„ Denn da der überaus starke Trieb, sein Leben und Dasein zu erhalten, ihm von Gott selbst als ein Prinzip des Handelns eingepflanzt worden war, konnte ihn die Vernunft, als die Stimme Gottes in ihm, nur lehren und überzeugen, dass er in der Befolgung dieser natürlichen Neigung sein Dasein zu erhalten hatte, den Willen seines Schöpfers erfüllte und deshalb ein Recht hatte, sich jene Geschöpfe nutzbar zu machen, von denen er auf Grund seiner Vernunft und seiner Sinne erkennen konnte, dass sie für seine Zwecke geeignet waren. Deshalb war das Eigentum des Menschen an den Geschöpfen aus seinem Recht begründet, von jenen Dingen Gebrauch zu machen, die für sein Dasein notwendig oder nützlich waren.“
Diese Beschreibung des Selbsterhaltungsprinzips, das bei John Locke das Eigentumsrecht begründet, hat als einziges angeborenes Recht unter den Regeln des natürlichen Gesetzes eine Sonderstellung inne und bildet damit die theoretische Basis seiner Eigentumstheorie. Während alle anderen „Normen durch die Arbeit der Sinne und des Verstandes konstruiert werden müssen, ist es immer evident und wirksam und kann im Gegensatz zu den anderen Prinzipien nie verdunkelt werden“.
Doch wie wird das Eigentum im einzelnen begründet und wie viel darf ein einzelner Menschen überhaupt besitzen, ohne anderen Schaden zuzufügen? Existiert so etwas wie ein Maßstab oder eine Regel nach der das Maß des Eigentums bemessen wird?
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Leben und Werk
2. Allgemeine Annahmen
2.1 Der Naturzustand
2.2 Die Definition des Eigentums – der „property“-Begriff
3. Das Eigentum im Naturzustand vor Einführung der Geldwirtschaft
3.1 Die Vermischungstheorie
3.2 Die Schranken der Aneignung
3.2.1 Die Gleichwertigkeitschranke
3.2.2 Die Verderblichkeitsschranke
4. Das Eigentum nach Einführung der Geldwirtschaft
4.1 Die Aufhebung der Aneignungsschranken
4.2 Die Entartung des Menschen
4.2.1 Die Gründung einer politischen Gesellschaft zum Schutz des Eigentums
5. Abschließende Wertung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Eigentumstheorie von John Locke, insbesondere die Verknüpfung der Kategorien Arbeit und Eigentum, und analysiert deren Entwicklung vom Naturzustand bis hin zur Etablierung einer politischen Gesellschaft nach Einführung der Geldwirtschaft.
- Biografischer Abriss zu Leben und Werk von John Locke
- Definition und Herleitung des Eigentumsbegriffs im Naturzustand
- Die Vermischungstheorie als Basis des Privateigentums
- Die Auswirkungen der Geldwirtschaft auf die Aneignungsschranken
- Notwendigkeit und Begründung des Übergangs zum staatlichen Schutz des Eigentums
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Vermischungstheorie
Zwar gehört die Schöpfung, wie bereits ausgeführt, anfangs allen Menschen gemeinsam, dennoch gibt es ein ursprüngliches Privateigentum „zur individuellen und ausschließlichen Nutzung“ – des Eigentum an der eigenen Person.
Von dieser Verfügungsgewalt über die eigene Person leitet Locke nun „ eine Reihe von weiteren Exklusivrechten ab, durch die die gemeinsame Nutzung der Erde in eine Appropriation mit Individualrechten geändert wird. Das Bindeglied zwischen allgemeiner Nutzbarkeit und individuellem Exklusivbesitz schafft die Arbeit eines Menschen“. Locke selbst fasst diese Gedanken wie folgt zusammen: „Obwohl die Erde und alle niederen Lebewesen allen Menschen gemeinsam gehören, so hat doch jeder Mensch ein Eigentum an seiner eigenen Person. Auf diese hat niemand ein Recht als nur er allein. Die Arbeit seines Körpers und das Werk seiner Hände sind, so können wir sagen, im eigentlichen Sinne sein Eigentum“.
Was immer also der Mensch dem natürlichen Zustand durch seine Arbeit entrückt, gewissermaßen „vermischt“, macht er, ohne die Zustimmung anderer abwarten zu müssen, zu seinem Eigentum: Denn „wäre eine solche Zustimmung notwendig gewesen, so wären alle Menschen verhungert, ungeachtet des Überflusses, den Gott ihnen gegeben hat“. Privates Eigentum beruht also nicht auf der Gewährung durch alle anderen und ebenso wenig auf der Zuweisung durch den Staat, der das Privateigentum bei seiner Entstehung schon vor findet und es zu achten und zu schützen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in das zentrale Selbsterhaltungsprinzip ein, welches das Eigentumsrecht bei Locke begründet, und stellt die leitende Forschungsfrage nach dem Maß und der Legitimität des Eigentums.
1. Leben und Werk: Ein biografischer Abriss zeichnet Lockes Lebensweg, seine intellektuelle Entwicklung und seinen Einfluss auf die liberale politische Theorie nach.
2. Allgemeine Annahmen: Das Kapitel definiert den Naturzustand als Zustand vollkommener Freiheit und Gleichheit und klärt das Verständnis des „property“-Begriffs als Grundlage für Lockes politisches Denken.
3. Das Eigentum im Naturzustand vor Einführung der Geldwirtschaft: Hier wird die Vermischungstheorie erläutert, nach der Arbeit ein Gut zum Privateigentum macht, sowie die begrenzenden Schranken der Aneignung dargestellt.
4. Das Eigentum nach Einführung der Geldwirtschaft: Die Einführung des Geldes hebt die natürlichen Aneignungsschranken auf, was zur Akkumulation von Kapital führt und schließlich den Übergang zu einer politischen Gesellschaft zur Sicherung des Eigentums notwendig macht.
5. Abschließende Wertung: Dieses Kapitel resümiert die Widersprüchlichkeit von Lockes Sozialphilosophie, die traditionelle Werte mit einer aufkommenden kapitalistischen Wirtschaftsweise verbindet.
Schlüsselwörter
John Locke, Eigentumstheorie, Naturzustand, Vermischungstheorie, Geldwirtschaft, Selbsterhaltung, Privateigentum, Aneignungsschranken, Arbeit, politische Gesellschaft, Kapitalakkumulation, Naturgesetz, Sozialphilosophie, Besitzindividualismus, Vertragslehre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Eigentumstheorie von John Locke, insbesondere wie Eigentum im Naturzustand entsteht und wie es sich nach der Einführung von Geld und einer staatlichen Ordnung verändert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen der Naturzustand, Lockes Eigentumsbegriff, die Arbeitstheorie, die Rolle des Geldes bei der Akkumulation von Besitz sowie die Gründung einer politischen Gesellschaft zum Schutz von Eigentumsrechten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die moralische und rechtliche Legitimität von Privateigentum in Lockes Philosophie zu hinterfragen und die Rolle der Arbeit als eigentumserzeugende Kraft zu durchleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine philosophische und politikwissenschaftliche Textanalyse, die Lockes Hauptwerk „Second Treatise of Government“ anhand von Fachliteratur untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Betrachtung des Eigentums vor und nach Einführung der Geldwirtschaft sowie die Analyse der daraus resultierenden Notwendigkeit eines staatlichen Rahmens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Eigentumstheorie, Naturzustand, Vermischungstheorie, Kapitalakkumulation und politische Gesellschaft zusammenfassen.
Wie begründet Locke den Übergang vom Naturzustand zur politischen Gesellschaft?
Locke argumentiert, dass durch die Geldwirtschaft und ungleiche Besitzverhältnisse der Naturzustand unsicher wird, weshalb die Menschen freiwillig einen Vertrag schließen, um ihr Leben und Eigentum unter staatlichem Schutz zu sichern.
Was genau versteht Locke unter der „Vermischungstheorie“?
Locke postuliert, dass ein Mensch, indem er seine eigene Arbeit mit einem Naturgegenstand vermischt, diesen aus dem Gemeinbesitz herauslöst und somit zu seinem rechtmäßigen Privateigentum macht.
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- Irene Gebauer (Author), 2003, Eigentum bei John Locke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43505