Schulangst. Ausgewählte Verfahren (sonder-)pädagogischer Diagnostik


Hausarbeit, 2017
11 Seiten, Note: qualifizierte Teilnahme
Anonym

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Ursachen

2. Symptome und Folgen von Schulangst

3. (Sonder-)pädagogische Diagnostik - ausgewählte Verfahren

4. Umgang mit Schulangst

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Angst ist lebenswichtig“[1]. Doch zu viel Angst kann störend wirken. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler sind von Schulangst in einem solchen Maße betroffen, dass eine Bewältigung des Schulalltags schier unmöglich scheint. Doch nicht nur die Kinder selbst sind betroffen; Eltern, Mitschüler, Lehrer, die Institution Schule können Faktoren des komplexen Systems Schulangst darstellen.

Die Vielschichtigkeit des Phänomens macht es unmöglich, in dieser Arbeit dessen Gesamtheit darzustellen. In einem kurzen Abriss wird ein Überblick über die Thematik gegeben, indem mögliche Ursachen, Symptome bzw. Folgen von Schulangst, deren Bedeutung in der (sonder-)pädagogischen Diagnostik sowie Möglichkeiten zum Umgang mit der Angst aufgezeigt werden.

1. Ursachen

Schulangst gilt als reale Angst, weshalb nach realen Gründen gesucht werden muss, welche die Angst auslösen[2].

Nach Hopf stellen Schwellensituationen im Leben, wie etwa die Einschulung, immer große Herausforderungen dar; für jedes Kind, unabhängig von sonderpädagogischen Förderbedarfen[3]. Alleine der Schritt vom spielerisch geprägten Alltag der Kita in den der Schule, wo nun Leistung und Disziplin gefordert wird, fällt nicht allen Kindern leicht. Auch die Rolle der Eltern verändert sich. Oft baut sich ein gewisser Erwartungsdruck auf, welcher dann auf das Kind wirkt. „Wenn Eltern in Phasen des Stillstandes oder des Rückschrittes besondere Leistungen von ihren Kindern erwarten oder gar fordern, dann ist dies kein Ansporn, sondern sie lösen im Gegenteil Angst aus, das Geforderte nicht erbringen zu können“[4].

Weiterhin streben Eltern natürlich den höchstmöglichen Bildungsabschluss für ihr Kind an. Dabei kann es vorkommen, dass das Kind sich an einem für ihn unpassenden Schultyp befindet und schlichtweg an Überforderung leidet. Geht es an seine absoluten Grenzen, widmet möglicherweise Großteile seiner Freizeit der Schule und erfährt dennoch immerfort Niederlagen und schlechte Zensuren, so hat dies gravierenden Einfluss auf das Selbstkonzept des Schülers.

Möglicherweise entwickelt sich ein negatives Verhältnis zur Schule durch eine Übertragung familiärer bzw. privater Konflikte. Der Lehrer fungiert in dieser Situation, oft unwissentlich, als Übertragungsobjekt. So kann ein Schüler etwa bei Kleinigkeiten maßlos überreagieren, womöglich gewalttätig werden, da er sich während seiner Kindheit mit der Brutalität des Vaters identifiziert hat[5]. Ist dem jeweiligen Pädagogen jene Übertragung nicht bewusst und ist er nicht dazu in der Lage entsprechend zu reagieren, so kann sich dies maßgebend auf die Schüler-Lehrer-Beziehung auswirken.

Ein weiterer Grund für Schulangst ist Mobbing [6] . Als problematisch in dieser Thematik erweist sich die Tatsache, dass viele Kinder „sich lieber weiter misshandeln lassen, als ihre Schwäche einzugestehen, was weitaus beschämender für sie wäre.“[7] Mobbing ist hierbei als schleichender, sich immer steigernder Prozess zu bewerten, in dessen Endphase das betroffene Kind völlig demoralisiert ist.[8] Im Zuge der Technologisierung hat sich das Spektrum um Cyber-Mobbing erweitert, welches die Hemmschwelle verbaler Konfrontation enorm heruntersetzt.

Angst kann außerdem durch Gruppenzwänge entstehen[9]. Durch Mitschüler und Freunde entsteht Erwartungsdruck. Jener kann Mobbing begünstigen, da so plötzlich auch Schüler in die „Täterrolle“ geraten, welche bis dahin unbeteiligt waren.

Prüfungsangst kann weniger als Ursache, vielmehr als Bestandteil einer Schulangst gesehen werden. „Von der Tiefe und Regression wird es abhängen, ob Paniken, Trennungs- und Verlustängste oder Scham- und Schuldängste mobilisiert werden.“[10] Diese Aussage zeigt die bereits erwähnte Komplexität, welche es nicht zulässt die eine Ursache von Schulangst zu definieren. Stets ist ein vielschichtiges System, welches mehrere Lebensbereiche des Kindes umfasst, beteiligt.

2. Symptome und Folgen von Schulangst

Schulangst verbirgt sich häufig bereits hinter verbalen Äußerungen wie: „Ich schaffe es nicht!“[11] Diese Aussage bezieht sich bald nicht mehr auf eine konkrete Aufgabenstellung in der Schule oder eine Hausaufgabe, vielmehr auf den vollständigen (Schul-)alltag. Hopf beschreibt weiterhin Prüfungsträume, mit welchen sicherlich viele Menschen vertraut sind. Sie sind Anzeichen einer natürlichen Angst, welche hervorgerufen wird, müssen wir Leistung zeigen, die mitunter über unseren weiteren Lebensverlauf entscheiden kann.

Bei Kindern mit Schulangst steigert sich diese Furcht mitunter ins Unermessliche. „[…] Anzeichen, in denen Schulangst sich auswirken kann, sind Einschlafschwierigkeiten, Durchschlafstörungen, Hitzewallungen, Verspannungen, Einnässen, unangenehme Vorstellungen, die sich nicht vertreiben lassen.“[12] Weitere körperliche Anzeichen können Übelkeit, Erbrechen oder Fieber sein. Hopf beschreibt jenes Phänomen als eine „Flucht in die Krankheit“[13].

Im Zuge von Schulangst können sich jedoch auch psychische Leiden entwickeln. Vor allem bei von Mobbing betroffenen Schülern oder etwa jenen, die sich mit dem Schulalltag in seiner Gesamtheit überfordert und die Ursache bei sich sehen, können sich beispielsweise depressive Stimmungen entwickeln. Erfolgt, insbesondere bei Mädchen, eine Abwertung aufgrund des Erscheinungsbildes, so sind nicht selten Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie die Folge[14].

Die Folgen von Schulangst auf das Selbstkonzept des Kindes sind weitreichend. „Es [das Kind] erwartet ein Versagen in zukünftigen Anforderungssituationen, da es der Ansicht ist, dass seine Fähigkeiten den Leistungsanforderungen nicht genügen werden.“[15] Mit einem erhöhten Maß an Ängstlichkeit kommen jene Kinder bereits in der Schule und versuchen dort oft in einem Ausmaß Zuwendung und Anschluss bei Mitschülern und Pädagogen zu finden, welches jene jedoch nicht erfüllen können. Bei den Betroffenen wird so das Gefühl der Isolation und Selbstzweifeln gestärkt. Mitunter entwickelt sich so eine Feindseligkeit, welche in Aggression endet. Jene Feindseligkeit begünstigt nun wiederum soziale Isolierung. Das negative Selbstkonzept wird dementsprechend bestätigt[16].

Angst hat Auswirkungen auf Kognition und Motivation. Mehrheitlich sei „von einer negativen Korrelation zwischen Angst und Leistung“ auszugehen[17]. In Prüfungssituationen widmen ängstliche Kinder viele Gedanken den Konsequenzen eines Misserfolgs, was die eigentliche Leistungsfähigkeit in diesem Moment natürlich einschränkt[18]. Das befürchtete Versagen kann so mitunter eintreten. Schüler, die mit schulischen Misserfolgen kämpfen, müssen durch Schulangst zusätzlich mit einem Leistungsabfall rechnen. Zensuren spiegeln dann die tatsächlichen kognitiven Fähigkeiten nicht wider.

Schulverweigerung kann ein Phänomen in Folge von Schulangst sein. Auch hier kann bezüglich der Ursachen wieder stark differenziert werden (Schulunlust, Trennungsängste, Angst vor bestimmten Lehrpersonen, Mobbing in der Schule, etc.)[19].

3. (Sonder-)pädagogische Diagnostik - ausgewählte Verfahren

Es wurde bereits gezeigt, dass die Schulangst betreffende Faktoren nicht nur im direkten schulischen Umfeld, sondern auch im familiären bzw. privaten Bereich. Daher empfiehlt sich im Umgang mit Schulangst die von Sander und Hildeschmidt entwickelte Kind-Umfeld-Analyse[20]. Sie basiert auf ökologischen sowie systemischen Ansätzen und sucht Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen somit nicht nur beim Kind, sondern in dessen komplexen Umfelds.[21]

Lenz beschreibt die erste Hürde im Umgang mit Schulangst darin, den betroffenen Schüler ausfindig zu machen. Schulangst könne man teilweise von außen nicht sehen und im öffentlichen Kontext werde sie häufig nicht direkt geäußert.[22]

Das qualitative Leitfadeninterview ist eine mögliche Methode für die Befragung von Kindern, Eltern, Lehrern, etc.[23] Ein vorgefertigter Fragenkatalog bildet die Basis. Im direkten Gespräch mit Kindern sind offene und spielerische Formen empfehlenswert. Lenz zeigt Möglichkeiten wie Brainstorming-Spiele auf, in denen Kinder frei ihre Assoziationen zu bestimmten Themen äußern können, „Erzählkarten“ regen zum Erzählen an. Insgesamt umfasst das Interview die Bereiche Schule im Allgemeinen, Gefühle und emotional bedeutsame Erlebnisse im Schulalltag, Wunschvorstellungen zur Schulgestaltung, sowie einen Abschluss und gemeinsame Reflexion des Gesprächs[24]. Zur Auswertung der erfassten Daten werden schließlich Einzelfallbeschreibungen, -analysen, fallvergleiche sowie ein abschließendes Portrait angefertigt.

[...]


[1] Hans Hopf: Schulangst und Schulphobie. Wege zum Verständnis und zur Bewältigung. Hilfen für Eltern und Lehrer, 1. Auflage 2014 Brandes & Apsel Verlag GmbH, Frankfurt a. M., S. 19

[2] Vgl. Hopf: Schulangst und Schulphobie, S. 20

[3] Vgl. Hopf: Schulangst und Schulphobie, S. 30ff.

[4] Rolf Heiderich/Gerhart Rohr: Ohne Angst in der Schule. Probleme erkennen und erfolgreich überwinden, 2007 Urania Verlag, Stuttgart, S. 19

[5] Vgl. Hopf: Schulangst und Schulphobie, S. 44ff.

[6] „Von Mobbing wird gesprochen, wenn es um die wiederholte Ausgrenzung oder Herabwürdigung einzelner Schüler durch andere geht, über einen längeren Zeitraum hinweg.“ Hopf: Schulangst und Schulphobie, S. 73

[7] Hopf: Schulangst und Schulphobie, S. 72

[8] Vgl. Heiderich: Ohne Angst in der Schule, S. 30

[9] Vgl. Heiderich: Ohne Angst in der Schule, S. 40ff.

[10] Hopf: Schulangst und Schulphobie, S. 55

[11] Vgl. Hopf: Schulangst und Schulphobie, S. 35

[12] Heiderich: Ohne Angst in der Schule, S. 81

[13] Vgl. Hopf: Schulangst und Schulphobie, S. 36

[14] Vgl. Heiderich: Ohne Angst in der Schule, S. 83 ff.

[15] Janina Lenz: Schulangst. Qualitative Fallstudien zur Entstehung und Wirkung aus der Sicht Betroffener, Dissertation an der Universität Siegen, Mai 2012, S. 63

[16] Vgl. ebenda

[17] Lenz: Schulangst, S. 58 ff.

[18] Vgl. ebenda

[19] Vgl. Heiderich: Ohne Angst in der Schule, S. 88

[20] Vgl. Konrad Bundschuh/ Christoph Winkler: Einführung in die sonderpädagogische Diagnostik, 8.Auflage 2014 München, Ernst Reinhardt GmbH & Co KG Verlag, S. 349 ff.

[21] Der Leitfaden der Kind-Umfeld-Diagnose bezieht sich auf Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, kann von seinen Ansätzen her jedoch auf alle Kinder angewendet werden.

[22] Vgl. Lenz: Schulangst, S. 74

[23] Ebenda, S. 76

[24] Vgl. Lenz: Schulangst, S. 84

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Schulangst. Ausgewählte Verfahren (sonder-)pädagogischer Diagnostik
Hochschule
Universität Erfurt
Note
qualifizierte Teilnahme
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V435290
ISBN (eBook)
9783668773400
ISBN (Buch)
9783668773417
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schulangst, ausgewählte, verfahren, diagnostik
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Schulangst. Ausgewählte Verfahren (sonder-)pädagogischer Diagnostik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435290

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