Umsatzsteuerliche Besonderheiten im Bereich der Land- und Forstwirtschaft


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Regelbesteuerung
2.1. Steuersystem
2.2. Steuerbare Umsätze
2.2.1. Leistungen
2.2.2. Unternehmereigenschaften
2.2.3. Ort der Leistungen
2.3. steuerfreie Umsätze
2.3.1. steuerfreie Umsätze mit Vorsteuerabzug
2.3.2. steuerfreie Umsätze ohne Vorsteuerabzug
2.4. Steuersätze
2.5. Vorsteuerabzug

3. Durchschnittssatzbesteuerung
3.1. Einführung
3.2. Anwendungsbereich
3.3. Steuersätze
3.4. Vorsteuerabzug
3.5. Ausnahmen von der Durchschnittssatzbesteuerung
3.5.1. Entsorgungsleistungen an Nichtlandwirte
3.5.2. Halten von fremden Vieh
3.5.3. Restaurationsumsätze
3.5.4. Sonstige Leistungen an Maschinenringe
3.5.5. Pensionspferdehaltung

4. Schlussteil, Fazit

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Umsatzsteuer ist eine der ältesten und heutzutage einer der bedeutendsten Steuern hinsichtlich der Unternehmensbesteuerung. Sie hat mit einem gesamten Aufkommen in Höhe von rund 209,9 Milliarden Euro allein in 2015 einen entscheidenden Einfluss auf das gesamte Steueraufkommen der Bundesrepublik Deutschland.[1]

Aufgrund dauernder fortschreitender Entwicklungen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft, insbesondere hinsichtlich der Bandbreite des Wirtschaftszweiges, hat sich die Besteuerung der Land- und Forstwirtschaft sich im Laufe der Jahre massiv verändert und einen Sonderstatus im Umsatzsteuersystem erlangt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anzahl der Betriebe in der Landwirtschaft in Deutschland in den Jahren 1975 bis 2016[2]

Jedoch kann man anhand der Statistik erkennen, dass die Anzahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe seit dem Kalenderjahr 1975 rapide gesunken ist. Waren es 1975 noch knapp über 900.000 Betriebe, so beträgt die Anzahl im Kalenderjahr 2016 lediglich nur noch rund 276.000 Betriebe.

Für diese Entwicklung kann man zwei verschiedene Gründe aufführen. Insbesondere bei Landwirten mit Viehhaltung führen wirtschaftliche Zwänge zu einer hohen Anzahl an Betriebsaufgaben. Maßgeblich entscheidend für die wirtschaftlichen Zwänge sind einerseits, dass aufgrund massiver Überproduktionen der Milchpreis in den letzten Jahren rapide gefallen ist. Des Weiteren führt die Massentierhaltung von Nutztieren dazu, dass sich die Viehhaltung für einen „normalen“ Landwirten nicht rentiert. Als weitere Ursache für die starke Abnahme der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe kann man aufführen, dass sich die Möglichkeiten zur Nachfolge für einen landwirtschaftlichen Betrieb enorm erschwert haben.

Trotz sinkender Anzahl an land- und forstwirtschaftlichen Betrieben gibt es kaum eine Wirtschaftsbranche, die im Steuerrecht so massiv viele Fragestellungen aufwirft wie die Land- und Forstwirtschaft, nicht nur auf dem Gebiet der Umsatzsteuer.

Im Nachfolgenden sollen die umsatzsteuerlichen Besonderheiten der Bereich der Land- und Forstwirtschaft näher erläutert und anschaulich dargestellt werden.

Hierzu wird kurz auf die Regelbesteuerung eingegangen, um dann durch Hervorhebung der Besonderheiten für Land- und Forstwirte einen Vergleich zu ziehen, welche Form der Besteuerung für den jeweiligen Landwirt am günstigsten ist.

2. Regelbesteuerung

Nur ein geringer Anteil der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe wendet statt der Durchschnittssatzbesteuerung die Regelbesteuerung an. Somit bildet die Anwendung der Regelbesteuerung in der Praxis die Ausnahme.[3] Hiermit werden die grundlegenden Tatbestände der Regelbesteuerung kurz erläutert.

2.1. Steuersystem

Rechtliche Grundlage für das Umsatzsteuerrecht in Deutschland bilden das UStG (Umsatzsteuergesetz) sowie die UStDV (Umsatzsteuerdurchführungsverordnung). Die Gesetzgebungskompetenz liegt für die Umsatzsteuer gem. Art. 105 II GG (Grundgesetz) beim Bund, wobei die Ertragshoheit nach Art. 106 III GG bei Bund und Ländern liegt.[4]

Die Umsatzsteuer ist vom Wesen eine Verkehrssteuer, d.h., dass der Gegenstand der Besteuerung ein wirtschaftlicher Vorgang ist. In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellt die Umsatzsteuer eine Veranlagungssteuer dar, d. h. der Unternehmer gibt nach § 168 AO (Abgabenordnung) eine Steueranmeldung ab, wobei er die Zahllast selbst errechnet und diese dann fristgerecht abzuführen hat.[5]

2.2. steuerbare Umsätze

Nach dem Grundtatbestand nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG unterliegen Lieferungen und sonstige Leistungen der Umsatzsteuer, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt.

2.2.1. Leistungen

Eine Leistung, die unterteilt werden kann zwischen Lieferung und sonstige Leistung, ist nach Abschn. 1.1 Abs. 3 UStAE alles, was Gegenstand des Wirtschaftsverkehrs sein kann, jedoch keine bloße Entgeltsentrichtung.[6]

2.2.2. Unternehmereigenschaften

Die Voraussetzungen für die Unternehmereigenschaft sind in § 2 UStG geregelt. Danach ist ein Unternehmer, wer eine gewerbliche bzw. berufliche Tätigkeit selbstständig ausübt.

2.2.3. Ort der Leistungen

Für die Bestimmung, an welchem Ort eine Lieferung ausgeführt wird, sind §§ 3 Abs. 6 bis 8 UStG heranzuziehen. Bei Beförderung eines Gegenstandes befindet sich der Ort der Lieferung i. S. § 3 Abs. 6 UStG dort wo die Beförderung an den Abnehmer beginnt. Bei fehlender Beförderung des Gegenstandes, z. B. eines Grundstücks, liegt der Ort dort, wo sich der Gegenstand zum Zeitpunkt der Beschaffung der Verfügungsmacht befand (vgl. § 3 Abs. 7 UStG).

Für die Bestimmung des Ortes bei sonstigen Leistungen ist § 3a UStG heranzuziehen.

2.3. steuerfreie / steuerpflichtige Umsätze

Nach der Beurteilung, ob der entsprechende Umsatz steuerbar ist, ist nun zu prüfen, ob eine Steuerbefreiung nach § 4 UStG vorliegt. Wenn keine Steuerbefreiung vorliegt, ist der Umsatz steuerpflichtig.

Die Gründe für Steuerbefreiungen sind vielfältig, z. B. dienen die Steuerbefreiungen zur Erleichterung von Import- und Exportgeschäften innerhalb der EU-Länder, Vermeidung von steuerlicher Doppelbelastung und Verbilligung sozialer und kultureller Erwägungen.[7]

Bei den steuerfreien Umsätzen wird unterschieden zwischen Umsätzen, die zum Vorsteuerabzug berechtigen und solche, die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigen.

2.3.1. Steuerfreie Umsätze mit Vorsteuerabzug

Umsätze, die unter die §§ 4 Nr. 1-7 UStG fallen, berechtigen nach § 15 Abs. 3 Nr. 1 Buchstabe a) UStG i. V. m. § 15 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 UStG zum Vorsteuerabzug.

Praxisrelevante Beispiele hierfür sind Ausfuhrlieferungen (§ 6 UStG) und innergemeinschaftliche Leistungen (§ 6a UStG), die nach § 4 Nr. 1 UStG steuerfrei sind.

2.3.2. Steuerfreie Umsätze ohne Vorsteuerabzug

Umsätze, die unter die §§ 4 Nr. 8 ff. UStG fallen, berechtigen nach § 15 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 UStG nicht zum Vorsteuerabzug.

Praxisrelevante Beispiele sind hierfür die Umsätze von Kreditinstituten (Nr. 8), langfristige Vermietung bzw. Verpachtung von Grundstücken (Nr. 12) und humanmedizinische Leistungen (Nr. 14).

2.4. Steuersätze

Rechtsgrundlage für die Bestimmung des anzuwendenden Steuersatzes ist § 12 UStG. Demnach wird unterschieden zwischen dem Regelsteuersatz von 19% (§ 12 Abs. 1 UStG) und den ermäßigten Steuersatz von 7% (§ 12 Abs. 2 UStG).

Der ermäßigte Steuersatz hat den Zweck, bestimmte lebensnotwendigen Güter, z. B. Lebensmittel, kulturelle und soziale Umsätze und andere Vorgänge steuerlich zu vergünstigen.

Die Auflistung der Umsätze, auf die der ermäßigte Steuersatz anzuwenden ist, ist abschließend. Bei der Prüfung des anzuwendenden Steuersatzes ist zunächst zu prüfen, ob für den Umsatz der ermäßigte Steuersatz anzuwenden ist.

2.5. Vorsteuerabzug

Rechtsgrundlage für den Vorsteuerabzug ist § 15 UStG. Danach kann der Unternehmer die gesetzlich geschuldete Steuer für Leistungen, die von einem anderen Unternehmer für sein Unternehmen ausgeführt worden sind (vgl. § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG), als Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen.

Des Weiteren kann der die gezahlte Einfuhrumsatzsteuer, die Steuer für den innergemeinschaftlichen Erwerb und die Steuer für Leistungen im Sinne des § 13b Abs. 1 und 2 UStG, sowie die nach § 13a Abs. 1 Nr. 6 UStG geschuldete Steuer als Vorsteuer geltend machen. (vgl. § 15 Abs. 1 Nr. 2-5 UStG).

Voraussetzung für den Vorsteuerabzug ist allerdings, dass der Unternehmer eine ordnungsgemäße Rechnung nach §§ 14, 14a UStG besitzt. (vgl. § 15 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 UStG)

3. Durchschnittssatzbesteuerung

3.1. Einführung

Seit Jahrzenten nimmt die Land- und Forstwirtschaft im Bereich der Umsatzsteuer eine Sonderstellung ein.

In der ursprünglichen Fassung des UStG waren land- und forstwirtschaftliche Umsätze in § 4 Nr. 19 UStG als steuerbefreit geregelt. Mit dem Zweck, die Sonderstellung der deutschen Land- und Forstwirtschaft herauszustellen, bezog die Gesetzgebung deren Besteuerung grundsätzlich mit in die Mehrwertbesteuerung ein. Jedoch wurden gleichzeitig die Umsätze der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe in § 24 UStG der sogenannten Pauschalbesteuerung unterworfen.[8]

Somit werden pauschalierende Landwirte so behandelt, als ob die vereinnahmte Umsatzsteuer der Summe der Vorsteuern auf ihre Vorleistungen entspricht, sodass sich weder eine Zahllast noch ein Vorsteuerüberhang ergibt.

Sinn und Zweck der Pauschalbesteuerung ist zumindest der Versuch, wie im früheren Recht die Erfüllung umsatzsteuerlicher Verpflichtungen von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben zu erleichtern.[9] Aufgrund der Tatsache, dass aufgrund der Pauschalierung faktisch weder Zahllast noch Vorsteuerüberschuss entsteht, besteht keine Pflicht zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuerjahreserklärungen. Des Weiteren ist der pauschalierende Land- und Forstwirt von den Aufzeichnungspflichten nach § 22 EStG befreit.

Jedoch besteht die Möglichkeit, beispielsweise aufgrund hoher Anschaffungen von Anlagevermögen, gemäß § 24 Abs. 4 S. 1 UStG zur Regelbesteuerung zu optieren. Dabei ist zu beachten, dass die Option zur Regelbesteuerung nach § 24 Abs. 4 S. 2 UStG grundsätzlich fünf Jahre bindend ist.

3.2. Anwendungsbereich

Nach richtlinienkonformer Auslegung ist die Durchschnittssatzbesteuerung gemäß § 24 Abs. 1 Nr. 1 UStG nur auf Umsätze anzuwenden, die im Rahmen eines land- und wirtschaftlichen Betriebes ausgeführt werden.[10]

Ein Unternehmer unterhält einen landwirtschaftlichen Betrieb, wenn er im Rahmen der in § 24 Abs. 1 S. 1 UStG genannten Erzeugertätigkeiten unter Nutzung der natürlichen Kräfte des Bodens Pflanzen und Tiere erzeugt sowie die selbst gewonnenen Erzeugnisse verwertet.[11]

[...]


[1] Vgl. BMF, Finanzen und Steuern – Foliensatz – Überarbeitete Ausgabe 2016/2017, 2016, S. 4, http://www.bundesfinanzministerium.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Servicesuche_Formular.html?nn=7298&resourceId=5968&input_=7298&pageLocale=de&templateQueryString=Steuerspirale&lang=de&baseDocType=Audio+Basepage+CallForBids+Event+GCJournal+GCPresentation+Interview+JobOffer+Law+News+PBBook+PBHandout+PressRelease+Publication+Speech+Video+Vita&showFacetDocType=true&showFacetCategoryThemen=true&submit.x=0&submit.y=0, Zugriff: 11.04.2017

[2] Statistisches Bundesamt, Anzahl der Betriebe in der Landwirtschaft in Deutschland in den Jahren 1975 bis 2016 (in 1.000), https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36094/umfrage/landwirtschaft---anzahl-der-betriebe-in-deutschland/, Zugriff: 18.04.2017

[3] Vgl. Agatha, M. et al, Besteuerung der Land- und Forstwirtschaft, 8. Auflage, Herne 2017, S. 751

[4] Vgl. Tipke, K. et al, Steuerrecht, 22. Auflage, Köln 2015, S. 891

[5] Vgl. Hahn, V./ Kortschak, H.-P., Lehrbuch Umsatzsteuer, 14. Auflage, Herne 2012, S. 7

[6] Vgl. Kliewer, E. / Zschenderlein, O., Die Prüfung der Steuerfachangestellten, 34. Auflage, Herne 2016, S. 35

[7] Vgl. Hahn, V., / Kortschak, H.-P., Lehrbuch Umsatzsteuer, 14. Auflage, Herne 2012, S. 213 f.

[8] Vgl. Schuhmann, H.: Erläuterungen zu § 24 UStG, Hrsg. Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Umsatzsteuergesetz Kommentar, Köln 2012, S. 7

[9] Vgl. Schuhmann, H.: Erläuterungen zu § 24 UStG, Hrsg. Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Umsatzsteuergesetz Kommentar, Köln 2012, S. 16

[10] vgl. BMF, Schreiben v. 27.10.2010 – IV D 2, S. 7410/07/10016, BStBl. I 2010, 1273

[11] Vgl. BFH, Urteil v. 12.10.2006, V R 36/04, BStBl. 2007 II S. 485

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Umsatzsteuerliche Besonderheiten im Bereich der Land- und Forstwirtschaft
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Veranstaltung
Schlüsselqualifikation I
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V435260
ISBN (eBook)
9783668768338
ISBN (Buch)
9783668768345
Dateigröße
817 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umsatzsteuerliche, besonderheiten, bereich, land-, forstwirtschaft
Arbeit zitieren
Nicolai Caspers (Autor), 2017, Umsatzsteuerliche Besonderheiten im Bereich der Land- und Forstwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435260

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