Quantitative Studie zur Untersuchung des Rezeptions- und Nutzungsverhaltens von 3D-Kinobesuchern

Anhand einer Online-Befragung


Seminararbeit, 2013

41 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sekundärforschung

3 Informationsbedarf

4 Darstellung der Methodik
4.1 Aufbau des Fragebogens
4.2 Die Stichprobe

5 Auswertung des Fragebogens
5.1 Präferenzen in der 3D-Filmrezeption
5.2 Relevante Störfaktoren der 3D-Nutzung
5.3 Überprüfung der Hypothesen

6 Fazit und Methodenkritik

7 Literaturverzeichnis
7.1 Sekundärliteratur
7.2 Internetquellen

8 Anhang
8.1 Fragebogen
8.2 SPSS-Abbildungen

1 Einleitung

„Kino ist ein Vorwand, sein eigenes Leben ein paar Stunden lang zu verlassen.“ 1 Neben Fernsehen, Radio hören und Lesen gehört auch der Kinobesuch für viele Menschen zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Rund 37,9 Prozent der Befragten gaben in einer Verbraucher- analyse an, dass sie gern ins Kino gehen.2 Viele verbinden mit einem Kinobesuch nicht nur Spaß, Unterhaltung und ein Erlebnis außerhalb der eigenen vier Wände, sondern auch die ge- meinsame Aktivität mit Freunden und Familie.3 Im Jahr 2011 starteten insgesamt 532 Erstauf- führungen in den deutschen Kinos, davon 46 Filme im 3D-Standard.4 Obwohl ein 3D-Kinobe- such durchschnittlich 9,89 Euro kostet und im Gegensatz zum 2D-Angebot mit durchschnitt- lich 7,49 Euro etwas teurer ist, besuchten 2011 circa 29,3 Millionen Kinobesucher eine 3D- Kinoproduktion. Im Vergleich dazu besuchten 2010 knapp 25,4 Millionen Menschen einen 3D-Film.5 Damit erreichten dreidimensionale Produktionen 2011 einen Marktanteil von 22,8 Prozent und verzeichneten ein Plus von rund 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.6 Anhand dieser Häufigkeit lässt sich vermuten, dass in den kommenden Jahren, auch durch das wach- sende Filmangebot im 3D-Standard, der Marktanteil und die Besucherzahlen durch 3D-Pro- duktionen steigen werden.

Im Zuge des Seminars Marktforschung wurde in Form einer Gruppenarbeit ein Online-Frage- bogen zum Thema Nutzung und Wirkung des 3D-Kinos auf den Rezipienten ausgearbeitet. Aufgrund der momentanen Aktualität und der medialen Auseinandersetzung haben wir uns für die 3D-Thematik als Forschungsgegenstand entschieden. Für die Untersuchung des Befra- gungsprojekts stellten wir als forschungsleitende Frage voran, von wem das 3D-Kino gegen- wärtig rezipiert wird und wie eventuelle Störfaktoren auf die Einstellung der Rezipienten wir- ken.

Zu Beginn dieser Arbeit soll zunächst einmal auf den Begriff der Dreidimensionalität, auf die technische Verfahrensweise und Produktion sowie die Entwicklung von 3D-Filmen einge- gangen werden. Aufbauend auf den begrifflichen Grundlagen findet eine Auseinandersetzung mit dem dreidimensionalen Kino in der Forschung statt. Hier werden Ergebnisse vorgestellt, die bereits zur Nutzung und Wirkung des dreidimensionalen Kinos auf den Rezipienten existieren. Im nachfolgenden Kapitel wird näher auf den Informationsbedarf eingegangen und ableitend aus der Sekundärforschung Hypothesen entwickelt. Innerhalb des vierten Kapitels wird die Methodik dargestellt, welche näher auf die Auswahl der Durchführung, den Aufbau und die Struktur des Fragebogens und die Beschreibung der Stichprobe eingeht. Im Anschluss werden die Ergebnisse der Fragebögen ausgewertet und analysiert. In Bezug auf die forschungsleitende Frage und die aufgestellten Hypothesen bilden die Präferenzen in der 3D- Filmrezeption und die relevanten Störfaktoren der 3D-Nutzung sowie die Überprüfung der aufgestellten Annahmen die drei Schwerpunkte der Auswertung. Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse unseres Marktforschungsprojektes resümiert. Hierbei soll unsere Vorgehens- weise kritisch reflektiert und auf den aktuellen Forschungsstand eingegangen werden. Im Anhang dieses Projektberichts werden der Fragebogen und die Daten der Auswertung als Vergleichsmaterial zur Verfügung gestellt.

2 Sekundärforschung

Bei einem dreidimensionalen Film wird dem Zuschauer durch die technische Apparatur ein anderes Filmerlebnis versprochen als bei den konventionellen Kinovorstellungen in zweidi- mensionaler Ausführung. Mithilfe von stereoskopischen Verfahren wird eine räumliche Tiefe erzeugt, die beim Betrachter den Eindruck erweckt, dass das Geschehen nicht an die Projekti- onsfläche gebunden ist7, sondern vor oder hinter der Leinwand geschieht. Dafür werden zwei- dimensionale Filmaufnahmen zu 3D-Filmen umgearbeitet oder direkt mit speziellen Stereo- kameras aufgezeichnet, die den Blick der beiden menschlichen Augen nachahmt. Dabei ent- stehen Halbbilder, die im Kino durch unterschiedlich teure Projektionsverfahren wieder zu einem Ganzen zusammengefügt werden.8 Waren es zu Beginn noch Brillen mit unterschied- lich gefärbten Gläsern, die für den Zuschauer das Raumbild zusammensetzten, sind es heute komplexe Systeme aus speziellen Leinwänden, Projektoren und 3D-Brillen.9

Schon seit dem Beginn des Filmes im 19. Jahrhundert wird mit stereoskopischen Verfahren gearbeitet.10 Im Dezember 1952 erschien in den US-amerikanischen Kinos der erste kommer- zielle 3D-Film „Bwana Devil“ („Der Teufel Bwana“).11 Das Publikum wurde von der neuen Art der Rezeption angezogen, worauf die Kinobranche mit mehr als 40 3D-Produktionen in den darauffolgenden zwei Jahren reagierte.12 Auch in Deutschland konnte das 3D-Kino viele Anhänger für sich gewinnen. Doch die Bereitschaft der Rezipienten ließ aufgrund der unaus- gereiften technischen Umsetzung schnell wieder nach.13 Erst im Zuge der Digitalisierung der Filmproduktion sowie der wachsenden Begeisterung an den IMAX-Kinos in den 1980er Jah- ren wurde das Thema 3D-Kino ab 2009 auch in Deutschland wieder populär. Ausgehend von den amerikanischen Hollywood-Studios, welche massiv auf die neue Technologie in unter- schiedlichen Genres und für verschiedenste Publika setzten, ergibt sich 2009 der Trend, „dass 3D-Produktionen gegenwärtig offensichtlich zum Status quo gehören“14. Jan-Keno Janssen spricht in diesem Zusammenhang in seinem Artikel „3D 2.0. Neuer Anlauf für Stereoskopie im Kino“ von einer neuen verbesserten Version des 3D-Kinos. Gründe hierfür sieht er unter anderem in den weniger aufwendigen und kostengünstigeren Verfahren.15

Für die Akzeptanz spricht die „deutliche Expansion der 3D-Kinos in Deutschland, deren Be- treiber ganz offensichtlich eine große Nachfrage antizipieren“16. So stieg die Zahl von 3D- fähigen Kinosälen in Deutschland von 175 im Jahr 2009 auf 1.222 im Jahr 2011.17 Nachdem die Zahl der Kinobesucher und der Umsatz der Kinobranche in den Jahren vor 2009 kontinu- ierlich sanken, scheint der 3D-Film ein probates Mittel im Wettbewerb um den Kinozuschauer zu sein.18 Viele Kinobesucher schienen vor allem speziell an 3D-Vorführungen interessiert gewesen zu sein, aus Neugier an der neuen Technologie. Trotzdem ließ die anfängliche Eu- phorie immer weiter nach. Heute kann ein „Gewöhnungs- und Anpassungsprozess“19 in der Rezeption des stereoskopischen Kinos beobachtet werden, der die Zukunft des 3D-Kinos un- gewiss lässt.

Die Auseinandersetzung mit dem dreidimensionalen Kino in der Forschung ist bisher ein recht unübersichtliches und heterogenes Feld. Dieses war zunächst durch naturwissenschaftli- che Fragestellungen geprägt, gefolgt von historisch angelegten und theoretischen Arbeiten im Bereich der Filmwissenschaft. Wissenschaftlich-empirische Arbeiten sind jedoch nur rar ge- sät. Bereits vor der einsetzenden 3D-Euphorie der letzten Jahre beschäftigten sich einige Stu- dien mit der 3D-Bildqualität und der Wahrnehmung stereoskopischer Elemente im Film, um die 3D-Technik zu verbessern.20 Darin liegt der Fokus hauptsächlich auf der Entwicklung von Displays, der richtigen Kameraeinstellung beim Drehen der Filme und der Einrichtung der Projektoren. Auch das unterschiedliche Sehempfinden im direkten Vergleich von gleichartigen Szenen in 2D- und 3D-Darstellung wurde erarbeitet, um daraus Präferenzen des Publikums ablesen zu können.21 Diese erste Beschäftigung mit der Rezeptionsforschung brachte weitere Ergebnisse: Der Begriff der Präsenz spielt eine wichtige Rolle bei der Bewertung von dreidi- mensionalen Szenen und Bildern. Darunter wird das Gefühl des „being there“22, des Daseins und des emotionalen Involvement des Zuschauers in einer 3D-Szene verstanden. Hierbei ist vor allem die Studie „Effects of Sensory Information and Prior Experience on Direct Subjective Ratings of Presence“ von Freeman et al. aus dem Jahr 1999 zu nennen, die das Präsenz-Erleben in 2D als auch in 3D untersuchte. Die Präsenz in 3D-Filmen wurde von den Probanden als weit höher eingeschätzt als im zweidimensionalen Bild. Häkkinen et al. (2008) beschäftigte sich zehn Jahre später in ähnlicher Vorgehensweise damit. Obwohl die Probanden geteilter Meinung in ihrer Wahrnehmung von 3D waren, einerseits Stereoskopie als realisti- scher und lebensechter, andererseits als künstlich einschätzten, verstärkte sich jedoch mehr- heitlich der Eindruck von hoher Emotionalität bei 3D-Bildern.23 Von Bedeutung sind dabei auch formale Faktoren wie die Projektion und der Abstand zur Leinwand sowie die Bewegung im Bild, aber auch die dargebotenen Inhalte. Bei allen bis hierhin genannten Studien war das Augenmerk auch auf eventuelle körperliche Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen, Übel- keit oder Unwohlsein gerichtet, jedoch in der Auswertung meist nur in Nebensätzen erwähnt.

Mit zunehmender Begeisterung für das stereoskopische Kino rückte aber die Rezeptionsfor- schung der Kinobesucher sowie die Konsumentenforschung auch im Hinblick auf den entste- henden Markt der 3D-Fernseher24 in den Mittelpunkt der Forschung. So fragten Studien neben den Empfindungen und der Zufriedenheit während des Kinobesuchs auch nach Inhalts- und Genre-Interessen der Zuschauer und welche davon für eine Umsetzung in das 3D-Format ge- eignet seien.25 Mazanec et al. vom Institut für Tourismus und Freizeitforschung der Universi- tät Wien zeigten beispielsweise mit ihrem „Cinema Satisfaction Monitoring“ von 2008, dass bei mehr als der Hälfte der Befragten vor allem Interesse an 3D-Actionfilmen (52,1 Prozent) und 3D-Animationsfilmen (51,3 Prozent) bestehe, gefolgt von Natur- (46 Prozent) und Abenteuerfilmen (44,1 Prozent) in dreidimensionaler Aufmachung.

Aber auch Störfaktoren, die das 3D-Kinoerlebnis beeinträchtigen können, wurden Inhalt der Forschung. Das nach wie vor notwendige Tragen einer 3D-Brille kann eine Vielzahl an opti- schen Einschränkungen und auch körperliches Unwohlsein hervorrufen, was Studien wie die von Thomas/ Ruppel26 belegen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass das Tragen der Brille nur von 15 Prozent der Kinobesucher als negativ eingeschätzt wurde, weiterhin jedoch 18 Prozent der Befragten Probleme körperlicher Art wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder leichtes Schwindel- gefühl angaben. Dabei bewerteten Frauen sowohl ihren körperlichen Zustand als auch das Tragen der Brille negativer. Auch nach einer Studie von Strategy Analytics´ Digital Consu- mer Practice glauben 17 Prozent der befragten Amerikaner, dass 3D schädlich für die Augen sein könnte und über die Hälfte (55 Prozent) war über mögliche gesundheitlichen Beein- trächtigungen verunsichert.27 Dass stereoskopische Filme Auswirkungen auf das menschliche Gehirn und somit auf das körperliche Befinden haben, wurde im Jahr 2010 an der University of California in Berkley erforscht.28 Der Hauptgrund für die Ermüdung der Augen liegt laut den Wissenschaftlern darin, „dass die Augen versuchen, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Bei 3D wird es auf Dauer mühsam, sich auf die Leinwand sowie die virtuel- len Bilder davor und dahinter zu konzentrieren.“29

Ähnliche Ergebnisse gehen auch aus der Studie von Julia Heber (2011) hervor, die 2009 Leip- ziger Kinobesucher nach einem 3D-Filmbesuch befragte. Speziell zur 3D-Brille äußerte sich jeder Fünfte, dass sie zwar unangenehm zu tragen sei, sie aber notgedrungen akzeptiert werde. Dabei war die Ablehnung der älteren Besucher und von Brillenträger gegenüber der Brille größer als die der jüngeren Zuschauer.30 Auch die augenscheinlich erhöhte Zahlungsbe- reitschaft für einen dreidimensionalen Film wurde in der Studie abgefragt: 71 Prozent der angesprochenen Zuschauer seien bereit, für einen 3D-Film mehr Geld, durchschnittlich 1,70 Euro, zu bezahlen.31

Im Folgenden soll das Projekt „PRIME - Rezeption und Akzeptanz von 3D“ der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg unter der Leitung von Wegener und Jockenhövel von 2009 näher beleuchtet werden, da sich die Ergebnisse für die Auswertung der hier durchgeführten Befragung ansatzweise vergleichen lassen. Die Arbeit fokussiert sich auf die Rezeption und befasst sich mit den Bedürfnissen, Erfahrungen und Er- wartungen mit beziehungsweise an dreidimensionales Kino in einer Zeit, in der 3D-Filme insbesondere durch Medienberichterstattung und Werbung in der Öffentlichkeit präsent wa- ren.32 Hierbei wurden insbesondere Daten über die Erfahrungen mit 3D-Medien, dem grund- sätzlichen Interesse an der dreidimensionalen Darstellung medialer Inhalte und die Akzeptanz und Beeinträchtigung notwendiger Hilfsmittel (wie der Spezialbrille) ermittelt. Insgesamt wurden im März 2009 1.002 Personen im Alter von 14 bis 64 Jahren telefonisch befragt.33 Die Ergebnisse der Datenerhebung machten deutlich, dass das 3D-Prinzip in Deutschland zu die- sem Zeitpunkt mehrheitlich bekannt war und von mehr als der Hälfte der Befragten (53 Pro- zent) als sehr beziehungsweise ziemlich interessant bewertet wurde.34 Doch zeigen sich dabei, im Vergleich zu unseren, später genannten, Hypothesen keine geschlechterspezifischen Unter- schiede. „Insgesamt 53 Prozent der Männer zeigen ein starkes bzw. ziemliches Interesse am 3D-Film, demgegenüber stehen 51,7 Prozent der Frauen, die sich für dreidimensionales Kino interessieren“.35 Außerdem kamen sie in der Auswertung der PRIME-Studie zu dem Ergebnis, dass das Bildungsniveau, gemessen am Schulabschluss, keine besondere Rolle spielt, das Al- ter hingegen schon. Vor allem die 14- bis 29-jährigen Zuschauer zeigen sich als besonders 3D-affin und bekundeten großes Interesse an den neuen Darstellungsmöglichkeiten.36 Außer- dem scheint es, dass sich „ein grundsätzliches Interesse für neue Technologie und damit auch für digitale Medien“37 positiv auf die Bewertung auszuwirken, das eher der jungen Zielgruppe zugeschrieben werden kann.

Diese Ergebnisse machen jedoch nicht deutlich, wie viele der Befragten überhaupt einen 3D- Film gesehen haben. Nach Jockenhövel und Wegener haben 44,4 Prozent der befragten Teil- nehmer der PRIME-Studie bereits einen 3D-Film gesehen.38 Dieses Ergebnis kann als hoch eingeschätzt werden, da die PRIME-Befragung bereits zwei Monate nach der offiziellen flächendeckenden Verbreitung von 3D-Vorstellungen in Deutschland stattgefunden hat. Dennoch kann angenommen werden, dass dieser Wert im Jahr 2012 weitaus höher liegt: Während im Jahr 2009 vier Millionen Besucher einen 3D-Film gesehen haben, waren es im Jahr 2011 mehr als sechs mal so viele (27 Millionen) Rezipienten.39

Zur Bedeutung von negativen Begleiterscheinungen des 3D-Kinos fanden Jockenhövel und Wegener heraus, dass die Akzeptanz von 3D-Darstellungen davon abhängt, ob sich die Zu- schauer von einer 3D-Brille gestört fühlen.40 Die Befragung ergab, dass über die Hälfte der Befragten (54,4 Prozent) die 3D-Brille als sehr stark beziehungsweise stark störend empfin- den.41 Da jedoch lediglich 10,2 Prozent der Befragten die Brille als gar nicht störend ein- schätzten, folgern Jockenhövel und Wegener, dass die 3D-Brille deshalb eher ein „akzeptier- tes Übel als ein geschätztes Accessoire“ für die befragten Teilnehmer darstellte.42

Weiterhin erhoben sie in ihrer Studie die Zahlungsbereitschaft für 3D-Kinofilme. 46,1 Prozent aller Befragten seien bereit, einen höheren Eintrittspreis für das 3D-Erlebnis in Kauf zu neh- men. Dabei war die Akzeptanz vor allem bei den 14- bis 29-jährigen wieder besonders groß, was wohl an ihrem grundsätzlichen Interesse an 3D liegt, das mit zunehmendem Alter ab- nimmt.43

„Nach oben offen ist die Preisskala allerdings nicht: 59 Prozent der 3D-Erfahre- nen, die ein höheres Eintrittsgeld akzeptieren, würden für die Kinokarte 2 Euro mehr ausgeben, 40 Prozent wären sogar bereit, einen Aufschlag von bis zu 5 Euro zu akzeptieren, und insgesamt nur 17 Personen hielten einen Aufschlag von mehr als 5 Euro für gerechtfertigt.“44

Im Hinblick auf eventuelle körperliche Auswirkungen bzw. Beeinträchtigungen während oder nach dem 3D-Kinobesuch glaubten nur 21 Prozent der Männer, dafür 47 Prozent der Frauen, dass sie sich körperlich unwohl fühlen und Kopfschmerzen oder Übelkeit erleben könnten.45 Auch hier lassen sich Tendenzen in den Altersgruppen sehen: Die Älteren unter den Befragten gingen davon aus, dass das 3D-Erlebnis zu körperlichen Folgen führen könnte. „Befragte bis 19 Jahren ziehen solche Auswirkungen für sich hingegen kaum in Betracht.“46

Vor allem die angebotenen Inhalte, Formate und Genres, die dem Zuschauer in neuer Aufarbeitung präsentiert werden, entscheiden darüber, ob ein breites und dauerhaftes Interesse an dreidimensionalen Darstellungen entsteht. Nach Auswertung der PRIME-Studie eignen sich für die Befragten an erster Stelle Dokumentationen und Reportagen (71,2 Prozent), gefolgt von Spielfilmen und Serien (62,3 Prozent) am besten für eine dreidimensionale Aufarbeitung. Bei den fiktionalen Formaten halten insgesamt 66 Prozent aller Befragten Science-Fiction- Filme und 61 Prozent Animationsfilme für den 3D-Effekt geeignet. 47

„Einerseits werden futuristische Erzählungen mit neuen Darstellungsformen verbunden, wodurch sich möglicherweise der Erlebnischarakter des Gezeigten für die Zuschauer erhöht. Andererseits sind es Darstellungsweisen wie Zeichentrick und Animation, die sich die Zuschauer gut in 3D vorstellen können“.48

Nach Jockenhövel und Wegener bewerten die Teilnehmer der Studie ihre Erfahrungen mit dem stereoskopischen Kino vor allem im Reiz, dass der 3D-Effekt dem Zuschauer stärker das Gefühl vermittelt, im Geschehen auf der Leinwand dabei zu sein. „Der Mehrwert von 3D [liegt] vor allem in einem realitätsnahen und immersiven Filmerlebnis.“49

Unsere folgende Befragung zur Akzeptanz und Nutzung von 3D-Kino von deutschem Publi- kum schließt an die vorgestellten Forschungsarbeiten an und will sie maßgeblich ergänzen, vor allem durch Aktualität im Hinblick auf die flacher werdende Besucherkurve und das Ab- flauen des 3D-Booms der letzten Jahre sowie durch einen Pool von Befragten, der mehrheit- lich sehr vertraut mit dem dreidimensionalen Kino ist und auf jahrelange 3D-Erfahrung zu- rückblicken kann.

3 Informationsbedarf

Zur Beschreibung des Informationsbedarfes wird in dieser Arbeit die 6-W-Methode ange- wandt, da sie sämtliche Komponenten des vorliegenden Marktforschungsprojektes aufzeigt. Inhaltlich soll in der Studie herausgefunden werden, wer das 3D-Kino gegenwärtig rezipiert und wie eventuelle Störfaktoren auf die Einstellung der Rezipienten wirken. Forschungsbe- darf zur 3D-Kinonutzung besteht insofern, da die eben beschriebenen Resultate der relevanten Sekundärliteratur diese Aspekte nur in Teilbereichen abdecken oder veraltet sind. So fragte Heber lediglich die beiden Störfaktoren 3D-Brille und erhöhter Eintrittspreis ab50, die Univer- sity of California in Berkley beschäftigten sich mit dem Auftreten von körperlichem Unwohl- sein nach dem 3D-Erlebnis.51 Die Studie von Wegener und Jockenhövel beschäftigte sich zwar mit den drei Störfaktoren 3D-Brille, erhöhter Eintrittspreis und auftretendes körperliches Unwohlsein52, auf die auch in unserer Studie näher eingegangen werden soll. Allerdings erho- ben sie ihre Daten bereits 2009 und somit kurze Zeit nach der erneuten Einführung des 3D- Kinos in Deutschland, weshalb die Aktualität und Gültigkeit der Ergebnisse angezweifelt wer- den können.

Auch das erkennbare Abflauen der 3D-Euphorie in den letzten Jahren lässt vermuten, dass die oben genannten Störfaktoren die Einstellung der Rezipienten zum 3D-Film beeinflussen. Auf- grund dessen wurden in der vorliegenden Arbeit folgende Hypothesen dazu entwickelt: Zum einen gehen wir davon aus, dass die erhöhten Eintrittspreise die Häufigkeit der 3D-Kinobesu- che beeinflusst. Zum anderen haben das Tragen der 3D-Brille, der eben genannte höhere Preis und eventuelle körperliche Auswirkungen einen negativen Einfluss auf das Nutzungsverhal- ten. Wenn der Rezipient allerdings von der technischen Umsetzung des stereoskopischen Ki- nos überzeugt ist, nimmt er Unannehmlichkeiten in Kauf. Weiterhin nehmen wir an, dass das 3D-Kino häufiger von Männern als von Frauen besucht wird, wobei Frauen eher aus Neugier eine dreidimensionale Vorstellung besuchen als Männer. Dabei wird verstärkt das Genre der Fantasy-Filme rezipiert. Die aus den Hypothesen resultierenden Ergebnisse können für Insti- tutionen der Film- und Fernsehindustrie wie beispielsweise Produzenten und Filmförderer von Interesse sein. Aber auch die Entwickler der stereoskopischen Technik können im Hinblick auf eventuelle Störfaktoren Konsequenzen ziehen.

Um unsere aufgestellten Annahmen überprüfen zu können, werden im Zuge einer schriftlichen Online-Befragung im Januar 2013 Kinobesucher zu ihrem Rezeptionsverhalten von dreidimensionalen Filmen befragt.

[...]


1 Steven Spielberg zum Thema Kino. URL: http://www.zitate-online.de/sprueche/kino-tv/16562/kino-ist-ein- vorwand-sein-eigenes-leben.html

2 Vgl. Verbraucheranalyse 2011, Bauer Media AG In: Buchhandel in Zahlen 2011

3 Vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/158871/umfrage/gruende-fuer-einen-kinobesuch-in- deutschland-2009/

4 Vgl. Heise Online. http://www.heise.de/newsticker/meldung/3D-Filme-steigern-Marktanteil-in-Deutschland- 1431033.html

5 Vgl. FFA. http://www.ffa.de/downloads/publikationen/kinobesucher_2011.pdf, S.7 sowie

6 Vgl. FFA.http://www.ffa.de/downloads/marktdaten/1_Fuenf_Jahre_Blick/06bis11_jahresabschluss.pdf

7 Vgl. Sjurts 2011,

8 Vgl. Ebd., S.125, auch nachzulesen bei Jockenhövel/Wegener 2009,

9 Vgl. Ebd.,

10 Vgl. Ebd., S.125

11 Vgl. Heise Online. URL: http://www.heise.de/ct/artikel/3D-2-0-291654.html

12 Vgl. Ebd.

13 Vgl. Ebd.

14 Jockenhövel/Wegener 2009, S. 504

15 Vgl. Heise Online. URL: http://www.heise.de/ct/artikel/3D-2-0-291654.html

16 Jockenhövel/Wegener 2009, S. 505

17 Vgl. Statista. URL: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/164080/umfrage/anzahl-der-3d-faehigen- kinosaele-in-deutschland-zeitreihe/

18 Vgl. FFA. URL: http://www.ffa.de/downloads/publikationen/kinobesucher_2011.pdf, S.4 sowie Jockenhövel/Wegener 2009,

19 Wegener/Jockenhövel/Gibbon 2012, S. 17

20 Vgl. die Studien von Ijsselsteijn et al. 2000, Freeman et al. 1999 und 2000

21 Vgl. Studie von Häkkinen et al. 2008

22 Freeman et al. 1999,

23 Häkkinen et al. 2008, S.9f.

24 Vgl. dazu Markt- und Konsumentenforschung wie etwa Kamp 2010

25 Vgl. Studien von Mazanec et al. 2008/ International 3D Society 2012/ Wegener et al. 2009 und 2012

26 Studie von Thomas/ Ruppel 2011

27 Vgl. TV Technology. URL: http://www.tvtechnology.com/feature-box/0124/americans-are-leary-of-dtv-side- effects/206790

28 Vgl. Stern Online. URL: http://www.stern.de/digital/computer/ermuedung-der-augen-bei-3d-wissenschaftlich- bestaetigt-1711504.html

29 Ebd. http://www.stern.de/digital/computer/ermuedung-der-augen-bei-3d-wissenschaftlich-bestaetigt- 1711504.html

30 Vgl. Heber 2011, S.297ff.

31 Vgl. Heber 2011, S.306f.

32 Jockenhövel/Wegener 2009,

33 Vgl. Ebd.,

34 Ebd.,

35 Ebd.,

36 Vgl. Ebd.,

37 Ebd., S. 506

38 Vgl. Jockenhövel/Wegener 2009,

39 Vgl. FFA. URL: http://www.ffa.de/downloads/publikationen/kinobesucher_2010.pdf sowie http://www.ffa.de/downloads/publikationen/kinobesucher_2010.pdf

40 Vgl. Jockenhövel/Wegener 2009,

41 Vgl. Ebd.,

42 Ebd., S. 506

43 Vgl. Ebd.,

44 Ebd., S. 508

45 Ebd., S. 507

46 Jockenhövel/Wegener 2009,

47 Vgl. Ebd.,

48 Ebd.,

49 Ebd., S.510

50 Vgl. Heber 2012

51 Vgl. Stern Online. URL: http://www.stern.de/digital/computer/ermuedung-der-augen-bei-3d-wissenschaftlich- bestaetigt-1711504.html

52 Vgl. Jockenhövel/Wegener 2009, S.504-511

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Quantitative Studie zur Untersuchung des Rezeptions- und Nutzungsverhaltens von 3D-Kinobesuchern
Untertitel
Anhand einer Online-Befragung
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Master Verlags- und Handelsmanagement)
Veranstaltung
Marktforschung
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
41
Katalognummer
V435127
ISBN (eBook)
9783668762909
ISBN (Buch)
9783668762916
Dateigröße
1417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kino, 3D, Umfrage, Rezeption, Film, Störfaktoren
Arbeit zitieren
Laura Köhninger (Autor), 2013, Quantitative Studie zur Untersuchung des Rezeptions- und Nutzungsverhaltens von 3D-Kinobesuchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435127

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