wenn also ein hohes Produktionsaufkommen gegeben ist, werden Arbeitskräfte für den Zeitraum angeworben und danach wieder entlassen. Auch werden Zulieferer und Subunternehmer beauftragt, die für diesen Zeitraum den Betrieb mit Leiharbeitern unterstützen (vgl. Vogel 2006: 29/30). Die Wirtschaft und die Auftragslage bestimmen somit die Anzahl der Arbeitnehmerinnen und deren Beschäftigungsverhältnisse.

2.2 Normalarbeitsverhältnis & Atypische Beschäftigungsverhältnisse

In der Bundesrepublik Deutschland besteht nach wie vor Klarheit darüber, was ein Normalarbeitsverhältnis kennzeichnet. Weiterhin ist dieses immer noch sehr hoch angesehen. Es ist gekennzeichnet durch soziale Sicherungssysteme, unbefristete Arbeitsverhältnisse, Vollzeittätigkeit mit entsprechenden Einkommen und der Identifikation mit dem Betrieb (vgl. Keller & Seifert 2009: 1).

Atypische Arbeitsverhältnisse sind dagegen sehr flexibel gestaltet. Darunter fallen Teilzeitarbeit oder auch Leiharbeit. Vorteilhaft ist jedoch die Tatsache, dass Leiharbeiterinnen in Arbeitnehmerüberlassung genauso viel Einkommen bekommen müssen, wie die Stammmitarbeiterinnen. Dies ist gesetzlich durch § 8 Abs. 4 s. 1 des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes geregelt und am 01.04.2017 in Kraft getreten. Auch regelt das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz die maximale Verleihdauer, so dass die Angestellten maximal 18 Monate in dem zu entleihenden Betrieb tätig sein dürfen (vgl. Mirtschin 2017: 4). Darunter fallen Betriebe, die keine Betriebsvereinbarung haben und in der eine Ausweitung der Überlassungshöchstdauer vermerkt ist. Das bedeutet das Leiharbeit und flexible Beschäftigungsformen nicht zwangsläufig mit einem schlechten Einkommen einhergehen.

Diese atypischen Verhältnisse sorgen für Nachteile bei den Beschäftigten. Der Zugang zu betrieblichen Fort- und Weiterbildungen wird erschwert bzw. lohnt sich nicht für das Unternehmen, da die atypisch Beschäftigten womöglich bald aus dem Betrieb ausscheiden werden (vgl. Keller & Seifert 2009: 3). Eine teure Fortbildung lohnt sich für Stammmitarbeiterinnen, die das Privileg eines unbefristeten Angestelltenverhältnisses haben und ohnehin dafür zuständig sind, die permanent wechselnden Leiharbeiter einzuarbeiten.

Für die atypischen Arbeitsverhältnisse stehen drei Formen der Beschäftigung, die sich charakteristisch voneinander unterscheiden. Zum einen sei die klassische Zeitleiharbeit genannt. Diese Form der Beschäftigung sollte eigentlich einen Übergang zu einer stabilen Beschäftigung darstellen. Daher sind die Arbeitsbedingungen meist sehr provisorisch und für die Leiharbeiterinnen in einem unteren Niveau angesiedelt. Trotz hoher Qualifikation führt der Beschäftigte meistens die niederen Aufgaben aus, die die

Stammmitarbeiterinnen nicht ausführen wollen (vgl. Cingolani 2013: 26).

Daraus ergeben sich für die Leiharbeiterinnen eine Reihe von ungleichen Zugängen zu Privilegien. Die Beschäftigten werden nicht als Teil des Arbeitskollektivs begriffen, da sie jederzeit oder spätestens nach Ende des Projektes aus dem Betrieb ausscheiden können. Gerade weil die Angst vor Entlassung allgegenwärtig ist, arbeiten Leiharbeiterinnen besonders viel und nehmen Überstunden in Kauf. Auch aus Floffnung vom entleihenden Betrieb in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden (vgl. Cingolani 2013: 27).

Die sogenannte befristete Beschäftigung, die Stammmitarbeiterinnen eines Betriebes direkt betreffen kann, stellt auch eine Form der atypischen Beschäftigung dar. Diese Form der atypischen Beschäftigung ist gravierend, da die Arbeiterinnen im Fall der Entlassung auf sich gestellt sind. Die Leiharbeiterinnen haben dagegen immer noch enge Korrespondenz mit ihrem Personaldienstleister (vgl. Cingolani 2013: 27). Wird ein Arbeiter auf Zeit aus dem Betrieb entlassen, so besteht die Möglichkeit an ein Anschlussprojekt, welches die jeweilige Interim-Agentur vermittelt. Die Mitarbeiterinnen bzw. ehemaligen Festangestellten müssen sich selbstständig auf die Suche nach einem Job begeben oder sie wenden sich an einen Personaldienstleister. Damit schließt sich der ״Teufelskreis“, um es salopp auszudrücken.

Durch diese ständige Gefahr der Kündigung hat sich auch das Bild von Unternehmen auf ihre Arbeiterinnen gewandelt. Der Autor beschreibt diese folgendermaßen: ״Mittels freiwilliger Kündigungen unter absichtlich befristeten Verträgen sowie Ausscheiden infolge auslaufender Verträge bzw. Probezeiten verwandeln bestimmte Firmen Ihre Arbeitskräfte in Wegwerf-Arbeiter...“ (Cingolani 2013: 27). Der Begriff ״Wegwerf-Arbeiter“ beschreibt mit welchem Verständnis die Arbeiterinnen in atypischen Beschäftigungen gesehen werden können.

2.3 Prekarisierung

In den vorherigen Abschnitten habe ich sowohl den Begriff ״soziale Ungleichheit“ definiert, als auch Arbeitsmarktflexibilisierung, Normalarbeitsverhältnis und atypische Beschäftigung erläutert. Im letzten Schritt dieser Begriffsdefinition, folgt ״Prekarisierung“, die eine direkte Folge dieser flexiblen und atypischen Beschäftigungsverhältnisse darstellt, aber wesentlich mehr die unsicheren Verhältnisse herausstellt.

Der Begriff ״Prekarisierung“ meint die Überschreitung von Standards, die sich anhand des Normalarbeitsverhältnisses beschreiben lassen. Darunter fallen zum Beispiel tariflich geregelte Löhne, existenzsichernde Gehälter und eine hohe Integration im Betrieb. Die prekären Arbeitsverhältnisse lassen sich auch dem atypischen Beschäftigungssektor zuordnen. Darunter fallen die meisten Teilzeitstellen, wobei nicht jede stelle prekär sein muss. Außerdem werden die prekär Beschäftigten im Vergleich zu den Festangestellten ungleich entlohnt. Dies wird insbesondere in drei Dimensionen deutlich, die die Autorin herausstellt: in den materiellen Standards, im Arbeits- und Sozialrecht und den betrieblichen Integrationsstandards, also der Sozialisation im Betrieb (vgl. Ahuja-Mayer 2003: 14).

Das Verhältnis zwischen den Stammmitarbeiterinnen und Leiharbeiterinnen ist diffizil, weswegen das Integrations-Niveau abgesenkt ist. Das bedeutet nicht, dass prekäre Arbeit immer Armut, den Verlust einiger Rechte und die betriebliche Isolation voraussetzt. Eine Benachteiligung in nur einer Dimension, kann auch schon Prekarisierung bedeuten, so die Autorin (vgl. Ahuja-Mayer 2003: 15). Die Unterschiede in den materiellen Standards sind nach dem neuen AÜG von 2017 nicht mehr so gravierend. Die Leiharbeiterinnen haben gesetzliches Anrecht auf das sogenannte ״Equal Pay“.

Auch Oliver Nachtwey beschreibt, dass prekäre Arbeit kein ״Ausdruck von Normalität“ (Nachtwey 2016: 136) ist. Sie weicht vom Bild des Normalarbeitsverhältnisses ab. Dabei sind vor allem junge Beschäftigte von atypischen Arbeitsverhältnissen bedroht. Meistens verlieren diese ihren erst Job. Damit befinden sich diese Arbeitnehmer in einer ״Zwischenzone“ und sind permanent im Verhältnis von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Auch das Prestige, welches mit einer festen Anstellung einhergeht, ist nicht mehr vorhanden (vgl. Nachtwey 2016: 139/140).

Die Leiharbeiterinnen sind vor allem auf die Nachfrage ihrer Arbeitskraft angewiesen und sind damit auch von der Existenz des entleihenden Betriebes anhängig (vgl. Dörre 2013: 132). Ein Festangestellter ist nicht direkt mit dieser Problematik konfrontiert. Auch wenn die Arbeitskraft nicht benötigt wird, ist dieser dennoch im Betrieb anwesend, auch um eine vertraglich vereinbarte Anzahl an Stunden abzuleisten.

Ausgenommen von dieser prekären Bedrohung sind hoch qualifizierte Spezialistenlnnen, die selten auf dem Arbeitsmarkt anzutreffen sind. Dazu zählen sowohl Festangestellte, als auch Leiharbeiterinnen. Dennoch findet in diesem Konsens ein Wettbewerb um gute Projekte mit langfristiger Aussicht statt, so Klaus Dörre. Auch der Status soll damit erhalten und angehoben werden. Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass sich auch die Stammmitarbeiterinnen immer wieder für ein unbefristetes Anstellungsverhältnis qualifizieren müssen. So akzeptieren auch die eigentlich nicht prekär Beschäftigten eine hohe Arbeitsflexibilisierung. Zum Beispiel nehmen sie Lohnabschläge oder die Versetzung in andere Werke des Betriebes hin, um dort Engpässe in der Produktion zu kompensieren und ihre Stellung zu erhalten (vgl. Dörre 2013: 133). Daraus lässt sich die Erkenntnis ziehen, dass auch Festangestellte von einem prekären Charakter betroffen sein können und flexibel sein müssen.

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Wie verändert die Arbeitsmarktflexibilisierung die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland?
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V434916
ISBN (eBook)
9783668761100
ISBN (Buch)
9783668761117
Dateigröße
919 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeitsmarktflexibilisierung, ungleichheit, bundesrepublik, deutschland
Arbeit zitieren
Felix Böttjer (Autor), 2017, Wie verändert die Arbeitsmarktflexibilisierung die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434916

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