Sexuelle Bildung für Menschen mit Behinderung wurde lange Zeit überhaupt nicht thematisiert. Gründe dafür sind die unzureichenden pädagogischen Konzepte und Kompetenzen sowie rechtliche Bedenken. Doch wie kann die Soziale Arbeit eine selbstbestimmte Sexualität bei Menschen mit geistiger Behinderung fördern?
Katrin Kirschner-Roth betrachtet in dieser Publikation die derzeitige Sexualbildung im ambulant betreuten Wohnen. Sie klärt dabei, ob Menschen mit geistiger Behinderung eine sexuelle Bildung brauchen und was ein entsprechendes Bildungsangebot bieten sollte.
Im Anschluss an ihre Beobachtungen erarbeitet Kirschner-Roth ein Konzept zur sexuellen Bildung für Menschen mit Behinderung. Sie achtet dabei vor allem auf die praktische Umsetzbarkeit im ambulant betreuten Wohnen. Ihr Buch ermöglicht die einfache Übernahme in den Alltag von Wohngemeinschaften und den betroffenen Menschen.
Aus dem Inhalt:
- Sexuelle Bildung;
- Ambulant betreutes Wohnen;
- Selbstbestimmung;
- Empowerment;
- Menschen mit geistiger Behinderung
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Begriffe in dieser Arbeit
2.1 Geistige Behinderung
2.2 Sexualität
2.3 Sexuelle Bildung
3 Analyse des Bedarfs bei Menschen mit geistiger Behinderung
3.1 Allgemeiner Bedarf an sexueller Bildung
3.2 Wahrnehmung und Kommunikation
3.3 Bildung und Wissen
3.4 Zusätzliche beeinflussende Faktoren
3.5 Bedingungen für eine sexualfreundliche Begleitung
3.6 Auseinandersetzung über ein Angebot von sexueller Bildung bei Menschen mit geistiger Behinderung
4 Menschen mit geistiger Behinderung im ambulant betreuten Wohnen
4.1 Das ambulant betreute Wohnen
4.2 Alter und Geschlecht der Menschen mit geistiger Behinderung im ambulant betreuten Wohnen
4.3 Erforderliche Fähigkeiten und Ressourcen der Menschen mit geistiger Behinderung im ambulant betreuten Wohnen
5 Strukturelle Rahmenbedingungen
5.1 Selbstbestimmung und Empowerment der Menschen mit geistiger Behinderung
5.2 Rechtliche Aspekte
5.3 Fachkräfte/Personal
6 Zielkatalog
6.1 Prozesszielkatalog
6.2 Aufgabenbezogener Zielkatalog
7 Inhalte
8 Didaktik/Methoden
9 Planung der Durchführung
10 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung sexueller Bildung für Menschen mit geistiger Behinderung im ambulant betreuten Wohnen, um deren Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und eine selbstbestimmte Lebensführung zu fördern.
- Analyse des spezifischen Bedarfs an sexueller Bildung bei Menschen mit geistiger Behinderung
- Empowerment-Ansatz zur Stärkung von Autonomie und Selbstbestimmung
- Entwicklung eines zielgerichteten Konzepts (Zielkatalog) für die sexualpädagogische Begleitung
- Rahmenbedingungen und methodische Umsetzung im ambulant betreuten Wohnen
- Integration von sexualpädagogischen Inhalten und Didaktik in den Lebensalltag
Auszug aus dem Buch
3.2 Wahrnehmung und Kommunikation
Sexualität [s.a. Kapitel 2.2.] umfasst den ganzen Menschen, mit seinen Gedanken, Gefühlen und dem Körper (vgl. Ortland 2016: 14). Menschen mit und ohne Behinderung haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Viele haben die gleichen Fähigkeiten und Bedürfnisse (vgl. Bosch 2006: 9).
Durch einen Ressourcencheck zu Beginn eines Kontaktes mit dem Menschen mit geistiger Behinderung können lebensgeschichtlich gewonnene Kompetenzen, Talente, Ausstattungen, vorteilhafte Zufälligkeiten und nützliche Netzwerke, die die Menschen mit geistiger Behinderung mitbringen, bemerkt, festgestellt und dadurch auch nutzbar gemacht werden. Dabei geht es nur um die Registrierung, Beschreibung, Anerkennung und Analyse der vorhandenen Stärken auf einer sachlichen und klaren Ebene. So können die Fähigkeiten und die Bedürfnisse der Menschen mit geistiger Behinderung, auch wenn sie im Alltag in den Hintergrund des Bewusstseins der Beteiligten geraten sind, wieder erkenntlich gemacht werden (vgl. Früchtel/Budde/Cyprian 2013: 57f.). Dabei kann festgestellt werden, dass sie zum Beispiel bereits einen Lebenspartner haben oder hatten und somit schon beschreiben können, was ihnen in der Partnerschaft gefällt/gefallen hat oder eben auch nicht gefällt/gefallen hat.
Menschen mit geistiger Behinderung erleben ihre Sexualität jedoch teilweise anders als Menschen ohne Behinderung, da sie durch ihre geistigen und teils auch körperlichen Behinderungen Erschwernisse bei der freien Entfaltung ihrer Sexualität haben (vgl. Ortland 2016: 16f.).
Diese sexuellen Erschwernisse, die auch als andere Möglichkeiten, die Sexualität zu erleben, verstanden werden können, haben teilweise für die Menschen eine größere Bedeutung. Diese fordern eine individuelle Auseinandersetzung mit der Entwicklung der individuellen Sexualität (vgl. Ortland 2008: 24 und 33).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der sexuellen Bildung für Menschen mit geistiger Behinderung im ambulant betreuten Wohnen unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
2 Grundlegende Begriffe in dieser Arbeit: Dieses Kapitel definiert essenzielle Begriffe wie geistige Behinderung, Sexualität und sexuelle Bildung als theoretisches Fundament.
3 Analyse des Bedarfs bei Menschen mit geistiger Behinderung: Hier wird untersucht, welcher Bedarf an sexueller Bildung besteht und welche Hindernisse bei Wahrnehmung, Kommunikation und Wissenszugang überwunden werden müssen.
4 Menschen mit geistiger Behinderung im ambulant betreuten Wohnen: Die spezifische Lebenssituation der Zielgruppe sowie erforderliche Ressourcen für ein selbstbestimmtes Wohnen werden dargelegt.
5 Strukturelle Rahmenbedingungen: Es werden die rechtlichen Aspekte, Empowerment-Strategien und die Rolle der Fachkräfte/Personals bei der Umsetzung sexueller Bildung thematisiert.
6 Zielkatalog: Dieses Kapitel entwirft einen Prozess- und Aufgabenzielkatalog, der SMART-Kriterien zur Strukturierung des Bildungsangebots nutzt.
7 Inhalte: Hier werden die Modul-Themengebiete der sexuellen Bildung für die praktische Anwendung definiert.
8 Didaktik/Methoden: Dieses Kapitel beschreibt didaktische Ansätze und methodische Werkzeuge zur Vermittlung der Inhalte.
9 Planung der Durchführung: Es wird die flexible Integration der Module in den Alltag sowie der Ablauf der einzelnen Lerneinheiten erläutert.
10 Ausblick: Der Ausblick reflektiert das Potenzial eines enttabuisierten Umgangs mit Sexualität und Behinderung für die Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
Sexuelle Bildung, geistige Behinderung, ambulant betreutes Wohnen, Selbstbestimmung, Empowerment, Sexualerziehung, Sexualität, Lebensweltorientierung, Inklusion, sexualpädagogische Begleitung, Behindertenhilfe, Sozialarbeit, Lebensgeschichte, Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Umsetzung sexueller Bildung für Menschen mit geistiger Behinderung im ambulant betreuten Wohnen, um deren Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu stärken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die Analyse von Bildungsbedarfen, die Bedeutung von Selbstbestimmung und Empowerment, die Rolle des Personals sowie die methodische Planung konkreter Bildungsmodule.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines zielkataloggestützten Handlungskonzepts, das Menschen mit geistiger Behinderung befähigt, ihre Sexualität selbstbestimmt und reflektiert zu leben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie auf handlungsleitende Konzepte der Sozialen Arbeit wie Lebensweltorientierung, Empowerment und das Vier-Stufen-Modell.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Bedarfsanalysen, strukturelle Rahmenbedingungen, rechtliche Grundlagen, eine detaillierte Zielsetzung sowie didaktische Methoden zur Modulumsetzung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sexuelle Bildung, geistige Behinderung, ambulant betreutes Wohnen, Selbstbestimmung, Empowerment und Inklusion sind zentrale Charakteristika der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich "sexuelle Bildung" von "Sexualerziehung" in diesem Kontext?
Sexuelle Bildung wird als lebenslanger Selbstformungsprozess verstanden, der vom Lernenden ausgeht, während klassische Sexualerziehung oft defizitorientiert und präventiv durch Lehrende definiert wird.
Warum ist das "ambulante Wohnen" für dieses Konzept besonders relevant?
Diese Wohnform bietet mehr Potenzial für Eigenverantwortung und Selbstgestaltung als stationäre Einrichtungen, erfordert jedoch spezifische Hilfestellungen, um eine sexuelle Selbstbestimmung trotz bestehender Abhängigkeiten zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Katrin Kirschner-Roth (Autor:in), 2018, Sexuelle Bildung bei Menschen mit geistiger Behinderung. Förderung der sexuellen Selbstbestimmung im ambulant betreuten Wohnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435114