Süchtiges Arbeiten. Workaholismus und Arbeitssucht im Fokus


Seminararbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ARBEITSSUCHT
2.1. Begriffsdefinitionen
2.2. Ursachen, Merkmale und Folgen der Arbeitssucht
2.3. Typologie der Arbeitssucht
2.4. Therapie der Arbeitssucht

3. EMPIRSICHE STUDIEN ZUR ARBEITSSUCHT
3.1. Arbeitssucht und psychisches & physisches Wohlbefinden
3.2. Arbeitssucht und außerberufliche Zufriedenheit
3.3. Arbeitssucht und Arbeitszeit
3.4. Arbeitsbezogenheit und Arbeitszeit an der WISO

4. ZUSAMMENFASSUNG

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Keine Sucht genießt ein so hohes Prestige wie die Arbeitssucht –

zumindest in unserer Leistungsgesellschaft.“

(Orthaus, 1993 zitiert nach Breitsameter, 1997, S.69)

Während Arbeitssucht als Phänomen längst bekannt ist, ist es gesellschaftlich noch nicht als Krankheit anerkannt. Auch in Expertenkreisen ist Workaholismus sehr umstritten und noch unzureichend erforscht. Wird Vielarbeiten gefördert und belohnt in unserer Gesellschaft, auch auf Kosten der Gesundheit und der sozialen Beziehungen? Widerspricht das Krankheitsbild der gängigen Moral, wie sie in Sprichwörtern wie ‚Arbeit adelt‘, ‚ohne Fleiß kein Preis‘ oder ‚Arbeit macht das Leben süß‘ zum Ausdruck kommt? Besonders in Deutschland genießt Arbeit einen sehr hohen Stellenwert, werden doch v.a. den Deutschen die Tugenden Fleiß, Tüchtigkeit und Disziplin zugeschrieben. Es ist daher vielleicht besonders in Deutschland schwierig, Akzeptanz für dieses zwar weit verbreitete, nicht aber genügend beachtete und behandelte Phänomen zu schaffen. Während in anderen Ländern, z.B. Amerika die ,Anonymen Workaholics‘ als Selbsthilfegruppe für Arbeitssüchtige ins Leben gerufen wurde, ist diese Initiative in Deutschland noch relativ unbekannt.

Diese Arbeit befasst sich mit dem Thema Arbeitssucht und stellt den hinter diesem Begriff verborgenen Sachverhalt dar bzw. erläutert ihn. Einführend werden einige wichtige Begriffe im Zusammenhang mit Arbeit, Sucht und Arbeitssucht definiert. In Kapitel 2 werden in den theoretischen Ausführungen Ursachen, Merkmale und Folgen sowie eine Typologie für die Arbeitssucht dargestellt. Die ‚Rational Emotive Behaviour Therapy‘ (REBT) als ein Therapie-konzept zur Heilung süchtigen Arbeitsverhaltens ist Inhalt des letzten Teils von Kapitel 2.

Im dritten Kapitel werden Studien zur Arbeitssucht vorgestellt, welche empirische Belege für die aufgeführten Merkmale und Folgen der Arbeitssucht liefern. Zum einen befassen sich diese Studien mit dem Zusammenhang von Arbeitssucht und Wohlbefinden (psychisch und physisch) sowie außerberuflicher Zufriedenheit. Zum anderen befassen sie sich mit dem Zusammenhang von Arbeitssucht und Arbeitszeit. Letzteres wird u.a. anhand einer empirischen Studie untersucht, welche wir unter KommilitonInnen der WISO durchführten. Dabei war v.a. der Zusammenhang zwischen der Arbeits- bzw. Studiereinstellung und der tatsäch-lich geleisteten Studierzeit von Bedeutung. Wir (Sonja Löffelmann und ich) entschieden uns, der Hausarbeit einen empirischen Teil beizufügen, um einen Eindruck von der Tendenz zu süchtigem Arbeiten unter unseren Mitkommilitonen und Mitkommilitoninnen zu erhalten.

Im Schlußteil werden noch einmal die wichtigsten Thesen zusammengefaßt und ein Fazit gezogen.

2. Arbeitssucht

2.1. Begriffsdefinitionen

Zunächst eine kurze Betrachtung des Begriffes Arbeit an sich: Arbeit ist in zweierlei Hinsicht in unserer Gesellschaft notwendig, „einerseits als Existenzgrundlage zur Befriedigung physiologischer Bedürfnisse, andererseits als ein Bereich zur Befriedigung ideeller Bedürfnisse“ (Rohrlich, 1982, zitiert nach Breitsameter & Reiners-Kröncke, 1997, S.14). Letzteres hat v.a. in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in den westlichen Gesellschaften an Bedeutung gewonnen. Aber auch die Tatsache, dass die sozialen Sicherungssysteme in unserer Gesellschaft an Erwerbstätigkeit ausgerichtet sind, hat der Arbeit im Laufe des letzten Jahrhunderts eine neue Bedeutung verliehen (Vgl. Breitsameter & Reiners-Kröncke, 1997).

Unter einer Droge, (in der behandelten Sucht die ‚Arbeit‘) ist „jedes personale und apersonale Mittel, mit dem Verhaltens-, Gemüts- und/oder körperliche Veränderungen erzielt werden können“ (Mentzel, 1979, nach Rentrop, 1989, S.8) zu verstehen.

Laut WHO ist Sucht ein „Zustand der psychischen und physischen Abhängigkeit von einer Substanz mit dem Ziel, Selbstverwandlung, Lustgefühl und Entlastung von Unlustgefühlen herzustellen“ (Rentrop, 1989, S.11). Dabei ist nach Harten (1994, nach Breitsameter & Reiners-Kröncke, 1997) in vielen Fällen keine klare Differenzierung zwischen süchtigem und nicht süchtigem Verhalten möglich, was besonders bei der Diskussion von Arbeitssucht zutreffend ist. Oftmals sind die Übergänge fließend und individuell verschieden in Abhängigkeit von der persön-lichen bzw. subjektiven Beeinträchtigung und Empfindung. Es gibt sehr viel-fältige Gründe für Vielarbeiten wie z.B. Sparzwänge oder absolute Armut, weshalb die reine Arbeitszeit nur unzureichend über das Vorliegen einer Arbeitssucht Auskunft gibt. Wichtiger als die reine, konsumierte Menge des ‚Suchtmittels‘ ist nach Meinung vieler Autoren (z.B. Machlowitz, 1967, nach Rentrop, 1989; und Mentzel, 1979, nach Schneider & Bühler, 1999) daher die Einstellung bzw. Arbeitshaltung.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Arbeit keine ‚Substanz‘ im pharmakologischen Sinne ist. Dies begründet z.T. die Probleme mit dem Konzept der ‚Arbeitssucht‘. Beispielsweise ist es schwierig, Arbeitssucht einer bestimmten Kategorie psychischer Störungen zuordnen zu können.

Grundsätzlich weist die Arbeitssucht mit vielen anderen Süchten vergleichbare Verhaltensweisen und Eigenschaften auf, was u.a. auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass der Begriff in Anlehnung an den Alkoholismus-Begriff entstanden ist. Daher kann man die Diagnose Arbeitssucht dann stellen, wenn die 3 klassischen Suchtkriterien

1. Kontrollverlust
2. Dosissteigerung
3. Entzugserscheinungen

erfüllt sind (Vgl. Wacker, 1987, nach Schneider & Bühler, 1999).

Arbeitssucht ist neben der Spielsucht eine der markantesten neuen Süchte und den nicht-stoffgebundenen Süchten zuzuordnen (Vgl. Rentrop, 1989). Da noch nicht im ICD-10 aufgenommen, bemühen sich Wissenschaftler und Psychologen um die Anerkennung der Krankheit als Störung der Impulskontrolle.

Abschließend sei eine Definition von Arbeitssucht nach Oates (1971) angeführt: ‚Ein Arbeitssüchtiger ist ein Mensch, der den unaufhörlichen Drang oder Zwang verspürt, unaufhörlich arbeiten zu müssen. Dieses exzessive Bedürfnis nimmt ein so hohes Maß an, daß sowohl seine Gesundheit und sein Wohlbefinden als auch seine privaten Beziehungen beeinträchtigt werden‘ (Vgl. Schneider & Bühler, 1999).

Wie sich Arbeitssucht konkret äußert, wird im folgenden Kapitel erörtert.

2.2. Ursachen, Merkmale und Folgen der Arbeitssucht

Die Ursachen von psychischen Störungen sind generell sehr vielfältig, individuell und oftmals weitgehend ungeklärt. Dennoch lassen sich bestimmte Faktoren wie z.B. Persönlichkeitsmerkmale und familiäres Umfeld feststellen, die das Entste-hen von Störungen begünstigen. Laut Seybold und Salomone (1994) können eine extrem wettbewerbsorientierte Persönlichkeitsstruktur, Kontrollbedürfnis und mangelndes Selbstbewußtsein Ursachen von Arbeitssucht sein. Der Antrieb für die Arbeit liegt somit zum einen in der Versagensangst und zum anderen in der Suche nach Bestätigung und Anerkennung begründet. Des weiteren kann süch-tiges Arbeitsverhalten von arbeitssüchtigen Eltern erlernt oder durch zu hohe Anforderungen der Eltern ‘anerzogen‘ werden. Auch kann Vielarbeit eine Flucht vor persönlichen Problemen und Intimität darstellen. (Vgl. Seybold & Salomone, 1994, nach Schneider & Bühler, 1999)

Breitsameter und Reiners-Kröncke (1997) nennt als weitere Ursache für Arbeitssucht gesellschaftliche Normen und Akzeptanz. Werte wie Erfolg und Reichtum sind in unserer Gesellschaft sehr weit oben in der Wertehierarchie angesiedelt. Um diesem Maßstab gerecht zu werden ist oftmals ein enormer Arbeitseinsatz erforderlich, was die Basis für süchtiges Arbeitsverhalten bildet. Man kann leider feststellen, dass Arbeitssucht aufgrund der Wertehierarchie sehr hoch angesehen ist. (Vgl. Breitsameter & Reiners-Kröncke, 1997)

Die aufgeführten Faktoren stellen Auslöser dar. Im Konkreten dürfte die Störung allerdings oft damit beginnen, dass sich eine Person aufgrund einer bestimmten Situation oder eines negativen Ereignisses, z.B. Enttäuschung, Frustration oder auch Geldmangel in die Arbeit stürzt und damit positive Erfahrungen macht. Wenn sich dieses Bewältigungskonzept verselbständigt, dann entwickelt sich daraus eine Sucht (Vgl. Breitsameter & Reiners-Kröncke, 1997). Dennoch kann man daraus nicht schlußfolgern, dass jeder arbeitssüchtig wird, der gelegentlich Arbeit als Bewältigungskonzept wählt. Generell kann psychische und physische Stärke den Suchtverlauf bremsen bzw. den destruktiven Prozess verzögern.

Merkmale[1]

Wie bereits erwähnt, sind die Übergänge zwischen Fleiß und süchtigem Verhalten fließend und oftmals fällt die Diagnose zugunsten von Fleiß aus, obwohl zweites zutreffender wäre. Eine genaue Kenntnis der Merkmale ist daher erforderlich, da vielfältigste Kennzeichen charakteristisch für die Erkrankung sind.

- Die Arbeitszeit wird auf die Freizeit ausgedehnt: d.h. ohne individuell zwingende Gründe bzw. echtes persönliches Interesse wird die Arbeitszeit weit über den erforderlichen Umfang ausgedehnt auf Wochenend- und Urlaubsbe-schäftigung sowie Fachlektüre, Weiterbildungsmaßnahmen, etc.. Dieses offen-sichtliche Merkmal entspricht dem ‚klassischen Bild‘ vom Arbeitssüchtigen.

Die folgenden Merkmale sind zwar latent, aber weitaus aussagekräftiger als das erstgenannte.

[...]


[1] Als Grundlage der Darstellung der Merkmale diente dieser Arbeit Breitsamter & Reiners-Kröncke (1997) Kap. 2.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Süchtiges Arbeiten. Workaholismus und Arbeitssucht im Fokus
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Sozialwissenschaftliches Institut, Lehrstuhl für Psychologie, insbesondere Wirtschafts- und Sozialpsychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V43512
ISBN (eBook)
9783638412810
ISBN (Buch)
9783668105423
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Süchtiges, Arbeiten, Workaholism
Arbeit zitieren
Manuela Kramer (Autor), 2005, Süchtiges Arbeiten. Workaholismus und Arbeitssucht im Fokus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43512

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