Mobbing und Bullying unter Schülern und Schülerinnen. Interventionsmethoden der Sozialen Arbeit


Studienarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung

2. Mobbing bzw. Bullying an Schulen – eine spezielle Form von Gewalt
2.1 Definition und Formen von Gewalt
2.2 Definition Mobbing und Bullying – eine Abgrenzung
2.3 Rollen
2.4 Risikoerhöhende Bedingungen
2.5 Folgen für Opfer und Täter

3. Schulsozialarbeit
3.1 Definition und Arbeitsmethoden
3.2 Konzepte
3.3.2 Die Farsta-Methode:
3.3.3 Der No Blame Approach:

4. Schlussfolgerungen

5. Exkurs

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Hinführung

Gewalt und Mobbing bzw. Bullying unter Kindern und Jugendlichen sind Themen, die vor allem in den letzten Jahrzehnten in der Öffentlichkeit an Bedeutung zugenommen haben. Im Bereich der Schule liegt hierbei ein besonderer Schwerpunkt. Mobbing und Bullying sind ernstzunehmende Probleme.[1] Dies belegen u.a. die Ergebnisse der PISA-Studie aus dem Jahr 2015, aus denen hervorgeht, dass insgesamt 15,7 Prozent der Schüler[2] regelmäßig Opfer von Mobbing und Bullying sind. Demnach ist jeder sechste Schüler davon betroffen.[3]

Kinder und Jugendliche entwickeln während ihrer schulischen Laufbahn nicht nur ihre intellektuellen Fähigkeiten, dort findet auch ein großer Teil ihrer Persönlichkeitsentwicklung statt. Gewalt- und Mobbingübergriffe können diese Entwicklungen sehr stark beeinträchtigen und haben nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Täter und die ganze Klasse oft massive Auswirkungen. Jedoch bleiben viele dieser Vorfälle unentdeckt oder unbearbeitet. Lehrerkräfte sind ratlos und überfordert. Ihnen fehlt einerseits die Zeit, aufmerksam zuzuhören und sich mit dem Thema ausreichend zu beschäftigen, andererseits die Kompetenzen, wie Mobbing aufgelöst oder präventiv dagegen vorgegangen werden kann. Zudem werden Fälle dieser Art oft verharmlost oder heruntergespielt, was die Vermutung zulässt, dass Schüler sich nicht ernst genommen fühlen und zu dem Entschluss kommen, sich in Zukunft nicht mehr an ihre Lehrer zu wenden.[4] Doch nicht nur das Lehrpersonal, sondern auch den Eltern ist der Leidensdruck der Betroffenen oft nicht bewusst. Dies erschwert es, Mobbing und Bullying aufzudecken bzw. ernst zu nehmen und zu bearbeiten.[5]

Jedoch ist es gerade bei Gewalt- und Mobbingvorfällen an der Schule wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen eine feste Bezugsperson haben, an die sich vertrauensvoll wenden können. Dies sollte die Schulsozialarbeit übernehmen, da diese es ermöglicht, derartige Themen zu bearbeiten und präventiv dagegen vorzugehen.[6]

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Handlungsmöglichkeiten und Grenzen die Soziale Arbeit hat, um Gewalt und Mobbing bzw. Bullying unter Schülern entgegenzuwirken bzw. zu verhindern.

Im ersten Teil wird das Phänomen Mobbing bzw. Bullying theoretisch aufgearbeitet. Wie wird Mobbing bzw. Bullying in der Fachliteratur definiert? Welche Formen und Rollen gibt es? Wie verbreitet ist Mobbing bzw. Bullying und welche risikoerhöhenden Bedingungen gibt es? Welche Folgen kann diese Form der Gewalt haben?

Im zweiten Teil werden die Schulsozialarbeit, deren Arbeitsmethoden und einige Präventions- und Interventionsmaßnahmen näher beleuchtet. Hierzu werden einige Konzepte vorgestellt und die Möglichkeiten und Grenzen der Schulsozialarbeit aufgeführt. Dem folgt ein kleiner aktueller Exkurs zur Mobbingintervention der Stiftung Elternsein aus der Schweiz.

2. Mobbing bzw. Bullying an Schulen – eine spezielle Form von Gewalt

2.1 Definition und Formen von Gewalt

Gewalt, Aggressivität und Aggression werden oft synonym füreinander verwendet, was allerdings zu Verwirrungen führen kann. Aggressivität wird als eine psychische Eigenschaft, die aggressives Verhalten begünstigt, bezeichnet.[7] Sie kann eine mehr oder weniger unbewusste aber auch offen aggressive Haltung eines Menschen sein.[8] Aggression dagegen ist ein durch Affekte ausgelöstes, zielgerichtetes Verhalten, das andere Menschen gegen ihren Willen schädigen und das Machtverhältnis des Täters gegenüber dem Opfer steigern soll.[9]

Der Begriff Gewalt lässt sich in verschiedene Formen unterteilen. Die strukturelle Gewalt umfasst die gesellschaftlichen und institutionellen Bereiche. Das heißt, wenn Menschen durch äußere Faktoren in ihrer Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigt werden, wie z. B. durch gesellschaftliche Abwertung. Gewalt, die sich gegen Gegenstände richtet, wird als Vandalismus bezeichnet und ist eine mutwillige Beschädigung oder Zerstörung von Eigentum im sozialen Umfeld. Bei Gewalt zwischen Menschen unterscheidet man zwischen der physischen Gewalt, durch die körperliche Schäden zugefügt werden sollen, und der psychischen Gewalt, die verbal und nonverbal angewendet wird, um einen anderen Menschen zu demütigen, zu ängstigen oder zu beschämen. Des Weiteren ist die sexuelle Gewalt zu erwähnen, bei der durch das Erzwingen von intimen Kontakten die Bedürfnisse des Täters befriedigt werden. Zuletzt gibt es die frauen- und fremdenfeindliche Gewalt, die durch oben genannte Gewaltformen ausgeführt wird.

Demnach wird Gewalt als mutwillige Handlung bezeichnet, durch die andere in ihrer physischen oder psychischen Verfassung geschädigt werden sollen.

Sowohl Aggressionen als auch Gewalt lassen sich im Kontext der Schule beobachten. Schüler aber auch Lehrer können davon betroffen sein. Aggressionen äußern sich bspw. in Drohungen und Provokationen, während Gewalt durch das Schlagen anderer oder in Form von Sachbeschädigung gezeigt wird.[10]

2.2 Definition Mobbing und Bullying – eine Abgrenzung

Das Wort „Mobbing“ leitet sich aus dem Englischen ab: „The mob“ lässt sich im Deutschen mit Meute, Horde, Bande oder Pöbel übersetzen und „to mob“ mit angreifen, schikanieren oder anpöbeln.[11]

Dem schwedischen Psychologen Dan Olweus zufolge liegt Mobbing dann vor, „wenn eine schwächere Person wiederholt und über einen längeren Zeitraum verletzenden Handlungen von einer oder mehrerer überlegenen Personen ausgesetzt ist und das Opfer sich nicht aus eigener Kraft gegen die Übergriffe zur Wehr setzen kann.[12]

Mobbing lässt sich demnach anhand dreier Bestimmungsmerkmale beschreiben: Dem Wiederholungsaspekt, der Verletzungsabsicht und einem herrschenden Machtungleichgewicht. Hiernach findet Mobbing wiederholt und über einen längeren Zeitraum statt. Der Täter hat die klare Absicht, seinem Opfer in irgendeiner Weise Schaden zuzufügen und es herrscht ein ungleiches Machtverhältnis zu Gunsten des Täters und zu Lasten des Opfers. In Abgrenzung zum Begriff der Gewalt beinhalten Mobbing bzw. Bullying demnach stets einen Wiederholungsaspekt, der bei Gewalt nicht gegeben sein muss. Das Mehr an Macht des Täters kann tatsächlich vorhanden sein, wenn der Täter z. B. älter, größer und stärker ist, oder auch nur subjektiv empfunden werden und auf unterschiedlichen Umständen beruhen. Zudem findet Mobbing in relativ stabilen sozialen Gruppen statt, in denen sich die Akteure nicht fremd sind und sollte demnach stets als soziales Phänomen verstanden werden.[13]

Die Verwendung des Begriffes Mobbing für gewalttätige Übergriffe in der Schule ist heutzutage einem Großteil der Bevölkerung bekannt. Jedoch ist für viele Mobbing ein Synonym für schwere körperliche Gewalt. Die Medien haben hierzu einen großen Teil beigetragen, indem sie ein bestimmtes Bild schulischer Gewalt geschaffen haben, welches durch ihre Berichterstattungen fortwährend bestätigt wird. Es ist jedoch nicht zu vernachlässigen, dass auch schon das Ausüben von psychischer oder „kleiner“ Gewalt unter den Begriff des Mobbings fällt. Dazu gehören bspw. das Auslachen, Beleidigen oder Beschimpfen von Mitschülern, die Verbreitung von Gerüchten das Zerstören von Eigentum anderer, das Anrempeln, Ausschließen usw. Der körperliche Aspekt wird viel zu oft überbetont. Vielen Menschen ist noch nicht bewusst, wie sehr der Leidensdruck auf einem Opfer lastet und wie lange es mit den Folgen derartiger Übergriffe zu kämpfen hat. Fälle psychischer Belastung sind zudem weit mehr verbreitet als körperliche.[14] Nach Zimmermann können „Worte … Wunden schlagen, gegen die kein Pflaster hilft.[15] “ Daraus lässt sich schließen, dass zwar nicht jede Gewalthandlung Mobbing ist, allerdings Mobbing immer unter den Begriff der Gewalt fällt.[16]

[...]


[1] Vgl. Doss, N. (2012). Möglichkeiten und Grenzen der Schulsozialarbeit bei Gewalt und Mobbing an Schulen (S.3). Diplomarbeit. Hochschule, Neubrandenburg; Vgl.Huber, R. (2007). Mobbing unter Schülern. Ausarbeitung von Präventionslektionen für die Schule Eschenbach (S. 7). Masterarbeit. Pädagogische Hochschule, Zentralschweiz.

[2] Zugunsten der besseren Lesbarkeit wird hier ausschließlich die männliche Anrede verwendet. Alle folgenden Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter, sofern es nicht ausdrücklich anders formuliert ist.

[3] Aus PISA 2015 Results (Volume III) STUDENTS´ WELL-BEING: OECD (Table III 8.1, S.370)

[4] Vgl. Doss, N. a. a. O.; Vgl.Huber, R. a. a. O.

[5] Vgl. Jannan, M. (2010). Das Anti-Mobbing-Buch (3. Aufl., S. 9). Weinheim und Basel: Beltz.

[6] Vgl. Doss, N. a. a. O.

[7] Vgl. Doss, N. (S. 8) a. a. O.

[8] Bsp. für die Definition des Stichwortes „Aggressivität“. Verfügbar unter: http://www.duden.de/ rechtschreibung/Aggressivitaet.

[9] Bsp. für die Definition des Stichwortes „Aggression“. Verfügbar unter: http://www.duden.de/ rechtschreibung/Aggression; Vgl. Doss, N. a. a. O.

[10] Vgl. Doss, N. (S. 7-8) a. a. O.

[11] Vgl. Wachs, S., Hess, M., Scheithauer, H. und Schubarth, W. (2016). Mobbing an Schulen. Erkennen – Handeln – Vorbeugen (1. Aufl., S. 18-19). Stuttgart: Kohlhammer.

[12] Wachs, S., Hess, M., Scheithauer, H. und Schubarth, W. (S. 18) a. a. O.

[13] Vgl. Wachs, S., Hess, M., Scheithauer, H. und Schubarth, W. a. a. O.; Vgl. Scheithauer, H., Hayer, T. und Petermann, F. (2003). Bullying unter Schülern. Erscheinungsformen, Risikobedingungen und Interventionskonzepte (Band 8, S. 18). Göttingen, Bern, Toronto und Seattle: Hogrefe.

[14] Vgl. Jannan, M. (S. 21) a. a. O.

[15] Zimmermann (1999, S.1) zit. n. Jannan, M. (S. 22) a. a. O.

[16] Vgl. Jannan, M. a. a. O.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Mobbing und Bullying unter Schülern und Schülerinnen. Interventionsmethoden der Sozialen Arbeit
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,8
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V435197
ISBN (eBook)
9783668771802
ISBN (Buch)
9783668771819
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbing, Bullying, Schüler, Intervention, Schule
Arbeit zitieren
Tamara Yvonne Kurz (Autor), 2017, Mobbing und Bullying unter Schülern und Schülerinnen. Interventionsmethoden der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435197

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