Im europäischen Raum toben seit Jahren heftige Debatten über regionale Ungleichgewichte innerhalb der Euro-Zone, welche die Währungsunion vor große Herausforderungen stellt. Der globale Handel mit Gütern und damit einhergehenden Kapital ist häufig Thema politisch-wirtschaftlicher Debatten. Schon bei der Gründung des BrettonWoods-Systems 1944 bis hin zu den G-20-Gipfeln der heutigen Zeit, sind mögliche wirtschaftliche Reformen hinsichtlich der Probleme der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte immer wieder an der Tagesordnung.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit diesen globalen wirtschaftlichen Ungleichgewichten. Dazu wird in Kapitel Zwei die allgemeine Theorie zur Zahlungsbilanz abgehandelt und betrachtet, wie sich ihre Teilbilanzen aufeinander auswirken. Im dritten Kapitel werden empirische Beobachtungen aufgezeigt, bevor in Kapitel Vier die Ursachen weltweiter Ungleichgewichte und in den Kapiteln Fünf und Sechs die Korrekturmechanismen globaler Ungleichgewichte sowie wirtschaftspolitische Handlungsmöglichkeiten zum Umgang damit aufgeführt werden. Am Ende wird ein Fazit zu den gesammelten Fakten und Feststellungen gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globale Ungleichgewichte
2.1 Zahlungsbilanz
2.2 Leistungsbilanz versus Kapitalbilanz
3. Empirische Beobachtungen
4. Ursachen weltweiter Ungleichgewichte
5. Korrekturmechanismen
6. Wirtschaftspolitische Handlungsmöglichkeiten
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehung, die Ursachen und die Auswirkungen globaler wirtschaftlicher Ungleichgewichte sowie potenzielle Lösungsansätze zur deren Korrektur. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Kausalität zwischen den Teilbilanzen der Zahlungsbilanz und den Möglichkeiten einer wirtschaftspolitischen Stabilisierung.
- Theorie der Zahlungsbilanz und deren Teilbilanzen
- Empirische Analyse der Leistungsbilanzsalden
- Ursachenanalyse: Sparneigung und globale Ersparnisschwemme
- Korrekturmechanismen durch Wechselkurse und Wachstumsanpassungen
- Wirtschaftspolitische Maßnahmen auf nationaler Ebene
Auszug aus dem Buch
2.2 Leistungsbilanz versus Kapitalbilanz
Dieses Unterkapitel beschäftigt sich mit den Kausalitäten zwischen Leistungs- und Kapitalbilanz.
Erfassungen von Transaktionen innerhalb der Zahlungsbilanz unterliegen dem Prinzip der doppelten Buchführung. Der Buchung auf einer Aktivseite liegt eine wertmäßig gleich hohe Buchung auf der Passivseite gegenüber. Zur Verdeutlichung wird das am Beispiel eines Warenexportes gezeigt: Beim Warenexport selbst entsteht ein Eintrag auf der Aktivseite der Leistungsbilanz, welcher „[...] bei einer entsprechenden Überweisung des Käufers zum Erwerb eines Guthabens bei einer Bank im Ausland […] führt [...]“ (Frenkel/Tudyka 2012: 590), also dem Eintrag auf der Passivseite der Kapitalbilanz. So ergibt sich für die gesamte Zahlungsbilanz immer ein Saldo von null, was nicht auf ihre einzelnen Teilbilanzen zutrifft. Wenn es in einem Jahr zu mehr Güterimporten als Exporten kommt, weist die Leistungsbilanz ein Handelsdefizit auf. Lässt man mögliche sonstige Posten außer Acht, muss die Kapitalbilanz einen Überschuss identischer Höhe aufweisen, was als Kapitalabfluss beziehungsweise Kapitalexport bezeichnet wird. Die kumulierten Salden der Leistungs- sowie Kapitalbilanz ergeben die so genannte Nettoauslandsposition, die die Nettoverschuldung oder das Nettovermögen eines Landes gegenüber dem Ausland erfasst. (Frenkel/Tudyka 2012: 590)
Mit Fokus auf den internationalen Handel ist oft die Rede von einer „befehlenden“ Leistungsbilanz, ausgelöst durch hohen Konsum, und einer „folgenden“ Kapitalbilanz. Mit den immer stärker international integrierten Kapitalmärkten und den damit grenzüberschreitenden Kapitalströmen lässt sich aber auch die Kapitalbilanz als „befehlend“ bezeichnen. Internationale Investoren „[...] auf der Suche nach einer optimalen Rendite und einem entsprechend diversifiziertem Portfolio [...]“ (Frenkel/Tudyka 2012: 589) nehmen hier die Rolle als treibende Kraft ein. (Frenkel/Tudyka 2012: 589 f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik globaler wirtschaftlicher Ungleichgewichte ein und erläutert die Relevanz der Zielsetzung eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts.
2. Globale Ungleichgewichte: Dieses Kapitel definiert globale Ungleichgewichte und erläutert die theoretischen Grundlagen der Zahlungsbilanz sowie die Interdependenzen zwischen Leistungs- und Kapitalbilanz.
3. Empirische Beobachtungen: Hier werden die tatsächlichen Leistungsbilanzsalden verschiedener Ländergruppen sowie die historische Entwicklung dieser Asymmetrien analysiert.
4. Ursachen weltweiter Ungleichgewichte: Das Kapitel untersucht die binnen- und außenwirtschaftlichen Gründe für Defizite und Überschüsse, insbesondere das Sparverhalten und die globale Ersparnisschwemme.
5. Korrekturmechanismen: Es werden drei Hauptmechanismen zur Korrektur globaler Ungleichgewichte diskutiert: Wechselkursänderungen, Anpassung der Wachstumsraten und strukturelle Maßnahmen.
6. Wirtschaftspolitische Handlungsmöglichkeiten: Hier werden spezifische politische Strategien für betroffene Regionen zur Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts dargelegt.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit international abgestimmter Regeln zur Vermeidung exzessiver Leistungsbilanzungleichgewichte.
Schlüsselwörter
Globale Ungleichgewichte, Zahlungsbilanz, Leistungsbilanz, Kapitalbilanz, Weltwirtschaft, Ersparnisschwemme, Wechselkurs, Wirtschaftspolitik, Handelsdefizit, Leistungsbilanzüberschuss, Finanzkrise, Strukturreformen, Nettoauslandsposition, Kapitalmarkt, Außenwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Phänomen globaler wirtschaftlicher Ungleichgewichte, insbesondere die Diskrepanzen in den Leistungsbilanzen zwischen verschiedenen Volkswirtschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Zahlungsbilanz, empirische Daten zu Leistungsbilanzsalden, die Ursachen von Defiziten und Überschüssen sowie Lösungsansätze zur Korrektur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Zusammenhänge und Kausalitäten globaler Ungleichgewichte aufzuzeigen und wirtschaftspolitische Strategien zu identifizieren, die ein stabiles außenwirtschaftliches Gleichgewicht fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch makroökonomische Modelle sowie einer empirischen Auswertung existierender wirtschaftlicher Daten und Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte von Zahlungs- und Kapitalbilanz, vergleicht Ländergruppen anhand empirischer Daten und diskutiert theoretische sowie praktische Wege zur Korrektur dieser Ungleichgewichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leistungsbilanz, Zahlungsbilanz, globale Ungleichgewichte, Ersparnisschwemme und Wirtschaftspolitik.
Welche Rolle spielen die USA in der Analyse der globalen Defizite?
Die USA werden als größtes Defizitland identifiziert, dessen hohe Leistungsbilanzdefizite durch eine geringe Sparneigung und eine hohe Attraktivität des US-Marktes für internationales Kapital begünstigt werden.
Warum wird Deutschland in diesem Kontext oft kritisiert?
Deutschland steht aufgrund seiner hohen Leistungsbilanzüberschüsse in der Kritik, da diese spiegelbildlich mit den Defiziten anderer EU-Mitglieder korrespondieren und als "Beggar-thy-neighbour-Politik" wahrgenommen werden können.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Globale Ungleichgewichte, Ursachen und wirtschaftspolitische Handlungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435162