Der Kulturkampf: Ein Konflikt zwischen modernem Verfassungsstaat und katholischer Kirche


Seminararbeit, 2000

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

A. EINLEITUNG

B. URSACHEN UND ANLÄSSE DES KULTURKAMPFES
I. Standpunkte der Beteiligten
II. Die Ursachen des Kulturkampfes in der historischen Forschung
III. Die Anlässe des Kulturkampfes

C. DER VERLAUF DES KULTURKAMPFES
I. Staatliche Maßnahmen
II. Reaktionen der katholischen Kirche

D. AUSGANG UND FOLGEN DES KULTURKAMPFES
I. Die Beendigung des Kulturkampfes
II. Die Auswirkungen des Kulturkampfes

E. RESÜMEE
I. Der Erfolg der beteiligten Parteien
II. Die Bewertung des Kulturkampfes in der historischen Forschung

F. LITERATURVERZEICHNIS

A. Einleitung

Während der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts kam es im Deutschen Reich zu einem Konflikt zwischen dem gerade (1871) entstandenen Verfassungsstaat mit der katholischen Kirche. Die folgende Ausarbeitung nimmt sich dieses Themas an und stellt es in vier Kapiteln vor.

Der Begriff Kulturkampf wurde 1873 von dem Reichstagsabgeordneten der Fortschrittspartei Rudolf Virchow geprägt und bezeichnet den Grundsatzkonflikt[1] zwischen Staat und katholischer Kirche. Wichtig hierbei ist, dass der Kulturkampf kein deutsches, sondern ein gemeineuropäisches Phänomen in der Zeitspanne von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende war[2]. Seinen Anfang hatte er in Frankreich, breitete sich dann über ganz Europa aus und kehrte schließlich zur Jahrhundertwende in sein Ursprungsland zurück[3]. Die folgenden Ausführungen werden sich allerdings auf das Deutsche Reich beschränken, hier entzündete sich der Kulturkampf 1870/71. Die beteiligten Parteien waren der Staat sowie die liberalen Parteien einerseits und die katholische Kirche andererseits. Gegenstand des Konfliktes war das „Verhältnis von politischem Herrschaftssystem und christlichen Amtskirchen“[4] mit aufeinanderprallenden Machtansprüchen und gegensätzlicher Weltanschauung. Beendet wurde der Kulturkampf 1886/87 durch die Friedensgesetze und eine Erklärung Papst Leo XIII.

Die Gliederung des Referats folgt dem klassischen historischen Analyseschema: Zunächst werden in Kapitel B die Ursachen und Anlässe des Kulturkampfs in Deutschland dargelegt. Dabei werden zunächst die unterschiedlichen Standpunkte der Beteiligten vorgestellt. Daran anschließend erfolgt die Darstellung der Ursachen, wie sie in der historischen Forschung gesehen wird, bevor als Abschluss des Kapitels die konkreten Anlässe, die den Konflikt gleichsam ausgelöst haben, erläutert werden. In Kapitel C wird der Verlauf des Kulturkampfes, wie er sich in den staatlichen Maßnahmen und der Reaktion der katholischen Kirche widerspiegelt, geschildert. Kapitel D beschäftigt sich mit Ausgang und Folgen des Kulturkampfs.

Dabei wird zunächst die formale Beendigung des Konflikts dargestellt, im Anschluss daran folgt die Erläuterung der Auswirkungen. Kapitel E schließlich stellt eine Abschlussbetrachtung dar, in der der Erfolg der beteiligten Parteien aufgezeigt sowie die Bewertung des Konflikts in der historischen Forschung geschildert wird.

B. Ursachen und Anlässe des Kulturkampfes

Allgemein gesprochen resultierte der Kulturkampf aus dem Gegensatz zwischen Kirche und Staat. So ist der sich im 19. Jahrhundert entwickelnde moderne Rechtsstaat von seinen Prinzipien her religionsneutral und weltlich orientiert. Er definiert Recht und Loyalitäten unabhängig von religiösen Leitsätzen. Die Kirche hingegen sah sich immer noch als eigentlicher Lebensmittelpunkt, mit dem Recht, in das Leben der Gläubigen weitgehend einzugreifen (insbesondere durch Kirchenstrafen). Bei den Gründen für den Kulturkampf in Deutschland müssen die tieferliegenden Ursachen für den Konflikt, wie sie in den unterschiedlichen Standpunkten der Beteiligten begründet liegen, von den unmittelbaren Anlässen, die letztendlich zum Kampf führten, unterschieden werden.

I. Standpunkte der Beteiligten

Zu den Beteiligten des Kulturkampfes zählen auf der Seite des Staats in Deutschland die liberalen Parteien und Reichskanzler Otto von Bismarck. Die katholische Kirche wird durch die römische Kurie und die deutschen Bischöfe verkörpert. Verdeutlicht man sich die unterschiedlichen Auffassungen der Beteiligten, so wird erkennbar, daß in diesen die Ursachen für den Kulturkampf liegen.

So sind die Liberalen überwiegend evangelisch geprägt[5]. Sie wollen nach ihrer Ansicht die Leistungen der Reformation gegenüber der noch mittelalterlichen katholischen Kirche verteidigen. Mit ihrem unbedingten Glauben an Kultur, Wissenschaft und Fortschritt sehen sie sich als Modernisierer des Reiches an. Zu ihren politischen Hauptzielen zählt die Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien – auch und gerade gegenüber hergebrachten Institutionen/Traditionen[6]. Gerade dies bildet einen Kontrapunkt zur katholischen Kirche, die ihre eigene Rechtsprechung gegenüber den Gläubigen nicht aufgeben will. Nach Meinung der Liberalen hat die individuelle Freiheit Vorrang vor der Autorität der Kirche, die die Gläubigen bevormunden und an der Verwirklichung ihrer Freiheit hindern will.

Reichskanzler Otto (von) Bismarck, als das Zentrum der Politik im Deutschen Reich, will seine Machtposition sichern. Diese sieht er bedroht insbesondere durch den politischen Katholizismus, der sich auf Reichsebene 1870 in Form der Partei des Zentrums gründet. Bismarck zufolge stellt die Partei auf eine „romhörige“ Politik ab, die die Einheit des gerade erst gegründeten Deutschen Reiches gefährden könnte. Er will den Einfluß der Partei als öffentliches Organ eindämmen.[7] Gleichzeitig muß er aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Reichstag (absolute Mehrheit der liberalen Parteien) die Liberalen an sich und seine Politik binden, was nur über Maßnahmen, die die Liberalen zufriedenstellen, zu verwirklichen ist.

Die katholische Kirche ist in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts noch immer sehr konservativ geprägt. Papst Pius IX. lehnt die moderne Staatslehre konsequent ab und vertritt den globalen Lenkungsanspruch der römischen Kurie. So sollen beispielsweise möglichst viele Priester ihre Ausbildung zentral in Rom absolvieren, Bischöfe dürfen nur in der „Heiligen Stadt“ vom Papst geweiht werden. Gleichzeitig verteidigt Pius IX. die Idee der unanfechtbaren Autorität von Kirche und Papst in den Lehrentscheidungen des Glaubens.[8] Anhänger dieser Vorstellungen werden als „ultramontan“ bezeichnet, womit die Bindung an die Weisungen „jenseits der Berge“ in Rom deutlich gemacht werden soll. Der Begriff wurde in der Zeit des Kulturkampfes schnell zum Schlagwort, mit dem die rückständige Sichtweise der römisch-katholischen Kirche zum Ausdruck gebracht werden sollte.[9] Die deutschen Bischöfe sind in der Mehrzahl nur gemäßigt ultramontan eingestellt, allerdings beugen sie sich überwiegend dem päpstlichen Diktum.

II. Die Ursachen des Kulturkampfes in der historischen Forschung

Die Ursachen für den Kulturkampf in Deutschland resultieren aus diesen fundamental unterschiedlichen Anschauungen der Beteiligten. Sie werden aber in der historischen Forschung unterschiedlich stark gewichtet, was insbesondere in den Positionen der Historiker Thomas Nipperdey und Hans-Ulrich Wehler zum Ausdruck kommt.

Hans-Ulrich Wehler sieht im Ultramontanismus der katholischen Kirche eine Hauptursache für den Ausbruch des Kulturkampfes.

Dabei sind insbesondere drei Entscheidungen der Kurie hervorzuheben, die das Verhältnis zum deutschen Staat mehr als beeinträchtigt haben:[10] So bereitete das am 08.12.1854 vom Papst verkündete Mariendogma den Weg in die Auseinandersetzung mit dem modernen Verfassungsstaat. Innerhalb des Dogmas wurde festgelegt, dass Maria von jeglicher Erbsünde der Menschheit bereits mit Blick auf die zukünftigen Leistungen Jesu Christi befreit blieb.[11] Zwar ist diese Entscheidung an sich nur ein Glaubenssatz, der die katholischen Gläubigen bindet. Gleichzeitig aber berührt er das Verhältnis der Kirche zum Staat, wenn berücksichtigt wird, daß Gläubige, die dieses Dogma ablehnen, exkommuniziert werden können. Befinden sie sich dann noch in einer öffentlichen Position (z. B. als Lehrer), so stellt sich die Frage, ob die Exkommunizierten auch ihre staatliche Anstellung, wie von der Kirche gefordert, verlieren sollten. Allerdings lehnten kaum Katholiken diese Glaubensvorschrift ab. Mit dem sog. Syllabus Errorum, der am 08.12.1864 verkündet wurde, erfolgte der zweite Affront von Seiten der katholischen Kirche gegen den Staat: Der Syllabus ist ein Katalog, in dem die katholische Kirche in Person des Papstes 80 Irrlehren/-glauben der Zeit auflistet und angreift, unter ihnen beispielsweise den Liberalimus oder den Sozialismus.[12] Zudem wird dem modernen Staat im Syllabus die Befugnis abgesprochen, kirchliche Rechte zu beschränken. Als oberste Instanz und Rechtsgeber wird die katholische Religion gesehen, die zudem die einzig wahre Glaubensquelle sei.[13] Mit dem Unfehlbarkeitsdogma, das 1870 auf dem I. Vatikanischen Konzil beschlossen wurde, wurde eine Auseinandersetzung mit dem Staat unausweichlich. Das Dogma verkörpert die Auffassung, dass der Papst kraft seines Amtes ohne jede Beratung mit der Kirche in Lehrentscheidungen über Glaubensfragen unfehlbar sei.[14] Es wurde von vielen Bischöfen und katholischen Gläubigen abgelehnt, in Deutschland führte es zur Abspaltung der sog. Altkatholiken. Sofern diese in öffentlichen Positionen tätig waren, forderte die katholische Kirche die Entlassung aus dem Staatsdienst. Auch die deutsche katholische Kirche macht Hans-Ulrich Wehler für den Kulturkampf verantwortlich.

[...]


[1] Wehler, Hans-Ulrich (Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 3: Von der „deutschen Doppelrevolution “ bis zum Beginn des 1. Weltkriegs 1849 – 1914, München 1995), S. 892

[2] Nipperdey, Thomas (Deutsche Geschichte, Band 2: Machtstaat vor der Demokratie, München 1992), S. 364

[3] Wehler (Deutsche Doppelrevolution, 1995), S.892

[4] Wehler (Deutsche Doppelrevolution, 1995), S.892

[5] Wehler (Deutsche Doppelrevolution, 1995), S. 893

[6] Loth, Wilfried (Das Kaiserreich, Obrigkeitsstaat und politische Mobilisierung, München 2 1997), S. 50

[7] Loth (Das Kaiserreich, 1997), S. 51

[8] Wehler (Deutsche Doppelrevolution, 1995), S. 385/386

[9] Hohlwein (Ultramontanismus, 1962), Sp. 1113

[10] Wehler (Deutsche Doppelrevolution, 1995), S. 892

[11] Köster (Unbefleckte Empfängnis, 1965), Sp. 467

[12] Schatz (Syllabus, 2000), Sp. 1153

[13] Voeltzel (Syllabus [Verzeichnis], 1962), Sp. 538

[14] Barion (Infallibilität, 1959), Sp. 748

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Kulturkampf: Ein Konflikt zwischen modernem Verfassungsstaat und katholischer Kirche
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Staatsverfassungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
18
Katalognummer
V43526
ISBN (eBook)
9783638412957
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kulturkampf, Konflikt, Verfassungsstaat, Kirche, Staatsverfassungen
Arbeit zitieren
Monika Goerke (Autor), 2000, Der Kulturkampf: Ein Konflikt zwischen modernem Verfassungsstaat und katholischer Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43526

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