In dieser Hausarbeit werden die Vorteile, aber auch möglichen Probleme des Einsatzes kooperativer Lernmethoden in der Erwachsenenbildung aufgearbeitet und in Hinblick auf ihren Einsatz in heterogenen Lerngruppen analysiert. Der Arbeit zugrunde liegt die Problematik einer zum Teil sehr gemischten Altersstruktur in vielen Angeboten der Erwachsenenbildung und den damit verbundenen Schwierigkeiten sowohl für die Lernenden als auch für die Lehrenden. Insbesondere soll hier auch auf die Herausforderungen für die Rolle der Lehrenden bei der Anwendung kooperativer Lernmethoden im Unterricht eingegangen werden. Richtungsweisend ist hier die Fragestellung, ob der Einsatz kooperativer Lernmethoden gruppeninterne Schwierigkeiten durch hohe Altersunterschiede positiv beeinflussen kann.
Im Verlauf der Arbeit wird zunächst eine Einführung in die Thematik gegeben. Zuerst findet eine kurze Beschreibung der möglichen Probleme einer heterogenen Gruppenzusammensetzung in der Erwachsenenbildung statt. Dabei geht es insbesondere um große Altersunterschiede innerhalb einer Lerngruppe, wie sie in vielen Bereichen der Erwachsenenbildung vorkommen. Anschließend werden für die Arbeit relevante Begriffe wie Kooperatives Lernen, kooperative Lernmethoden, das Lernen Erwachsener und Heterogenität kurz definiert und vorgestellt.
Im Hauptteil der Arbeit geht es um die kooperativen Lernmethoden und ihre Anwendbarkeit in der Erwachsenenbildung. Dabei wird auf eine Lernmethode, das Gruppenpuzzle (jigsaw) intensiv eingegangen. Das Gruppenpuzzle wird in der Theorie vorgestellt und anschließend anhand eines Beispiels aus der Erwachsenenbildung in die Praxis übertragen. Anhand dieser Lernmethode werden einerseits die möglichen Auswirkungen, positive wie negative, auf den Gruppenkonflikt Altersunterschied, andererseits auch die Rolle des Lehrenden in diesem Lehrarrangement betrachtet.
Abschließend wird versucht die Ergebnisse der Literaturrecherche auf das anfangs beschriebene Praxisbeispiel zu übertragen und die folgende Fragestellung zu beantworten: Sind kooperative Lernmethoden in der Erwachsenenbildung geeignet, um gruppeninterne Störungen in der Lernatmosphäre, ausgelöst durch hohe Altersunterschiede der Teilnehmer, zu minimieren? Im Schlussteil der Hausarbeit werden außerdem die Ergebnisse diskutiert und Schlussfolgerungen aus der Bearbeitung des Themas gezogen sowie ein Ausblick auf weiterführende Fragestellungen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Inhalt und Aufbau
1.2 Begriffserklärungen und -definitionen
1.2.1 Kooperatives Lernen
1.2.2 Kooperative Lernmethoden
1.2.3 Heterogenität
1.2.4 Erwachsenenlernen
1.3 Einführung in die Thematik
1.4 Methodisches Vorgehen
2. Kooperatives Lernen
2.1 Was ist kooperatives Lernen?
2.2 Die zentralen Merkmale kooperativen Lernens
2.3 Schwierigkeiten beim kooperativen Lernen
2.4 Die Rolle des Lehrenden beim kooperativen Lernen
3. Kooperative Lernmethoden
3.1 Methodenübersicht
3.2 Methodenbeispiel: Gruppenpuzzle
4. Kooperatives Lernen in der Erwachsenenbildung
4.1 Gestaltung des kooperativen Lernens in der Erwachsenenbildung
4.2 Umsetzung des Gruppenpuzzles im Praxisbeispiel
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, inwiefern kooperative Lernmethoden dazu beitragen können, gruppeninterne Störungen und Konflikte in heterogenen Lerngruppen der Erwachsenenbildung – insbesondere bedingt durch große Altersunterschiede – zu minimieren und den Lernprozess zu fördern.
- Grundlagen und Definitionen kooperativen Lernens
- Herausforderungen heterogener Lerngruppen im Erwachsenenalter
- Die veränderte Rolle der Lehrkraft als Coach und Moderator
- Vorstellung und Analyse kooperativer Methoden (z. B. Think-Pair-Share, Placemat, Gruppenpuzzle)
- Praktische Übertragung des Gruppenpuzzles auf ein spezifisches Weiterbildungsszenario
Auszug aus dem Buch
2.3 Schwierigkeiten beim kooperativen Lernen
Neben den positiven Auswirkungen auf die Lerngruppe, den Einzelnen, die Lernleistungen und das Sozialverhalten, kann es beim oder durch das kooperative Lernen auch zu weiteren Problemen kommen. Vor allem im Bereich der Erwachsenenbildung sind die Vorstellungen, Erfahrungen und Wünsche der einzelnen Gruppenmitglieder mitunter so unterschiedlich, dass ein gewisses Konfliktpotenzial nachvollziehbar ist. Konrad/Traub (2016) beschreiben mögliche Probleme anhand von sechs Phänomenen, die von Renkl 1995 erstmals beschrieben wurden.
! Der Hans macht’s dann eh´-Phänomen: Hiermit wird ein Verhalten einzelner Gruppenmitglieder beschrieben, die aufgrund mangelnder Motivation die Arbeit anderen überlassen.
! Ich hab meinen Teil erledigt-Phänomen: Gruppenmitglieder weigern sich weitere Beiträge zum Gruppenergebnis beizutragen, da sie der Meinung sind schon genug getan zu haben.
! Ja bin ich denn der Depp?-Phänomen: Kann als Folge des Hans machts dann eh-Phänomen gesehen werden. Die Gruppenmitglieder die gefühlt die Hauptlast der Arbeit tragen sind verärgert und können ebenfalls die Motivation verlieren.
! Gruppenarbeit-nein-danke-Phänomen: Treten bei der Durchführung kooperativer Lernmethoden auf, wenn einzelne Gruppenmitglieder in ihrer Lernbiographie negative Erfahrungen mit Gruppenarbeit gemacht haben. Dies kann zu sinkender Akzeptanz der Lernmethode führen.
! Da mach ich es doch gleich selbst-Phänomen: Wird als Matthäus-Effekt bezeichnet und besagt, dass Gruppenmitglieder mit besseren Voraussetzungen die Hauptarbeit übernehmen, weil ihnen die Beiträge der anderen Gruppenmitglieder der nicht gut oder schnell genug sind. Die von vornherein besseren Mitglieder arbeiten also mehr und lernen auch mehr als die anderen.
! Kann und mag ich nicht, mach du-Phänomen: Dieses, auch als intrapersonaler Matthäus-Effekt bezeichnete, Phänomen kann als Schereneffekt beschrieben werden. Die einzelnen Gruppenmitglieder suchen sich die Aufgabenteile heraus, die sie besonders gut oder gerne bewältigen können. Dies führt dazu, dass sie Themen die sie eh schon beherrschen weiter verbessern, während andere Themen nicht gelernt werden (vgl. Konrad/Traub, 2016).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert die Forschungsfrage und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Kooperatives Lernen: Hier werden die theoretischen Grundlagen, die Basiselemente, potenzielle Schwierigkeiten sowie die Rolle der Lehrenden erläutert.
3. Kooperative Lernmethoden: In diesem Teil werden verschiedene Lernmethoden wie Think-Pair-Share, Placemat und das Gruppenpuzzle theoretisch vorgestellt.
4. Kooperatives Lernen in der Erwachsenenbildung: Dieses Kapitel überträgt die theoretischen Konzepte auf die spezifischen Bedingungen der Erwachsenenbildung und wendet das Gruppenpuzzle in einem Praxisbeispiel an.
5. Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Herausforderungen bei der Umsetzung und zieht Schlussfolgerungen für die Lehrpraxis.
Schlüsselwörter
Kooperatives Lernen, Erwachsenenbildung, Gruppenpuzzle, Heterogenität, Altersunterschiede, Lernmethode, Gruppendynamik, Lehr-Lern-Prozess, Konstruktivismus, Selbststeuerung, Moderation, Konfliktpotenzial, Sozialkompetenz, Gruppenarbeit, Weiterbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz kooperativer Lernmethoden in der Erwachsenenbildung und deren Eignung für heterogene Lerngruppen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Merkmale kooperativen Lernens, der Umgang mit Heterogenität (insbesondere Altersunterschiede), die Methodenvielfalt sowie die Rolle der Lehrkraft.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob kooperative Lernmethoden geeignet sind, um gruppeninterne Störungen in der Lernatmosphäre zu minimieren, die durch große Altersunterschiede der Teilnehmenden entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Erstellung gewählt?
Die Autorin führte eine systematische Literaturrecherche durch, unter anderem in den Studienbriefen des Fernstudiengangs, bei Google Scholar und in Bibliothekskatalogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine methodische Übersicht und eine konkrete Anwendung des Gruppenpuzzles auf ein Praxisbeispiel aus der Weiterbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie kooperatives Lernen, Heterogenität, Gruppenpuzzle, Erwachsenenbildung und Moderation beschreiben.
Welches spezifische Praxisbeispiel dient der Veranschaulichung?
Das Beispiel beschreibt eine 18-monatige Weiterbildung zur Nachqualifizierung für Physiotherapeuten, in der 16 Teilnehmer mit Altersunterschieden zwischen 20 und 39 Jahren aufeinandertreffen.
Wie gehen Lehrende mit dem "Matthäus-Effekt" um?
Die Arbeit betont, dass Lehrende hier moderierend eingreifen müssen, um zu verhindern, dass leistungsstarke Teilnehmer die Arbeit dominieren oder Teilnehmer nur bereits bekannte Themen vertiefen.
Was ist das Ziel des "Gruppenpuzzles"?
Ziel ist es, durch die Aufteilung in Stamm- und Expertengruppen eine gegenseitige Abhängigkeit zu schaffen, die sowohl soziale Kompetenzen als auch das Fachwissen aller Gruppenmitglieder stärkt.
Welche Rolle nimmt der Lehrende in kooperativen Settings ein?
Die Lehrperson wandelt sich vom Frontaldozenten zum Coach und Moderator, der Prozesse beobachtet, interveniert und Strukturvorgaben für die Arbeitsergebnisse macht.
- Arbeit zitieren
- Ann-Christin Just (Autor:in), 2017, Kooperative Lernmethoden in der Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435113