Bullying unter Schülern und Schülerinnen. Beratungsansätze der Krisenintervention


Hausarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Hinführung

II. Grundlagen
II.1 Definition und Spezifizierung von Krisen
II.2 Konzepte
II.3 Verletzlichkeits-Stress-Modell

III. Krise im Kontext Bullying
III.1 Fallbeispiel
III.2 Analyse und Interpretation
III.2.1 Spiralmodell von Erika Schuchardt
III.2.2 Konzept „Kritische Lebenslagen“
III.3 Interventions- und Beratungsmöglichkeiten

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Hinführung

Der Begriff Krise wird heutzutage fast schon inflationär verwendet. Wahrscheinlich hat jeder bereits Sätze wie „Ich bekomm `ne Krise!“ gesagt. Jedoch ist eine Krise ein sehr schwerwiegendes Thema, das den jeweiligen Menschen stark belastet. Doch was ist eine Krise genau? Welche Krisen gibt es? In welchen Situationen können diese auftreten und was braucht der Mensch, um sie bewältigen zu können? Gibt es Menschen, die hierfür sozusagen prädestiniert sind? Auf diese und weitere Fragen wird im Folgenden eingegangen. Hierzu werden verschiedene theoretische Konzepte in Bezug auf Krisen und in Bezug auf die Frage der Prädestination das Verletzlichkeits-Stress-Modell, vorgestellt.

Im zweiten Teil wird auf die Krise im Kontext von Bullying unter Schülern[1] in Form einer Falldiskussion eingegangen. Hierzu wird ein Fallbeispiel zum Thema Bullying an der Schule mit anschließender Analyse, Interpretation und Interventions- bzw. Beratungsmöglichkeiten angeführt. Im letzten Teil wird ein Gesamtfazit zum Thema Krisenintervention unter Bezugnahme des Bullyings gezogen.

II. Grundlagen

II.1 Definition und Spezifizierung von Krisen

Zum Begriff Krise existieren diverse Definitionsversuche. Der Sozialpsychiater Caplan meint mit dem Begriff Krise „eine akute Überforderung eines gewohnten Verhaltensrepertoires durch belastende äußere und innere Erlebnisse.“[2] Ulrich fasst den Begriff enger und versteht darunter einen „belastende[n], temporäre[n], in seinem Verlauf und seinen Folgen offene[n Veränderungsprozess der Person, der gekennzeichnet ist durch eine Unterbrechung der Kontinuität des Erlebens und Handeln [sic!], durch eine partielle Desintegration der Handlungsorganisation und eine Destabilisierung im emotionalen Bereich mit dem zentralen Merkmale [sic!] des Selbstzweifels.“[3] Nach Wüllenweber, Sonder- und Heilpädagoge, kann eine Krise allerdings auch als Herausforderung und Neuorientierung verstanden werden.[4] Dies lässt sich auch dem Wortstamm des Wortes Krise, aus dem Griechischen „krisis“ = entscheidende Wendung, entnehmen.[5]

Es wird zwischen latenten und akuten Krisen unterschieden. Latente Krisen sind Krisen, bei denen evtl. bereits Anzeichen dafür bestehen, jedoch noch keine Krise als solche sichtbar ist. Akute Krisen werden in der Münchener Krisenstudie dagegen wie folgt definiert: „[S]eelische Ausnahmezustände, bei denen die Betroffenen inneren oder äußeren Belastungen so stark ausgesetzt sind, dass die üblichen Bewältigungsformen nicht mehr ausreichen und ihnen oder Dritten deshalb unmittelbare professionelle Hilfe innerhalb 24 Stunden notwendig erscheint“.[6]

In der Praxis haben sich weitere Spezifizierungen durchgesetzt: man unterscheidet eine psychosoziale Krise von einer psychiatrischen Krise bzw. einem psychiatrischen Notfall oder man spricht von einer traumatischen Krise bzw. Krisen in der Folge von unerwarteten und traumatischen Ereignissen. Weiter gibt es die suizidale Krise, die Reifungs- und Entwicklungskrise, die Veränderungskrise, die Verlustkrise usw. Krisen können den Menschen also in nahezu jedem Lebensbereich begegnen.[7]

II.2 Konzepte

Da es nicht möglich ist, eine allgemeingültige Krisentheorie, in der Aussagen zu Ursache, Verlauf, Dauer und Folgen gemacht werden, aufzustellen, sollen folgende theoretische Bezüge zum Verständnis von Krisen beitragen.

Auslöser für Krisen sind häufig kritische Lebensereignisse. Nach Filipp sind sie durch folgende Merkmale gekennzeichnet: Neu-/Wiederanpassung, Nicht-Vorhersehbarkeit, Wirkungsgrad (wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus), Selbstwertbedrohung, Selbstkonsistenzbedrohung (bedroht zentrale Überzeugungen, die die eigene Person betreffen), Orientierungsverlust, Zielblockade und Retraumatisierung (aktiviert Erinnerungen an frühere, nicht bewältigte Ereignisse). Je mehr dieser Merkmale vorliegen, desto höher ist auch die Gefahr für eine Krise.[8]

Allerdings ist die Bewertung, ob eine Situation eine Krise darstellt, immer subjektiv. Es hängt also davon ab, welche Bedeutung die Person dem Geschehen beimisst und über welche Bewältigungsstrategien und Ressourcen sie verfügt. Wenn eine Person also eine Situation als bedrohlich empfindet und die innere Überzeugung verliert, dass die eigenen Ressourcen und Fähigkeiten ausreichen, um ebendieser gewachsen zu sein, steht ihr eine Krise bevor.[9]

Um eine Krise bewältigen zu können sind u. a. ein gesundes Maß an Selbstwertgefühl sowie geeignete Ressourcen und Bewältigungsstrategien notwendig. Nach Ulrich sind Krisen mit zentralen Merkmalen des Selbstzweifels verbunden. Aus der Selbstwahrnehmung, der sozialen Rückmeldung und aus sozialen Vergleichen entwickelt jeder Mensch sein jeweiliges Selbstwertgefühl. Veränderungen des Selbstwertes können durch Entwicklungsphasen, wie bspw. der Übergang vom Kindes- zum Jugendalter, aber auch durch familiäre oder schulische Gegebenheiten beeinflusst werden. Das Erlebnis eines Traumas oder kritische Lebensereignisse, wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder gar seines Lebensgefährten, können massive Auswirkungen auf den Selbstwert eines Menschen haben.[10]

Wie bereits erwähnt, sind auch die Ressourcen eines Menschen wichtig zur Bewältigung von Krisen. Hierzu gehören personale Ressourcen, wie z. B. ein grundlegender Optimismus, ein angemessener Selbstwert, Selbstwirksamkeit, soziale Kompetenz, Resilienz usw. Zu den Umweltressourcen zählen u. a. soziale Unterstützung, das Wohnumfeld und die finanzielle und kulturelle Stabilität. Beim Verlust besonders wichtiger Ressourcen können Menschen in Krisen fallen. So verliert ein Mensch bspw. durch Tod oder Trennung seines Partners seine wichtigste Stütze im Leben. Bei der Krisenintervention ist es demnach wichtig, die Ressourcen zu fördern. Diese liegen zunächst in der Person der Beraterin selbst, die den Klienten bei der Aktivierung alter und der Entdeckung neuer notwendiger Ressourcen unterstützt.[11]

Anhand der Einschätzung der eigenen Ressourcen wird entschieden welche Bewältigungsstrategie für die jeweilige Situation angemessen ist. So richtet sich die sog. instrumentelle oder problemlösende Stressbewältigung auf die Verbesserung der Situation selbst, stellt also eine aktive Form der Bewältigung dar. Bei der emotionalen oder pallativen Stressbewältigung spricht man dagegen von der Regulation der emotionalen Befindlichkeit. Hierbei handelt es sich nicht um sich gegenseitig ausschließende Strategien, sie sind eher situativ bedingt mehr oder weniger angemessen. Zum Teil kann sogar Vermeidung notwendig sein, um einem Zusammenbruch zu entgehen. Lazarus klassifiziert die Bewältigungsstrategien wie folgt: Informationssuche, direktes Handeln, Unterlassen von Handlungen und intrapsychische Bewältigung. Laut Heim scheinen Menschen, die bei Krisen aktiv und überlegt vorgehen, nicht abwendbare, phasenhafte Belastungen verdrängen und vor allem ein starkes soziales Netzwerk haben, diese durchaus besser zu meistern, als solche, die sich hilflos einer solchen Situation ausgesetzt fühlen, die Schuld bei sich selbst oder anderen suchen, resignieren und nicht in der Lage sind, soziale Unterstützung zu aktivieren. Solche Menschen geraten zudem auch häufiger in Krisen.[12]

II.3 Verletzlichkeits- Stress-Modell

Forscher haben herausgefunden, dass die meisten psychischen Erkrankungen mehr als eine Ursache haben und Folge komplexer Wechselwirkungen von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren sind. Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell oder auch Verletzlichkeits-Stress-Modell ist ein sogenanntes multifaktorielles Störungsmodell und berücksichtigt die Wechselwirkungen von biologischen und Umweltfaktoren. Als Vulnerabilität oder Verletzlichkeit wird die Neigung an einer bestimmten Krankheit zu erkranken bezeichnet, man ist also besonders anfällig dafür. Die Ursachen hierfür können biologisch oder psychosozial aber auch angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Die Art der Vulnerabilität ist von Mensch zu Mensch verschieden, manche Menschen sind demnach anfälliger für bestimmte psychische Erkrankungen als andere. Jedoch führt die Vulnerabilität allein noch nicht zu einer Erkrankung. Auch hier spielen Ressourcen bzw. Schutzfaktoren wieder eine große Rolle, denn sind diese nicht ausreichend vorhanden, wird durch das Zusammenspiel mit Stressfaktoren, wie bspw. kritische Lebensereignisse, aus der Anfälligkeit schließlich eine psychische Erkrankung.[13]

III. Krise im Kontext Bullying

Bevor Irritationen aufgrund der Begrifflichkeiten entstehen, soll folgende Begriffsbestimmung Abhilfe schaffen: Mobbing und Bullying werden häufig synonym füreinander verwendet, was zu Verwirrungen führen kann.[14] Während beide Begriffe im sozialen Kontext, also in relativ stabilen Gruppen auftreten, wird der Begriff Bullying in der aktuellen Fachliteratur im Zusammenhang mit Schule und Schulklassen verwendet. Der Begriff Mobbing dagegen für jene aggressiven Verhaltensweisen am Arbeitsplatz.[15] Auch im Duden wird Mobbing mit dem ständigen Schikanieren, Quälen oder Verletzen von Arbeitskollegen umschrieben.[16] Aus diesem Grund ist es angebracht, für diese Arbeit ausschließlich den Begriff Bullying für derartige Übergriffe im schulischen Kontext zu verwenden.

Gewalt und Mobbing bzw. Bullying unter Kindern und Jugendlichen sind Themen, die vor allem in den letzten Jahrzehnten in der Öffentlichkeit an Bedeutung zugenommen haben. Im Bereich der Schule liegt hierbei ein besonderer Schwerpunkt. Bullying ist ein ernstzunehmendes Problem.[17] Dies belegen u.a. die Ergebnisse der PISA-Studie aus dem Jahr 2015, aus denen hervorgeht, dass insgesamt 15,7 Prozent der Schüler regelmäßig Opfer von Bullying sind. Demnach ist jeder sechste Schüler davon betroffen.[18]

Im Folgenden soll eine Krise im Kontext von Bullying unter Jugendlichen beispielhaft skizziert und analysiert werden. Opfer hiervon zu werden kann einen jungen Menschen in eine tiefe Krise stürzen. Dem schwedischen Psychologen Dan Olweus zufolge liegt Bullying dann vor,

„wenn eine schwächere Person wiederholt und über einen längeren Zeitraum verletzenden Handlungen von einer oder mehrerer überlegenen Personen ausgesetzt ist und das Opfer sich nicht aus eigener Kraft gegen die Übergriffe zur Wehr setzen kann.[19]

Der Täter hat die klare Absicht, seinem Opfer in irgendeiner Weise Schaden zuzufügen und es herrscht ein ungleiches Machtverhältnis zu Gunsten des Täters und zu Lasten des Opfers.[20] Dazu gehören bspw. das Auslachen, Beleidigen oder Beschimpfen von Mitschülern, das Ausschließen, das Zerstören von Eigentum anderer, aber auch körperliche Gewalt, wie z. B. Anrempeln, Schubsen oder Schlagen. Der körperliche Aspekt wird viel zu oft überbetont. Vielen Menschen ist noch nicht bewusst, wie sehr der Leidensdruck auf einem Opfer lastet und wie lange es mit den Folgen derartiger Übergriffe zu kämpfen hat. Fälle psychischer Belastung sind zudem weit mehr verbreitet als körperliche.[21] Nach Zimmermann können „Worte … Wunden schlagen, gegen die kein Pflaster hilft.“[22] Vor allem für Kinder und Jugendliche, deren Persönlichkeit noch nicht gefestigt ist und die sich mitten in der Pubertät befinden, also allein schon hierdurch schwierige Entwicklungsaufgaben zu meistern haben, kann Bullying schlimme Folgen haben und sie in eine tiefe Krise stürzen.

III.1 Fallbeispiel

Die Mutter eines Opfers erzählt:

„Ich will erst einmal etwas zur Situation der Täterin sagen, ich nenne sie Miriam. Miriam war mit meiner Tochter Hannah schon während der Orientierungsstufenzeit befreundet. Ihre Eltern sind sehr leistungsorientiert. Wenn Miriam die Erwartungen ihrer Eltern erfüllte, wurde sie auch geschätzt. Aber dann gab es Probleme in der Familie, hinzu kam, dass der große Bruder für ein Jahr ins Ausland ging. Er war die emotionale Stütze seiner Schwester. In dieser Phase klaute Miriam meiner Tochter eine Jacke und behauptete, sie geschenkt bekommen zu haben. Mit Miriams Eltern konnten wir uns nicht verständigen. Sie wiesen die Anschuldigung zurück. Das war alles noch während der 6. Klasse.

Dann kamen beide aufs Gymnasium. Neue Schule, neue Mitschüler, neue Orientierungen und damit verbundene Unsicherheiten. Es bildeten sich neue Freundschaften. Miriam scharte drei weitere Schülerinnen um sich und machte Hannah fertig. Hannah verstand die Welt nicht mehr, sagte aber monatelang nichts. Später erklärte sie, das habe doch gar nicht sein können, was sie erlebt habe. Sie wollte es nicht wahrhaben. Sie habe immer gehofft, das müsse doch wieder vorbeigehen. Vor Klassenarbeiten wurde sie unter Druck gesetzt. ‚Du übst und übst und wirst die Arbeit trotzdem verhauen. Du bist einfach zu blöd. Du kannst noch so viel üben wie du willst, du wirst höchstens eine 4 schreiben!‘ Morgens vor der Arbeit fand Hannah einen Zettel an ihrem Fahrrad mit der Aufschrift: ‚Du stinkst!‘ Hannah hoffte, dass das vorbeigehen würde. Sie hoffte auch, dass sie unter den vielen Schülerinnen eine Freundin finden würde und sich das Problem vielleicht so lösen würde. Vergeblich. Später sagten die Mitläuferinnen: ‚Wenn Miriam so einen Hass auf Hannah hat, dann muss da doch etwas dran sein.‘ Sie wollten sie sich da nicht einmischen und schauten in den entsprechenden Situationen weg. Die Lehrer angeblich merkten nichts.

Hannah begann schließlich, sich selbst zu verletzen. Sie schnitt sich an den Beinen und Unterarmen mit einer Schere oder anderen scharfen Gegenständen. Jedoch nicht lebensbedrohlich tief. Hannah versuchte mit Geschenken irgendeines der Mädchen als Freundin zu gewinnen. Sie machte Miriams Hausaufgaben, in der Hoffnung, dies würde sie besänftigen. Doch nichts half letztendlich.

Davon bekamen wir jedoch vorerst nichts mit. Uns fiel lediglich auf, dass sie sich immer mehr und mehr zurückzog, kaum mehr das Zimmer verlies und nur noch selten mit uns zu Abend essen wollte. Wenn ich sie darauf ansprach, reagierte sie meist aggressiv und schlug ihre Zimmertür zu. Als ich ihre Verletzungen eines Tages entdeckte, vertraute sie sich uns, ihren Eltern, endlich an. Sie erzählte auch von Suizidgedanken. Wir reagierten sofort, sprachen mit der Klassenlehrerin und einer Fachlehrerin. Die Fachlehrerin wollte ein Auge auf die Mädchen haben. Die Klassenlehrerin sah das Vorgehen als alterstypisch an. Sie hat nichts zur Unterstützung und Klärung unternommen, was schlimme Folgen hatte. Hannah fiel in den Hauptfächern um zwei Noten ab. Die Demütigungen durch ihre Mitschülerinnen hielten an. Was sollten wir machen? Miriams Eltern waren nicht kooperationsbereit, die Klassenlehrerin verweigerte sich und die Fachlehrerin nahm nichts wahr. Unser Kind litt und konnte sich nicht mehr konzentrieren.

Wir nahmen nach einem Jahr unsere Tochter von der Schule. Es heißt, dass das Kollegium sich sehr um die soziale Situation der Schüler kümmern würde. Die Schule hat einen guten Ruf, sowohl in Bezug auf die Leistungen als auch auf das soziale Verhalten der Schüler. Aber wir erlebten in unserer Klasse Lehrer, die das Leiden unserer Tochter jedenfalls nicht wahrgenommen haben. Unserem Kind geht es auf der anderen Schule sehr gut. Hannah hat wieder ihr früheres Leistungsniveau erreicht. Sie gehört sogar zum Team der Streitschlichter. Diese kümmern sich um Probleme zwischen Schülern und reagieren im Falle eines Verdachtes auf Bullying sofort, indem sie die Schulsozialarbeiter der Schule darüber informieren. Wir haben diesen Schritt nicht einen Tag bereut. Andere Eltern sagen, das Problem in der Klasse sei geblieben, nun habe sich Miriam ein anderes Opfer gesucht. Hannah sagt rückblickend, was da abgelaufen sei, hätten die Lehrer auch gar nicht wahrnehmen können, das sei alles sehr subtil gewesen.“

III.2 Analyse und Interpretation

Als belastend für das Selbstwertgefühl gelten Selbst- und Fremdkritik, Abwertungen, Konflikte, Misserfolge, fehlende Anerkennung, Nichteinhaltung eigener Ansprüche usw. Betrachtet sich also eine Person nicht als wertvoll, kompetent, liebenswert, attraktiv etc. kann dies eine Selbstwertbedrohung darstellen.[23] Hannahs Suizidgedanken lassen sehr deutlich erkennen, dass sie sich in einer schweren Krise befunden hat.

III.2.1 Spiralmodell nach Erika Schuchardt

In der Wissenschaft herrscht schon lange die Auffassung, dass Krisen prozesshaft verlaufen. Forscher haben versucht diesen Prozess zu strukturieren. So entstanden zahlreiche Phasenmodelle, die beim Umgang mit der Bewältigung von Krisen hilfreich sein sollen. Das obige Fallbeispiel lässt sich auf das von Erika Schuchardt entwickelte Spiralmodell anwenden. Es stellt die Krisenverarbeitung als Lernprozess in drei Stadien bzw. acht Spiralphasen dar. Diese gehen fließend ineinander über, können allerdings auch nebeneinander bestehen:

Eingangsstadium (Phase 1 und 2)

Am Beginn jeder Krise steht der Schock, da man vom jeweiligen Auslöser der Krise unerwartet getroffen wird. Ein Schock kann auch als Schutz vor den extrem starken Gefühlen dienen.

- Spiralphase 1: Ungewissheit

Hannah weiß nicht recht wie ihr geschieht. Sie hofft auf einen Irrtum oder versucht, das Problem zu verdrängen, will es nicht wahrhaben, weil sie nicht damit umgehen kann.

- Spiralphase 2: Gewissheit

Rein rational wird die Wahrheit angenommen, auf der emotionalen Ebene allerdings weiterhin geleugnet. Die Hoffnung, dass sich wieder alles zum Guten wendet, bleibt bestehen.[24] Hannah hofft, Freundinnen zu finden und dass sich das Problem so von selbst wieder bereinigen würde.

Übergangsstadium (Phase 3 bis 5 )

Hier wird das Problem angenommen, der Schock legt sich langsam. Dieses Stadium ist durch intensive Gefühle geprägt.

[...]


[1] Zugunsten der besseren Lesbarkeit wird hier ausschließlich die männliche Anrede verwendet. Alle folgenden Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter, sofern es nicht ausdrücklich anders formuliert ist.

[2] Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. (2009). Krisenintervention. Ein fallorientiertes Arbeitsbuch für Praxis und Weiterbildung (3. Aufl., S. 181). Weinheim und München: Juventa.

[3] Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. a. a. O.

[4] Vgl. Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. a. a. O. (S. 182).

[5] Vgl. Definition Krise: Zugriff am 06.04.2018. Verfügbar unter: https://www.duden.de/rechtschreibung/Krise.

[6] Crefeld, W. (o. J.). Psychosoziale Krisendienste in Deutschland (S. 123). Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft. Zugriff am 05.04.2018. Verfügbar unter: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/0340-8574-2007-4-123/psychosoziale-krisendienste-in-deutschland-jahrgang-154-2007-heft-4.

[7] Vgl. Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. a. a. O. (S. 184).

[8] Vgl. Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. a. a. O.

[9] Vgl. Stein, C. (2009). Spannungsfelder der Krisenintervention. Ein Handbuch für die psychosoziale Praxis (1. Aufl., S. 20). Stuttgart: Kohlhammer.

[10] Vgl. Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. a. a. O. (S. 185-186).

[11] Vgl. Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. a. a. O. (S. 188-189).

[12] Vgl. Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. a. a. O. (S. 187-188).

[13] Vgl. Hammer, M. und Plößl, I. (2015). Irre verständlich. Menschen mit psychischer Erkrankung wirksam unterstützen (3. Aufl., S.15-18). Köln: Psychiatrieverlag.

[14] Vgl. Alsaker, F. (2009). Editorial „Gewalt in der Schule“. Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften, 31 (1),5-8.

[15] Vgl.Huber, R. (2007). Mobbing unter Schülern. Ausarbeitung von Präventionslektionen für die Schule Eschenbach (S. 11-12). Masterarbeit. Pädagogische Hochschule, Zentralschweiz.

[16] Vgl. Definition Mobbing. Zugriff am 16.04.2018. Verfügbar unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/mobben

[17] Vgl. Doss, N. (2012). Möglichkeiten und Grenzen der Schulsozialarbeit bei Gewalt und Mobbing an Schulen (S.3). Diplomarbeit. Hochschule, Neubrandenburg; Vgl.Huber, R. (S.7) a. a. O.

[18] Vgl. PISA 2015 Results (Volume III) STUDENTS´ WELL-BEING: OECD (Table III 8.1, S.370).

[19] Wachs, S., Hess, M., Scheithauer, H. und Schubarth, W. (2016). Mobbing an Schulen. Erkennen – Handeln – Vorbeugen (1. Aufl., S. 18). Stuttgart: Kohlhammer.

[20] Vgl. Wachs, S., Hess, M., Scheithauer, H. und Schubarth, W. a. a. O

[21] Vgl. Jannan, M. (2010). Das Anti-Mobbing-Buch (3. Aufl., S. 21). Weinheim und Basel: Beltz.

[22] Zimmermann (1999, S.1) zit. n. Jannan, M. (S. 22) a. a. O.

[23] Vgl. Kunz, S., Scheuermann, U, und Schürmann, I. a. a. O. (S. 186).

[24] Vgl. Schuchardt, Erika (2003). Krisen- Management und Integration. Biographische Erfahrung und wissenschaftliche Theorie. Theorie und Praxis der Erwachsenenbildung (8. Aufl., S.145-150). Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bullying unter Schülern und Schülerinnen. Beratungsansätze der Krisenintervention
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,8
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V435220
ISBN (eBook)
9783668776791
ISBN (Buch)
9783668776807
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbing, Bullying, Schüler, Intervention, Beratung, Krise, Schule
Arbeit zitieren
Tamara Yvonne Kurz (Autor), 2018, Bullying unter Schülern und Schülerinnen. Beratungsansätze der Krisenintervention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435220

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